Roman Ehrlich: Lesung

ehrlich roman_lesung_225px2Halb elf am Morgen des 28. Januars 2014.
Der Konferenzraum der ÖVB in der Martinistraße füllt sich stetig. Schüler der Oberstufe von insgesamt drei verschiedenen Schulen erklimmen die Stufen zum 6. Stock und sichern sich die besten Plätze, bevor sie sich hungrig auf das Buffet stürzen. Kurz vor elf betritt auch Roman Ehrlich den Saal, der mittlerweile, die Fensterbänke eingeschlossen, gut besetzt ist.

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ehrlich roman_lesung_225px4Eingeleitet wird die Lesung von Frank Müller, dem Chef der ÖVB und Stifter des Bremer Förderpreises. Trotz kleiner technischer Ausfälle gerät seine Rede nicht ins Stocken, und er lässt es sich auch nicht nehmen, kurz über den Beruf eines Versicherungsangestellten zu sprechen.ehrlich roman_lesung_225px7

ehrlich roman_lesung_225px5Nach ihm tritt Barbara Lison, Leiterin der Stadtbibliothek und mitverantwortlich für den Bremer Literaturpreis, ans Sprechpult und berichtet von der Qual der Wahl, bei der Fülle an guten Büchern, welche der Jury zur Preisvergabe vorlag, nun eins für den Förderpreis auszuwählen. Gewonnen hat ihn dieses Jahr Roman Ehrlich, der als Letzter das Mikro ergreift. Nach einem kurzen Kampf mit der Technik setzt sich der junge Autor und bedankt sich für das zahlreiche Erscheinen, bevor er einen Auszug aus seinem prämierten Roman ‚Das Kalte Jahr‘ präsentiert.Die Schüler hören, bis auf einige wenige Ausnahmen, gespannt zu, doch schon bald verstummt auch das letzte Gemurmel.ehrlich roman_lesung_225px6Nach Beendigung der Leseprobe, die der Förderpreisträger mit ruhiger, deutlicher Stimme vorträgt, bedankt er sich leise für das Zuhören und für einige Sekunden klingt die letzte Szene noch im Raum nach.
Nun haben die Schüler Zeit, Fragen zu stellen. Eine Frage betrifft das Ende des Buches, worauf der Autor antwortet, dass er bewusst ein eher offenes Ende gewählt hat, weil er es persönlich enttäuschend finde, wenn Bücher die Aussage vermitteln wollen, dass es am Ende immer ein Ende geben muss, jede Geschichte gehe doch irgendwie weiter.

Vor allem interessiert sind die Schüler auch an der Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, dem Ich-Erzähler und Richard, die einen Hauptbestandteil des Buches ausmachen und als sehr originell und eigen beschrieben werden.ehrlich roman_lesung_225px3

Auf die Frage, ob er beim Schreiben manchmal daran gedacht habe, das Buchprojekt aufzugeben, antwortet Roman mit einer kurzen Erörterung über den schmalen Grad, auf dem sich jeder Autor bewege, zwischen den gesunden Selbstzweifeln an der eigenen Person und den Zweifeln, die er an seinem Buch hat, und dass es in solchen Situationen immer hilfreich sei, den Text einem Zweiten zum Lesen zu geben, um Abstand zu gewinnen.
Die Standardfragen, wie: Titel des Buches, Dauer des Schreibens und Erscheinungsdatum des nächsten Werkes werden geduldig und mit höflichem Humor beantwortet.

Die Veranstaltung endet nach einer Stunde mit der Frage einer Lehrerin: „Ist die Figur des Richard real oder nur eine Projektion der Ängste und Konflikte des Erzählers?“ Daraufhin lächelt Roman nur geheimnisvoll und gibt eine diplomatische Antwort, die alles offen lässt.ehrlich roman_lesung_225px8
 Wer also herausfinden will, ob Richard nun echt ist und wie sich die Beziehung zwischen den beiden weiterentwickelt, der sollte das Buch lesen.

Lesung am 28.01.2014 im Konferenzraum der ÖVB in der Martinistraße

(Ruby van Leeuwen)

ehrlich roman_lesung_225px1Nach der Veranstaltung v.l.: 
Dr. Harm Meyer-Stiens (ÖVB), Barbara Lison (Stadtbibliothek, Direktorin), Roman Ehrlich, Ursel Bäumer (workshop literatur e.V.), Erwin Miedtke (Stadtbibliothek, stellvertr. Direktor)

Hier die Fotos noch einmal zum Vergrößern:

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Fotos © Victor Ströver