Ergebnisse aus dem Workshop mit Olga Grjasnowa am 23.11.2012

Mein Leben in zehn Jahren

Zehn Jahre sind schon vergangen. Jetzt bin ich 27 Jahre alt und mein Leben ist ein einziges Chaos. Ich erinnere mich, als ich mein Abitur machen wollte und alles hingeschmissen habe, weil ich einfach keine Lust dazu hatte. Nun merke ich, es war ein Riesenfehler. Schon seit Jahren wohne ich in einer kleinen, dreckigen Einzimmerwohnung, ganz am Rand der Stadt, genau da, wo ich nie sein wollte. Ich habe keine Ausbildung, geschweige denn eine richtige Arbeitsstelle. Meine finanzielle Lage? Darüber mag ich gar nicht reden. Meine Rechnungen stapeln sich. Bald werde ich auch noch meine Wohnung verlieren. Dann ende ich genau da, wovor ich mich am meisten gefürchtet habe: Auf der Straße. Andere Leute um Geld anbetteln? Nein das will ich nicht. Jeden Tag stehe ich auf, fahre in die Stadt und versuche, einen Job zu finden.

Vergeblich. Nichts läuft so, wie ich es mir erhofft habe. Der Traum selbstständig zu sein, finanziell gut abgesichert zu sein, eine Familie zu haben und einfach glücklich zu sein, hat sich wohl ausgeträumt. Jetzt stehe ich hier alleine, keiner da, der mir helfen kann. Meine Familie, meine Freunde, alle sind weg. Meine Eltern leben seit fünf Jahren wieder in unserem Heimatland, mein Bruder soll angeblich irgendwo im Ausland ganz erfolgreich sein und mein anderer Bruder? Ich habe keinen blassen Schimmer. Meine besten Freunde haben die Stadt längst schon verlassen, leben irgendwo in Amerika, New York, was weiß ich, oder in England. Ist ja auch egal. Das einzige, was ich möchte: alles, verdammt nochmal, alles richtig zu machen. Endlich einen Job finden, glücklich sein. Aber es scheint so, als würde alles nur noch schlimmer werden. Was soll ich noch tun? So habe ich mir das Leben wirklich nicht vorgestellt.

Ein Monat vergeht. Ich bin gerade dabei, meine Sachen aus dem ganzen Müll in meiner Wohnung zu suchen, als es an der Tür klingelt. Ich mache mir keine wirklichen Gedanken darum, wer es sei könnte, trotzdem gehe ich zur Tür und öffne sie. Eine junge, bildhübsche Dame steht vor mir. Ich habe keine Ahnung, wer sie sein könnte, bis sie sich mir vorstellt. Es ist meine frühere beste Freundin. Damals haben wir jeden Unsinn zusammen gemacht, ich erinnere mich wieder. Wie hat sie mich ausfindig gemacht? Wir gehen in meine Wohnung und reden stundenlang. Ich erzähle ihr von meiner schlimmen Lage, und sie verspricht mir zu helfen, wie sie es mir früher schon versprochen hat. Im Laufe der Zeit hilft sie mir, mich in meinem Leben zurecht zu finden und Ordnung hinein zu bringen.
Endlich finde ich eine gute Arbeitsstelle und mein Einkommen ist dementsprechend. Im Moment geht alles bergauf, und das alles Dank ihr!

Aber wie lange mag es noch so sein…?
Ihre Freundin und sie halten weiterhin guten Kontakt zueinander. Noch im selben Jahr lernt sie einen Mann kennen. Ihr Leben verläuft genauso, wie sie es wollte. Endlich ist sie glücklich. Nur einige Jahre später heiratet sie den Mann, hat eine kleine Familie und ihre Traumvorstellung ist doch wahr geworden. Dennoch scheint es, als hätte sie viele Probleme. Der Gedanke, dass es wieder so werden könnte, wie vorher, plagt sie täglich.
Kann sich alles wieder zum Alten wenden? Wer weiß.

(NaNa S.)

Mein Leben nach zehn Jahren
1)
Mein Abschluss, mein Studium, mein Leben, alles gegen mich. Ich bin ein geduldiger Mensch, doch das, was ich mir mit fünfzehn gewünscht habe, erfüllte sich nicht. Eine Katastrophe folgt der anderen.
Einer meiner Wünsche war es, Menschenleben zu retten. Jedoch würde der kranke, hilfslose Mensch sicher lieber sterben, anstatt sich von mir helfen zu lassen. Ich bin schlimmer als ein Pechvogel. Jedes Buch, das ich lese, interessant finde und daraus lerne, vergesse ich am nächsten Tag. Jeder Schritt, den ich in meinem Leben nach vorn gehe, schupst mich im nächsten Augenblick wieder zurück.
Im Leben gibt es schöne und schlechte Situationen: Ich bin in der schlechten seit zehn Jahren gefangen. Seit meine Mutter, die ich sehr liebte und die mir half, die schlechten Situationen zu überwinden, gestorben ist. Sie starb an einem Herzinfarkt. Schuld war mein kleinerer Bruder, der ihr immer Sorgen bereitete. Seit zehn Jahren habe ich meinen Bruder nicht gesehen und weiß auch nicht, wo er ist.
Mit fünfundzwanzig, als ich die Absage für mein Studium bekam, habe ich gedacht: „Das Studium ist nicht das Wichtigste im Leben“. Ich war arbeitslos. Ich versuchte, trotz allem, mein Leben auf die Reihe zu kriegen. Doch dann änderte sich meine Familie. Mein Bruder wurde zum Mörder.
Jeder, der mich heute auf der Straße sieht, sagt: „Was suchst du noch hier draußen, du Terroristin, fahr zur Hölle und nimm deinen Bruder gleich mit!“. Sogar die Polizisten auf der Straße kontrollieren mich intensiv und ängstlich, als wäre ich eine Verbrecherin. Ich ignoriere sie, ignoriere alle. Meine Schwester ist zwar Ärztin, aber besessen davon, heimlich Kinder zu entführen und mit denen chemische Versuche durchzuführen. Und ich, ich bin ich. Zumindest bis jetzt. Ich sitze in meinem Wohnzimmer, mit fünfundzwanzig Jahren, und denke für einen Moment: „Das Unglück hat ein Ende.“ Und dann kommt der Anruf. Mein Arzt. Ich habe einen Tumor im Gehirn. Ich sitze hier und warte auf den Tod.

2) Danach wird mein Leben nicht katastrophaler, aber auch nicht besser. Ich bleibe so, wie ich bin. Ich mache meine normalen selbstverständlichen Arbeiten im Alltag. Ich sehe meine Familie nicht mehr, naja was heißt denn Familie. Ich sehe meinen Vater nicht mehr.
Bis eines Tages etwas geschieht, etwas, das in meinem Leben nicht zu erwarten war. Es ist ein Dienstag. Eine alte Freundin, die vor 11 Jahren in die Karibik zog, steht plötzlich vor meiner Haustür. Ich freue mich natürlich. Sie erzählt mir von ihren schönen Jahren in der Karibik und ich, ich erzähle von meinem grauen Leben. Sie bleibt einen Monat bei mir. Eines Tages kommt sie mit zwei Flugtickets in der Hand zu mir und bittet mich, mit ihr in die Karibik zu ziehen.
In der Karibik ist es herrlich, ich lerne neue lebensfröhliche Menschen kennen, die mich mit glücklichen Blicken ansehen und mich nicht beleidigen. Ich bin glücklich. Jedoch verschwindet der Tumor nicht einfach so. Ich gebe nicht auf, auch wenn meine Ärzte misstrauisch sind. Wenn alle meine Erwartungen schief laufen, so werde ich friedlich in der Karibik sterben.

3) Sie. Sie ist in der Karibik. Sie geht morgens zum Strand, mittags zum Fitness und abends an einen ruhigen Ort in den Bergen. Sie ist die Richtige für ihn. Ihn, der morgens als Rettungsschwimmer, mittags als Fitnesstrainer und abends als Touristenführer in den Bergen unterwegs ist. Ihre Blicke treffen sich. Beide sind verliebt und beide haben eine schreckliche Vergangenheit. Eines Abends hat er frei, geht auf die Berge und trifft sie. Er traut sich, sie zu fragen, ob sie mit ihm ausgeht. Bevor sie ihm darauf antwortet, erzählt sie ihm ihre Geschichte und aus welcher Familie sie stammt. Er ist nicht schockiert, denn er selbst hat eine noch viel schrecklichere Geschichte. Sie verstehen sich. Ein halbes Jahr später sind sie ein Paar. Es läuft alles gut. Beide vergessen ihre Vergangenheit.
Eines Tages kommt sie ins Krankenhaus. Ihr Tumor breitet sich mehr und mehr aus. Die Ärzte können ihr nicht helfen. Er liebt sie so sehr, dass er die besten Ärzte der Welt für sie sucht. Frankreich. In Frankreich liegt sie im Krankenhaus, es geht ihr gut. Ihr Zustand ist normal, bis zu dem Morgen an dem alles endet.
Als er mittags mit Rosen ins Krankenhaus kommt, wird ihm berichtet, dass sie am Morgen gestorben sei. Sie hinterlässt ihm eine Nachricht:
„Lieber Daniel, als wir uns das erste Mal trafen, wusste ich, dass du der Richtige bist und habe diese Nachricht für dich geschrieben, falls ich sterben werde. Ich habe eine letzte Bitte an dich: Schenke mein Herz einem kleinen Waisenkind, das ein Herz braucht, und adoptiere es. So kannst du nicht sagen, dass ich dich verlassen habe, denn mein Herz ist immer in deiner Nähe.“

(Rana)

Mein Leben in zehn Jahren, wie ich mir es gar nicht wünsche !

Ich heiße Beritan bin 16 Jahre alt und erzähle euch jetzt mit meiner ganz persönlichen Geschichte, wie ich kurz davor war, mein Medizinstudium zu absolvieren.

Ich war früher ein lebensfroher Mensch, glücklich mit meinem Leben, war ein offener Mensch, und lebte jeden Tag meines Lebens, als wäre es mein letzter. Heute genau vor zehn Jahren passierte ein tragischer Unfall, der mein Leben schlagartig änderte. In nur ein paar Momenten, Augenblicken platzten alle meine Träume.
Ich fuhr wie jeden Morgen zur Uni. Ich wollte noch kurz nach Hause, da ich etwas vergessen hatte. Nur noch 200 m, plötzlich wurde ich von einem Auto erfasst. Ich war sofort tot. Aber ich bekam eine zweite Chance, die Ärzte brachten mich wieder ins Leben zurück. Es hatte aber einen Haken, ich war für den Rest meines Lebens querschnittsgelähmt.
Ich dachte immer, es könnte nicht schlimmer werden, aber da irrte ich mich gewaltig. Ich war an den Beinen gelähmt, das war mir bewusst, der Gedanke, nie mehr wieder laufen zu können, alleine was zu unternehmen, gehörte der Vergangenheit an. Das Leben meinte es nicht gut mit mir. Stück für Stück konnte ich meinen Körper immer weniger bewegen.
Ab da begann der Kampf zwischen mir und meinem Körper, als wäre er vom Satan höchst persönlich besessen. Ich war an den Rollstuhl gefesselt. Mein Leben hatte keinen Sinn mehr. Ich zählte die Jahre, Monate, Wochen, Tage und Sekunden. Für mich blieb die Zeit stehen. Ich wartete auf den Tod.

Sie schaute in den Spiegel und realisierte erst dort, was mit ihrem wunderschönem Gesicht passiert war. Die Brandverletzungen würden sie bis an ihr Lebensende verfolgen. Beim Anblick ihres Körpers brach sie in Tränen aus. Ihr Körper war voller Narben und Verletzungen. Trotzdem war dieser Schmerz nicht mit dem zu vergleichen, was sich in ihrem Herzen abspielte. Sie war abgemagert, nahm nur noch das Nötigste zu sich. Von der Außenwelt schloss sie sich völlig aus.
Eines Tages fuhr sie, wie jeden Morgen, nach draußen, um ihre Post zu holen. Sie bemerkte die Stufe nicht. Mit einem heftigen Knall fiel sie zu Boden. Der Nachbarsjunge eilte zu ihr, um ihr zu helfen. Beritan zuckte zusammen und erschrak. Sie kannte ihn nur vom Namen. KEN, dachte sie, froh über seine Hilfe, und bedankte sich ganz herzlich, obwohl der Junge etwas irritiert war, da man sich im Dorf erzählte, sie sei eine Hexe und könne zaubern. Er schenkte ihr ein bezauberndes Lächeln und von dem Zeitpunkt an, begann die Freundschaft zwischen dem fröhlichen Nachbarsjungen und der Querschnittsgelähmten.

Fortsetzung folgt

(Beritan)

Wenn ab jetzt alles schief geht werde ich in 10 Jahren …

…alleine, verlassen, mit meinen 10 Katzen und mit meinen Porzellanpuppen, in einer kleinen Wohnung in einem Hochhaus in Bremen wohnen.
Ich bin arbeitslos, da ich körperlich nicht in der Lage dazu bin.
Ich schaffe es noch nicht einmal, meine Wohnung in Ordnung zu halten und mich vernünftig um meine Katzen zu kümmern.
In meinem Kühlschrank befindet sich gerade mal ein abgelaufener Joghurt und ein paar Dosen Katzenfutter.
Jeden Nachmittag setze ich mich vor einen Supermarkt mit einem Schild in der Hand auf dem steht: „Schon eine kleine Spende von Ihnen würde mir zum Überleben helfen!“
Wenn ich abends nach dem Betteln nach Hause komme, lege ich mich auf meine Coach und schlafe weinend ein.
Ich verwahrlose und kann nichts dagegen tun.
An der ganzen Situation ist nur eine Person Schuld, meine Mutter!
Sie hat mich einfach verlassen.
Sie ist einfach fortgegangen.
Sie hat noch nicht einmal versucht, den Krebs zu bekämpfen.

Ihre Mutter hat ihr gezeigt, dass es erst gar keinen Sinn hat zu versuchen, den Krebs zu bekämpfen.
Also wird sie es auch nicht versuchen.
Sie hat jede Hoffnung aufgegeben, auch die Hoffnung auf etwas Glück.
Betteln tut sie auch nicht mehr, sie tut rein gar nichts mehr.
Sie liegt einfach auf ihrer Coach und wartet auf ein Ende.

(Jaqueline)

Schicksalschlag

Ich wollte immer eine Sängerin & Schauspielerin sein. Na ja, es ist nur ein Traum & bleibt auch ein Traum. Vor zehn Jahren habe ich diese Chance als Schauspielerin & Sängerin verpasst & konnte meinen Traum nicht verwirklichen. Denn vor zehn Jahren erlebte ich einen Schicksalschlag & damit beginnt meine Geschichte.
Ich hatte alles dafür getan, um Sängerin oder Schauspielerin zu werden. Ich habe auch abends als Gogo- Tänzerin gearbeitet. Eines Tages lernte ich einen Mann auf Facebook kennen. Ich sah seine Bilder an & dachte mir in diesem Moment: Das ist mein Traummann. Wir schrieben uns gegenseitig und trafen uns am nächsten Tag in einem Café. Mein erster Eindruck von ihm war in Ordnung. Später erfuhr ich, dass er eigentlich ein Vergewaltiger war. Er belästigte mich immer wieder. Eines Abends vergewaltigte er mich. Ich konnte mich nicht wehren, ich war zu schwach & fühlte mich wertlos. Nach zwei Monaten erfuhr ich, dass ich schwanger war. Ich wollte sterben, aber konnte dann nicht, denn für mein Kind musste ich leben. Als ich mein Kind auf die Welt brachte, spürte ich dieses Muttergefühl. Zehn Jahre sorge ich nun für mein Kind, damit es ein gutes Leben hat. Ich mache alles, damit es glücklich ist.

(anon.)

Ich heiße Stephanie

Ich heiße Stephanie. Meine Ziele waren damals klar. Vielleicht war es auch naiv von mir zu glauben, dass ich diese Ziele erreiche, denn ich hatte keine Alternative als das Medizinstudium. Nun bin ich 26 Jahre alt. Vor zehn Jahren fing ich an, mein Abitur zu machen. Bis zur 13 ten Klasse hatte ich gute Noten, aber dann ?! Dann schaffte ich meine Abiprüfung nicht. Schuld war der Stress, der mich heute noch nicht loszulassen scheint. Ich schaffte also mein Abitur nicht und hatte somit nur mein Fachabi in der Tasche. Für viele ist es ein Ziel, was sie erreichen wollen, sie geben sich zufrieden. Aber für mich reichte dies nicht. Der Traum vom Medizinstudium war zerplatzt. Ich studierte Wirtschaft auf der Fachhochschule, welches vier Jahre dauerte. Aber während dieser Zeit wurde ich stark depressiv, denn meine häusliche Situation und das Eingeständnis, dass ich nie Ärztin werden konnte, machten mich krank. Ich beendete mein Studium mit einem miserablen Abschluss. Im letzten Jahr glaubte ich, meine Depression dadurch bekämpfen zu können, dass ich jede freie Minute shoppen ging oder mir Sachen im Internet bestellte. Ich lebte über meine Verhältnisse. Das Ergebnis war, dass ich mit 26 Jahren einen Haufen Schulden hatte. Das war auch der Grund, wieso mich Manuel, meine große Liebe, verließ. Verständlicherweise bekam ich keinen Job, und dies führte zu einem Teufelkreis; denn ohne Verdienst, konnte ich meine Schulden nicht abbezahlen. Insgesamt 50 kg habe ich zugenommen und meine ganzen Freunde verloren.
Der Stress, den ich damals bei der Abiprüfung hatte, war nicht nur der, die Abiprüfung zu bestehen, sondern auch der häusliche Stress, der mich fertig machte. Ich kann sogar sagen, dass dieser Stress mehr Gewicht hatte, verursacht durch meinen Vater, der Alkoholiker war, ständig spät nach Hause kam und meine Mama und mich schlug.
Eigentlich hatte ich mich daran gewöhnt, aber am Ende der 13 ten Klasse fing es an, mich zu stören, und meine Gedanken drehten sich nur um meinen Vater. Vielleicht störte es mich, weil ich reifer war und wirklich begriff, was zu Hause geschah.
Meine Mutter war in psychologischer Behandlung, wegen meines Vaters. Sie verbrachte ihr ganzes Leben damit, zu weinen und traurig zu sein. Mein Vater ? Über den weiß ich gar nichts. Noch nicht einmal, ob er lebt.

Es tauchten immer wieder Momente auf, in denen meine Patientin Stephanie versuchte, sich umzubringen. Ich tat mein Bestes, für sie da zu sein, auch außerhalb meiner Praxiszeiten. Aber wie ich feststellen musste, war dies nicht genug.
Gestern habe ich erfahren, dass sie von der Brücke sprang. Sie überlebte mit schlimmen Verletzungen.
Sie war wohl doch nicht so stabil, wie sie immer tat.

(Stephanie V.)

Mein Leben in 10 Jahren

Ich fühle mich schlecht. Ich habe kein Internet. Überall in meiner viel zu kleinen Wohnung liegen Müll, Amazonkartons, Bierflaschen und unbezahlte Rechnungen. Ich bin letztens 26 geworden, und das hat alles aus dem Gleichgewicht gebracht. Ich bekomme kein Kindergeld mehr. Mit 25 war alles noch OK. Ich hatte genügend Geld, habe gearbeitet und ich hab viel gelernt. Dann wurde mir etwas klar. Mein ganzes Leben lang habe ich nur gelernt, gearbeitet und ich war fleißig. Das kann doch nicht der Sinn des Lebens sein, dachte ich mir. Ich ging immer öfters auf Partys, feierte, trank Alkohol und ich fing an zu Kiffen. Am Ende jeden Monats hatte ich -1823$ auf meinem Konto. Ich lebte so weiter und jetzt sitze ich hier. Ich hätte doch lieber fleißig sein sollen.
Es klingelt an der Tür. Ich bin müde und will nicht hingehen. Es klingelt noch einmal. Ich entschließe mich hinzugehen. Ich stehe auf. Bierflaschen rollen weg und ich stolpere über Amazonkartons. Endlich bin ich an der Tür. Es klingelt ein drittes Mal. Ich rufe:“Jaaaa!!!“ und schließe die Tür langsam auf. Wer könnte das sein? fragte ich mich. Ich könnte im Lotto gewonnen haben. Ja, und mir ein Haus kaufen, das Geld auf ein Konto packen und von den Zinsen leben. Oder es könnte meine Schwester sein, die mit mir in den Heidepark fahren will oder mein alter Freund Flo. Es klingelt ein viertes Mal. Ich öffne voller Freude die Tür, doch im selben Moment erinnere ich mich an einen Satz meiner Mutter: „Öffne niemals einem Fremden die Tür.“ Es war zu spät. Vor mir stand ein Mann, seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Auf seinem Pulli stand ACTA, er holte sein Messer raus und stach mir in die Brust.

Er wacht auf. Es ist 6:30. Er öffnet seinen Laptop und ist erleichtert. Das Internet geht.

(Jan-Paul)

Tiefpunkt

Ich bin Esra Y. , bin 26 Jahre alt. Ich habe vor kurzem meinen Job verloren. Mein Mann ist vor einem Jahr durch einen Autounfall ums Leben gekommen. Ich kann jetzt, in diesem Moment, sagen, dass ich den Tiefpunkt meines Lebens erreicht habe. Ich habe eine Tochter, die ich jetzt ohne Vater und ohne Job großziehen muss. Sie ist erst zwei. Ich muss doch eigentlich ein Vorbild für sie sein. Ich stand schon mehrere Male in der Küche, mit einem Messer in der Hand und hatte den Gedanken, mich umzubringen. Doch dann dachte ich an meine Tochter: Ich sah vor meinen Augen, wie sie in eine andere Familie kommt, wie sie dort schlecht behandelt wird. Sie ist der Grund warum ich jetzt noch lebe. Der Verlust meines Jobs und meines Mannes sind nicht der einzige Grund. Ich kann einfach nicht mehr. Ich verstehe die Welt nicht. Ich wurde einfach viel zu oft verletzt und enttäuscht.
Dann der 23.11.2022! Ich erinnere mich daran, als ob es gestern wäre. Meine Tochter war alleine im Wohnzimmer und spielte mit ihrem Spielzeug. Ich war in der Küche und räumte ein wenig auf. Plötzlich hörte ich einen lauten Knall. Danach war es still, zu still. Ich rannte ins Wohnzimmer, der Fernseher lag auf dem Boden und überall war Blut. Ich schrie. Als ich es mit aller Kraft schaffte, den Fernseher hoch zu heben, sah ich sie auf dem Boden liegen, sie war tot.
Die Bilder gehen mir nicht mehr aus den Kopf! Der Grund warum ich lebte, ließ mich nun auch noch alleine. Ich wollte sterben…Alles Wichtige in meinem Leben verlor ich Stück für Stück. Wie ein Fluch war das alles.

Sie war verzweifelt. Sie hatte vor zehn Jahren, als sie noch ihr Abitur machte, eine Kurzgeschichte geschrieben, wie ihr Leben im schlimmsten Fall in zehn Jahren aussehen würde. Jetzt wurde der Albtraum zur Realität, na gut, fast. Jeden Morgen wachte sie alleine in ihrem Bett auf, mit der Hoffnung, dass alles nur ein blöder Traum war. Sie hatte sich von jedem abgegrenzt, weil sie dachte, dass sowieso niemand sie verstehen würde. Sie hatte niemanden mehr. Sie war ganz alleine.

(Esra)

Mein Leben in 10 Jahren, wenn alles schief geht

Ich bin 25 Jahre alt. Ich lebe in Bremen bei meiner Mutter, habe keinen Job, keinen Schulabschluss und keine Freunde. Ich habe einen ausgeprägten Tumor im linken Temporallappen und sterbe in fünf Jahren. Ich habe eine 8 -jährige Tochter, die bei Pflegeeltern lebt. Mein Vater ist mit seiner Freundin nach Holland gezogen. Meine Familie aus Hessen ist bei einem Autounfall tödlich umgekommen.
Der Freund von meiner Mutter ist an allem Schuld. Er hat meine Mutter verlassen, und damit sie nicht so alleine ist, bin ich bei ihr eingezogen und hab alles aufgegeben.

Ein paar Wochen später lernte sie einen Mann kennen. Sie zog zu ihm nach Hamburg, in ein Penthouse an der Alster. Sie fing eine Ausbildung an, zwei Jahre später wurde sie eingestellt und hatte ein gutes Einkommen. Mit 30 heiratete sie den Mann, in der Toskana. Die beiden blieben noch ein paar Jahre in Hamburg, dann zogen sie in den Süden. Sie kauften ein großes Grundstück und gründeten eine Familie.

(anon.)

Mein Leben in zehn Jahren (worst case)

Ich habe immer fest damit gerechnet, mit Mitte zwanzig in New York zu leben.
Dachte, vielleicht werde ich Journalistin, schreibe für eine Zeitung.
Nie habe ich überlegt, was wäre, wenn alles anders liefe, doch alles lief anders.
Ich sitze in Berlin fest, denn ich dachte, hier in der Hauptstadt, bekäme ich einen guten Job, der super in meiner Bewerbung aussieht und, dass ich dann auswandern könnte, aber wie sagt man: Irren ist menschlich! Mein Englisch ist zumindest gut genug.
Aber anstatt in New York für eine wichtige Zeitung zu schreiben, fing ich längst unwichtig gewordene Promis vor Berliner Hotels ab, um ihnen unangenehme Fragen zu stellen, deren Antworten mich nicht mal interessierten. Diese Interviews gab ich dann meinem Chef, damit er sie jemandem geben konnte, der daraus einen Artikel für ein Klatschmagazin machte.
Aber so wollte ich mein Leben nicht leben, in einer Stadt, in der ich nie leben wollte, allein, mit dem miesesten Job der Welt.
Doch alles wurde besser als ich ihn traf. Aus Versehen angerempelt in der Fußgängerzone und nach einem „Entschuldigung“ in ein Gespräch gekommen. Er, Reporter aus L.A. machte Urlaub in Deutschland und kannte wen: den Chef einer Redaktion in New York.
Wir verstanden uns gut. Wurden Freunde und mehr. Ein halbes Jahr später wollten wir zusammen in die U.S.A, ich hatte schon ein Jobangebot, dank seiner Beziehungen und er nahm einen Job in meiner Agentur an. Alles schien so perfekt.
Doch alle Träume und Vorstellungen lösten sich auf, als einige Wochen vor dem Flugtermin mein Vater krank wurde. So krank, dass ich es nicht mit mir vereinbaren konnte, ihn allein zu lassen.
Und so begann der Albtraum, der sich Rest meines Lebens nennt.

Nach acht ermüdenden Stunden Arbeit fährt sie, wie jeden Nachmittag, zu ihrem Vater. Er will nicht aufstehen, er sitzt aufrecht in seinem Bett, als sie das Zimmer betritt. Er ist 57 doch der Krebs lässt ihn 20 Jahre älter aussehen. Sie überredet ihn aufzustehen, und sie gehen raus. Er läuft langsam durch den kleinen Park vor dem Haus. Sie reden kaum. Nach zwei Stunden fährt sie nach Hause, duscht, legt sich ins Bett und versucht einzuschlafen.

(anon.)


Wie sieht mein Leben aus, wenn ab jetzt alles schief geht?

Ich stand in der Tür und hörte ihn mal wieder schreien:,, Wo ist mein Bier?!“ Eckart war arbeitslos und ich durfte nicht arbeiten, er wollte nicht, dass ich das Geld verdiene, weil er schließlich der Mann in dieser Beziehung war. Unsere Wohnung war klein, sehr klein. Und überall standen seine kleinen Modellautos, seine kleinen Staubfänger. ,,Mein Bier, Weib!“, schrie er nochmal. ,,Ja ich komme schon!“, schrie ich zurück. Wie jeden Samstag lief Fußball. Er schrie und fieberte mit und manchmal warf er auch die Fernbedienung nach mir, wenn ich durch das Bild lief.
Als ich ihm endlich das Bier brachte, war er sauer. ,,Endlich kommst du auch mal damit rüber, jetzt, da die Halbzeit schon so gut wie zu Ende ist.“ Ich entschuldigte mich, obwohl es mir nicht leid tat und ging wieder in die Küche. Nach dem Fußball kam er und ließ den ganzen Frust vom Fußball an mir aus. Wie jeden Samstag. Er holte sogar zum Schlag aus, aber ich konnte mich gerade noch bücken und rannte ins Schlafzimmer. Am Abend lagen wir nebeneinander im Bett, und ich weinte mich wieder in den Schlaf, weil ich wusste, dass es die nächsten Tage, Wochen, Monate und sogar Jahre so bleiben würde, da ich mich niemals traute, mit ihm Schluss zu machen.
Außerdem war ich sauer. Sauer auf meinen Vater, der auf diesen Heiratsschwindler reingefallen war und mich gezwungen hatte, diesen Mann zu heiraten, und dann leider kurz nach der Hochzeit gestorben war.

Am nächsten Morgen wachte sie vor ihrem Ehemann auf und ergriff die Chance, einfach abzuhauen. Sie hatte schon längere Zeit etwas Geld gespart, für den Notfall. Sie sah ihn das letzte Mal, machte ihm noch ein letztes Mal Frühstück und ging. Ging vom alten Leben in ein Neues.

(Neele)


Ich weiß echt nicht mehr weiter

Ich weiß echt nicht mehr weiter, doch was ich weiß ist, dass alles mit dem Alkohol angefangen hat.
Alkohol ist ein hervorragendes Lösungsmittel.
Es löst Familien, Freundschaften und Arbeitsverhältnisse.
Ich habe alles verloren!
Und mein tragisches Leben geht weiter.

Ich saß, wie fast jeden Tag auf der Straße, um zu betteln.
Plötzlich stand eine junge Frau vor mir. Ich streckte meine Hand aus. Sie gab mir ein wenig Kleingeld.
Ich hielt ihre Hand fest, sie war so warm, dass ich realisierte, dass mir Wärme fehlte. Unsere Blicke trafen sich. Sie war ca. 170 cm groß und trug schwarze Lederschuhe mit Absätzen, was sie gefühlte 10 cm größer wirken ließ. Ich machte ihr Komplimente, dass sie wunderschönes lockiges Haar habe. Ihre Lippen waren verführerisch, ich war hin und weg. Sie warf mir ein süßes Lächeln zu, und weg war sie. Am nächsten Tag kam diese Frau wieder, wir kamen ins Gespräch. Zwei Monate vergingen. Durch die Hilfe der Frau, die eigentlich Lisa heißt, konsumierte ich keinen Alkohol mehr. Ich hatte es geschafft!

Zwei Jahre später. Er und Lisa sind verheiratet. Sie führen ein glückliches Eheleben, denkt er. Aber wenn es nach ihr ginge, hätte Lisa schon lange die Scheidung eingereicht, doch sie brachte es nie über die Lippen.
Es ist Mittwoch, der Tag am dem er und Lisa jeden Abend gemütlich einen Film schauen. Sie liegen auf der Couch. Doch dann passiert es, Lisa nimmt all ihren Mut zusammen und beichtet ihr Anliegen. Sie zittert. Er steht auf, reißt sie von der Couch hoch und drückt sie gegen die Wand. Sie schauen sich ganz tief in die Augen, Tränen fließen.
Kaum ist der Augenkontakt vorüber, geht er zum Fenster und bricht das Glas mit seinem Ellbogen. Lisa traut ihren Augen nicht, sie eilt sofort zu ihm. Sie ist zu spät.

(Tarik)


Mein Leben in 10 Jahren

Zehn Jahre sind schon vergangen. Ich bin jetzt 25 Jahre alt. Die letze Chance, die ich bekommen habe, um alles besser zu machen, habe ich versemmelt. Jetzt schon zum dritten Mal. Ich habe nie aufgegeben und habe immer an mich geglaubt. Diese letze Chance, das Examen nachzuschreiben, verhauen, verhauen und jetzt wieder verhauen. Jetzt ist mein Traum, Ärztin zu werden, geplatzt. Mein Leben ist ein totales Chaos. Es ist alles so, wie ich es mir niemals erhofft habe. Meine Eltern sind erkrankt und vor zwei Jahren gestorben, und meine Geschwister leben nun seit Jahren in Amerika. Ich habe lange nichts mehr von ihnen gehört. Ich habe nichts und niemanden mehr. Keinen Partner, keine Familie und keine Freunde. Ich hatte für niemanden Zeit, weil ich ständig am Lernen war. Keine Zeit, neue Leute kennen zu lernen, da mich mein Studium davon abhielt. Sogar meine beste Freundin, mit der ich durch dick und dünn, in guten und in schlechten Zeiten, gegangen bin, habe ich verloren. Ich habe keinen blassen Schimmer, wo sie ist und wie ich sie finden kann. Mein Freund, mit dem ich lange Zeit zusammen war, ist auch verschwunden. Ich bin alleine.
Jetzt sitze ich hier, wo ich niemals in meinen Leben landen wollte, auf dem Arbeitsamt. Ich bekam Jobangebote, mit denen ich mich nicht anfreunden konnte. Kellnern, kassieren, einräumen, putzen. Alles nicht mein Ding. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass mein Traum, Menschen weltweit zu helfen, geplatzt ist, die Hilfe, die meine Eltern sich damals nicht leisten konnten und deshalb starben. Nichts läuft wie ich es mir erhofft habe.
Ein Jahr ist vergangen und nichts hat sich geändert, außer dass sich meine Schulden immer mehr häufen.
Das Geld, das mir im Monat zu Verfügung steht, reicht vorne und hinten und an allen Ecken und Kanten nicht. Ich muss jeden Cent zwei Mal umdrehen.
Es klingelt an der Tür. Das Klingeln habe ich vermisst. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte mal Besuch bekommen habe.
Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder traurig sein soll. Die Tür aufmachen oder lieber nicht aufmachen und hier auf meinen Sofa sitzen bleiben? Schließlich mache ich doch mit gemischten Gefühlen die Tür auf.
Ich traue meinen Augen nicht. Mein Freund oder mein Ex-Freund, ach ich weiß nicht. Er nimmt mich in die Arme. Ich weine vor Freude. Ich dachte jahrelang, ich hätte den Menschen, den ich über alles geliebt habe, oder über alles liebe, verloren. So ein Glück im Unglück! Wir gehen in meine Wohnung und reden stundenlang. Ich erzähle ihm von den letzten Jahren und wie es mir zurzeit geht. Wir reden über alte Zeiten, wir haben uns früher immer versprochen, einander zu helfen. Ich nehme seine Hilfe an. Und ab dem Punkt geht mein Leben bergauf.
Ich mache jetzt ein Ausbildung als Arzthelferin. Alles läuft einigermaßen gut. Zunächst trafen wir uns oft und jetzt wohne ich mit ihm in seiner Wohnung. Am selben Tag, an dem wir vor zehn Jahren zusammen kamen, am zweiten August, macht er mir einen unvergesslichen, einzigartigen Heiratsantrag.
Ich bin zwar keine Ärztin geworden, sondern Arzthelferin. Doch trotzdem läuft mein Leben so, wie ich es mir vor Jahren erhofft habe.

Sie ist jetzt glücklich, bleibt das so? Kann sich alles wieder zum Alten wenden?

(Efua M.)


Alles war genauso, wie ich es gewollt hatte

Alles war genauso, wie ich es gewollt hatte, einfach alles perfekt, bis dann der Tag kam, als ich mit meinen 350 Euro Paar High Heels in der Gullirille feststeckte, und es plötzlich ganz doll anfing zu regnen und hageln. Ich dachte mir: Na super, wie soll ich so ins Büro ? Naja, dachte ich wiederum, einmal hab ich mal Pech, kann ja nicht alles immer perfekt laufen. Das Leben geht weiter. Aber schon passierte mir das nächste Unglück, ich saß sehr verärgert im Auto und fuhr nach Hause. Als ich dann ankam, suchte ich im Auto in meiner großen Gucci Tasche den Hausschlüssel, ich suchte und suchte, aber kein Schlüssel . Ich wurde immer ärgerlicher und führte schon fluchende Selbstgespräche wie: Boah, wo ist der Scheiß- Schlüssel, man. Ich holte mein Handy raus und rief meine beste Freundin an, die zugleich auch meine Mitbewohnerin war. Ich sagte ihr, sie solle bitte schnell kommen und mir ihren Schlüssel geben. Zehn Minuten später war sie dann auch schon da. Wir gingen hoch in unser Loft. Es roch ziemlich verbrannt. Ich fragte meine Mitbewohnerin, ob sie das auch röche, sie nickte,verschwand aber oben im Bad. Ich ging in die Küche, um zu schauen, wo der Geruch genau herkam, plötzlich sah ich, wie die Pfanne, die noch von heute Morgen auf dem Herd stand, in Flammen aufging. Ich wollte versuchen, das Feuer zu löschen, sah eine Flasche, eine Wasserflasche, nahm sie und schüttete das Wasser über die Pfanne, doch plötzlich flammte das Feuer noch mehr auf. Ich wusste mir nicht mehr zu helfen. Meine Mitbewohnerin nahm ein Bad und hörte meine Hilferufe nicht. Ich schaute nochmal auf die Flasche, mit der ich das Feuer löschen wollte, und merkte, dass es Spiritus war. Ich stand unter Schock, ging nochmal in die Küche in der Hoffnung, das Feuer doch noch löschen zu können. In dem Augenblick loderte das Feuer nochmal auf, die Flammen schlugen mir direkt ins Gesicht. Ich fiel hin. Mein Blazer brannte, meine Haare fingen Feuer, alles ging in Flammen auf. Meine Mitbewohnerin kam aus dem Bad mit einer schönen Maske. Sie kam in die Küche und sagte: Ach ja, die Pfanne war von mir. Hab heute Morgen vergessen, den Herd auszumachen und Ben brauchte die Spiritusflasche, deswegen hab ich ihm die hingestellt. Erst dann schien sie zu realisieren,was mit mir passiert war, dass ich brannte! Sie war geschockt und wusste nicht, was sie machen sollte. Sie versuchte, das Feuer zu löschen und schaffte es. Sie fing tierisch an zu weinen und sagte: Sarah, es tut mir soo leid. Oh Gott, was bin ich nur für ein Mensch. Ich bin Schuld, ich bin ein Unmensch, es tut mir leid.
Meine Mitbewohnerin nahm weinend das Telefon und rief den Notruf an und bat sie, schnell zu kommen. Sie schaute mich an und es liefen pausenlos Tränen über ihr Gesicht. Sie nahm mich in den Arm, sah wie entstellt mein Gesicht war. Fünf Minuten später trafen die Notärzte ein. Sie nahmen mich mit und ließen meine Mitbewohnerin alleine Zuhause.
Sie rannte heulend im Loft rum und führte Selbstgespräche. Sie sagte: Ich bin der Grund dafür, dass Sarah jetzt so aussieht, ich hasse mich dafür, ich bin eine Scheiß Egoistin. Hätte ich auf ihre Hilferufe gehört, wäre sie jetzt bei mir, und wir würden unser Mittagessen zusammen verdrücken. Genau in diesem Moment rief das Krankenhaus an. Spreche ich mit Frau Kim Stahl? Es gibt eine schlechte Nachricht für Sie. Sarah Reine hat leider nicht überlebt. Sie hat eine Rauchvergiftung bekommen und starke Brandverletzungen am ganzen Körper.
Kim ließ das Telefon fallen und sah rüber zu den Schlaftabletten.

(Merline )


Jetzt bin ich 25 und was habe ich erreicht?

Jetzt bin ich 25 und was habe ich erreicht? Gar nichts. Ich bin nur ein Müllmann. Das, worüber ich früher gelacht habe. Vielleicht habe ich das verdient, aber vielleicht auch nicht. Aber ich weiß, dass meine Kinder das nicht verdienen, dieses Leben. Mein Arbeitgeber bezahlt mich auch schlecht, ich kann ja nicht mal die Miete vollständig zahlen. Der Vermieter ist kurz davor, uns rauszuschmeißen. Ich bin so verzweifelt. Ich vermisse sie. Ich vermisse sie so schrecklich. Angela, meine Frau. Früher haben wir alles geschafft. Doch jetzt ist sie tot, seit sechs Monaten. Ich war Schuld, ich saß am Steuer und habe sie in den Tod gefahren. Das verzeih ich mir nie. Ich bin ein Nichts und schaffe nichts ohne sie. Ich brachte die Kinder zu meinen Eltern, ihren Großeltern. Ja, sie hassen mich, denn ich kümmere mich nicht um sie. Aber es sind schließlich ihre Enkel. Dann gehe ich zurück in die Wohnung. Die Sachen sind ja schon vorbereitet. Ich spanne das Seil. Immer wenn ich ein Seil sehe, muss ich an Cowboys denken. Ich hasse Cowboys. Naja. Ich stecke meinen Kopf durch und trete den Stuhl weg. Und ich hänge. Ich bekomme keine Luft mehr. So fühlt es sich wohl kurz vor dem Tod an, diese Angst, ich spür sie. Ich sehe das Licht. Plötzlich erscheint mir meine Frau. Im Cowboy Outfit. Wieso das? Vielleicht, weil ich kurz vor dem Licht dran gedacht habe? Ich ignoriere das Outfit. Meine Frau spricht zu mir: “Hallo Schatz. Endlich hast du dich entschlossen, zu mir zu kommen. Ich habe dich so sehr vermisst.“ „Ist das der Himmel?“, frage ich ein wenig geschockt. “Mehr oder weniger. Komm in meine Arme“, ruft sie mir zu. Ich gehe zu ihr. Mir wird plötzlich so warm. Bin ich jetzt tot?

(anon.)

Mein Leben !

Ich bin 26 Jahre alt.
Alles ist weg.. Träume, Gedanken,Gefühle,alles. Das Erdbeben hat unser Haus,
unser Leben, unsere Gefühle, unsere Leidenschaften mit sich genommen
Nun bin allein in einem verlassenen Dorf, wo sich keiner bewegt.
Das Geräusch höre ich immer noch.
Das Schreien meiner Mutter, das Bellen der Straßenhunde.
Ich bin alleine. Hier.

(Nurnesil)