Roman Ehrlich: Das Kalte Jahr

ehrlich roman_jahrStell dir vor, du beschließt kurzerhand, deine Heimat zu verlassen, um in dein Elternhaus zurückzukehren. Du wanderst an Autobahnen, Feldern und Dörfern vorbei. Und das Ganze bei vollkommener Dunkelheit, denn alles um dich herum ist komplett eingeschneit.

So ergeht es dem Ich-Erzähler in Roman Ehrlichs Roman „Das Kalte Jahr“, in dem sich der Protagonist auf die lange Reise bis in ein Dorf am Rande eines Militärgebietes macht, wo er seine Eltern vorzufinden gedenkt. Dort angekommen muss er jedoch feststellen, dass diese verschwunden sind und an ihrer Stelle ein merkwürdiger Junge das Haus seiner Kindheit bewohnt. Nach einiger Zeit des Schweigens, in der sich der Junge in das alte Kinderzimmer zurückzieht und an einem merkwürdigen Objekt bastelt, finden die beiden unfreiwilligen Mitbewohner nach und nach zueinander, indem der Ich-Erzähler dem Jungen Richard Geschichten vorliest, Geschichten der Vergangenheit und der Gegenwart.

So verbringen die beiden einen gemeinsamen Alltag, der Protagonist sucht sich Arbeit in einem Elektrogeschäft und beginnt sogar langsam, seinen Weg zu den Dorfbewohnern zu finden. Eines Tages muss er jedoch dem Jungen beichten, dass die erzählten Geschichten eben nur Geschichten und nicht selbsterlebte Ereignisse sind. Dieser wird misstrauisch und als er zudem noch dahinterkommt, dass der Ältere in dem Kinderzimmer war, um herauszufinden, an was Richard arbeitet, verschwindet er. Am Ende des Romanes steht ein brennendes Haus inmitten der kalten Eislandschaft, welches dem/der Leser_in ein paar offene Fragen zum Nachdenken hinterlässt.
Roman Ehrlich schreibt einen Roman über Einsamkeit und geschichtliche Ereignisse zugleich, durch welchen man viel über das menschliche Wesen und seine Geschichte erfährt. Der Verlag des Buches schrieb hierzu: „Ein Debüt, das niemanden kaltlässt“. Dieses Zitat trifft meines Erachtens komplett auf das Buch zu und beschreibt gleichzeitig das Lesegefühl, welches einen ergreift, wenn man sich auf den Roman einlässt.

Roman Ehrlich- Das Kalte Jahr, Dumont-Verlag 2013, 248 S.

(Lea Wulf)