Ergebnisse aus dem Workshop mit Roman Ehrlich am 24.1.2014

Kälte und Wärme

Als ich aus dem Haus gehe, werde ich von einem Nachbarn freundlich angelächelt und gegrüßt.
Etwas Warmes, ein angenehmes Gefühl, durchflutet meinen Körper.
Ich spüre die wenigen, von Wolken abgeschwächten Sonnenstrahlen in meinem Gesicht und bin glücklich. Ich lächele ebenfalls, nicke und grüße zurück.
So gehen wir aneinander vorbei. Wir reden nicht.

Außschließlich die kurzen Worte “ Morgen“ und „Hallo“ scheinen zwischen uns in der Luft zu schweben, als wir uns immer weiter voneinander entfernen.
Ich spüre den Boden unter meinen Füßen und die kalte aber wunderbar klare Luft um mich herum.
In der Nacht hatte es geschneit und so bedeckt jetzt eine dünne Schicht aus glänzend weißem Schnee das sonst grüne Gras.
Es scheint fast so, als wolle die Schneedecke das Gras vor irgendetwas beschützen.
Aber vor was?

Erst als sie aufwachte, merkte sie, dass etwas nicht stimmte. Sie hatte verschlafen.
Doch sie beeilte sich so sehr, dass sie es tatsächlich noch früh genug schaffte, das Haus zu verlassen und sich auf den Weg zu machen.
Sie setzte den ersten Fuß vor die Tür und spürte den harten Boden und die eiskalte Luft, die sie nun umgab.
Es war sogar so kalt, dass man ihren Atem in Form von weißen Nebelschwaden um ihren Kopf herum sehen konnte, während sie weiterging.
Ein Zittern durchfuhr ihren Körper. Sie fror.
Selbst als ihr eine Frau entgegenkam und an ihr vorbeiging, spürte sie nicht den kleinsten Hauch von Wärme, der sonst überall zu finden war.
Ein Lächeln hätte vielleicht einen Funken Wärme preisgegeben. Ein Gruß hätte sie möglicherweise wie eine Welle warmen Wassers mitten ins Herz getroffen.
Aber nichts dergleichen geschah.
Sie gingen einfach aneinander vorbei, ohne sich auch nur anzuschauen.
Als sie sich enttäuscht umdrehte, sah sie nur graue Wohnblöcke.
Sie fühlte sich wie eingesperrt in einem Kessel aus farblosen, riesigen Wohnblöcken.
Der Schnee, der zuvor gefallen war, und die Eiseskälte sorgten außerdem für eine triste und farblose Umgebung.
Außerdem war der Boden gefroren und glatt, was sie selbst zu spüren bekam, als ihr linker Fuß ein wenig nach vorne rutschte. Sie verlor das Gleichgewicht und fiel zu ihrem großen Unglück in den matschig-feuchten, kalten Schnee.
Wie sie so dalag, erinnerte sie sich an ihren Traum. Sie hievte sich hoch, schüttelte möglichst den ganzen Schnee aus ihren Klamotten und wünschte sich, ihr Traum wäre Realität gewesen, und dies hier wäre nur ein schlechter Traum, aus dem sie bald aufwachen und sich in ihrem warmen Bett wiederfinden würde.

(Anne Hänsch)

Ich habe zu wenig Platz für meine Bücher!

Man kommt in den Laden und sieht es sofort: ein wunderschönes neues Buch, das man unbedingt haben möchte! Zack! Schon steht man an der Kasse und hält es in den Händen. Zuerst ist man glücklich, dass man eine neue spannende Geschichte gefunden hat, die darauf wartet, gelesen zu werden. Doch zu Hause angekommen bemerkt man ein Problem: die Regale sind schon alle mit Büchern vollgestopft. Wo soll denn nun dieses neue Buch seinen Platz finden? Die anderen Bücher stapeln sich bereits und so viel Gewicht hält das Wandregal auch nicht mehr aus…Ich wünsche mir einfach mehr Platz für meine Bücher! Jedes Buch ist einzigartig und verdient einen eigenen Platz auf dem Regal.

(A.)

Mir fehlt der Ort, an den ich mich zurückziehen kann.

Ein Ort, ähnlich wie eine Weide. Ein Ort mitten im Nirgendwo, von Bäumen umgeben und tief, tief im Wald. Ein Ort, den keiner kennt außer mir. Dieser geheimnisvolle und unbekannte Ort gehört mir und an ihm haben Ruhe und Stille höchste Priorität. Ganz am Rande meiner Weide sind Bäume. Eichen, Tannen, große Bäume, kleine Bäume. Und etwas weiter im Inneren meiner Weide sind 114 Arten verschiedenster Blumen, deren Existenz mir nicht mal bewusst war. Der Rasen ist knallig grün und strahlt Frische aus. Die Sonne scheint klar und hell durch die Bäume und lässt meine Weide erleuchten. Etwas weiter links ein kleiner Wasserfall. Das kalte Wasser plätschert in den schmalen Fluss, der durch meine Weide fließt. Das einzige, was ich auf meiner Weide höre, ist das Wasser, leise und ruhig plätschernd, die Vögel singend, zwitschernd, und wie der angenehm warme Wind durch die Bäume weht und so schließlich den Geruch von Tannen über meine Weide verteilt. Dieser Ort, dieser atemberaubende und geheimnisvolle Ort, fehlt mir.

(Beriwan Darwich)

Der „richtige“ Ort

Ich sehe die Weiten der Unendlichkeit. So wunderschön, dass es mit nichts auf der Erde vergleichbar ist. Ich sehe die Sterne, sie sind so weit und doch so fern. So geheimnisvoll und weit entfernt wie die Dunkelheit. Ich wünschte, ich wäre dort an diesem wundervollen Ort.

(Matheo Diall) 
 


An einem Sonntagabend trifft Klaus auf Horst, der sich mal wieder über die Berichterstattung über die Hungersnot weltweit beschwert.

Horst: Hallo Klaus, hast du gestern die Dokumentation über die Hungersnot geschaut? Einfach nur noch ätzend. Sollen die doch für ihr Essen arbeiten, so wie es jeder Mensch tut. Ich sehe es nicht ein, Geld an irgendwelche Organisationen zu spenden, bloß weil die zu faul sind, sich Arbeit zu suchen.

Klaus: Mensch, das kann doch nicht dein Ernst sein, informier dich doch mal besser. Die meisten der Hungernden kommen aus Entwicklungsländern. Entwicklungsländer sind doch für ihre extrem schlechte Infrastruktur, Landwirtschaft etc. bekannt. Du solltest lieber damit aufhören, Vorurteile zu schaffen und versuchen, das Problem selber in die Hand zu nehmen, denn während du dich über diese Menschen beschwerst, sterben jährlich Milliarden von Menschen weltweit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir alle was gegen die Hungersnot machen können. Es zu versuchen, würde schon Großes bewirken. Jeder hat das Recht auf ausreichende Ernährung, denn dieses gehört zu den Menschenrechten. Nicht ohne Grund werden weltweit Menschenrechte so gut wie möglich beachtet. Deshalb müssen wir, wie eine Weltgemeinschaft, dafür sorgen, dass Nahrungsmittel für alle frei zugänglich sind. Es gibt Tausende von Organisationen, die gegen den Hunger kämpfen. Und nicht bloß, weil du sagtest, die Menschen seien zu faul, um für ihr Essen arbeiten zu gehen. Im Gegenteil. Den Organisationen, die gegen die Hungersnot kämpfen, ist schon lange klar, dass diese Menschen auf ihre Hilfe angewiesen und ihre letzte Hoffnung sind. Schon sich mit diesen Organisationen auseinanderzusetzen und sich Wissen über die Probleme anzueignen, spornt einen dazu an, etwas zu unternehmen. Die Überwindung, anderen Menschen zu helfen bzw. gegen die Hungersnot zu kämpfen, erscheint uns Menschen oft wie ein riesengroßer Berg. Doch jedem von uns ist auch klar, dass dieser Berg nicht naturgegeben, sondern von Menschen gemacht ist. Er kann jedoch ebenso von Menschen überwunden werden. Man muss nur weniger reden und mehr tun.

(Rojin sicak) 

Nach der Beerdigung gingen alle nach Hause bis auf zwei Trauernde.

A: Darf ich fragen, wie die Verstorbene zu Ihnen stand?
B: Ja, ich bin der Sohn.
A: Wie kommt es dann, dass ich Sie nie zuvor gesehen habe?
B: Ich hatte zu der noch nie eine besondere Beziehung und auch keine Zeit, sie zu besuchen.
A: Schämen Sie sich gar nicht?
B: Nö.
A: Warum sind Sie dann überhaupt hier?
B: Ich habe erfahren, dass sie viele Besitztümer hat und bin eigentlich wegen ihres Testaments gekommen.
A: Wie unverschämt und dreist sind Sie eigentlich? Außerdem, ihre Mutter hat vor ihrem Tod das Testament noch geändert, so dass ich alles bekomme, was sie besaß.
Ich habe nie verstanden, warum ihre Mutter Sie verstoßen hat und Sie verabscheute. Doch jetzt wird mir alles klar.
B: Das werden wir ja noch sehen. Und vielleicht passiert Ihnen ja irgendwas.
A: Sie drohen mir? Na warte, wenn Sie erst ins Gefängnis kommen, dann sehen wir weiter.
B: Als ob…

(A.)

Ich saß auf der Couch meinem Bruder gegenüber und wir unterhielten uns entspannt, als er mich fragte, wie es bei mir in der Schule lief.
„Unfassbar! Ich habe kaum mehr Zeit für meine Freunde!“ rief ich. Er schaute mich verwirrt an und fragte mich, wieso. „Ständig lange Schule, viel Stress, Hausaufgaben und lernen“, antwortete ich. „Schule muss sein, das weißt du! Lange dauert das eh nicht mehr. Nur noch ein paar Jahre und du hast dein Abitur in der Tasche“, erwiderte er und versuchte mich zu beruhigen. „Aber später wird es noch schlimmer sein!“, warf ich ein.
„Das hast du dir nun mal ausgesucht. Was sein muss, muss sein! Und wenn du nun weitermachst und nicht aufgibst, wirst du zurückblicken und stolz auf dich sein!“
Er hatte recht. Da musste ich durch. Ich wollte das so und nun musste ich es auch durchziehen, auch wenn es ziehmlich zeitraubend und nervend war.
„Deine Freunde haben ja auch mehr Stress als vorher. Ihr findet schon einen Weg, weiterhin mehr Zeit miteinander zu verbringen. Gewöhn dich daran, dass jetzt so einiges anders ist, aber es wird besser. Ganz sicher. Schau doch mich an. Ich hab es auch irgendwie geschafft ohne einen höheren Abschluss, aber mit genauso viel Stress, wie du!“
Das gab mir zu denken. Er hatte recht. Es würde alles besser werden. Es brauchte halt seine Zeit. Ich musste mich nur daran gewöhnen.
„Komm, lass und was essen!“, und damit standen wir von der Couch auf und gingen zum Esstisch.

(Oksana)

Ein Blick von dir zu mir,
mein Atem stockt.
Meinen Blick muss ich abwenden,
sonst verliere ich mich.

Ein Blick von dir zu mir,
deine Augen ziehen mich in ihren Bann.
So klar wie Gletscher
und ebenso kalt.

Das Gefühl von Zuneigung,
ist es dir so fremd?
Wie konnte das passieren,
nach all der Zeit?

Ein Blick von dir zu mir.
Durch zusammengekniffene Lider.
Du fixierst mich, und doch…
Aus deinem Blick spricht nichts als Gleichgültigkeit

Ein Blick von dir zu mir.
Meine Gefühle, erst unendlich heiß, dann eiskalt.
So kalt wie dein Blick
aus diesen unglaublich klaren Augen.

Das Gefühl von Zuneigung,
du hast es verloren.
Das Band zerrissen.
Jetzt fliegst du wieder alleine durch das Universum.

(Janina Koch zur ersten Aufgabe)

Ich lief den leeren Flur entlang, auf der Suche nach meiner Freundin…Als er plötzlich dort stand, wir beide, in der Leere…Ich blieb stehen, er sah mich an, als wäre es der schrecklichste Tag überhaupt. „Wieso…?“, kam es plötzlich aus meinem Mund und ich war den Tränen nahe. „Wieso machst du das? Tust so, als wäre nie was gewesen? Strafst mich mit diesen eiskalten Blicken?“ Ich konnte nicht mehr, seine Art, wieso jetzt, wieso nach all dem, was war?!…“Es ist wie es ist, lass mich einfach in Ruhe…das war einfach nur Spaß für mich. Spaß für zwischendurch und du bist drauf reingefallen. Es wird nie wieder so sein, wie du es dir wünscht. Verschwinde bitte einfach wieder.“ Seine Worte hallten in meinem Kopf wider, die Tränen in seinen Augen verwirrten mich. Alles wurde schwer und verschwommen. Als ich auf den Boden sank, war er mit den Worten „Du bist es“, verschwunden.. Und ich war alleine. Alleine in meiner kleinen Welt.

(Janina Koch zur zweiten Aufgabe)

Was fehlt mir?
Das Leben ist zu kurz! So geht es vermutlich jedem, wenn er darüber nachdenkt. Deswegen sollte man es so schön gestalten, wie es nur geht. Nur ist das nicht so leicht, wie man es sich vorstellt. Die Schule bringt dem Leben sowohl Kummer als auch Freude. Es ist wohl eher Kummer, wenn man gerade verzweifelt, weil man schlecht in der Schule ist. So stopft man sich mit Eis voll und fängt an zu schwänzen, weil das Leben einem egal wird. So kann es enden, wenn man die Fassung verliert. Aber es kann auch dazu kommen, dass man die Schule abschließt und einiges im Leben erreicht, dafür aber zu viel Zeit investiert und fast keine Zeit für Freunde und Familie hat. So fehlt einem ein Stückchen Leben, welches man nicht zurückbekommen kann. Das Problem haben viele. Zu wenig Zeit.

Der Dialog
A: Hey.
B: Hey.
A: Wie geht’s dir ? Du siehst ziemlich gestresst aus.
B: Sorry, ich habe gerade keine Zeit.
A: Warum?
B: Ich muss noch für eine Klausur lernen und für den Kunstunterricht ein Portrait malen.
A: Nimm dir doch ein bisschen Zeit und rede mit mir. Du brauchst mal etwas Abwechslung, ansonsten erleidest du ein Burn-out.
B: Na gut, wenn es nicht so lange dauert. Ich weiß, dass ich immer viel zu tun habe, und ich brauche wirklich mal eine kurze Pause.
A: Dein Leben ist ziemlich langweilig, weißt du das?
B: Und deins ist besser?
A: Na klar, ich unternehme sehr viel wie Bungeejumping, Skifahren und nebenbei bereise ich die Welt. Und was machst du in der Zeit? Ach ja, du bleibst zu Hause und lernst, du Stubenhocker. Na, welches Leben ist spannender, deins oder meins?
B: Ich gebe auf, du hast gewonnen. Demnächst werde ich mehr unternehmen. Und nimm mich bitte bei spannenden Aktivitäten mit, klar?
A: Na endlich kommst du aus deinem Zimmer heraus. Das Leben ist zu kurz, um die Zeit im Zimmer zu verbringen. Die Welt ist riesig und man sollte sie gesehen haben.
B: Du hast recht, so habe ich das noch nie gesehen.
A: Ich habe immer recht. Und endlich hast du es eingesehen.
B: Bye.
A: Bye.
Und ich ging glücklich davon.

(A.)


1.Text:
Am wichtigsten ist mir meine Familie. Eine Familie, die friedlich miteinander umgeht und die auch einen Streit ohne Gewalt lösen kann. Eltern, die sich lieben oder sich wenigstens respektieren, auch wenn sie geschieden sind. Kinder, die ihre Eltern ehren und unterstützen, wo es geht. Ja, eine Familie, wie meine, wo sich einfach alle verstehen.

2.Text:
Als ich die Straße entlang ging voller Wut und Verzweiflung, begegnete ich einem Mann. Der erkannte meine Sorgen und fragte mich, was los sei. Ich erzählte ihm mein Anliegen, einfach weil ich es loswerden musste. Der Mann kannte mich nicht, genauso wenig meine Vorgeschichte, deshalb konnte er meine Probleme aus einer anderen Richtung betrachten und hörte mir aufmerksam zu.
Er erzählte mir, dass Sachen aus bestimmten Gründen geschehen, ohne dass wir es verstehen, bis wir am Ende der Geschichte angekommen sind und sehen, dass es passieren musste. Wir wissen nicht was uns erwartet, denn das Leben ist wie ein Buch, das man schließlich von Anfang an, Seite für Seite lesen muss, um es zu verstehen. Erst dann merken wir auch, wie wichtig manchmal kleine Details sind, obwohl wir sie damals als scheinbar unwichtig empfunden haben.
Nach diesem Gespräch wurde ich ganz ruhig und entschloss mich, etwas zu tun, ja meine Energie nicht mehr in meine Wut zu stecken, sondern in Lösungswege. Ich dankte diesem Mann und ging weiter, als ich mich nochmal undrehte, war er verschwunden.

(A.)

Es war an einem verregneten Sonntagmorgen…
Es war an einem verregneten Sonntagmorgen, an dem die Beerdigung eines jungen Mannes stattfand. Familie, Freunde und auch Kollegen kamen, um Eric die letzte Ehre zu erweisen.
Als die meisten Trauernden den Friedhof verließen, blieb ich noch, um meine letzten Worte für Eric auszusprechen. Dabei fiel mir ein Mann auf, den ich gar nicht kannte und den ich nicht zu Erics Bekannten zählte.
Ich sagte: „Hallo… Kannten Sie Eric gut?“ Daraufhin antwortete der mir fremde Mann gehässig: „Mehr oder weniger. Und mit wem habe ich das Vergnügen zu sprechen?“ „Ich bin seine beste Freundin“, sagte ich glücklich, doch nach kurzem Überlegen verfiel ich in Trauer und äußerte mich dazu erneut „…oder war es zumindest.“ Der Mann sprach zu mir: „Mein herzliches Beileid. Ich kannte Eric nur als jemanden, der immerzu schlecht drauf war und seinen Frust an anderen bzw. des Öfteren an mir abbaute.“ Daraufhin antwortete ich wütend: „Eric war nicht so! Er war ein offener und herzlicher Mensch. “ „Ja, bis zu dem Tag, an dem er befördert wurde vielleicht. Denn seitdem waren alle Kollegen, die früher Freunde für ihn waren, nichts mehr für ihn!“, sagte der Fremde mit ernster Stimme. Dieser mich erschütternden Aussage begegnete ich damit, dass ich sagte, ich wüsste davon nichts, was auch stimmte. Ich sah den Fremden an, er tat mir schon fast Leid. Und doch mochte ich keinem Wort aus seinem Mund Glauben schenken. Der Fremde sagte: „Er war bei der Arbeit ein richtiges Arschloch.“ So etwas wollte ich über meinen besten Freund nicht hören. Das sollte beendet werden. „Auch wenn, lassen Sie uns ihm die letzte Ehre erweisen, jeder Mensch trägt was Gutes in sich!“, sagte ich, um die Stimmung aufzulockern. Doch der Fremde stimmte dem nicht zu und sagte: „Das einzig Gute in ihm war, dass er seine Niere spendete!“ Ich schlug ihm ins Gesicht, ohne zu wissen, ob er es verdiente oder nicht. Offensichtlich kannte ich nur die eine Seite meines „besten Freundes“.

(Nicole)

Was einem fehlt (erster Teil)

Die Zeit ist viel zu kurz, um darüber nachzudenken. Sie kommt und geht, doch merkt man selber nichts von ihr. Eines Tages vielleicht, wenn man zurückschaut und sich denkt, was man in dieser endlos wirkenden und doch so kurzen Zeit erreicht hat, wie man zu dem geworden ist, was man nun ist. Die Zeit fließt über einen hinüber. Man schaut nach vorn und schaut zurück und ehe man sich versieht, ist das Leben zu Ende und fängt in einer ganz neuen Welt wieder an. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind eng miteinander verknüpft. Die Zeit ist zu kurz; zu kurz, um darüber nachzudenken.
Denk nicht, sondern lebe. Denn zu leben ist die einzige Entschädigung für diese kurze Zeit.

Wörtliche Rede (zweiter Teil)

Eines Abends, an so einem schönen Tag wie heute, ging ich mit meinem Hund raus, um frische Luft zu schnappen. Ich setzte mich auf eine Bank im Park, um Hunde, die miteinander spielten, zu beobachten. Daraufhin gesellte sich einer der Besitzer zu mir. Er guckte mich mit einem sehr herzlichen Blick an und fragte: “ Was ist mit dir? Du siehst heute wieder so gereizt aus. Geht es dir nicht gut?“. Wir hatten uns schon mehrere Male beim Spaziergang getroffen und sprachen gerne miteinander. Folglich erzählte ich ihm mit einer erschöpften Stimme:“ Mir geht es gut, aber momentan hab ich so viel Zweifel, dass ich nicht abschalten kann. Ich meine, ich bin schon alt genug, um mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Doch kann ich immer noch nichts vorweisen, was auch den kleinsten Anschein vermitteln würde, dass ich auf eigenen Füßen stehen kann. Mir rennt einfach die Zeit davon. Ich habe Angst, im Leben nichts zu erreichen. Ich tue so vieles, aber bekomme nichts dafür. Ich will nicht leer darstehen und demütig sagen, dass ich nichts erreicht habe.“ Nach diesen Sätzen herrschte kurz Stille. Daraufhin erklärte er mir mit mitfühlenden Worten:“ So darfst du es nicht sehen. Klar wird es Zeiten geben, wo du einfach nur gestresst bist. Doch wird sich dieser Stress für dich bezahlt machen, auch wenn du gerade nichts davon bemerkst. Du musst mal abschalten und dein Leben genießen. Lass die Zeit laufen. Finde die Mitte zwischen Ruhe und Arbeit. Du musst dir auch Zeit für dich nehmen. Erst so kannst du die ständig laufende Zeit vergessen. Schließlich musst du auch nicht alles an einem Tag machen. Denn das schafft keiner. Teil dir die Zeit ein, damit du überhaupt von deinem Leben noch etwas mitbekommst. Genieß es. Du bist jung. Wenn du älter bist und zurückschaust, kannst du bestimmt sagen, dass du etwas erreicht hast, auch wenn es nur kleine Dinge sind. Die Zeit rennt davon. Ist klar. Aber sie ist zu kurz, um darüber nachzudenken.“
“ So habe ich das gar nicht gesehen. Du hast mir die Augen geöffnet. Ich danke dir. Du hast recht, wenn man ständig die Zeit beachtet, so vergisst man zu leben und die schönen Momente im Leben wahrzunehmen“, sagte ich mit einer aufgemunterten Stimme.
Nach diesem Gespräch fühlte ich mich viel besser. Darufhin machten wir noch einen ausgiebigen schönen Spaziergang im Park. Denn häufig sind es die kleinen Momente, die das Leben lebenswert machen.

(A.)