Michael Fehr: Workshop

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Am Freitag, d. 23. Mai 2014 fand ein Literaturworkshop mit dem Schweizer Lyriker Michael Fehr und Schülerinnen und Schüler vom Kippenberg Gymnasium, Leistungskurs Deutsch statt. 

„Langsam und laut bitte“

Freitag, kurz vor 10 Uhr im Wall-Saal der Bremer Stadtbibliothek. Draußen regnet es und der Himmel hat eine charmante grau-gelbe Mischung. Es ist zehn Grad kälter als tags zuvor. Michael Fehr, einer der diesjährigen Teilnehmer des Literaturfestivals ‚Poetry on the road‘ und Autor unseres heutigen Workshops schreitet bereits voller Tatendrang auf und ab. Pünktlich um 10 Uhr trifft die heutige Gruppe Literatur interessierter Schüler ein, eine E-Phase des Kippenberg-Gymnasiums, und nimmt auf den halbkreisförmig aufgereihten Stühlen Platz.

Nach einer kurzen Einleitung unserer Projektleiterin Steffi Schaefers lässt Michael Fehr sich auf den Autorenstuhl nieder. Mit langsamer und deutlicher Stimme berichtet der Schweizer Debütautor wie er vom Schlagzeug-Spieler zum Literaten wurde und wie die Musik ihn noch stets bei seinen Werken beeinflusse. Rhythmus und Betonung spielen bei seinen Texten eine wichtige Rolle, denn „Sprache ist zum Sprechen da.“. Dass man seine Werke auch in Buchform erhalten könne, sei nur ein Zugeständnis an den Betrieb, wie er uns später verrät. Dass Michael Fehr nur noch beeinträchtigt sehen könne, trage wohl auch zu seiner Einstellung zum gedruckten Wort bei. Er könne seine Texte auswendig vortragen und interpretierte diese dennoch jedes Mal wieder aufs Neue, erklärt der Schweizer Poet.

fehr michael2Die heute von ihm vorgetragene Geschichte, die die Workshop-Teilnehmer einstimmen soll, trägt leicht morbide Anklänge und ruft vereinzelt Verwirrung bei den Schülern hervor, die sich zum Ende jedoch amüsieren und auch einige Lacher verlauten lassen. Sodann folgt die erste Aufgabe an die Schüler: „Was würdest du am liebsten in der nächsten halben Stunde tun?“, fragt Michael Fehr jeden Einzelnen. Bilanz der Schüler: Essen, Schlafen, Spazieren gehen. Nun gibt der Autor ihnen 30 Minuten Zeit, auch wirklich das zu tun, was sie vorgetragen haben. Während dieser Zeit sollen sie jedoch auch einen Satz zu ihrer Beschäftigung aufschreiben. Nach Ablauf der halben Stunde kommen alle wieder zusammen und stellen ihre Sätze vor. Direkt folgt die zweite Aufgabe: „Jetzt schreibt einen Text mit eurem Satz, den ihr jedoch eurem Nachbar widmet.“ fehr michael4Einzelne Schüler dürfen sich dann auf den roten Autorenstuhl setzten und ihre Texte vortragen. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn den Inhalt und die Aussagekraft eines Textes deutlich zu machen, braucht Übung und Mut. „Es ist wichtig, den Mut zu haben, dass zu sagen, was man wirklich meint“, erklärt Michael Fehr. Im Anschluss an diese Aufgabe erhält jeder Schüler seine ‚Widmung‘ und soll sie sich aneignen. „Stell dir vor du hast ein Geschenk bekommen“, verdeutlicht der junge Autor, „es ist rosa. Du willst es aber in schwarz haben. Also machst du es schwarz.“ Die Schüler beginnen mit der ‚Aneignung‘ ihrer Texte, formen sie also nach ihrem Verständnis und Geschmack um. Einige Texte werden erneut vorgetragen. Der Autor legt immer wieder großen Wert darauf, dass die Schüler, laut und langsam, also mit Ausdruck vortragen. So mancher Text verändert sich allein durch die veränderte Vortragsart, erhält plötzlich Gewicht und Tiefe.

 fehr michael3Nach einer kurzen Pause stellt Michael Fehr den Teilnehmern die letzte Tagesaufgabe. Jeder darf ein Wort aus seinem Text an die Flipchart schreiben und diese werden dann von einer Schülerin laut vorgelesen. Die Schüler müssen währenddessen versuchen einen Text zu schreiben und die Wörter immer dann ein zu bauen, wenn sie genannt werden. Dabei kommen erstaunlich philosophische Werke heraus. Zum Schluss entlässt Michael Fehr die Nachwuchsautoren mit aufbauenden Worten darüber, dass man sich selbst treu sein solle und Mut haben müsse, seine Grenzen zu überschreiten, in den regnerischen Vormittag. Ein inspirierender Vormittag liegt hinter uns.

(Ruby van Leeuwen)