Workshopergebnisse aus dem Workshop mit Matthias Nawrat am 22.01.2016

Schreibaufgabe 1: Schreibe einen Text über dich selbst, der maximal zwölf Zeilen umfasst und in dem jedes verwendete Wort nur aus einer Silbe bestehen darf.

 

Ich bin ein Kind,

mit Traum.

Die Welt zeigt mir, wer ich sein soll,

und ich bin falsch für die Welt,

doch gut für mich.

Ich bin ich

und nicht du

nicht ihr.

Wenn nur wir!

(Gerome Garbrecht)

 

Ich bin ein Mensch,

der dies tut und das tut.

Ein Mensch, der lebt, lacht und weint.

Ich bin jung, noch nicht alt, noch nicht tot.

Ich hab noch Zeit auf der Welt.

(Anonym)

 

Ich bin ein Mensch und bin groß.

Ich sitz hier auf dem Stuhl und bin cool.

Mein Opa ist alt

und die Oma auch.

(Anonym)

 

Wer bin ich?

Ich bin ich.

Ich bin ein Mensch,

der das tut,

was er will,

wenn er es will.

(Anonym)

 

Ich bin ich.

Ich bin klein und jung. Mein Haar ist kurz. Ich mach Abi.

Ich weiß nicht, was mich von Euch trennt.

Mein Mut? Den habt ihr auch.

Liebe? Spürt ihr auch.

Die Wut? Die frisst euch oft auf.

Ist es mein Traum? Mein Wunsch?

Wir sind nicht gleich.

Mein Traum steigt hoch und tief.

Mal bin ich nah, mal bin ich weit.

(Anonym)

 

 

Schreibaufgabe 2: Schreibe fünf kurze Texte über Deine Familie oder emotionale Momente Deines Lebens.Vier Fassungen sollen wahrheitsgemäß aus dem eigenen Leben und der eigenen Vergangenheit stammen, während die fünfte Miniatur frei erfunden sein soll. Welcher kurze Text ist ‚gelogen‘?

 

Mein Vater und ich fuhren gerade die Martinistraße entlang, als ein Mann auf das Fenster meiner Seite spuckte. Ich war außer mir und wollte aussteigen, doch mein Vater fuhr weiter ohne eine Miene zu verziehen und sagte: „Er hat es schon schlimm genug.“

Was mir wirklich wichtig ist, ist Ehre und Respekt innerhalb der Familie. An jenem Tag zeigte er mir, wer er wirklich war. Das Blut hält meinen Bruder und mich zwar immer zusammen, aber innerlich ist er ein Fremder. Es hat sich angefühlt wie ein Messer im Rücken. Ausgerechnet er. Ich habe ihm vertraut und er hintergeht mich. Seitdem habe ich beschlossen, niemals preiszugeben, was ich denke oder fühle. Unverletzbar, emotionslos, verrückt.

Wir beide haben geblutet und wollten am liebsten schreien vor Schmerzen. Wie konnten wir sechs Jahre Freundschaft nur so vergessen. Wir beide hielten kurz inne. Als wir beide wieder zur Besinnung kamen, sind wir in eine Kneipe gegangen und haben Bier getrunken. Es war als wäre nichts gewesen.

Es war Weihnachten letzten Jahres, ich und meine Familie waren beim Essen und alles war wie immer, eine Mischung aus Angst, Wut, Respekt, Witz und Liebe. Halt alles, woraus eine große Familie besteht. Es ist ein komisches Gefühl, jemanden zu hassen und gleichzeitig zu lieben, jemanden zu verachten und doch zu respektieren. Doch das ist meine Familie und ich würde alles für sie tun und sie alles für mich.

„Jerome! Was machst Du da?“ Schnell verstecke ich es in meiner Handfläche und drehe mich um. Ausgerechnet mein Geschichtslehrer hat mich auf frischer Tat ertappt. Doch noch nie schien er so unwissend zu sein und sagte nun: „Beeil dich, sonst kommst du zu spät!“

(Jerome Garbrecht)

 

Ich war bei meinen Großeltern und lag auf dem Sofa. Der Fernseher war an, irgendein Realityshowformat lief, jedoch verfolgte ich dies nicht. Plötzlich spürte ich eine warme, nasse Zunge über meine Hand fahren. Es war Jogi, der schwarze Mischling meiner Großeltern. Stumme Tränen liefen mir übers Gesicht und ich vergrub es in seinem Fell.

Es ist abends und ich vergrabe meine Füße im Sand. Ich sehe den wunderschönsten Sonnenuntergang, den ich je in meinem Leben gesehen habe, während mich das Rauschen des Meeres fixiert. Ich spüre, dass jemand meine Hand nimmt und sie festhält. Ein ganz fester, aber zugleich auch sanfter Händedruck.

Den Geruch des Lagerfeuers atmete ich tief ein. Wir alle saßen nun zusammen um das Lagerfeuer und sangen. Heute war der letzte Abend und wir nahmen Abschied voneinander, aber auch von uns selbst.

„Wir bedanken uns für ihren Flug mit AirBerlin. Wir hoffen sie bald wieder begrüßen zu können!“, dröhnte es durch die Lautsprecher des Flugzeuges. Endlich bin ich gelandet. Nun sah ich meine beste Freundin wieder, die seit dem Umzug in Frankfurt wohnt. Wir hatten uns schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen, ein halbes Jahr schon. Sechs Monate, in denen sie mir unendlich gefehlt hat. Nun stand uns ein Wochenende voller Tratsch und verrückter Erlebnisse bevor. Wir konnten die versäumte Zeit an diesem einen Wochenende endlich nachholen. Am Ende des Wochenendes waren wir nur noch Fremde. 

(Julia W.)

 

Es ist Sommer. Wir sind im Urlaub mit meinem Vater und seiner Freundin. Wir sind am Meer, es ist Abend. Meine Geschwister und ich buddeln einen Graben im Sand. Ein Mann fragt, ob er darüber gehen darf. Wir bejahen. Dann geht er weiter. Wir spielen weiter.

Silvester. Ich bin mit einem Freund bei Freunden seiner Familie. Es ist laut und rauchig. Man muss schreien. Ich muss husten.

Wir fahren Fahrrad zu fünft. Und streiten. „Korrupt“, so meine ich, „heißt, wenn man nicht so nett ist, wenn man grob ist.“ „Nein“, sagt sie, „korrupt heißt bestechlich.“

Wir sitzen auf dem großen Bett. „Die mit den Elefanten ist schön“, teile ich ihr mit. „Ich habe jetzt die mit den Blumen bestellt“, meint sie.

Sie hat was gekocht, ihr Sohn meint, das schmeckt. Ich tue mir viel auf. „Schmeckt wirklich wie Fisch.“ „Soll es ja auch“, sagt sie.

(Maurice Gutjahr)

 

1. In der Schule, während der Pause, versammeln sich alle in ihren Freundes-Gruppen, sie lachen und albern herum, nur ich sitze alleine auf meinem Platz. Ich geh‘ zu ihnen und sofort hören sie auf zu lachen und fragen mich, was ich von ihnen will. Sie beleidigen mich und grenzen mich aus.

2. England, mitten am Tag, nach einer Tour geht es quer durch die Innenstadt. Die Sonne scheint und es ist ein warmer Tag, ich sitze auf der Straße mit Freunden, wir haben Spaß.

3. Die Anspannung steigt, es ist Prüfung! Nun ist der so verhasste Tag da. Es ist Mathe-Prüfung, wir sitzen in einem Klassenraum und ich stell mir vor, was mich wohl erwartet. Von der Seite kommen Fragen meiner Mitschüler, wie geht das nochmal? Doch ich sitze stumm da und gebe innerlich auf.

4. Die 5. Jahreszeit brach an, der Freimarkt war endlich wieder da. Ich war noch klein und wusste nicht viel, doch freute ich mich darauf, die Lichter und Leute von den Schultern meines Vaters aus zu beobachten. Es war jedes Mal ein magischer Moment.

5. Die Tür ging langsamer als sonst auf, normalerweise konnte man schon an den Schritten erkennen, wer wohl gleich vor einem stehen würde. Dieses Mal war es anders. Ich lehnte mich über das Sofa und da stand er, mein Hund. Ich hatte mir schon als Kind einen Hund gewünscht und nun war mein Traum endlich in Erfüllung gegangen.

(Dennis Quicker)

 

1. Sein Gesicht war so kalt, so leblos. Wo ist seine Freude, mit der er uns jedes Mal ansteckte? Alles weg… . Ich gab ihm einen letzten Kuss auf die Stirn, aber bekam keinen zurück. Als wäre es ein Traum und somit ging unsere ganze Freude mit ihm.

2. Jetzt stehe ich hier mit ihr, die Frau, die mir das Leben jeden Tag schöner macht, durch ihre Aufmerksamkeit und ihre Sorge, die sie mir gibt. Ich spüre keine Angst, nein, ganz im Gegenteil, ich werde immer stärker und stärker.

3. Ist ja nichts Neues. Schon wieder werde ich so blöd angeguckt, weil sich wieder irgendein Idiot in Frankreich in die Luft gesprengt hat. Was habe ich damit zu tun? Ich fühle mich so unwohl, von jeder Seite angestarrt zu werden, das ist echt kein schönes Gefühl!

4. Da, sie gucken schon wieder, das macht mir echt Angst. Vor fast einem Jahr ist eine Familie hier eingezogen. Mutter mit 2 Söhnen und ihrem Ehemann. Ihre Söhne sind über 25 Jahre alt und gucken immer aus dem Fenster, wenn meine Freundin und ich rausgehen. Das ist schon fast wie in einem Horrorfilm.

(Jeylan H.)

 

Ich glaube, so einen Schmerz habe ich noch nie gespürt. Mein Knie tut weh. Auf den Treppen ist Blut. Mein Blut. Mein Atem wir schwerer und langsamer. Die Tränen meiner Mutter fließen und die Angst fließt durch ihren ganzen Körper. „Von den Treppen gefallen.“ Das klingt so lustig und harmlos. Aber die Vorwärtsrolle und der Sturz auf den Steinboden nicht.

Die Arbeit im Coffeeshop klingt so spaßig und gelassen. „Ein Latte Macchiato, kommt sofort.“ Dafür wird Milch geschäumt, das kann ich gut. Die Maschine schäumt die Milch überall hin, aber nicht in die Kanne. Der Kunde hat seinen Latte Macchiato auf seinem Hemd kleben. Warum hab ich kein Trinkgeld bekommen?

Die Freundin meines älteren Bruders konnte ich noch nie wirklich leiden. Sie war so anders. Groß, blonde Haare und ihre Beine sahen aus wie die Wiener Würstchen, die wir gestern zu Mittag hatten. Außerdem gab sie ihm immer diesen Blick. So etwas wie eine Warnung. Er soll bloß dies oder das nicht machen. Ich liebe diesen Blick der Trennung.

(Anonym)

 

1. Wir waren jung. Noch kleine Mädchen, die die Gefahren nicht kannten. In einem fremden Land mit fremden Personen und einer fremden Sprache, nach einem Streit mit unseren Eltern, liefen wir weg.

2. Heute war es soweit, wir fuhren nach England, der gesamte 9. Jahrgang. Alle waren aufgeregt und gespannt, in was für eine Familie wir kommen würden. Meine Freundin und ich ebenso, als wir angekommen waren, war unsere Familie nicht da, wir mussten mit einem Taxi zu ihnen fahren. Die Spannung stieg. Doch dann endete die Fahrt nach 10 Minuten an der Strandpromenade von Eastbourn.

3. Es war nachts, laut ertönte der Feuermelder in unserer Küche, wir sprangen auf und waren alle in Panik, doch in der Küche angekommen war kein Feuer zu sehen.

(Anonym)

 

Ich liege auf dem Sofa und höre Musik. Bin alleine Zuhause, wieder jeden Tag. Die Tür geht auf. Mein Bruder kommt von der Arbeit zurück. Er sagt „Hallo“, geht duschen und danach in sein Zimmer und zockt. Ich bin wieder alleine.

Heute besuche ich nach langer Zeit meine beste Freundin. Als die Tür aufging, kam der Hund mir sofort entgegen und hat mich 15 Minuten nicht in Ruhe gelassen. Sie und ich sitzen auf dem Sofa. Haben eine Menge zu erzählen. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Haben uns lange nicht mehr gesehen.

Ich bin im Urlaub. Ich freue mich, meinen besten Freund wieder zu sehen. Er muss seinem Vater im Laden helfen. Wir gehen zu ihm. Haben uns von Weitem schon erkannt. Freuen uns sehr, uns wieder zu sehen.

Ich gehe über die Straße und sehe ihn. Meinen alten Nachbarn. Er war ein paar Jahre älter als ich, aber ist schon früh weggezogen. Er erkennt mich nicht. Ich gehe weiter.

Ich bin krank. Habe ein Fußballspiel. Gehe trotzdem hin. Ich darf nicht von Anfang an spielen. Fühle mich schlapp. Aber ich darf trotzdem spielen. Obwohl ich krank bin, schieße ich ein Tor und gebe alles. Auf dem Platz fühlt man sich besser. Ich fühle mich nicht mehr schlapp.

(Anonym)