Andreas Stichmann: Interview


Hallo, erst mal wollten wir fragen, ob Sie schon Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen haben.

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Ne, gar nicht. Das war sozusagen mein erstes Mal.

Wirklich? Ihr allererster Workshop? Uns kamen Sie nämlich sehr entspannt und routiniert rüber…

Im Ernst? Oh, das find ich gut. Ich war eigentlich ziemlich verplant, innerlich so.

Hat es Ihnen denn gefallen? Wollen Sie so etwas noch mal machen?

Ja, sehr gerne. 

Haben Sie denn sonst schon Workshops gegeben, jetzt nicht unbedingt mit Jugendlichen?stichmann andreas_interview_225px3

Also teilgenommen habe ich an welchen. Mit sechzehn war ich mal bei dem „Treffen junger Autoren“ in Berlin, das ist so ein Schülerschreibwettbewerb. Kennt ihr vielleicht sogar. Ah, das wollte ich eigentlich noch anschreiben. Es gibt eine Internetseite, auf der eigentlich alle Literaturpreise, die es so gibt, aufgelistet sind. Darunter sind auch viele für Schüler, zum Beispiel Kurzgeschichtenwettbewerbe. (Für alle, die gerne und viel schreiben und interessiert an Wettbewerben etc. sind: www.uschtrin.de)

stichmann andreas_interview_225px6Sie haben ja gesagt, dass Sie schon mit sechzehn an Schreibwettbewerben teilgenommen haben. Hatten Sie dann schon immer den Wunsch, Autor zu werden , also richtig beruflich zu schreiben?

Ja, irgendwie schon.

Das war gleich Ihr Plan?

Irgendwie schon, ja. Ich hab auch immer schon gerne und viel gelesen, so wie ihr…

Das ist ja toll, dass es dann auch geklappt hat. ☺ Hatten Sie denn viele Schwierigkeiten oder Probleme auf dem Weg dahin?

Ich hatte eigentlich relativ viel Glück. Ich habe ja auch zuerst einen Kurzgeschichtenband herausgegeben, habe also auf einem „niedrigeren“ Level angefangen. Außerdem habe ich mich immer wirklich breitflächig bei Wettbewerben beworben und dadurch knüpft man dann ja auch Kontakte, trifft andere Autoren, die man bitten kann, vielleicht mal einen Text weiterzuleiten. Das war auch ganz wichtig.

stichmann andreas_interview_225px4Dann haben wir noch eine Frage zu Ihren Büchern. Sie haben vorhin beim Workshop erwähnt, dass die ersten Romane/Geschichten eines Autors meistens sehr persönlich sind, die Ich-Erzähler also auch häufig sehr nah an dem Autoren-Ich sind. Ist das bei Ihren Romanen auch so?

Ja, öhm irgendwie schon. Sind ja auch beides Ich-Erzähler…Man sagt ja auch, dass man vom Ich-Erzähler wegkommen muss, wenn man als Autor „erwachsen werden“ will. Das mache ich jetzt bei meinem nächsten Buch.
Arbeiten Sie schon an einem neuen Buch?
Ja, ich habe schon ein bisschen angefangen. Auf jeden Fall weiß ich, dass es kein Ich-Erzähler werden soll.

Bei Ihrem ersten Roman-
-Ihr könnt mich übrigens gerne dutzen. ☺

stichmann andreas_interview_225px5Ok, Du hast ja eine Reise gemacht, die Dich zu deinem Buch inspiriert hat. Machst Du immer noch Reisen, um Dich weiter inspirieren zu lassen?

Ich war längere Zeit in Südafrika und darüber schreibe ich jetzt gerade ein bisschen. Aber grundsätzlich würde ich auf jeden Fall gerne viel reisen und darüber schreiben.
Kennt Ihr Couchsurfing? Das habe ich mit meiner Schwester zusammen im Iran gemacht. Ich hätte auch gar nicht gedacht, dass es das da gibt. So viele super gastfreundliche Leute, die uns sofort enthusiastisch geantwortet haben: „Klar, kommt vorbei und bleibt so lange ihr könnt…“

Das klingt ja richtig abenteuerlich.

Und zum Schreiben natürlich perfekt. So viel Stoff kann man gar nicht aufschreiben…

stichmann andreas_interview_225px7Das bezieht sich jetzt aber gerade auf Dein schon erschienenes Buch „Das große Leuchten“, das auch im Iran spielt, oder?

Genau, dass ist sozusagen aus Tagebüchern beim Couchsurfing entstanden.

Schreibst Du auch sonst viel Tagebuch?

Nein eigentlich nicht, ich mache mir nur Notizen zu Texten und Geschichten, die ich schreiben will. Und auch in dem Roman geht es natürlich nicht um mein Tagebuch oder um meine Geschichte, das ist ja etwas ganz eigenes. Couchsurfing kommt zum Beispiel auch gar nicht vor.

Uns würde es wirklich noch mal interessieren, woher genau man als Autor so seine Inspiration bekommt. Einmal natürlich durch Reisen, aber gibt es da auch noch andere Dinge?

Bei mir war das so, dass mein Hauptanlass eigentlich war, dass ich überlegt habe, worüber ich in den letzten Jahren so nachgedacht habe. Ganz allgemein, was mich beschäftigt hat, persönliche Fragen in meinem Leben. Und dann, wenn man für sich ein Thema hat, was einen interessiert, wozu man etwas gedacht hat, was man auch mitteilen möchte, dann überlegt man welche Figuren dazu passen und guckt, ob man noch etwas recherchieren kann und, ja, schreibt einfach drauf los.

Das ist doch jetzt ein schöner Schlusssatz. Vielen Dank, Andreas Stichmann, für das Interview.

 

Dieses Gespräch führten Anna Boehme, Ammon S., Ruby van Leeuwen und Racine van der Sloot am 25.1.2013 im Wallsaal der Zentralbibliothek Bremen.

Transkribiert von Anna Boehme

 


Fotos: © Victor Ströver