Workshopergebnisse aus dem Workshop mit Senthuran Varatharajah am 20.01.2017

Schreibaufgabe: Schreibe fünfzehn Sätze über die erste Erinnerung auf, die dich geprägt hat und die dir bis heute im Kopf geblieben ist.

Aufwachsen

In meiner Gegend als Kind aufzuwachsen ist nicht leicht.

Drogendealer hier, Schüsse fallen dort

Schneller als man sieht greift man zum Ot.

Man verspricht sich selber, später von hier weg zu sein.

Freunde, die kommen und gehen wie die Gezeiten

Hab schon viele gute Menschen an Drogen verloren.

Natürlich geschieht alles, was geht, im Verborgenen

Viele hatten eigentlich was in der Schule drauf.

Bei vielen hätte es gereicht, nur etwas mehr Support

Nur ein Freund von sieben, der es ins Abi geschafft hat

Einer von sieben, der aus sich was gemacht hat.

Rap war immer die Musik, die uns vereint hat.

Lyrik, die Sehnsucht, erweckt zur Heimat

Ab einem gewissen Punkt im Leben

trennt man sich,

um verschiedene Wege im Leben zu gehen.

Wenn man sich sieht, gibt man sich die Hand.

Redet über sich und die Zeiten, wie sie mal waren.

In meiner Gegend als Kind aufzuwachsen ist nicht leicht.

Trotzdem, du kannst was erreichen, wenn du dich zusammenreißt.

(Aykut Bicak

 a.k.a AMB)

 

Sie ist immer noch nicht da, was macht sie so lange?

Jetzt ist sie schon wieder weggegangen.

Ob die Tür offen ist?

Die warten doch bestimmt auch schon.

Ob ich …, ja ich gehe, ganz allein.

Ob sie sich fragt, wo ich bin?

Sie weiß ja, wo ich hinwollte.

Ob das so eine gute Idee war?

Sollte ich nicht doch wieder zurück?

Nein, jetzt bin ich bestimmt gleich da.

Jetzt noch um die Ecke, ja genau hier.

Ich klingelte an der Tür und sie öffnete sich, ich grinste.

(Bjarne Gerwin)

Traurig sein?

Meine Mama saß weinend auf dem Sofa. Unsere Familie war weg.

Ich wusste, dass ich eigentlich auch traurig sein sollte, aber ich war es nicht. Stattdessen habe ich versucht, genau das zu machen, was mein Vater macht,

damit es nicht auffällt, dass ich nicht traurig bin.

Mein Kopf war leer. Ich stand neben ihr und blickte auf sie herab. Ich habe versucht, sie zu trösten, aber ich konnte es nicht.

Die rot-gelbe Flagge an der Wand und die Palmen, die ich aus dem Fenster sah, waren in meinen Augen interessanter.

(Muna Samadi)

 

Immer draußen

Immer draußen.

Ob Sonne oder Regen,

das Wetter war egal.

Mit Freunden oder den Geschwistern immer am Spielen,

Ticken oder Verstecken.

Es wurde dunkler.

Man ging zurück ins Haus.

Das Essen stand bereit.

Danach schauten wir Serien,

die Gummibärenbande war sehr beliebt.

Wir gingen ins Bett.

Schnell einschlafen, um wieder mit den Freunden zu spielen,

das war das Ziel.

(Olga Palioura)

 

Schwester

Die Verbindung zu meiner Schwester wurde ganz stark.

Es begann mit meinem Aufenthalt im Kindergarten, der nach wenigen Wochen abgebrochen werden musste, weil ich mich einsam fühlte.

Nach einem Jahr, dann der zweite Versuch, diesmal jedoch mit meiner Schwester.

Die Verbindung zu meiner Schwester wurde ganz stark.

(Zeynep Okur)

 

Kindheit

Bis 16 Uhr in der Schule.

Abgeholt vom Bruder.

Danach so schnell wie möglich nach Hause.

Mama hat lecker gekocht.

Essen.

PlayStation 1 anschalten.

Runde eins: wie immer verliere ich.

Runde zwei: schon wieder verloren.

Runde drei: aus Mitleid lässt mich mein Bruder gewinnen.

Freudetränen fließen.

Als Nächstes Serien schauen: Naruto, One piece, Pokémon und Sailor moon.

Baba kommt nach Hause.

Tag beendet. Spaß vorbei.

(S.K)

 

Erinnerung

Es war ein ziemlich harter Winter, als meine 8 Jahre ältere Tante mich als kleines Kind mit dem Gesicht in den Schnee drückte. Bis heute kann ich mich so klar an diesen einen Moment erinnern, in dem ich so sauer und traurig auf sie war, weil ich mich nicht gegen sie wehren konnte.

Doch heute löst er in mir Trauer aus. Meine ganze Familie, die mir als Kleinkind immer so groß und liebevoll erschien, ist nicht mehr vollkommen. Nach dem Verlust meiner Oma brach alles auseinander, alle verstritten sich und der Kontakt ließ nach.

Eine Erinnerung, in der es für mich um Liebe und Zusammenhalt geht, ist nur noch eine riesige Lücke.

(JS)

 

Erste Erinnerung

Die Türen des Flugzeuges öffneten sich.

Ich war aufgeregt.

Bremen fühlte sich kalt an.

An der Hand meiner Mama, gefolgt von meiner Schwester, ging ich zum Ausgang.

Wir wurden erwartet.

Für meine Mutter gab es Blumen zur Begrüßung, für meine Schwester und für mich Spielzeug.

Ich habe mich gefreut, wieder bei vertrauten Menschen, in einer vertrauten Umgebung zu sein.

Dennoch vermisste ich die Wärme, die mich die letzte Woche umgeben hatte

und das Wasser des Babypools, in dem ich mich täglich aufhielt.

Damals verstand ich nicht, warum wir weggeflogen sind und noch weniger, warum wir so schnell wieder zurückgekehrt sind.

Ich wollte zurück an diesen Ort.

(F.R.)

 

Fast ein Unglück

Das Wasser war schon an meinem Hals angekommen. Meinen Kopf konnte ich noch über Wasser halten. Ich schrie und strampelte. Schwimmen konnte ich nicht. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, bis mich meine Eltern aus dem Wasser zogen. Wenn ich gewusst hätte, dass das, was ich für Gras gehalten hatte, Entengrütze war, dann wäre ich nicht in diese Situation geraten.

Ich war klein, vielleicht zwei Jahre alt. Laufen konnte ich schon recht gut. Also erkundete ich den Garten meines Onkels, als ich etwas abseits von meiner Familie an einen Tümpel kam. Es dauerte nicht lange, bis ich hineinfiel.

Zum Glück sah mein Vater, in welche Richtung ich lief.

(Merle P.)