Rozalie Hirs: Workshop

„Für das Dichten benötigt man Platz“ -Workshop mit Rozalie Hirs am 07.06.2013

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Wie an jedem Morgen um zehn Uhr sitzen die Schüler des Alexander von Humboldt Gymnasiums beisammen und sehen gespannt nach vorne. Doch dies ist ein besonderer Morgen. Heute befindet sich die Klasse nicht in ihrer Schule, sondern im Wallsaal der Stadtbibliothek und es ist Rozalie Hirs, zu der sie aufmerksam blicken.

Nach einer kurzen Einleitung von Stephanie Schaefers, die heute zum ersten Mal den Workshop moderiert, steht die junge Autorin mit dem offenen Lächeln und modischen Turnschuhen auch schon auf und bittet die Schüler, sich im Raum zu verteilen: für das Dichten benötigt man Platz, damit die eigenen Gedanken fließen können und nicht von anderen abgelenkt werden.

IMG 3023Zuerst werden die Workshop Teilnehmer aufgefordert, zu erklären, was für sie Lyrik bedeute. Rozalie Hirs fragt, ob es dabei nicht nur ums Reimen, sondern auch um Rhythmus und Klang gehe. Schnell wird dabei klar, dass jeder eine andere Vorstellung von Lyrik hat und diese sollen nun in einer Skizze gesammelt werden. Dazu sollen sich die Schüler eine Farbe aussuchen und fünf Assoziationen aufschreiben, die nicht direkt dem Oberbegriff entsprechen.

 

IMG 7595Zu jedem Wort sollen danach noch einmal fünf weitere, verwandte Begriffe gesucht werden. Eine Skizze aus Worten entsteht. Nun sollen die Gymnasiasten aus den Wortgruppen jeweils einen Satz bilden, so dass fünf untereinander gereihte Sätze auf jedem Blatt stehen. Und schon scheinen sich die ersten Gedichte von ganz alleine zu entwickeln und die anfängliche Scheu vorm Dichten verschwindet. Während die Schüler eifrig schreiben, geht Rozalie herum und hilft enthusiastisch. Schon bald lockert sich die Stimmung und eine kurze Unruhe wandelt sich in Kreativität.

IMG 3027Diese zahlt sich auch aus, denn es gibt sogleich Freiwillige, die ihre Werke präsentieren wollen und das zu Recht! Auch jene, die noch etwas schüchtern sind, werden nicht verachtet, denn Rozalie leiht ihnen ihre Stimme und liest die Gedichte vor. Diejenigen, die ihr Werk schon präsentiert haben, können es gleich in den bereitstehenden Laptop abtippen und haben die Möglichkeit, es nach ihrem Willen zu gestalten.

IMG 3021Nach einer kleinen Stärkung mit Schokolade und Gummibärchen geht es tatkräftig weiter. Dieses Mal sollen die Schüler sich ein Tier oder Gegenstand aussuchen und das Gewählte entweder beschreiben oder aus dessen Sicht dichten. Als Beispiel liest Rozalie „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke vor und auch zwei ihrer eigenen Gedichte: „Ein Tag“ und „Der Schmetterling“. Inzwischen hat sich ein nahezu vertrautes Verhältnis zwischen Schülern und Autorin gebildet und auch nach dieser Runde haben die jungen Dichter wieder atemberaubende Werke parat. Danach gibt es eine kleine Pause, um die Sonne draußen zu genießen und wieder etwas Energie aufzuladen. Die dritte und letzte Aufgabe besteht darin, eine Liste aus Wünschen, Gedanken und Erinnerungen zu kreieren.

IMG 7581Dazu stellt die gebürtige Holländerin ihre Website vor und gibt viele inspirierende Eindrücke. Die Schüler sind von den visualisierten Gedichten sehr beeindruckt und gestehen, dass heutige Lyrik alles andere als altmodisch ist.

(Ruby van Leeuwen)