Ergebnisse aus dem Workshop mit Andreas Stichmann am 25.1.2013

Ankunft in London

Durch ein Menschengetümmel am Flughafen sehe ich eine Werbetafel mit der Aufschrift : ‚Welcome to London‘.
Irgendwie ist alles anders, als ich es mir vorgestellt habe. Mein Opa hat mir in seinen Erzählungen von einer echt schönen Altstadt erzählt, wo alle Trenchcoats tragen und total Britisch aussehen. Aber das einzige, was mir auffällt sind ganz viele Inder.
Wo sind all die Briten, die Tee trinken und den besten Akzent haben, den Opa je nachgeahmt hat?
Ich werde von einem Mann an der Schulter gestreift. „ Soli“, sagt er und geht hastig weiter. Was will er? Soli? Hä?
Ich hebe langsam meinen Koffer an, vollgestopft mit meinen liebsten Sachen, das einzige, was ich mit in mein neues Leben nehme. Ich bewege mich vorwärts, Richtung Ausgang. Währenddessen krame ich aus meiner Jackentasche einen Zettel mit der Adresse von dem Apartment, welches mir mein Opa vererbt hat.“Liverpoolstreet 46 Apartment, 10b“
Bevor ich den Ausgang erreicht habe, hält mich ein Mann an den Schultern fest. Dabei lässt er eine Tasche fallen und sagt: „Pass auf, der Marshall will, dass es ohne Opfer über den Tisch geht.“
Er lässt meine Schultern los und verschwindet in der Menge.
Ich stehe mitten auf dem Flughafenplatz, neben mir die Tasche, die der Mann fallen gelassen hat. Was hat er mit diesem Satz gemeint, ich solle aufpassen, dass es ohne Opfer über den Tisch geht? Ich greife nach der Tasche, tue so, als ob nichts gewesen wäre, verlasse den Flughafen und suche den Bus 122, der mich zur Liverpoolstreet bringen wird. Was ich mit der Tasche machen werde, weiß ich nicht und bereue es schon jetzt, dass ich sie mitgenommen habe. Vom weitem sehe ich den Bus, ich strecke meine Hand aus, so wie es mir mein Opa beschrieben hat, um ihn anzuhalten. Ich steige beim Busfahrer ein und bezahle 2.20 Pfund für eine Fahrkarte, setze mich hin und platziere meinen Koffer und die Tasche auf den Sitz neben mir.
An jeder Haltestelle die gleiche Ansage:“ This is the line 122 to Picadilly Circus“. Als nach der automatischen Ansage “Liverpoolstreet“ ertönt, schnappe ich mir meinen Koffer und die mysteriöse Tasche und steige aus.
Ich schaue nach rechts und nach links. Mir fällt das eiförmige Gebäude auf, in dem mein Opa früher in einem Büro arbeitete. Daran muss ich vorbei, um zu meinem Apartment zu gelangen. Ich mache mich auf dem Weg mit der Tasche über der Schulter und meinem Koffer in der Hand, der mittlerweile wirklich schwer wird.

Ich stehe an einer Ampel, als das Gewicht des Koffers auf einmal verschwindet. Ein blonder junger Mann steht neben mir und ich schaue ihn verwirrt an. „Es sah echt schlimm aus, wie du dich mit dem Koffer gequält hast, ich wollte dein Leiden beenden.“ Er spricht mit einem irischen Akzent und lächelt mich an.
Die Ampel springt auf Grün. „Äh. Danke!“ Ich bin leicht verwirrt, denn von so viel Hilfsbereitschaft gut aussehender junger Männer, hat mein Opa nichts erzählt.
„Ich bin Harry“, sagt der junge Mann, als ich mich umdrehe, um mich zu orientieren. „Juliana“, antworte ich kurz und biege rechts in die nächste Straße ein. „Und was bringt dich ganz allein in eine Stadt wie London?“, er sieht mich von der Seite aus an. Ich hätte ihm vielleicht einen falschen Namen nennen sollen. Schnell überlege ich, wie ich ihn doch loswerden kann, damit ich nicht weiter darüber reden muss. „Äh, ich habe hier etwas zu erledigen.“ Ich halte an, denn wir stehen vor dem Gebäude 46. „Cool, vielleicht, weil du hier neu bist, könnte ich dir helfen… Ich wohne hier gleich um die Ecke, Gebäude 40.“ Harry lächelt mich an, streift sich durch das Haar, wühlt in seiner Hosentasche und übergibt mir seine Visitenkarte ‚Harry Degree, Buchhalter und Berater der Norman Group‘. „Okay“, ich bringe ein Lächeln über die Lippen, „danke, wir sehen uns dann.“ Er sieht durch diese Aussage sehr glücklich aus und geht rückwärts von mir weg, sagt nochmal „Tschüss, Juliana.“ Als er außer Sichtweite ist, atme ich erleichtert auf und betrete das Gebäude.
Ich sehe eine sehr edle Marmorhalle mit einem vergoldeten Kronleuchter an der Decke.
Ist das wirklich das richtige Gebäude? Hatte Opa sich so etwas leisten können?
Ein Page nimmt mir den Koffer ab. Der Mann an der Rezeption lächelt matt und gekünstelt, wobei seine Augen mich abwertend mustern, nach dem Motto: ‚Sie hat sich im Gebäude geirrt.‘ Trotzdem lächelt er und fragt: „Wie kann ich Ihnen behilflich sein, My Lady?“ Ich nehme den Brief aus meiner Jackentasche, den ich von meinem Opa bekommen habe, und lege ihn auf die Theke. Als er ihn liest, weiten sich seine Augen und er winkt einen weiteren Mitarbeiter zu sich, raunt ihm etwas ins Ohr, wobei sich auch dessen Augen weiten und er sich vor mir verbeugt.
Okay, ich ziehe meine eine Augenbraue etwas verwirrt hoch.
Der Mann an der Rezeption fängt an zu strahlen: „ My Lady, wir haben Sie schon lange erwartet. Nachdem Ihr Großvater das Land verlassen hat, war der Gouverneur sehr enttäuscht. Es ist schön, dass Sie jetzt die Stelle ihres Großvaters übernehmen.“ Ich schaue ihn noch verwirrter an: „Bitte was? Ich bin nur hier, um ein paar private Sachen zu erledigen. Ich weiß nichts von einem Gouverneur oder Marshall. Was wollt ihr alle von mir? Ich will doch nur das Geburtsland meines Opas kennenlernen!“ Alle fangen an zu lachen. Okay, jetzt ist es offiziell: Die Briten sind eindeutig nicht ganz dicht.
Der Mann an der Rezeption kommt hinter der Theke hervor und grinst noch mehr: „My Lady, kommen Sie, ich zeige Ihnen Ihr Apartment.“
Also folge ich ihm durch die Halle zu den den Fahrstühlen. Wir fahren in den vierten Stock. Die Türen öffnen sich und wir gehen den Gang entlang bis zur letzten Tür. Er schließt sie auf und sagt. „Willkommen Ms. Juliana Maretith Charlson. Niemand hat mich je mit dem Nachnamen meines Opas angesprochen. Als ich den Raum betrete, kann ich einfach nur noch staunen.
„Wenn Sie noch Fragen haben, rufen Sie bitte unten an der Rezeption an.“ Er schließt die Tür und ich nicke nur.

Ich schlendere durch die Straße und denke über die Begegnung mit Juliana nach. Ihre Gesichtszüge und ihre Augen erinnern mich an irgend jemanden, aber ich weiß nicht an wen.
Jedenfalls hat sie irgendwas: als müsste ich ihr unbedingt helfen, als dürfte ich sie eigentlich nicht von meiner Seite lassen. Irgendetwas an ihr ist besonders, dass ich nicht beschreiben kann, obwohl ich eine Freundin habe.
Mein Handy vibriert, das Bild meiner Freundin taucht auf, ich drücke auf ‚Ablehnen‘. Ich weiß nicht warum, aber ich will nicht mit ihr reden. Ich will an Juliana denken.
Ich schlendere in das nächste Café, setze mich an die Theke und bestelle mir einen schwarzen Kaffee. Neben mich setzt sich ein Mann, der sehr aufgeregt aussieht. Er unterhält sich mit den Angestellten: „ He Arnold, die Enkelin des Earls ist da, sie wohnt in seinem altem Apartment in der Liverpool Street. Jetzt wird alles wieder gut und wir sind sicher.“ Ich schlucke. Juliana, das Mädchen an das ich die ganze Zeit denken muss, wurde dazu geboren, England zu retten?

Ich schmeiße mich auf das Kingsize Bett und versinke regelrecht darin. Ich setze mich auf und schaue mich im Raum um. Mir fällt die Tasche ins Auge. Jetzt ist es Zeit herauszufinden, was sich darin verbirgt.
Ich lege sie auf meinen Schoß und öffne langsam den Reißverschluss, als es an der Tür klopft. Ernsthaft?
Ich stehe auf und gehe zur Tür , öffne sie. Ein kleiner Typ in Uniform steht mit einem Tablett davor, worauf ein Umschlag liegt. „Für sie My Lady“, er verbeugt sich. „Äh. Danke?“ Ich nehme den Umschlag vom Tablett, mache die Tür zu und wende mich wieder der Tasche zu. Den Brief lege ich auf den kleinen Tisch neben mich.
Ich ziehe den Reißverschluss weiter auf, und eine Uniform, die eher aussieht, wie eine Faschingsverkleidung, kommt zum Vorschein. Interessant. Ich nehme sie heraus und etwas fällt auf den Boden. Ich hebe es auf. Es ist ein Handy. Eingeschaltet. Ich zucke mit den Schultern. Nichts Besonderes. Lege beides zur Seite und denke darüber nach, warum der Typ am Flughafen daraus so ein Drama gemacht hat. Jetzt sitze ich wieder. Da fällt mir der Umschlag von eben ein. Er ist für mich. Von Opa. Seine Handschrift ist eindeutig. Ich reiße ungeduldig den Umschlag auf.

Meine liebste Juliana,
jetzt bist du hier in London und ich werde schon unter der Erde liegen,
Dieser Satz bringt mich schon zum Weinen. Es war alles geplant.
Ich weiß, du denkst jetzt, ich habe alles geplant, und diesmal hast du recht: Dass du nach meinen Tod nach London gehst und meine Stelle übernimmst, war geplant.
Ich bin der Earl, kein echter aber alle nennen mich so, weil ich die vertrauteste Person des königlichen Hauses war und mich darum gekümmert habe, dass England in königlichen Händen bleibt.
Mein Opa war also eine der wichtigsten Personen in England ,und er hat mir nie etwas davon erzählt.
Doch jetzt ist die Krone in Gefahr, Vereinigungen aus dem Untergrund wollen die Krone stürzen und das ganze politische System vernichten und England in eine Diktatur verwandeln. Du bist die einzige Person, die das verhindern kann.
Okay, eigentlich nicht… wie zum Himmel soll ich das verhindern können? Ich habe doch keine Ahnung davon!
Du wirst dich an Sachen erinnern müssen, von denen ich dir erzählt habe, außerdem liegt ein Buch in dem Nachtschrank, den du nur mit dem Anhänger deiner Kette öffnen kannst. Dort habe ich alles Wichtige aufgeschrieben. Pass aber auf, dass es nicht in die falschen Hände gerät. Ich habe es mit meinem Leben beschützt und das Gleiche musst du jetzt auch machen.

In Liebe, Richard Charlson, dein Großvater

Ich lege die sauber beschriebene Seite auf meinen Schoß und kann es nicht glauben. Ich soll England retten? Ein Klingeln reißt mich aus den Gedanken. Was ist das? Die Tür auf jeden Fall nicht. Ich schaue mich um und sehe das Handy aus der Tasche aufblinken. „Eine Textnachricht wurde empfangen.“ Ich öffne sie.
Vergiss nicht. Morgen geht es los. Der Gouverneur darf die Explosion nicht überleben. Gucke in das Seitenfach der Tasche. Zum Selbstschutz. Morgen kriegst du die nächsten Anweisungen.
Das ist jetzt eindeutig gruselig! Was will diese Person von mir? Ich greife nach der Tasche und öffne das Seitenfach: Drei dicke Bündel Geld! Es handelt sich bestimmt über mehr als Tausend Pfund. Doch es ist noch etwas dort drin. Ich greife tiefer hinein, ich fühle etwas Hartes, Kaltes, aus Metall. Ich ziehe es heraus und habe plötzlich eine Waffe in der Hand.
Ich soll also den Gouverneur umbringen und damit gleichzeitig ganz England retten.
Was mache ich jetzt nur?

(Amelie Würdemann)


Ankunft in Kosovo

Nun bin ich raus. Raus aus dem Land, in dem ich schon seit meiner Geburt lebe. Die Reise beginnt. Ich lehne mich gemütlich in meinem Sitz zurück und schaue nachdenklich und nervös aus einem der vielen kleinen Fenster im Flugzeug. In meiner Umgebung sind liebevolle und freundliche Menschen, die sich sehr offen und lebhaft unterhalten. Ich kann es kaum erwarten, anzukommen, denn ich sehne mich nach diesem Land. Dieses Land, dem ich mich so verbunden fühle. In dem die Luft herrlicher ist als die vergaste Luft in dem stink langweiligen Bremen. Mit den freundlichen Menschen, die bei der Begrüßung fragen, ob man kaputt ist von der Arbeit.
Jetzt ist es endlich soweit. Ich bin da. Aufgeregt und hastig verlasse ich das Flugzeug, in dem ein kreischendes Kind nach seiner Mutter ruft, ein alter Herr es in die Hand nimmt und die Mutter sucht. Ich atme sofort die schöne Luft ein! Mein Gedanke ist jetzt nur noch: Weg vom Flughafen und ab in die Natur! Ich hole meine zwei großen Koffer ab, die ich für die nächsten schönen, und ich hoffe unvergesslichen, Wochen gebrauchen werde. Jetzt fühle ich mich frei, frei wie ein Vogel in der Luft.
Aus dem Flughafen heraus, hinter den Parkplätzen, erblicke ich Wiesen, wundervolle Wiesen mit vielen bunten Blumen. Ich hole meine nagelneue Kamera, die ich extra für dieses Land kaufte, um Erinnerungen und besondere Orte damit festhalten zu können, aus meiner vollgestopften Handtasche. Während ich die Fotos mache, höre ich ein Auto auf mich zukommen. Es ist ein Taxi, genau das, was ich jetzt brauche. Ich möchte in eine Gegend fahren, von der ich Dinge hörte, die unglaublich schön klingen. Ich hörte, dass es dort auch ein Hotel gäbe. Ein Hotel, in dem ich, laut meiner Mutter, schon mal übernachtet habe. Erinnern kann ich mich jedoch leider nicht. Wer weiß, vielleicht erinnere ich mich ja daran, wenn ich wieder dort bin.
Ich steige ein und bitte den Taxifahrer, mich nach ‚Rugova‘ zu bringen. Daraufhin lächelt er, was ich nicht verstehe, lässt den lauten Motor an und fährt los. Mein Herz schlägt höher und höher! Es dauert ungefähr zwei ganze Stunden, bis wir dort sind. Auf dem Weg schaue ich aus dem Fenster und ruhe mich von dem anstrengenden Flug aus. Ich sehe kleine Kinder auf den Straßen spielen, alte Herren, die einen eiförmigen weißen Hut tragen und dabei auf kleinen Hockern Zigaretten rauchen. Wie typisch für dieses Land! An der Ampel sehe ich Menschen, die aus einem kleinen VW Golf aussteigen. Oh nein, es sind nicht nur drei oder vier Personen. Es steigen sieben Personen aus diesem Auto.
Je näher wir an mein Ziel kommen, desto mehr solcher typischen Dinge sehe ich. Ich bin da!!! Schnell aussteigen, Koffer raus und genießen! Diese Landschaft! Ich sehe die wundervollen Berge, die wundervollen kleinen und auch großen Wasserfälle. Das Wasser ist so klar, wie das Wasser aus dem Wasserhahn! Ich bin überglücklich. Ich kann es nicht fassen, aber ich bin hier, an dem Ort, von dem ich mehr als 100 Träume hatte! Ich gehe die braunen, staubigen Wege entlang, über Erde und kleine Steinchen.
Stopp! Ich sehe einen Jungen. Er sieht ziemlich verzweifelt aus. Er sitzt am Rande der Straße, auf einem Felsen, mit seinem Handy in der Hand. Ich denke, ich sollte zu ihm gehen und ihn fragen, ob alles in Ordnung ist. Während ich langsam auf ihn zugehe, hebt er seinen Kopf, macht große Augen und schaut mich an. Er hat die gleichen Augen wie mein bester Freund aus früheren Zeiten. Wie sehr ich ihn vermisse! Ihm erzählte ich viel über den Kosovo, über die schöne Natur! Wir liehen uns gemeinsam Bücher über den Kosovo aus und schauten sie zusammen an. Ich erzählte ihm, dass es mein Traum sei, einen einzigartigen und außergewöhnlichen Stein im Rugova Tal zu finden…
Schluss mit den Erinnerungen! Vielleicht ist hier gerade neben mir ein Mensch in Not!
Ich frage ihn vorsichtig:“ Ist alles in Ordnung?“
„Hey, du kannst ja Deutsch sprechen!“, antwortet er überrascht.
‚Kann ich dir bei irgendetwas behilflich sein?“
„Um genau zu sein, eigentlich nicht. Mein Koffer, in dem wirklich alles ist, was ich brauche, ist die Berge hinuntergepurzelt. Ich hatte ihn am Straßenrand abgestellt, um eine kleine Pause zu machen. Ohne eine Pause ist das hier nicht auszuhalten, dafür ist es viel zu warm! ‚
Ich denke nach. „Leider kannst du das mit deinem Koffer vergessen! Wir befinden uns in 250 Meter Höhe. Tut mir Leid.“
„Was soll ich denn jetzt ganze vier Wochen ohne meine sieben Sachen hier machen? Zum Glück habe ich mein Portemonnaie in meiner Hosentasche! Jetzt gucken, wie es weitergeht…“
Der arme Junge. Moment mal, er hat die gleichen Gesichtszüge wie Arian, mein früherer bester Freund, und genau das sagte er auch immer: „Jetzt gucken, wie es weitergeht“.
Aber das kann er nicht sein! Nein! Er ist viel hübscher und größer, und Muskeln hat er auch. Außerdem.. was würde bitte mein bester Freund im Kosovo wollen? UNSINN!
„Wo willst du denn hin?“
„Also ich bin auf dem Weg zum ‚Großen Wasser‘, so wird das hier genannt. Dort gibt es viele Wasserstellen, an denen man sogar baden kann und das Hotel ist auch auf dem Weg dorthin“, sage ich fröhlich und ungeduldig zu ihm.
„Ja, dann mal los, ich bin nämlich auf der Suche nach etwas Bestimmtem. Ich hoffe ich werde es finden.“
Ich muss zugeben, er macht mich ziemlich neugierig. Ich frage ihn jetzt auch nicht, was genau er sucht. Das wäre mir selber peinlich und viel zu privat. Los geht’s! Wir kommen, Natur der Erlebnisse!
„Moment mal.. !Wie heißt du eigentlich?“ fragt er neugierig.
„Ich bin Rina und wer bist du?“
„Du hast einen schönen Namen. Ich bin der Arian.“
Ich bin gespannt, gespannt zu sehen, was auf mich zukommen wird.
Er kommt mir so bekannt vor.
Unmöglich!
Jetzt geht’s los, mein Traum wird wahr…!Mein schönes Kosovo! Mein Land!

(Marigona Zekaj)

Der Weg bis zum Ziel

Als ich aus dem Zug stieg, rannten überall schön angezogene Menschen hektisch herum.
Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Kaum verließ ich den Hauptbahnhof, sah ich überall um mich herum große Gebäude, und rechts von mir: der Berliner Fernsehturm! Einfach WOW !
So etwas gab es bei uns in Polen auf dem Dorf gar nicht, das Höchste dort war ein Strommast.
Plötzlich griff mich eine große kräftige Hand und zerrte mich in eine dunkle Ecke.
Es war ein Mann, durch die Dunkelheit konnte ich sein Gesicht nicht erkennen. Er versuchte, mir unter meinen Rock zu greifen, doch ich konnte mich los reißen. Ich rannte, rannte und rannte, so schnell es ging, immer und immer weiter bis ich nicht mehr konnte. Ich ließ mich auf eine Bordsteinkante fallen, die Tränen flossen über mein Gesicht. Wie konnte mir so etwas nur passieren? Ich wollte einfach nur noch zurück. Zurück im mein Dorf, zu meiner Familie.
Wie kam ich bloß auf die Idee, nach Deutschland zu fahren, um dort zu studieren, um meinen Traumberuf, Architektin, zu erlernen. Ich beherrschte zwar die Sprache, weil meine Mutter zur Hälfe Deutsche war, aber trotzdem fühlte ich mich hier fremd und hilflos.
Durch ein Tippen auf meine Schulter wurde ich aus meinen Gedanken gerissen.
Eine Frau, Mitte 40, stand vor mir und lächelte mich an. „ Was machst du hier draußen allein bei dieser Eiseskälte ?“ , fragte sie mich besorgt. „ Wweiß ich nicht .“ , stotterte ich und schaute sie traurig an. „ Na, du kommst jetzt erst mal mit zu mir , da wärmen wir dich auf und dann erzählst du, was dir passiert ist!“, sagte sie. Ich ging einfach mit , ohne eine Wort.
Sie hieß Magdalena, erfuhr ich auf dem Weg zu ihr. Sie erzählte mir von sich und ihrer Familie, während ich kein einziges Wort über die Lippen bekam , was sie anscheinend nicht störte.
Als ich Magdalenas Wohnung betrat, überflutete mich ein Duft von gebackenen Kuchen und Duftkerzen.

(anon.)

Als ich meine Augen öffnete

Als ich meine Augen öffnete, sah ich das schöne Meer, die hinreißenden Blumen und die Sonne, die hell schien.
Ich genoss den Ausblick und atmete den lieblichen Duft ein. 
War ich im Paradies oder war es nur ein Traum ? Ich hielt inne.
 Ich begab mich schnellstens nach draußen, zog mich an und putzte meine Zähne. Ich konnte es kaum fassen, an so einem wundervollen Ort zu sein, wobei ich verunsichert war, wie ich überhaupt hierher gekommen war. 
Gab es ein bestimmten Grund ? Trotzdem sah ich mir die Umgebung an und war beeindruckt. Bäume, die Meter lang waren. Blumen, die ich noch nie gesehen hatte. Und das Meer: sternenklar. Nach der Wanderung fand ich in einer Hütte, die nicht weit entfernt vom Strand lag, einen Brief, worin stand, dass ein Mädchen auf mich warten würde und der mich aufklärte, wieso ich hier war. Aber ich müsse sie suchen, was mir Schwierigkeiten bereiten würde, da ich nicht wisse, wo ich anfangen solle.
Ich packte meine Sachen, nahm Nahrung, zu trinken und alles Nötige mit, um mich vorbereitet auf die Suche zu machen. Was mich wohl erwarten würde? Ich dachte nicht viel darüber nach und machte mich auf den Weg. Es dauerte Tage, doch vergebens. Ich fand sie nicht. Gab es sie wirklich? Ich zweifelte. Doch plötzlich stand sie vor mir, mit prachtvollen Haaren, einen Lächeln, das mein Herz schmelzen ließ. Sie trug ein wunderschönes mit Blumen bedecktes Kleid. 
Als ich auf sie zu ging, kam sie mir entgegen. Dann, als wir uns gegenüber standen, lächelten wir uns liebevoll und doch fragend an.
Ich habe einen Brief bekommen, worin stand, dass du auf mich warten würdest.
Stimmt, ich habe gewartet und freue mich, dass du mich gefunden hast.
Wieso bin ich hier? Plötzlich befinde ich mich an diesem Ort. Doch ich weiß nicht, wie ich hierher gekommen bin und warum.
Du bist in Wirklichkeit nicht hier. Dies ist nicht die Realität, sondern es sind deine Wünsche.
In der realen Welt bist du unglücklich und einsam.
 Lebst im Grauen ohne Familie und Freunde. Doch hier findest du Zuflucht und das Gefühl, etwas Besonderes zu sein.

(Cansu Apaydin) 

Ankunft in Bulgarien

Als ich aus dem Flugzeug stieg, kam mir der alte, warme, gewohnte Geruch entgegen, und ich wusste sofort: Ich bin wieder Zuhause.
Es war schon eine ganze Weile her, dass ich zuletzt hier war, und trotzdem hatte sich kaum etwas geändert.
Mein alter, bester Freund, Adrian, stand mit seinem Wagen, einem weißen CLS 63 AMG, vor dem Flughafen und wartete gespannt auf mich. Als ich ihm entgegen kam, sah ich ihn schon von Weitem grinsen, und unsere Gesichter strahlten vor Freude. Schließlich fing ich an zu weinen. Ich hatte ihn sieben Jahre lang nicht gesehen, den Kontakt hielten wir trotzdem. Wir telefonierten und schrieben oft miteinander. Fast täglich. Er hatte sich sehr verändert, ganz anders als meine Heimat . Adrian war groß geworden, so groß, dass ich mich auf die Zehenspitzen stellen musste, um ihn zu umarmen. Seine wundervollen blauen Augen strahlten vor Freude. Er hatte mir erzählt, dass er drei Mal die Woche zum Fitness ging, und das sah man ihm deutlich an. Wow, ich war sprachlos.

(Aus der Sicht von Adrian)
Ich konnte es gar nicht mehr abwarten, Adelona wieder in den Armen zu halten. Ich hatte sie sieben lange Jahre nicht gesehen. Wie hatte sie sich wohl verändert ?
Und dann stand sie da, mit einem wunderschönen breiten Lächeln und lief auf mich zu und fing schließlich an zu weinen.
Ich konnte mein Glück kaum fassen. Endlich war sie da, hier bei mir.
Sie hatte sich kaum verändert. Sie war immer noch wunderschön wie damals, immer noch die kleine, freche, süße Adelona. Und selbst ihre Körpergröße war gleich geblieben.
Ihr wundervolles Lachen, ihre grün-braunen Augen, ihre Stimme – einfach alles an ihr hatte ich vermisst. Mittlerweile reichten ihre schönen, welligen, hellbraunen Haare bis zum Steißbein.

Nachdem wir ein wenig plauderten, wie mein Flug war, fuhren wir los und kamen nach gefühlten zwei Stunden endlich Zuhause an. Ich freute mich, meine Familie endlich wieder zu sehen. Sofort brach ich wieder in Tränen aus, als meine Mutter vor mir stand und auch sie konnte ihre Tränen nicht zurückhalten.
,,Ich habe dich so vermisst, mein Engel. Endlich bist du da“, sagte sie mit Tränen verschmierten Augen.
,,Ich habe dich auch unglaublich vermisst, Mama“, antwortete ich und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. ,,Hat Adrian sich gut um dich gekümmert in der Zeit, als ich weg war?“
,,Ja, das hat er. Adrian hat mindestens drei Mal am Tag nach mir geschaut, ist für mich einkaufen gegangen und hat sogar den Haushalt geführt“, antwortete meine wundervolle Mutter.
Meine Mama war nicht mehr die Jüngste und hatte Probleme mit ihren Beinen. Aus diesen Gründen bat ich Adrian damals, bevor ich nach Deutschland ging, um dort ein Ingenieursstudium zu beginnen, ihr zu helfen. Und er hielt sein Versprechen, so, wie er es immer tat.

(anon.) 

Der Traum von Bollywood

Ich quetsche mich durch die Menschenmenge, die mit mir aus dem Zug kommt. Unangenehme Gerüche nach Schweiß und unbekannten Dingen vermischen sich mit den orientalischen Düften und überfordern meinen Geruchssinn. Die Menschen um mich herum stoßen mich rücksichtslos an, als wäre ich Luft für sie. Stück für Stück arbeite ich mich durch die Menschenmassen ins Freie.
Mir bleibt der Atem weg. Endlich bin ich an meinem Ziel angekommen: Indien. Überall fahren klapprige Autos, Fahrräder und Sachen die mir unbekannt sind, aber nicht sehr sicher aussehen.
Mein Blick bleibt auf einem Plakat in der Ferne hängen, es ist zu weit entfernt, um zu erkennen, was darauf steht, aber ich kann genau sehen, dass es sich auf dem Plakat nur um den bekannten Bollywood-Schauspieler Ranjid handeln kann. Er hat es geschafft, er spielt in jedem bekannten und erfolgreichen indischen Film mit.
Ein unachtsamer Inder reißt mich aus meinen Gedanken, als er mich umstößt. Er wirft mir irgendwelche indischen Schimpfwörter an den Kopf, die ich nicht alle verstehe, was wahrscheinlich auch besser ist. Ich ignoriere den Mann, sammle mein Gepäck ein und kämpfe mich durch zur nächsten Straßenecke.
Ich schaue auf meine Uhr. Hmm, 12:15 Uhr. Ich wollte mich eigentlich vor 10 Minuten hier mit meinem Cousin treffen. Aber ich sehe ihn zwischen den ganzen Menschen gar nicht. Okay, nach meinem überstürzten Aufbruch nach Indien, hatten sie wohl keine Zeit, sich auf mich einzustellen.
Plötzlich kommt ein vor Freude strahlender Mann auf mich zu. Total verdutzt lasse ich mich von dem Fremden umarmen und weiß nicht was passiert. Vielleicht liegt es an der langen Reise und dem daraus resultierendem Schlafmangel, aber ich kapiere es erst ,als der Mann „Jasmin, schön dich zu sehen! Wie war denn deine Reise?“, sagt, dass es sich um meinen Cousin handelt. Ich löse mich aus meiner Starre und der Umarmung meines Cousins und sage noch etwas benommen: „Äh, hi. Ähm, die Reise war sehr schlimm.“
„Das ist aber schade, dabei ist das Land so schön.“
„Ja das Land ist ja auch sehr schön“, stimme ich ihm zu „doch dieser lange Flug und diese unbequeme Fahrt mit diesem prähistorischen Zug!“
„Ja, ja . Ist ja auch egal. Du bist jetzt schließlich hier. Komm schnell, die anderen wollen dich auch endlich sehen.“ Während er redet reißt er mir das Gepäck aus den Händen und marschiert drauf los. Im Eiltempo folge ich ihm.
„Die haben sich alle so gefreut, als du angerufen hast und meintest, dass du kommen wirst.“ „Erinnerst du dich denn noch an alle? Du warst ja noch so jung, als du das letzte Mal mit deiner Mutter hier warst.“ Er hat eine enorme Geschwindigkeit beim Sprechen. Ich brauche ihm gar nicht zu antworten, Kaum hat er eine Frage gestellt, kommt schon die nächste Frage. Deshalb lächle ich ihn nur ab und zu an und nicke freundlich.

Mir kommt es wie eine Ewigkeit vor, bis wir endlich vor einem kleinen braunen Häuschen, in einer kleinen Nebenstraße von der Hauptstraße, stehen. „Komm rein!“, mein Cousin steht in der offenen Eingangstür, mit meinem Gepäck unter den Armen. „Los beeil dich, alle warten schon.“ Vorsichtig, nicht wissend was mich erwartet, betrete ich das kleine Haus. Kaum bin ich im Haus, werde ich von allen Seiten begrüßt und umarmt. Anscheinend ist meine vollständige Familie aus ganz Indien angereist. Nachdem die erste Euphorie um meine Ankunft sich gelegt hat, sitze ich zwischen meinen Verwandten, auf einem Sofa im Wohnzimmer, mit einem großen Teller voll von einem undefinierbaren Etwas in der Hand. Obwohl ich mir nicht sicher bin, was ich gerade zu mir nehme, esse ich den Teller bis zum letzten Krümel auf und merke, dass das Letzte, was ich gegessen habe, ein kümmerliches Brötchen in Deutschland war, was sehr lange zurück liegt und wenn ich sehr lange meine, meine ich eine Ewigkeit!
Alle starren mich erwartungsvoll an. Dann bricht das Fragengewitter über mich herein: „Warum bist du hier? Wie war die Fahrt ? Wie findest du es hier? Erinnerst du dich noch an alles hier? Wie geht es deinen Eltern?“ Aber meine Tante (ein wahrer Engel!) stoppt diese Qual: „Lasst das Mädchen doch mal in Ruhe! Sie hat eine lange Reise hinter sich.“ Betretenes Schweigen erfüllt den Raum.
„Ich zeig dir jetzt dein Zimmer, und dann kannst du dich erst einmal ausruhen. Morgen, wenn du ausgeschlafen bist, erzählst du uns in aller Ruhe deine spannenden Bollywood-Pläne.“ Dankbar nehme ich ihr Angebot an und folge ihr in das für mich vorgesehene Zimmer und lege mich komplett bekleidet ins Bett. Liebevoll drückt sie mir noch einen Kuss auf die Stirn und geht dann aus dem Zimmer.
Mir wird klar, dass ich jetzt in Indien angekommen bin. Das macht mir auf eine beunruhigende Weise Angst. Denn jetzt kann und muss ich meinen Traum endlich in die Tat umsetzen: Endlich ein Bollywood-Star zu werden! In Deutschland habe ich alles zurück gelassen, meine Freunde, meine Wohnung und meinen Job.
Während ich weiter über meine Zukunft in Indien bei meiner Familie nachdenke, schlafe ich ein.

(Annika Halfter) 

Téralía

Es ertönen Laute in der Ferne. Starke, gefühlvolle Stimmen sorgen für ein kleines Beben im inneren des Hubschraubers. Durch den Vorderspiegel bemerke ich, wie ich und Harry gemeinsam hinunter schauen. Wahrscheinlich tut Harry das aus demselben Grund wie ich, er will ebenso wissen, was die Quelle der Stimmen ist. Es scheint niemanden zu wundern, dass der Boden des Landes, in dem wir uns befinden, dem Erdboden gleich ist. Es gibt keine Häuser, keine Autos, keine Straßen oder Ampeln und ebenso auch keine Menschen. Am Horizont steigt etwas Nebel auf. Erstaunt und fasziniert, bewundere ich, während wir dem Boden etwas näher kommen, das blaue Gras, welches aus der öden Landschaft wächst. Der Himmel verfärbt sich auffallend dunkelgrün. „Es wird langsam Nacht, wir sollten uns beeilen“, hören wir den Piloten sagen. Ich schaue zu Harry, der sich währenddessen so hart auf die Lippen beißt, dass diese bereits bluten, doch ich entscheide mich, nichts dagegen zu tun. Ich bemerke erneut ein kleines Beben. „Turbulenzen, nichts von Bedeutung“, sagt der Pilot mit einem freundlichen, aber leicht angespannten Lächeln. Er scheint wohl meine verzogene Miene bemerkt zu haben. Meine Hand fährt nach unten zu den Sitzschaltern. Ich probiere alle aus, bis ich endlich den Schalter gefunden habe, den ich suchte. Ich lehne mich mit meinem Sitz zurück und versuche nicht mehr an die ungewöhnlichen Tatsachen dieses Landes zu denken. Mein Kopf gleitet gegen die Fensterscheibe, der Hubschrauber schaukelt mich hin und her und ich nicke ein.
Keine zehn Minuten später weckt mich ein ziemlich starkes Ruckeln. Der Pilot ist nicht mehr an seinem Platz, der etwas merkwürdige Co-Pilot auch nicht. Wir sind gelandet. Ich blicke fragend zu Harry, dessen Blut bereits die weißen Ledersitze des Hubschraubers erreicht hat. Er scheint zu schlafen. Mein Blick wendet sich ungewollt der Außenwelt zu, mein Atem bleibt stehen. Gelbweißrot leuchtende Vögeln flattern umher und erleuchten die Umgebung. Schockiert nehme ich die Kopfhörer ab und öffne behutsam die Tür. Eine frische, angenehme und warme Brise berührt meine Haut. Ich setze ein Fuß aufs ebenso blau leuchtende Gras, welches hier viel zahlreicher ist, als vor zehn Minuten. Mein Kopf erhebt sich, mein Mund öffnet sich und meine Augen bewegen sich hin und her. Etwas Gigantisches, ungefähr der Größe eines Dinosauriers entsprechend, blickt seelenruhig auf mich herab. Automatisch versuche ich, den Weg in den Hubschrauber rückwärts wieder einzunehmen. Langsam aber sicher ertaste ich mit meinen Füßen den Boden hinter mir, während plötzlich Marleena hinter dem Tier hervorkommt. „Willkommen in Téralía“, sagt sie stolz. Bevor ich eine Reaktion zeigen kann, bewegt sich Marleena auf mich zu, packt mich am Arm und sagt hastig: „Beruhige dich erst einmal, ich werde dir gleich alles erklären, das Wichtigste ist, dass du dich erst einmal beruhigst.“ Ich habe weder Gefühl in den Beinen, noch im Gesicht. „Weckt Nr.17″ schreit sie den Umstehenden zu, wahrscheinlich Einheimischen. Sie tragen keine gewöhnliche Kleidung, eher traditionelle Stofffetzen, welche allen um die Genitalbereiche gewickelt sind. Und zwar nur um die Genitalbereiche. Frauen haben genauso wie Männer, einen freien unbekleideten Oberkörper. „Nr.17? Was ist hier los, wo sind wir hier?“ frage ich mich fassungslos. Der laute Knall der Hubschraubertür gegen das Gerüst des Hubschraubers, reißt mich aus meinen Gedanken. Vier Männer schleifen Harry aus dem Hubschrauber. Komischerweise lässt Harry sich trotz des groben Vorgehens der Einheimischen hängen.
„Hey“, schreie ich immer noch unter Schock den Einheimischen zu. „Er kann selber laufen! Loslassen!“ Behutsames Vorgehen kann man das nicht nennen. Das Herz pocht laut in meinen Ohren, Schweißtropfen laufen von meiner Stirn. Mein Bewusstsein schwankt und bevor ich eine Antwort auf meine Rufe bekomme, liege ich auf dem Boden und nehme nur den dunkelgrün leuchtenden Himmel wahr, in der Mitte Marleenas verschwommenes Gesicht und anschließend nur noch Dunkelheit.
Stille.
Ich rege mich. Langsam aber sicher bewege ich Finger, Zehen und Augenlider. Ich öffne meine Augen und trotz immer noch verschwommener Sicht bemerke ich, dass ich mich woanders befinde. Meine aufgeregten und herumspringenden Augen erblicken eine Tür. Über dieser Tür steht mit großen fetten Buchstaben „Station 49″. Ein Gedankenblitz durchkreuzt mein Gehirn. „Harry?“, springe ich völlig entsetzt auf. Doch niemand gibt mir eine Antwort.
Eine klare Sicht sorgt für Enthüllung. Ein völlig weißer Raum, nur mit einem Bett, in dem ich liege, und eine Kamera, welche auf mich gerichtet ist. Dies ist der Ort, in welchem ich mich derzeit befinde. Ich trage meine Kleidung nicht mehr. Keine Hose, kein T-Shirt, keinen Pullover, keine Schuhe, keine Unterwäsche, nur noch einen merkwürdigen weißen Kittel und ein schwarzes Armband.
„Ich brauche Luft“, entweicht es meinem ausgetrockneten Mund. Die kleinen Knastfenster im Raum sind geschlossen. Meine Arme stützen sich am Bett ab, während meine Beine versuchen, sich aufzustellen. Der Versuch scheitert jedoch. Ich fühle mich nicht in der Lage, eine aufrechte Körperhaltung einzunehmen. Ich lege mich für einen Moment wieder ins Bett und entspanne mich. Nach drei Minuten Pause setze ich mich hin und lege mein Kissen als Stütze gegen das Bettgeländer, lehne mich zurück. Ich atme ein und aus.
Es ertönen kleine abgehackte piepende Geräusche und kurz daraus öffnet sich die elektronische Hightechtür. Zwei Männer in Uniform kommen herein. Hinter ihnen schließt sich die Tür automatisch wieder. „Hallo Nr.20″, schreit mir der eine Mann mit den vielen Sternchen auf seiner Uniform zu. „Ich bin General John St. OC. Ich bin für die nächsten zwei Monate ihre einzige Bezugsperson und ebenso der einzige Mensch, mit dem sie jegliche Konversation führen dürfen. Mein Kumpan Zecary wird unsere Gespräche, ihr Verhalten und alle ihre Entwicklungen genau beobachten und protokollieren. Haben Sie noch irgendwelche Fragen?“ äußert er sich zum Schluss. Mein Mund bleibt geschlossen. Ich überlege einen Augenblick. Vor ungefähr einem Monat schrieb Marleena einen Brief aus Australien. Sie erzählte darin, wie gut es ihr ginge, wie interessant es dort wäre, wie viele neue und vor allem wunderschöne Erfahrungen sie dort gesammelt hätte und vor allem, dass sie es nicht bereute, ihr altes Leben aufgegeben zu haben inklusive unserer Mutter, unserem Vater und mich, ihrem leiblichen Bruder. Sie schrieb, dass sie uns trotzdem sehr vermisse und ebenso auch ihren Ex-Freund Harry, dem sie von ihrer Auswanderung überhaupt nichts erzählt habe, bevor er eines Tages nach Hause kam und einen Brief fand, indem alles stand, was sie sich nie getraut hatte, zu sagen.
Seitdem war Harry nicht mehr derselbe. Jedenfalls stand unter anderem auch im Brief, dass sie ein großes Problem hätte und nur ich und Harry bei der Lösung dieses Problems helfen könnten. Sie schrieb, dass sie wüsste, dass genau ich und Harry genau jetzt Urlaub haben würden und dass es ihr wirklich alles bedeuten würde, wenn wir diese kleine Reise nach Australien für sie antreten würden.
Ich war sofort damit einverstanden, jedoch hat es eine Weile gedauert, bis ich Harry aufspüren konnte. Wie gesagt, er war nicht mehr derselbe. Er verkaufte deren Haus, nahm sich eine Wohnung und verkroch sich seit Marleenas Auswanderung nur noch darin. Ihn muss es wirklich hart getroffen haben. Er ist immerhin junge sechsundzwanzig und damit ganze sechs Jahre jünger als ich. Aber gut sieht er aus. Groß, braun gebrannte Haut, dunkel braunes Haar und grüne Augen. Was er an Marleena so toll fand, kann ich nicht genau sagen. Sie scherte sich nie ums Aussehen. Sie verbrachte stundenlang in ihrem Arbeitszimmer, untersuchte Proben von Orten der ganzen Welt, hatte nie richtig Zeit für Harry, aber ihn kümmerte es nicht. Meiner Meinung nach reichte der Gedanke, dass sie ganz allein ihm gehörte, völlig aus. Klar, sie war nicht hässlich, aber wenn man bedachte, wie viele Weiber Harry dank seines guten Aussehens hinterher gelaufen waren, und ich betone: hübsche, extrem hübsche Weiber, erscheint es mir wie ein Rätsel, dass Harry sich genau für meine Schwester entschieden hat. Für meine Schwester, deren Fingernägel nie lackiert, deren Gesicht nie geschminkt und bei der es nicht einen Tag gab, an welchem sie sich Zeit für ihre Haare genommen hat. Sie sahen jeden Tag gleich aus: Ein Dutt. Jetzt schrieb sie also, dass sie doch die Hilfe der Menschen bräuchte, die sie vor gut zwei Jahren verlassen hatte. So habe ich..
„ANTWORTEN SIE“ unterbricht mich General John St. OC völlig wutentbrannt. Ich habe total vergessen, wo ich bin und vor allem was geschieht. Die jetzige Situation spielt sich wieder und wieder in meinem Kopf ab. Ich kriege keinen Ton heraus. Mein Herz fängt wieder an, mir in den Ohren zu pochen, die Schweißtropfen fangen wieder an hinunter zu laufen (…)

(Kristina Lenker) 


Ankunft in Orange Country, California.

Langsam aber sicher werde ich nervös, denn der Flug endet in 10 Minuten. Dann bin ich an meinem Ziel angekommen und kann meine Träume verwirklichen. Im Grunde nur einen Traum: Frei zu sein! Glücklich träume ich von den Dingen, die ich ohne Last tun und lassen kann. Ohne dass ich es bemerkt habe, sind die 10 Minuten um und wir kommen an.
Beim ersten Schritt aus dem Flugzeug umhüllt mich ein Geruch, der mich an Liebe erinnert. An meinen Mann, den ich zurück gelassen habe. An unser Kind, das ich in mir trage. Nach weiteren Gedanken an meine Vergangenheit laufen mir Tränen über die Wange. Dieser Schritt, vor ihm zu flüchten, war der einzige Weg, um mein Kind in Sicherheit zu bringen, ihm und allen sinnlosen Verpflichtungen zu entkommen. Nachdem ich meine Gedanken gelöst habe, spüre ich die zarte Wärme auf meiner Haut. Überall stehen Taxifahrer und warten auf den nächsten Touristen. Ich steige ins Taxi und sage dem Fahrer, dass ich nach Orange Country will. Ich steige aus dem Taxi und gehe zum Strand, laufe am Wasser entlang, lege mich auf eine Liege und fühle mich leicht, als wenn alle Sorgen vergangen wären. Ich bin so glücklich, dass mir der ganze Sand auf meinem Klamotten nichts ausmacht. Und das Schönste ist: ich hab meinen Engel bei mir. Ich schließe meine Augen, lausche dem Meer. Und so schlafe ich ein.

Plötzlich weckt mich jemand, den ich durch die Sonne nicht erkennen kann. Die Sonne? Es ist ja schon Morgen geworden. „Was suchst du denn hier?“, sagt eine vertraute Stimme erfreut. Nach genauerem Hinsehen weiß ich, dass ich sie kenne. Vor mir stehen Janina und Kristina. „Ihr zusammen?“, rutscht es mir heraus, denn anfangs verstanden sich die beiden überhaupt nicht. Ich bin sehr überrascht, denn über einen Urlaub hatten sie mir nichts gesagt. Warum nicht? Wir verstehen uns doch so gut. Wohlmöglich, weil ich verheiratet bin? Oder sogar weil ich schwanger bin? Das sind echt keine Freunde! Sie würden mich nur hindern an meinem Lebensziel. Sie würden meinem Mann verraten, wo ich bin, denke ich verwirrt. „Maria, was stimmt mit dir nicht? Deine Klamotten sind dreckig und deine Haare ganz zerzaust. Du siehst uns so verstört an. Wo ist denn eigentlich Damian?“, sagen die beiden.
Wo mein Mann ist? Ich muss sie loswerden, aber wie? „Verschwindet!“, schreie ich sie enttäuscht an.
Ich möchte entkommen, doch meine Vergangenheit holt mich ein.
Die Wehen setzen langsam ein und ich weiß, dass ich so schnell wie möglich ins nächste Krankenhaus muss. Ob es etwas Schlimmes ist? Wohlmöglich hat das Baby gespürt, wie schlecht es mir geht. Angekommen im Krankenhaus geht es auf die Notaufnahme. Nun soll das Baby kommen. Ich werde Mutter! Was gibt es Schöneres? Ehe ich mich versehe, kommt es. Ich bin überglücklich, denn ich halte den wichtigsten Menschen in meinen Armen. Die Krankenschwester fragt besorgt: „Wissen Sie, wie ihr Kind heißen soll?“ Ich bin mir relativ unsicher, aber entscheide mich für den Namen Damian. Genauso heißt mein Mann.
Vielleicht macht mich ja dieser Damian glücklich!?

(Berna Karadas)

Meine Reise nach Amerika

ich steige aus dem Flugzeug aus, hole mein Gepäck und gehe zum Bus.
Meine Freundin lebt seit 4 Jahren in Amerika. Seitdem sehe ich sie sehr selten.
Ich habe nicht erwartet, dass der Grund für einen Besuch bei meiner Freundin, die Probleme mit ihrem Freund sein würden.
Sie hat mich oft angerufen und mir erzählt, sie hätte sich mit ihrem Freund gestritten. Am Anfang habe ich mir nicht viel dabei gedacht. Mein Freund und ich streiten uns auch.
Doch seit zwei Tagen ist ihr Freund verschwunden und sie macht sich große Sorgen um ihn. Er ist nach der Arbeit nicht mehr nach Hause gekommen. Sie will nur noch eins: Ihn finden. Also helfe ich ihr dabei.
Bei ihr angekommen erzählt sie mir, dass ihr Freund nicht einfach so gehen würde. Es sei nicht seine Art, vor Problemen davonzulaufen.
Aufgrund der Tasache, dass all seine Sachen noch da seien, glaubt sie, dass er entführt wurde. Ich glaube, dass er ihr nur Angst machen möchte.
Wir machen eine Liste mit den Namen seiner Freunde und den Orten, wo er oft war, und überlegen, ob er sich dort aufhalten könnte.
Meine Freundin ist nicht so überzeugt, dass das helfen könnte, aber sie geht jeder Spur nach, um ihn zu finden.
Auf dem Weg zu seinen Freunden, erzählt sie mir, dass sie die ewigen Streitereien bereut, und ihr erst jetzt klar ist, wie sehr sie ihren Freund liebt.
Bei seinen Freunden bleiben wir erfolglos. Niemand hat ihn in den letzten zwei Tagen gesehen oder etwas von ihm gehört.
Unser nächster Schritt ist, ihn bei der Polizei als vermisst zu melden.
Ich gebe es ungern zu, aber so langsam fange auch ich an zu glauben, dass ihm wirklich etwas passiert sein könnte. Wenn selbst seine Freunde nichts von ihm wissen, wer denn dann? Ich hoffe immer noch auf eine harmlose Erklärung für all das.
Ein Klingeln an der Tür reißt uns aus unseren Gedanken. Meine Freundin eilt zur Tür, und ich höre eine mir sehr vertraute Stimme: Es ist mein Freund.
Auf der einen Seite freue ich mich sehr, dass er da ist, aber auf der anderen Seite plagt mich das schlechte Gewissen, weil ich ihm verheimlicht habe, dass ich meine Freundin in Amerika besuche. Ich wusste, er würde es nicht wollen. Bevor ich in Amerika ankam, hatte auch ich oft Streit mit meinem Freund, weil er nicht wollte, dass ich jeden Tag mit meiner Freundin telefoniere, mich um ihre Probleme kümmere und mir den ganzen Tag Gedanken um sie mache.
Ich frage mich, wie er mich gefunden hat. Woher weiß er, dass ich nicht bei meiner Schwester in England bin?
„Hallo Schatz“, sagt er. Ich glaube er weiß selber nicht, ob er sich freuen soll, mich zu sehen, oder ob er sauer sein soll, weil ich ihn angelogen habe.
„Hey“, sage ich sehr unsicher. „Wie hast du mich gefunden?“
„Ich habe bei deiner Schwester angerufen, als du da nicht warst, hatte ich schon den Verdacht, dass du in Amerika bist. Im Reisebüro wurde es mir bestätigt. Ich bin dir hinterher geflogen, um dich zurück zu holen.“, antwortet er und klingt sehr entschlossen.
Ich will ihn wirklich nicht enttäuschen, aber ich kann meine Freundin in dieser Situation nicht mit ihren Problemen alleine lassen.

„Ich kann hier jetzt nicht weg!“, entgegne ich.
„Ich lass euch mal alleine.“, unterbricht meine Freundin uns. Sie ist offensichtlich sehr überrascht, dass mein Freund nicht gewusst hat, wo ich bin.
Ich weiß, dass dieses Gespräch in einem heftigen Streit enden wird, aber ich bin fest entschlossen, nicht zurückzufliegen, bevor wir den Freund meiner Freundin finden.
„Hör zu“, setze ich das Gespräch fort. „Es tut mir leid, dass ich dir nicht gesagt habe, wo ich wirklich bin. Mir war klar, du würdest es nicht wollen.“
„Du würdest auch nicht wollen, dass ich einfach ein paar Wochen verschwinde und dir nicht einmal sage, wo ich bin. Für uns beide war Ehrlichkeit immer das Wichtigste in der Beziehung. Abgesehen davon, kannst du nicht für jede Freundin eine halbe Weltreise machen, nur weil sie Beziehungsprobleme hat. Du hast auch zu Hause noch ein Leben!“
Ich fühle mich hin- und hergerissen und sage: „Sie braucht jetzt meine Hilfe!“ „Können die beiden das denn nicht allein klären“, ich hörte die Wut in seiner Stimme. „Wo ist ihr toller Freund denn jetzt?“
„Er ist verschwunden“, antworte ich. „Wir glauben, dass er entführt wurde. Ich helfe ihr bei der Suche.“
Mein Freund sieht mich verständnisvoll an. „Ich wusste nicht, dass die Lage so ernst ist. Ich helfe euch bei der Suche“, verspricht er.

(Alena Altrock)

Mama Amerika

Ich steig aus dem Flugzeug. Angekommen in Amerika. Hier will ich sie jetzt finden,meine Mutter. Ich gehe langsam durch den Flughafen Richtung Ausgang, ziehe meinen Koffer hinter mir her und habe meine beste Freundin an meiner Seite, die mir Mut zuspricht.Ich spüre die Angst in mir, die Angst vor einer Enttäuschung. Gleichzeitig empfinde ich Liebe und Glücksgefühle, viel Hoffnung spüre ich in mir.Wir steigen in ein Taxi und fahren in unser Hotel. Auf der Fahrt erzähle ich ihr, dass ich meine Mutter zuletzt vor 13 Jahren gesehen habe. Damals war ich 6 Jahre alt. Ich sehe sie jetzt noch vor mir wie sie mich ins Heim brachte, mir einen Kuss gab, ging, und nie mehr wieder kam. Keiner hatte mir je erzählt, warum ich von meiner Mutter ins Heim gebracht wurde. In all den vergangenen Jahren habe ich über sie recherchiert und herausgefunden, wo sie lebt und was sie beruflich macht. Im Hotel angekommen, packen wir schon die Koffer aus. Jetzt gehen wir los.Auf die Suche nach Mama.Ich spüre die Angst in mir, Angst wie sie auf mich reagieren würde. Wir fahren zu der Agentur, in der meine Mutter arbeiten soll. Eine Model Agentur. Es ist ein riesiges Gebäude, vor dem wir stehen. „Ich will umdrehen“, sage ich, „Die Angst vor ihrer Reaktion ist viel zu groß“.“Nein!“, sagt meine beste Freundin Alessa. „Wir gehen da jetzt rein“.Ein Schritt nach dem nächsten. Bei jedem Schritt spüre ich wie meine Beine immer weicher werden, auch meine Hände fangen bei jedem Schritt mehr und mehr an zu zittern.Ich frage mich wie wird sie reagieren? Wird sie sich freuen, mich wiederzusehen? Gibt es für alles eine Erklärung? Oder will sie mich gar nicht sehen?Eine große schlanke Frau mit streng zurückgebundenen blonden Haaren kommt auf uns zu.“Ist sie das? Ist das Mama?“, frage ich mich.“Kann ich euch helfen?“, fragt die Frau. „Wir sind auf der Suche nach Kristina Mc Killy, sie soll hier arbeiten“, erzählt Alessa selbstbewusst. „Ja, das ist eine wundervolle Mitarbeiterin von uns, sie müsste hier sein, wenn ihr wollt gucke ich gerne, ob ich sie finde, es ist sowieso gleich Mittagspause.“Wir warten und warten…es sind erst zehn Minuten um, doch es erscheint mir wie eine Ewigkeit.Plötzlich öffnet sich eine Tür, die nette blonde Frau von eben und kommt auf uns zu.An ihrer Seite eine wunderschöne, schlanke große Frau mit langen schwarzen gewellten Haaren und einem Lächeln im Gesicht. Langsam kommen sie die Treppe herunter.Ich zittere immer mehr am ganzen Körper. Ich frage mich, „Ist das jetzt Mama?““Hallo“, sagt sie. Sie sieht mir erschrocken, schon eher verwundert in die Augen.“Ha a llo“, sage ich stotternd. „Ich weiß nicht, ob du dich erinnerst, aber vielleicht sollten wir uns erst einmal setzen.“Selbstverständlich, setzen wir uns.““Hast du eine Ahnung, wer ich bin? Wer ich sein könnte?““Ich wusste es von dem Moment an, indem ich dir in deine Augen sah. Diese wunderschönen blauen Augen, ich hab sie nie vergessen.“Mama fängt an zu weinen und nimmt mich in den Arm.“Ich hab dich so vermisst. Es tut mir alles so unendlich leid. Es hat mir damals so das Herz gebrochen als ich gegangen bin.““Warum hast du mich damals allein gelassen, Mama?““Glaub mir mein Engel, es zerbrach mir das Herz, dich zurück zu lassen. Aber ich war 19, als ich dich bekam. Ich bin gerade mit meinem letzten Ausbildungsjahr fertig geworden. In der letzten Zeit konnte ich gar nicht mehr teilnehmen, da mein Bauch dicker und dicker wurde. Ich entschied mich für dich und gegen die Abtreibung. Du warst immer meine kleine Prinzessin, doch ich konnte dir nicht das bieten, was du verdient hättest.Als du 6 Jahre alt warst, bekam ich ein Jobangebot in Amerika, das war schon immer mein größter Traum.Ich wollte diese Chance wahrnehmen, um dich nach zu holen, wenn ich dort ein richtiges Leben aufgebaut hätte.Es gab nicht einen Tag, an dem ich nicht an dich gedacht habe.Was macht meine kleine Prinzessin? Wie geht es ihr?Der schriftliche und telefonische Kontakt zu dir als auch Besuche waren nicht gestattet. So lange bis ich dich ganz zu mir holen dürfte. So lange bis ich dir ein schönes gesundes Leben bieten kann.““Ich verstehe dich, Mama. Ich konnte es damals einfach nicht verstehen. Wo ist Mama? Warum ist sie nicht bei mir? Warum kommt sie nicht wieder? Du hast mich nicht aufwachsen sehen. In den Jahren, wo ich dich am meisten gebraucht habe, gab es dich nicht. Warum hast du mich nie geholt?““Die Firma, in der ich zuerst gearbeitet habe, ist genau in der Zeit, als ich dich holen durfte, pleite gegangen. Ich musste etwas Neues finden und arbeite in dieser Agentur auch erst zwei Jahre. Ich habe in letzter Zeit sehr viel an dich gedacht und mir gewünscht, dass ich dich endlich zu mir holen darf.“Noch lange reden wir über die vergangene Zeit. Doch ich kann meiner Mutter einfach nicht sauer sein, ich brauch sie doch und ich bin einfach nur unendlich froh, sie bei mir zu haben und sie wieder in die Arme nehmen zu dürfen.“Komm Liebes, ich nehme mir den restlichen Tag frei, damit wir ihn zusammen verbringen können.“Alessa ging für den Tag an den Strand, damit ich die Zweisamkeit mit meiner Mutter verbringen kann.Ich erzähle ihr alles über mein Leben und sie mir über ihres.

(Gloria Norek)


Reisegeschichte

ich atmete noch einmal tief durch, entspannte mich für einen kurzen moment, doch dann fiel mir der grund meines daseins ein und ich öffnete die augen wieder. mir gegenüber saß mein kleiner bruder, er schlief auf den unbequemen sesseln, die es in jedem abteil in diesem zug gab. ich rüttelte sanft an meinem bruder, um ihn wieder wach zu machen und hob das gepäck von der ablage. er machte die augen halb auf, schloss sie aber nach wenigen sekunden wieder. Es half nichts, ich musste ihn tragen, also trug ich ihn auf der rechten und das gepäck auf der linken seite, es erwies sich als sehr schwer, denn er war mittlerweile schon acht und dem entsprechend groß. am ende zog ich ihn eher hinter mir her, als das ich ihn trug, doch war ich äußerst dankbar dafür, dass unser gepäck rollen hatte.

auf dem bahnsteig angekommen, wurden meine arme langsam lahm und ich konnte ihn nicht mehr richtig „tragen“, also machte ich ihn wach und ließ ihn selbst laufen. ich sah mich nach unserem vater um, denn er hatte versprochen, uns abzuholen, aber wie erwartet, sah ich weder ihn, noch seine assistentin/geliebte des monats. also gingen wir zu einer bank. wir setzten uns so darauf, dass wir uns in keines der vielen kaugummis setzten, die auf ihr verteilt waren.

ich nahm aus meiner kleinen handtasche mein handy und rief ihn an, nur um dann von dem anrufbeantworter mit geteilt zu bekommen, dass er in einer besprechung sei und später zurück rufen werde. na toll! ich hatte mit meinen vater seit ein paar jahren nicht mehr geredet oder ihn gesehen, seit er unsere mutter verlassen hatte, um ein frau zu heiraten die er über das internet kennen gelernt hatte, doch zwei tage vor seiner hochzeit, überlegt er es sich anders und seither hatte er alle paar monate eine neue freundin. Meine mutter hatte vor ein paar tagen mit ihm telefoniert und das alles in erfahrung gebracht, nebenbei entschied sie über den kopf meines bruders und meinen hinweg, dass es wohl das beste sei, wenn wir ihn mal besuchen würden. weder mein bruder noch ich hatten großes interesse daran, wir kamen ohne ihn auch zurecht und brauchten seine hilfe nicht!

mein bruder wachte endlich auf und wir unterhielten uns darüber, wer wohl kommen würde, sobald ihm eingefallen war, dass er zwei kinder hatte, die auf dem bahnhof auf ihn warteten. Ich wettete, er würde ein taxi schicken lassen und mein bruder, er würde uns von seiner assistentin abholen lassen. plötzlich klingelte mein telefon, ich ging ran. „hallo liebling, tut mir leid, ich war grade in einer besprechung, aber ich komme gleich vorbei und hole euch ab“, sagte er entrüstet. Ich antwortete kühl: „heißt ‚du kommst gleich‘ assistentin oder taxi, ich frag nur, weil wir, johannes und ich, eine wette laufen haben.“ Einen moment war nichts zu hören, er überlegte wohl, ob er so tun sollte, als hätte er es nicht gehört oder den vater raushängen lassen sollte. er entschied sich für 1. „ich freu mich schon, wenn ihr endlich bei mir seid, eure mutter hat mir so viel erzählt über euch.“ „sie hätte nichts erzählen müssen, hättest du dich ab und zu mal gemeldet!“

„ach liebling, jetzt sein doch nicht stinkig, ich habe ja vor, unser zusammensein zu nutzen, damit wir wieder eine bindung haben und dann wird alles wie früher.“ ich konnte es nicht glauben, da versuchte er doch wirklich, alles der vergangenen jahre herunterzuspielen. ich legte auf. nach einer weiteren halben stunde kam, wie nicht anders erwartet, nicht er, sondern seine assistentin mit einem so falschen lächeln, dass ich mich wunderte, dass sie es überhaupt versuchte.

(Cynthia Steinbock)


Nach dem 13- stündigen Flug


Nach dem 13- stündigen Flug bremst der Flieger langsam und die Leute beginnen aufzustehen und ihre Sachen zu packen. Ich bleibe sitzen und starre aus dem Fenster. Die Sonne scheint mir ins Gesicht, und ich kann die Wärme sogar durch die Scheibe spüren. Voller Vorfreude denke ich an die sechs Monate, die mich in der ereignisvollen Stadt New York erwarten. Perfekter geht es nicht: Fotos machen ohne Ende, interessante Menschen kennenlernen, tolles Wetter und endlich eine Möglichkeit, mein Englisch zu verbessern. Der einzige Nachteil: anstatt mich in einem Luxushotel einzuchecken, muss ich bei meinen Verwandten leben. Mit meinen zwei kleinen Cousinen Hanna und Katja, die der Teufel in Person sind, darf ich mir ein Zimmer teilen.
Ganz in Gedanken versunken bemerke ich gar nicht, dass der komplette Flieger schon leer ist. Jemand tippt mich an und ich fahre erschrocken zusammen. Eine Stewardess steht vor mir. Blond, mit einer makellosen Haut und einer Figur, die einem Model gleicht. Sie sieht aus, wie eine Barbiepuppe. Sie mustert mich und blickt an mir runter. Ich trage eine schwarze Leggings und einen lockeren Pullover. Ich entspreche anscheinend nicht ihrem Stil.“ Miss, Sie müssen aussteigen“, sagt sie mit einem Lächeln, welches man gespielter nicht aufsetzen kann. Ich nehme meine Sachen und steige aus. Völlig verträumt gehe ich mein Gepäck suchen. Mit Kopfhörern in den Ohren und ohne nach oben zu schauen, stoße ich plötzlich mit jemandem zusammen. Ich falle auf den Boden und schaue den Jungen an, der mich mit seinem frechen Lächeln angrinst. “ Aufpassen Neuling“ , sagt er und schaut auf mich herab und reicht mir die Hand. Ich ergreife sie und richte mich auf. Ich habe gar nicht bemerkt, wie laut ich meine Musik aufgedreht habe, man kann sie sogar hören, ohne die Kopfhörer aufzusetzen. Der Junge lauscht und bemerkt : “ Hey, ist das “ The Big Bang“ von Rock Mafia und Miley Cyrus? “ Ich lächele, denn das Lied ist nicht allzu bekannt, es freut mich, dass ich nicht die einzige bin, die dieses Lied mag. Bevor ich etwas erwidern kann, höre ich aus 20 m Entfernung die Quälgeister meinen Namen schreien. Oh Gott, wie peinlich, ich will im Erdboden versinken.

(anon.)


Der erste Sonnenstrahl

Der erste Sonnenstrahl fällt in meine braunen Augen. Wie sehr habe ich diese Wärme vermisst. Ich gehe die Treppe vom Flieger hinunter, setze meine Sonnenbrille auf und höre noch, wie der Pilot mich etwas fragt, doch ich winke ihm nur zu und gehe Richtung Flughafen. Im Flughafen kaufe ich ein paar weiße Rosen und gehe zu meinem Lamborghini. Ich war geschäftlich unterwegs und bin froh, wieder in Rom zu sein, nur hier fühle ich mich wohl. Ich fahre zu meinem Haus, das sehr nah am Wasser liegt, mit der besten Aussicht, die man sich nur wünschen kann. Als ich dort angekommen bin, betrete ich mein Haus, doch niemand fällt mir mit voller Hingebung in die Arme, niemand küsst mich mit Leidenschaft, niemand, der auf mich gewartet hat, während ich weg war. Ich will gerade die Rosen wegwerfen, da sehe ich ein kleines Licht am Strand. Ich trete näher ans Fenster und erkenne eine Person. Da es schon dämmerig ist, kann ich nicht viel sehen, aber ich weiss genau, wer dort auf mich wartet. Ich renne mit den Rosen in der Hand aus der Tür Richtung Strand, und dort steht sie. Ihre langen braunen Haare wehen im Wind und ihre blauen Augen erstrahlen von dem letzten Sonnenlicht. Ich falle in ihre Arme und flüstere ihr zu, dass ich sie liebe.

(Miriam J.)

Reisegeschichte – Ankunft in New York

Ich stieg aus dem Flugzeug, und sofort wurde ich von dem grellen Licht geblendet, das durch die riesigen Fenster des Flughafens schien. Ich kniff meine Augen zusammen. Völlig orientierungslos versuchte ich, mir einen Weg durch die Menschenmassen ins Freie zu bahnen.
New York! Die Stadt der Möglichkeiten! Endlich war ich hier. Es war eine Chance, neu anzufangen, ein neues Leben zu führen, ein besseres Leben, in dem ich endlich wieder glücklich sein konnte. Viel zu lange schon war ich nicht mehr zufrieden mit meinem langweiligen Bürojob und meinem Zuhause. Dazu war ich nie der Typ Mädchen, der viele Freunde hatte. Kurz gesagt, es gab für mich keinen Grund mehr, länger in meiner Heimatstadt zu bleiben.
Noch in meine Gedanken versunken und immer noch müde vom Flug, taumelte ich aus dem Gebäude. Doch plötzlich wurde ich von ohrenbetäubenden Geräuschen aus meinen Gedanken gerissen. Überall hörte man Autos, die hupten, laute Motoren und quietschende Reifen. Das Ganze wurde unterlegt von kratzigen englischen Stimmen, die lauthals in ihre Handys brüllten oder sich in einer Lautstärke unterhielten, bei der man meinen musste, sie würden streiten.
Die Luft war so mit Abgasen verseucht, dass ich fast schon Angst hatte zu atmen. Statt den weiten Feldern, die ich aus meiner Heimatstadt kannte, sah ich hier bloß verdreckte Straßen.
Ich bekam Angst. Wie sollte ich mich hier nur jemals zurecht finden? Vielleicht war es doch ein Fehler gewesen, hierher zukommen. Ein Gefühl von Leere und Kälte stieg in mir auf und mir rollte eine Träne über die Wange. Ich wischte sie weg und beschlos, mich näher an die Straße zu begeben, um mit einem Taxi zu einem möglichst billigen Hotel zu fahren, und dort einzuchecken, bis ich eine Wohnung gefunden hatte.
Verunsichert stellte ich mich an den Straßenrand und hielt einen Arm nach draußen, um ein Taxi auf mich aufmerksam zu machen. Tausende Taxis fuhren an mir vorbei, ohne mir einen Hauch Beachtung zu schenken. Ich fühlte mich unwohl und wäre am liebsten sofort wieder zurückgeflogen. Nach einer gefühlten Stunde hielt endlich ein Taxi an. Sichtlich erleichtert öffnete ich die Tür des Wagens, um einzusteigen. Auf einmal hörte ich eine Männerstimme, die rief: „Excuse me! Wait! I’m in hurry! I need this taxi! Thanks!“ Der Mann, der mittlerweile direkt vor mir stand, versuchte, sich an mir vorbei in das Taxi zu drängeln.
Reflexartig schrie ich: „ Halt! Nein, das ist mein Taxi! Gehen Sie weg!“ Es war nicht meine Art, unfreundlich herum zu schreien, aber ich war so gestresst vom langen Flug, dass mich das unverschämte Verhalten des Mannes wütend machte. In dem Moment, als ich realisierte, dass der Mann ja kein Deutsch sprach und mich also gar nicht verstehen konnte, erwiderte er plötzlich: „Hören sie! Im Gegensatz zu euch Touristen habe ich keinen Urlaub, also habe ich auch keine Zeit. Wenn sie mich nun bitte in mein Taxi lassen würden? Danke!“ Ich war noch so erschrocken, dass der Mann Deutsch sprach, dass ich ihn kurzzeitig einfach nur mit geöffnetem Mund anstarren konnte. Der Mann sah aus wie ein „Wall-Street-Typ“. Äußerlich verkörperte er alle Klischees des Bankwesens. Er trug einen Anzug, der aussah, als wäre er teurer als meine frühere Monatsmiete. Dazu hatte er die Haare zurückgegelt und sein Tonfall klang arrogant. „Ich stehe bereits seit einer halben Stunde hier und versuche ein Taxi zu finden! Also rufen Sie sich gefällig ein Eigenes! Außerdem habe ich auch wenig Zeit und im Urlaub bin ich auch nicht! Das hier ist mein Taxi und ich werde damit jetzt wegfahren!“, sagte ich in einem energischen Tonfall. Der Mann sah mich etwas verstört an, er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass ich mich verbal wehren würde. Ich stieg in das Taxi ein und fuhr los. Auf meinen Lippen das Lächeln des Sieges. Auch wenn es bloß ein Taxi war, das ich gewonnen hatte, ich hoffte doch, dass dies nur der Anfang meiner Erfolge in New York war.

(Franja Daroszewski)