Ulrike Almut Sandig: Workshop

Sandig_1Workshop mit Ulrike Almut Sandig im Wall-Saal der Zentralbibliothek am 09.06.2017

“Was, wenn ‘love’ nicht die ‘answer’ auf alles ist?”, fragt Ulrike Almut Sandig sich selbst und die Schülerinnen und Schüler des Deutsch-Leistungskurses der Oberschule am Leibnizplatz im Jahrgang Q1, indem sie aus ihrem neuen Buch „ich bin ein Feld voller Raps und verstecke die Rehe und leuchte wie dreizehn Ölgemälde übereinandergelegt“ zitiert.

Sandig_2„Ulrike oder Almut, aber nicht beides gleichzeitig, bitte!“, stellt sich Ulrike Almut Sandig vor und schließt die allgemeine Vorstellungsrunde ab. Sie bittet die Workshopteilnehmer zuvor, sich kurz mit Namen, Alter und der individuellen Lieblings-Textsorte vorzustellen, um einen Einblick zu bekommen. Ein bunter Mix kommt dann am Ende zusammen: Von Satire, Slam-Poetry, Song- und Raptexten, über Fantasy, Science-Fiction, Mangas, Romantik und Dramen, bis hin zu Kurzgeschichten, politischen Texten, Kommentaren und Essays. Die Autorin ist begeistert über die Vielfalt, die die Schülerinnen und Schüler hervorbringen. Sie selbst schreibe, wenn sie denn schreibt, meistens Gedichte oder Erzählungen der Gegenwart. Ihre Beschäftigung mit der Literatur sei ihr nicht von Geburt an in die Wiege gelegt worden, sondern sei erst später gekommen. Nachdem sie als Jugendliche ihre literarische Ader an Dingen wie Tagebuch oder Schülerzeitung ausgelebt habe, habe sie viel an Open Mic’s teilgenommen. Auch ihre Literaturprojekte „augenpost“ und „ohrenpost“ hätten sie damals näher an die Literatur herangeführt.

Sandig_3Sichtlich begeistert sind die Workshopteilnehmer von Ulrike Almut Sandigs Art und Weise, ihre Texte vorzulesen bzw. vorzutragen. „Hast du das gelernt, das so vorzutragen?“, kommt die Frage aus den Reihen. Nein, das habe sie nicht, aber sie habe Sprechunterricht genommen, um ihr Lampenfieber zu bekämpfen. „Hast du schon mal an Poetry-Slams teilgenommen?“ oder „Bist du fest bei einem Verlag angestellt?“ sind nur zwei Beispiele, die das Interesse der Teilnehmer widerspiegeln.

Sandig_4Zum praktischen Teil des Vormittags kommt Ulrike Sandig mit einer futuristischen Aufgabe: Die Anwesenden sollen sich in das Jahr 2117 versetzen und einen Text schreiben, bei dem die Sprechzeit ca. 2 Min. beträgt. Dies könne in jeder möglichen Form passieren. Ob in Form eines Fragebogens, Gedichts, Romans oder einer Kurzgeschichte, alles sei erlaubt: „Es kann literarisch sein, muss aber nicht“. Wert sollten die Schülerinnen und Schüler auf den Klang und den Vortrag legen, lautet der Rat von Ulrike Almut Sandig. So entstehen bereits nach einer halben Stunde die ersten Texte. Diese sollen nicht perfekt sein, das ginge auch gar nicht, in so einer kurzen Zeit. Mehrere Teilnehmer präsentieren ihre Texte und werden mit lautem Applaus und Sandig_5positivem Feedback versehen. Ulrike Almut Sandig gibt ihnen mit auf den Weg, sich ihre Texte zu Hause noch einmal anzuschauen und zu überarbeiten, da sie sich freuen würde, noch weitere Endfassungen zu Gesicht zu bekommen.

(Eva Bargmann)