Roman Ehrlich: Interview

roman ehrlich14Wie fühlt es sich an, Literaturpreisträger zu sein?

Es fühlt sich schon sehr schön an. Es kam vor allem unerwartet, insofern, als dass ja mein Verlag das Buch eingereicht hat und ich mich nicht dafür beworben habe. Das freut mich wirklich sehr, gerade wie die Jury den Preis begründet hat.

Ist das der erste Workshop, den Sie gemacht haben?
Ja

Wie hat es Ihnen denn gefallen?

Mir hat es schon gut gefallen, ich war vor allem sehr beeindruckt von den Texten, die da so auf die Schnelle entstanden sind, es ging ja sofort los mit dem Schreiben. Wenn ich jetzt nochmal einen machen würde, dann würde ich mich anders vorbereiten, aber ich bin zufrieden damit.

roman ehrlich15An was haben Sie da so gedacht?

Wenn ich einen Fehler gemacht hab, dann war es wahrscheinlich der, dass ich sehr von mir ausgegangen bin und damit dann von so einer betriebsblinden Theorielastigkeit. Irgendwie dachte ich, was das für mich bedeutet mit dem Schreiben und so, aber eigentlich geht es ja darum, das Schreiben erstmal überhaupt anzuregen. Ich hoffe, das hat trotzdem geklappt für die Leute, die da waren.

Am Anfang des Workshops haben Sie sich auf den Slogan unserer Website „Literatur baut Brücken“ bezogen, stimmen Sie dem Zitat zu?

Als ich das gelesen habe, dachte ich gleich „Ja, dass stimmt, aber wohin denn eigentlich?“. Das muss wahrscheinlich jeder irgendwie für sich rausfinden. Mir gefällt aber auch, dass das da so steht und nicht „…baut Brücken nach“ oder „…baut Brücken von“. Das kommt ja eigentlich von der Person, die schreibt, dorthin wird dann die Brücke geschlagen.

roman ehrlich16Sie haben gesagt, dass ein Buch oder ein Text immer aus dem Impuls entsteht, dass etwas fehlt. Inwiefern trifft das auf Ihren Roman zu?

Auf ganz viele Arten und Weisen. Ich glaube, es trifft schon auf die Figuren, die darin vorkommen, zu, nicht nur auf die Hauptfiguren in der Grundhandlung, sondern eben auch auf all die historischen Figuren, die in dem Roman vorkommen. Eigentlich haben alle das Gefühl, dass die Verhältnisse, in denen sie leben, für sie unerträglich geworden sind und dass sie was dran ändern wollen. Sie brechen auf, um etwas dagegen zu unternehmen, setzen sich in Bewegung und stoßen in den meisten Fällen auf Widerstände.
Für mich kommt es auch immer auf einen Ort an, an dem man sein will, diesen einsamen, abgeschiedenen Ort gibt es ja auch im Buch. Und auch so einen Zustand, in dem man vielleicht diese ganzen Informationen, die Geschichte aber auch die ganzen Informationen im Fernsehen, die einem so tagtäglich begegnen, in dem man die irgendwie verarbeiten kann, eine Situation für sich schaffen kann, in der man zumindest versuchen kann, das alles zu sortieren.

Würden Sie sagen, dass das Buch autobiografische Inhalte hat?

Ja bestimmt. Es ist jetzt keine Autobiografie in dem Sinne, dass das eine Mitschrift meines Lebens ist, aber es bezieht sich natürlich auf meine Erfahrungen. Es kommt zum Beispiel jemand vor, der in einem Fernsehladen anfängt zu arbeiten, das hab ich auch mal gemacht.

roman ehrlich17Haben Sie früher schon Bestätigung für Ihr Schreiben bekommen, durch bspw. Familie oder mussten Sie sich alleine durchs Autorendasein bewegen?

Man muss das immer wieder alleine machen und alle Bestätigung, die von außen kommt, ist zwar für den Moment sehr schön, relativiert sich aber auch sehr schnell wieder. Sobald man an dem nächsten Text sitzt, ist alles wieder verhandelbar und alles wieder genauso schrecklich und ungewiss. Es gab schon in letzter Zeit immer mal wieder eine Bestätigung, allein dass das Buch vom Verlag genommen und gedruckt wurde ist natürlich eine tolle Sache. Und auch, dass ich in Leipzig an einem Literaturinstitut studieren konnte, wo man sich mit einem Text bewirbt und wo ein sehr elitäres Auswahlverfahren stattfindet, bedeutet was, aber das wird jedes Mal wieder eingeebnet. Man kann sich kurz auf die Schulter klopfen, aber für das, was kommt, darf das keine Rolle spielen.

„Das kalte Jahr“ war Ihr Debütroman, was planen Sie als nächstes?

Ich sitze gerade an den letzten Arbeiten für einen Erzählband, der im kommenden Herbst erscheinen soll. Und wenn das fertig ist, dann hab ich einen Roman, an dem ich schon gearbeitet habe und an dem ich jetzt weiter arbeiten will, der ist aber noch so weit am Anfang, dass ich noch nicht darüber sprechen möchte.

Dieses Gespräch führten Lea Wulf, Anna Boehme, Ammon S. und Ruby van Leeuwen am 24.1.2014  im Wallsaal der Zentralbibliothek Bremen.

Transkribiert von Lea Wulf

Hier die Fotos zum Vergrößern:

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Fotos © Victor Ströver