Jan Böttcher: Workshop

Workshop mit Jan Böttcher am 7.9.2012: Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

(Die Ergebnisse aus den Workshops könnt ihr übrigens unter Texte nachlesen! Viel Spaß dabei!)

IMG 8632 400pxIMG 8635 400px„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, dieses Zitat von Hermann Hesse scheint voll und ganz auf die Arbeitsweise des jungen Autors und Musikers Jan Böttcher zuzutreffen.
Nach einer Begrüßung durch Ursel Bäumer, die den SchülerInnen des Schulzentrums Walle Aktivitäten und Zielsetzungen von Workshop Literatur erklärt und den Autor willkommen heißt, gibt dieser erst einmal Entwarnung: Nein, er verlangt den jungen Nachwuchsautoren keinen ganzen Text ab, sondern möchte sich mit dem Thema „Der Anfang einer Geschichte“ genauer befassen.
Dazu verteilt er den Anfang von der Erzählung „Weiße Nächte“ von Gregor Sander.
IMG 8650 400pxNun wird Satz für Satz gelesen und hinterfragt und bald merken alle, dass Anfänge gar nicht so einfach sind, wie man zuerst denkt. Schließlich muss der Autor eines Textes die LeserInnen dazu bewegen, weiterlesen zu wollen. „Geheimnisse“ sind, laut Böttcher, das Geheimnis eines guten Anfangs. „Das lyrische Schreiben ist anders, als ein Wikipediaeintrag, in dem es möglichst keine Lücken, sondern eine Aneinanderreihung von Informationen gibt. Ein lyrischer Satz vermittelt auch Informationen, hält aber genauso viele zurück und entwickelt dadurch Geheimnisse, die die LeserInnen lüften wollen“.
IMG 8653 400pxNachdem der Beispielanfang gemeinsam besprochen wurde, bekommt jede/r SchülerIn eine Tabelle auf der mögliche Charaktereigenschaften, Geschlecht, Alter, Herkunft der Figur und mögliche Ausgangsorte des Geschehens aufgelistet sind, aus denen sich die SchülerInnen ihre Person, über die sie schreiben möchten, zusammen stellen können. Danach ziehen sie wiederum einen Zettel, auf dem ein Satz steht, der IMG 8654 400pxfestlegt, welches Schicksal diese Figur im Laufe der Geschichte erleiden soll: Deine Person beendet eine Beziehung; Deine Person verliert ihr Gedächtnis; Deine Person kommt zur Welt; Deine Person findet ihre große Liebe; Deine Person wird eine Mutprobe bestehen etc. Da es sich um das Schreiben des Anfangs einer Geschichte handelt, sollte dieses eigentliche Ziel der Geschichte nicht schon gleich verraten werden. Es dient dem Schreibenden lediglich als Orientierung, wohin sich die Geschichte bewegen soll.
IMG 8660 400pxNachdem alle ihre Aufgaben erhalten haben, setzt sich jeder an einen ruhigen Ort und beginnt zu schreiben. Nach
IMG 8667 400pxanfänglichem Schweigen setzt leises Gemurmel ein, und es breitet sich eine lockere doch gedämpfte Stimmung aus. Ab und an wagen sich einzelne Mutige zum Büfett und stärken sich mit Orangensaft und Süßigkeiten. Nach Ablauf von etwa einer Stunde kehren alle in den Halbkreis zurück und zum Erstaunen der Anwesenden meldet sich sogleich der erste Freiwillige fürs Vorlesen. Mit höflichem Applaus belohnt, bekommt er ein paar hilfreiche Tipps von Jan Böttcher, die dem Text mehr Spannung verleihen würden. Und siehe da, beim zweiten Durchlauf klingt der Text tatsächlich wie aus einem Buch entnommen.
IMG 8666 400pxIMG 8662 400pxNach ihm folgen mehr und mehr Texte, und obgleich das Feedback zu Beginn nur nach Aufforderung erfolgt, steigt mit der Zeit die Courage,die Schüler zeigen deutliches Interesse und überlegen gemeinsam mit dem Autor, was der Anfang schon enthält, wohin die Geschichte führen könnte, wenn man sie zu Ende schreiben würde etc.
Zum Abschluss wird sogar der Lehrer überzeugt, seinen Text vorzulesen, den er, seiner Zunft entsprechend, in kleinsäuberlicher Schrift ordentlich auf seinem Block verfasst hatte. Jan Böttcher gibt auch ihm noch einige Tipps und bedankt sich dann bei allen für den gelungenen Workshop.

(Die Ergebnisse aus den Workshops könnt ihr unter Texte nachlesen! Viel Spaß dabei!)

 
(Ruby van Leeuwen und Lea Wulf)

Hier alle Fotos vom Workshop zum Vergrößern:

{gallery}../neu_2012/autorenworkshop/boettcher_jan_workshop_400px{/gallery}