Matthias Nawrat: Workshop

nawrat matthias workshop 1Workshop mit Matthias Nawrat im Wall-Saal der Stadtbibliothek am 22.01.2016

10.00 Uhr, bei minus acht Grad und malerisch vereisten Bäumen in den Wallanlagen, sitzen die 25 Schüler des Deutsch-Kurses der E-Phase der Gesamtschule Ost ungewöhnlich eng und fröstelnd, doch sehr gut gelaunt und aufmerksam zusammen. Der heutige Workshop kann beginnen. Nachdem Dr. Stephanie Schaefers, Projektleiterin von workshop literatur bremen, die Anwesenden begrüßt, und über die Arbeit von workshop literatur bremen sowie die Bedeutung der Literarischen Woche und deren Thema ‚Jugend‘ für die Schüler berichtet hat, reicht sie das Wort an Matthias Nawrat weiter, den diesjährigen Förderpreisträger des Bremer Literaturpreises. Der Autor fordert die Schüler in einer ersten Runde auf, sich mit Namen, Alter und dem zuletzt gelesenen Buch vorzustellen. Die Oberschüler geben bereitwillig Auskunft und zeigen viele Übereinstimmungen in ihrer favorisierten Literatur, die oftmals im Bereich Fantasy und Thriller angesiedelt ist. Danach diskutiert Matthias Nawrat mit den interessierten Teilnehmern über die Unterschiede zwischen Prosa und Lyrik. Einheitlicher Konsens besteht recht schnell darin, dass erzählende Texte ihre Handlungen und Charaktere allein durch den größeren Umfang eindringlicher und ausführlicher entwickeln können. Während lyrische Texte Momentaufnahmen und Emotionen besser darstellen, eine kunstvollere Sprache einsetzen und eventuell auch mehr über das schreibende Ich preisgeben.

 

nawrat matthias workshop 2Matthias Nawrat baut auf eben diese letzten Aussagen der Schüler auf, als er ihnen eine erste Schreibübung vorgibt: Sie sollen einen Text über sich selbst schreiben, der maximal zwölf Zeilen umfasst und in dem jedes verwendete Wort nur aus einer Silbe bestehen darf. Die Schüler machen sich zuerst zögernd, doch dann eifrig und konzentriert an die Arbeit. Nach fünfzehn Minuten können alle Schüler ihre fertigen ‚Selbstporträts‘, die sich alle an die Vorgaben gehalten haben, präsentieren. Matthias Nawrat fasst die Resultate der Schüler zusammen und erklärt, dass die Texte dadurch kunstvoll und besonders geworden seien, weil die jungen Autoren unter bestimmten Restriktionen gearbeitet hätten, die sie gezwungen hätten, kunstvollere Umwege zu gehen.

Der Förderpreisträger liest daraufhin zusammen mit den Schülern Texte seines Schriftstellerkollegen Heinz Helle. Dessen Miniaturen unter dem Titel „Familie und Angehörige“ beschreiben anekdotisch kurze Momentaufnahmen um Familienmitglieder. Die Schüler erhalten die Aufgabe, ebenfalls fünf kurze Texte über ihre Familie oder emotionale Momente zu schreiben. Allerdings sollen vier Fassungen wahrheitsgemäß aus dem eigenen Leben und der eigenen Vergangenheit stammen, während die fünfte Miniatur frei erfunden sein solle. Nach einer halbstündigen Arbeitsphase, sollen die Mitschüler beim lauten Vortragen erraten, welcher Text reine Fiktion sei. Fast alle Schüler möchten sofort freiwillig ihre Textsammlungen vortragen. Alle Workshopteilnehmer lauschen gespannt und aufmerksam, den abwechslungsreichen, spannenden oder tiefgründigen Beiträgen ihre vortragenden Mitschüler und beteiligen sich angeregt an der Diskussion um „Wahrheit und freie Dichtung“. Um 13.00 Uhr endet der Workshop und die Schüler hinterlassen ein hochmotiviertes, unterhaltsames und anspruchsvolles Textkonvolut (siehe Workshopergebnisse)

(Stephanie Schaefers)

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