Archiv der Kategorie: freie Texte

Wenn Menschen gehen

Wenn du weinen willst und nicht weinen kannst,
wenn du sterben willst und nicht sterben kannst,
wenn du schreien willst und nicht schreien kannst,
weißt du, dass du immer noch schreiben kannst.
Ich schreibe alles auf, weil ich sonst nichts verarbeite,
denn dass Menschen sterben, hat sich wieder bewahrheitet.
Sie gehen von uns und kommen auch nicht wieder,
und das ist der Grund für diese traurigen Lieder
Wenn die Wolken da sind, ist der Schauer nicht weit,
doch wenn Menschen gehen, ist es Trauer, die bleibt,
was noch bleibt, ist der Schmuck, ein wenig Gold,
du schaust es lange an und schluchzt, bis die Träne rollt.
Es ist die Zeit nach dem Tod, die dich fertig macht,
du merkst, dass du ohne diese Menschen nur noch Leere hast.
Ein leeres Leben und ein leeres Haupt,
hast an das Überleben noch so sehr geglaubt.
Er ist nicht mehr da, es verstaubt jetzt sein Heim,
denn wenn Menschen gehen, ist es Trauer, die bleibt.
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Ein Parkplatz

Unten der Text von Tamar Masury, 16-jährige Schülerin des Gymnasiums Obervieland, der in der Lesereihe Vorsaison entstanden ist. Tamar hatte vorher an der Schreibwerkstatt mit Roman Graf teilgenommen.

Ich habe eine Geschichte zu erzählen, es ist meine. Sie handelt von einem Mädchen und

dauert ein halbes, junges Leben.

Anfangs waren nur wir hier. Meine Familie und ich. Damals war ich so unglaublich klein
und eine Ewigkeit später erschienen mir die Dinge nicht mehr so groß wie damals.
Was sich meinem Blick erschloss, war ein Wald, der sich im Frühling grün und bunt
erstreckte und die Vögel, die ich über den Winter nie sah, zwitscherten wieder wie im
Vorjahr. Später dann wurden alle Äste dichter und der Wald immer saftiger und grüner.
Manchmal verirrten sich ein paar Mücken vom Uferrand zu mir und jagten sich gegenseitig
und flogen Kreise unter einem klaren Sommerhimmel.

Sehnsucht

Ich schließe die Augen und greife danach

Strecke die Hände und will es ertasten
Will es berühren und erforschen.
Ich öffne die Lider und alles ist schwarz
Im Nichts kann ich es sehen

Exposé und Leseprobe des dritten Kapitels eines“Bremer Romans“

Sarah Tiemann, Oberstufenschülerin des SZ Kurt-Schumacher-Allee, die an einem unserer Literaturworkshops teilgenommen hat, arbeitet zur Zeit an einem Roman, der in Bremen spielt. Hier das Exposé des ersten und zweiten Kapitels und eine Leseprobe ! Viel Spaß beim Lesen.

 
Exposé des ersten und zweiten Kapitels
1576
Als die 16-jährige Katherine mit ihre Familie den alten Bauernhof verlässt und nach Bremen zieht, ahnt sie noch nicht, was für ein großes und lebensveränderndes Abenteuer ihr bevor steht.
Schon am ersten Tag überrumpelt sie die volle und laute Stadt und das Mädchen ahnt schon, dass dieses neue Leben ein ganz anderes sein wird, als ihr vorheriges einsames auf dem Land.
Trotz ihrer ärmlichen Verhältnisse, findet die Familie schnell ein geeignetes Haus, woraufhin Mutter, Vater und Bruder sich nach einer neuen Arbeit umschauen und Katherine anfängt all die anfallende, schwere Hausarbeit zu übernehmen.
Sie lernt schnell sich gegen den hochnäsigen Adel zu behaupten und knüpft langsam einige Kontakte mit Gleichgesinnten.

Die Weisin (Tamar M.)

Geboren und geschrien.
Nasse Tränen geweint.
Verängstigt gesehen.
Geblinzelt zuerst.
Gesehen und gefragt,
geflüstert fromm und schüchtern.
Gelernt und geglaubt,
gehofft ganz naiv.
Gewachsen und gespielt,
die Rolle des Weisen.
Das Dunkle nicht gesehen,
genickt aus schierer Wut.
Schlau und stumm,
begierig nach mehr.
Sehnsucht im Worte,
das Wort fällt schwer.
Grauer Regen der Frage,
ungestellt und wirr.
Nebel hüllt den Raum,
das Mädchen, es wirkt karg.
Der Traum, er schreit und ächzt.
Das Wasser rinnt Tal und Berg
die Wange der Weisin hinab.
Naiv, nein, nein, karg nunmehr.

(Tamar M.)

Das wunderliche Weihnachtsfest (Merle)

Sie schreit mich an. Wie immer. Sie steckt sich eine Zigarette in den Mund, zündet sie sich an, geht aus dem Zimmer. Sie ist den Tränen nahe. Wie immer. Schweigen. Stille um mich herum. Es ist eine bedrückende Atmosphäre.

Alles voller Lametta. Firlefanz in Gold, Silber, Rot und Blau. Überall Sterne. Weihnachtsschmuck. Jedes Haus ist geschmückt. Überall Lichter. Der Nachbar im Haus gegenüber zündet seine Kerzen am Tannenbaum an. Das erkenne ich von meinem Zimmer aus, weil er seine Gardinen nicht zugezogen hat. Dann packt er voller Spannung, voller Überraschung und voller Freude die Geschenke für seine Kinder unter den Baum. Es sind nur ein paar. Denn niemand hier in unserer Siedlung hat viel Geld übrig. Aber er lächelt. Sine Freude ist ihm förmlich ins Gesicht geschrieben. Neben ihm seine Frau. In einen braunen Pullover gekuschelt. Sie bewegt sich taktvoll, als würde sie zu einer Weihnachtsmusik tanzen. Vielleicht Mozart. Vielleicht Diana Krall. Ich kann es nicht hören, weil die Entfernung zu groß ist. Das deprimiert mich. Zu gerne wüsste ich, wie es ist. Ein richtig schöner Weihnachtsabend. Mit köstlichem Essen. Der tollen Atmosphäre mit Kuschelcharakter. Freude. Festliches. Die Familie. Vielleicht in Decken gekuschelt.

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Zeit (M.)

Was ist Zeit? Gibt es dieses Wort in dem Sinne überhaupt? Klar, die Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende…rasen an uns vorbei. Ungeheuer schnell. Eh man sich versieht, ist das Jahr vorbei, ein neues beginnt und endet schließlich auch. Was bleibt, ist der Moment. Ein Moment, in dem man sich vielleicht auf etwas freut, gespannt auf etwas wartet. Doch von diesen Momenten gibt es nur wenige. Es ist ein Ablauf. Die Zeit ist auf „Wiederholung“ gestellt. Manchmal habe ich das Gefühl, ich wäre kein Mensch, sondern eine Illusion, die durch das All schwirrt und immer in völlig unterschiedlichen Zeiten lebt. Manchmal denke ich, ich wäre unsichtbar.

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