Ergebnisse aus dem Workshop mit Jan Böttcher am 07.09.2012

Thema: Anfänge….

Meine Figur trifft auf seine große Liebe

Frage und Antwort, Gesucht und Gefunden

Wer bin?! Wo bin ich?! Was bin ich?!
Auf jede Frage eine Antwort.Daniel Pi Kageyama Jr., 25 Jahre alt und geboren in Deutschland, beziehungsweise München. Momentan befinde ich mich in Tokyo, Japan. Was ich bin? Auf jeden Fall ein Mensch, wobei ich als Kind nicht immer so behandelt wurde! Aber was für eine Nationalität Mensch ich bin? Das ist etwas ganz anderes. Meine Mutter ist halb Deutsch, halb Chinesisch, und mein Vater ist halb Japaner und halb Afro-Amerikaner. Da fragt man sich doch, was kann aus so einer Kombination nur herauskommen? Tja, das ist ganz einfach denn ich bin: Ein Viertel Afro-Amerikaner, Chinese, Deutscher und Japaner!! Oder wie man mich auch mal genannt hat: Halb Schwarzer, schlitzäugiger Nazi! Nicht gerade schön, aber der Mensch macht andere halt runter, um sich selbst besser zu fühlen. Was tue ich?! Was will ich?! Was dann? !

Was ich tue? Ich suche meinen Vater. Ich will ihn nach zwanzig langen Jahren wiedersehen. Und was dann? Das weiß ich noch nicht.
Alles was Ich sagen kann ist: Auf dieser Reise auf die Frage: „Was Dann?!“, eine Antwort zu finden, entdeckte ich die Liebe meines Lebens.
Und so fing es an….
(…)

(Lanny)

Meine Figur wird ihr Gedächtnis verlieren

Mal wieder musste ich mich um meine kleine Schwester kümmern. Ich frage mich immer noch, warum sich meine Eltern wundern, dass ich nicht so viele Freunde habe. Dabei haben sie doch die Schuld! Warum wollten sie denn unbedingt noch ein drittes Kind haben, obwohl beide den ganzen Tag arbeiten und gar keine Zeit haben? Mein großer Bruder hatte natürlich auch keine Zeit, also musste ich mich die meiste Zeit mit ihr beschäftigen.
„Jannis, guck!“, Hannah zog an meiner Hand und zeigte mit der anderen auf ein dickes Nashorn, das uns traurig durch die Gitterstäbe ansah. „Das ist ein N-n-asho-o-orn. Ein Nashorn!“, las sie vom Schild vor. Sie ist grade in die 3. Klasse gekommen. Hannah staunte über das große Tier, dann zog sie mich weiter. Als man in der Ferne die langen Hälse der Giraffen sehen konnte, ließ sie mich los und düste in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit los. Kurz vorm Gehege stieß sie mit einem hübschen Mädchen mit kurzen, braunen Haaren zusammen. In diesem Augenblick hätte ich niemals gedacht, dass ich mich mal nicht mehr an sie erinnern kann…
„‘Tschuldigung, meine Schwester ist manchmal etwas wild…“. Warum werde ich nur immer so schnell nervös? Natürlich war ich so rot wie eine Tomate. „Ach, gar kein Problem!“, sagte das Mädchen und lächelte, „Ich will gar nicht wissen, wie viele Leute ich früher umgerannt bin!“ Wir lachten. So langsam änderte sich meine Gesichtsfarbe wieder, doch ich traute mich nicht nach ihren Namen zu fragen. Zum Glück übernahm sie diese Aufgabe. „Ich heiße Lea. Wer bist du?“ Ich verriet ihr meinen Namen, wurde dabei aber natürlich wieder rot. Was sie wohl denkt..? „Jaaaannis, kommst du? Ich will noch ein Eis!“, schrie Hannah. „Du willst nicht, du möchtest, Hannah!“, erwiderte ich, ein bisschen erziehen musste ich sie ja schließlich schon. Lea fragte uns, ob sie nicht mitkommen dürfe, sie wolle sowieso noch ein Eis essen. Ich nickte nur stumm, um nicht wieder rot zu werden, nahm Hannah an die Hand und wir stampften los.
Wir gingen gerade aus dem Zootor, als Hannah einfach los rannte über den Zebrastreifen. Ich rief Lea noch schnell ein „Tschüß“ zu und lief Hannah hinterher. Lea und ich hatten uns verabredet und ich freute mich. Als ich gerade auf die Straße lief, drehte ich mich nochmal um und winkte Lea grinsend zu. Ich sah nur noch ihren erschrockenen Blick. Dann wurde alles schwarz…

 
(Finnja)

 

Ziel einer langen Reise

„Wir haben es geschafft!“ Mark und Harry setzen sich keuchend zu mir und sehen mich an. Nie hätte ich gedacht, dass ich die beiden wiedersehen würde. Das Gefühl, festen Boden unter sich zu haben, ist wunderschön, fast unbegreiflich. Das, was wir miteinander erlebt hatten, wird uns niemand mehr nehmen können. Ich wusste, dass man sich aufeinander verlassen konnte, aber, dass dem anderen das Leben seiner Freunde in den letzten zwei Monaten so wichtig wurde wie sein eigenes, das wusste wohl keiner von uns.
Es ist Herbst und der kalte Wind, den die Schiffe mit sich bringen, weht mir meine langen Haare ins Gesicht, so dass ich gezwungen bin, meine Augen zu schließen. Aber das will ich nicht, ich will nicht an Vergangenes denken.
Durch das Dröhnen der Schiffe zucken alle drei zusammen. Wie vor einem Jahr, als wir unser Studium abgeschlossen hatten und der Professor den Saal mit einem lauten Türknall verließ.
Wir schmunzeln. Die drei Muskeltiere wurden wir immer genannt.
Aber die Zeiten sind jetzt vorbei, denn eines ist für mich klar: Hier bleibe ich nicht mehr. Hier muss ich weg.
(…)

(Nathalie)

Meine Figur wird ausrasten

Rache

Schon wieder ein neues Schuljahr. Schon wieder Montag. Aber es musste sein.
Mein Wecker klingelte um 7:00 Uhr. Ich stand auf, zog mich an und ging nach draußen.
In der Bahn fing es schon an:“Mach mal Platz!“ „Steh auf Luisa!“ „Mein Platz, weg da!“
Luisa, Lusia, Lusia. Ich konnte es nicht mehr hören. Aber natürlich gab ich immer nach und
stand auf, ohne Widerworte.
Später, in der Schule, ging es wieder los: „Luisa, nach hinten!“, und wieder stand ich ohne
ein Widerwort auf. Immer Elena! Sie machte mir das Leben zur Hölle. Das ging die
ganze Woche so. Schon im letzten Jahr. Immer wurde ich bloßgestellt. Mein Lehrer, Herr Schuhmann, versuchte mir zwar immer zu helfen, aber viel gebracht hat es mir auch nicht. Im Gegenteil, es wurde dadurch nur noch schlimmer.
Es blieb mir also keine andere Wahl, als es einfach hinzunehmen- dachte ich.
Am Anfang waren es nur blöde Sprüche, aber dann fingen Elena und ihre „Klicke damit an, mein Pausenbrot herum zu werfen, meine Jacken zu beschmutzen, meine Hausaufgaben zu klauen. Auch das ließ ich über mich ergehen, bis zu dem Tag, als Elena mein Tagebuch in meinem Rucksack fand und es vor dem ganzen Jahrgang laut vorlas.
Meine ganzen Gefühle, Gedanken, meine Geheimnisse standen dort drin, einfach alles! Alle wussten jetzt darüber Bescheid, die ganze Schule!
Das reichte mir, ich ging rüber zu ihr, riss ihr das Buch aus der Hand und rannte weg. Alle lachten mich aus. Aber ich schwor mir, das würde sie büßen..
(…)

(Natirana)


Meine Figur wird zur Welt kommen

Ein neues Familienmitglied

Trotz der Schmerzen am Vormittag, ist sie heute früh eingeschlafen.

Ich bleibe noch im Wohnzimmer und gucke ein wenig fern.
Nervös und hastig schalte ich mit der Fernbedienung von einem zum anderen Sender.
Ich war damals negativ überrascht, als sie mir sagte, dass sie von mir schwanger sei.
Tausende Bilder aus meiner Vergangenheit gehen mir durch den Kopf.
Ich will es einfach nicht wahr haben, dass ich in naher Zukunft Vater werde. Verheiratet bin ich aber immer noch nicht.
Eine Abtreibung war damals für sie und für mich undenkbar, da ihre Vorfreude auf das Kind zu groß ist.
Meine Augenlieder werden immer schwerer und schwerer, mit letzter Kraft schalte ich noch den Fernseher aus.
Am Morgen bekommt sie wieder ihre Schmerzen.
(….)
 

(Jamal)

Meine Figur besteht eine Mutprobe.

 

Ich erinnere mich, meine Stärke wurde zu meiner Schwäche.
Es war genau vor fünf Jahren.
So wie jedes Jahr, bekam ich auch dieses Jahr einen Brief.
Einen Brief, der mich an den Tag und an die Sache, die ich vor fünf Jahren tat, erinnerte.
 
Sie nannten mich das Dorfmädchen.
Das Dorfmädchen, das zur Schule ging, um erfolgreich zu sein.
Jetzt, jetzt ist meine Zeit gekommen.
Nun lebe ich in New York und bin eine der erfolgreichsten Unternehmerinnen in den USA.
 
Jedes Jahr fing ich an zu weinen. Nur wegen diesem Brief.
Ich wusste auch nicht, von wem er kam.
Ich habe, doch nichts Schlimmes gemacht.
Wieso will diese Person mir und zugleich meinem Erfolg schaden ?
Mein Mut wurde mir zumVerhängnis…
(….)

(Halime)

Meine Figur schwimmt später im Geld.

Sonntagabend

Es war dieser Abend, der mein Leben verändert hat. Von meiner Familie hatte ich schon lange nichts mehr gehört. Mein Leben ging stets bergab. Seitdem ich vor fast sieben Jahren von Zuhause aus der Stadt in ein abgelegenes Dorf gezogen war, meldeten sie sich immer nur zu meinem Geburtstag. Als 24 jähriger Arbeitsloser ohne Bezugspersonen war das ziemlich hart. Jede 2. Woche fuhr ich zum Lottospielen in das benachbarte Dorf. Mein Puls stieg jedes Mal bei der Ziehung der Zahlen, aber nie auch nur 3 Richtige! Doch irgendwas sagte mir, ich müsse weiterspielen, den Mut nicht verlieren. Inzwischen war ich 25 und wieder kam ein Anruf, in dem die Familie mir zum Geburtstag gratulierte. Zwei Wochen war es jetzt her, dass ich das letzte Mal ins Dorf gefahren war. Ich wich dieses Mal von meinen Standardzahlen ab. Am Sonntagabend schaltete ich den Fernseher ein und wartete auf die Ziehung. Und dann geschah es: Die ersten drei Zahlen stimmten mit meinen überein und auch die vierte passte. Meine Nervosität stieg und stieg. Die fünfte Zahl rollte durch die Spirale…… Und auch diese Zahl stimmte. Meine Freude war kaum noch zu toppen, als die sechste Zahl genau meine letzte Fehlende war. Ich lief auf die Straße und schrie durch das ganze Dorf, dass ich im Lotto gewonnen hatte. Nachbarn kamen runter, um mir zu gratulieren, ich war nicht mehr zu halten. Am nächsten Tag holte ich das Geld ab und wurde zu einer Fernsehshow eingeladen.
Meine Familie sah zu und rief mich plötzlich an.

Und rief mich plötzlich an.

Und wollte die Versöhnung….

Ich bin jetzt 63 Jahre alt.

(….)

(Niklas)


Meine Figur wird eine Beziehung beenden.

Der junge Mann steht gespannt am Bordstein und starrt auf das rote Ampelmännchen. Um ihn herum stehen viele Menschen, die meisten tragen etwas, Taschen und so, alle scheinen ein Ziel zu haben. Was diesen jungen Mann aus der Menge jedoch hervorhebt, ist seine erwartungsvolle Haltung. Für die anderen Menschen scheint dieser Ampelübergang nur irgendein Punkt auf ihrer Reise von A nach B, vom Start zum Ziel, vom Anfang zum Ende zu sein. Dieser junge Mann aber macht den Eindruck, als wäre sein Ziel in dem Moment erreicht, in dem die Ampel von Rot auf Grün umspringt.
Er hat an sich ganz normale Kleidung an, unter einer schwarzen Jacke kann man ein grünes Sweatshirt mit irgendeinem Aufdruck erkennen. Seine Jeans ist am Fußende leicht ausgefranst, seine braunen Lederstiefel wirken für das milde Oktoberwetter eine Spur zu warm. Doch ich muss mich schon auf seine Kleidung konzentrieren, denn die ganze Aufmerksamkeit eines zufälligen Betrachters wird von seinem Gesicht aufgefangen, von dem gespannten, leicht lächelnden Gesichtsausdruck und den strahlenden Augen. Ja, diese Augen strahlen wirklich, ich habe noch nie gesehen, dass ein so abgedroschenes Bild so wirklich geworden ist.
In dem Moment, in dem die Ampel auf Grün springt, sprintet der junge Mann nicht los, er schreitet, als würde er jedem Schritt eine genau abgemessene Zeitdauer zuordnen. Und kaum hat er die andere Straßenseite erreicht, stellt er sich an die Ampel zu seiner Linken. Das geht schon so seit mindestens einer halben Stunde.
Ich sitze in der Espresso-Bar und betrachte die Welt vor der Glasscheibe. Ich sitze gerne hier, der Internet-Zugang ist umsonst und so kann ich meinen Blog schreiben, während ich Kaffee aus einem riesigen Becher trinke. Was ich hier sehe, schreibe ich in meinem Blog. Er heißt Kaffeeklatsch. Während der junge Mann wieder an der Ampel steht, werfe ich einen Blick auf den Bildschirm. Dort steht: „…und wieder steht er am Bordstein.“ Ich stelle den Becher ab und schreibe weiter: „In der rechten Hand hält er einen kleinen Koffer, der aussieht wie einer von diesen Kinderkoffern, in die kleine Kinder ihre Spielzeuge packen, wenn sie mit ihren Eltern in den Urlaub fahren. Und an seinem Handgelenk trägt er keine Uhr. Ein junger Mann außerhalb der Zeit.“
Betrachtet man eine belebte Straßenkreuzung, dann sieht man viele Menschen, die einen Augenblick lang in dem eigenen Blickfeld existieren und danach wieder verschwinden, ohne dass ihre Schicksale eine Spur im eigenen Leben hinterlassen. Doch dieser junge Mann weigert sich, ein Teil dieser Flüchtigkeit zu werden. Also entschließe ich mich, auf ihn zuzugehen. Ich klappe meinen Laptop zu, stopfe ihn in meine Timbuk2-Umhängetasche und kaufe an der Theke zwei kleine Kaffee zum Mitnehmen.
Als ich neben den jungen Mann trete und ihn frage, ob er einen Kaffee möchte, lächelt er mich an und sagt: „Ich mag lieber Kakao!“
(…)

(Jörn Gerdes)


Meine Figur wird einen Job antreten

Endlich waren die Ergebnisse da, das Projekt war perfekt. Ich hatte den Job. Ich wurde zum fünften Mal zum „Arbeiter des Monats“ gewählt. Ich war so stolz auf mich.
Als ich den Brief öffnete schrie ich laut vor Glück. Christine kam schnell in mein Büro und fragte, was passiert ist.
Als ich ihr sagte, dass ich befördert wurde, grinste sie verlogen und ging raus.
Am nächsten Morgen ging ich in meine neue Filiale.
Ich zog mich sehr fein an.
(…)
 
(Beytnur)

Meine Figur wird eine Beziehung beenden.

Jeder Anfang hat auch ein Ende.
Das mir das einmal zum Verhängnis wird, hätte ich nie erwartet.
Ich habe eine schwere Aufgabe zu bewältigen, nur weiß ich nicht, wie ich es angehen soll.

Ich hatte sie versehentlich angerempelt, ihre ganzen Sachen waren zu Boden gefallen. Ihr wisst schon, wie in den amerikanischen Liebesfilmen. So kamen wir ins Gespräch und kurz darauf zu einem Date.
Ich holte sie in meinem neuen Erstwagen ab. Ein Ford Mustang Shelby 500. Wir fuhren zum Autokino. Da brach das Eis und wir fanden zusammen.

Heute ist es nicht mehr dasselbe wie damals vor drei Jahren. Es hat sich vieles verändert. Unter anderem habe ich den Mustang nicht mehr. Nur für einen letzten Anlass musste ich mir einen Shelby besorgen. Kurz darauf fand ich auch einen.
Es war derselbe wir damals. Selber Lack, selbe Ausstattung, selbe Anlage, alles genau gleich. Wir fuhren zusammen ins Autokino, welches mittlerweile außer Betrieb war. Wieso? Weiß keiner wirklich genau, wahrscheinlich ist das Unternehmen Pleite gegangen.
Da sind wir nun.
Wo alles seinen Anfang genommen hat, soll es auch sein Ende nehmen.

(…)

(Cengiz Altiner)

Meine Figur besteht eine Mutprobe

Es war ein kalter Abend. Nach dem Abendessen musste mal wieder abgeräumt werden. Meine Mutter und ich räumten wie immer den Tisch ab und fingen an, das Geschirr zu waschen. Mein Vater und mein Bruder gingen zum Stall, um die Pferde zu pflegen. Wir lebten nämlich in einem kleinen Dorf.
Jeden Abend fragte ich meinen Vater, ob ich mit zum Stall dürfte. Jedes Mal bekam ich ein: Nein! Mir kam es von Tag zu Tag mehr so vor, als möchte mein Vater meinen Bruder lieber als mich. Mein Vater nahm mich nie ernst, beachtete mich gar nicht. Nie. Obwohl ich doch so gerne mehr Zeit mit ihm verbringen würde, nahm er mich nie mit, nirgendwohin. Jedes Mal, wenn ich danach fragte, warum er mich anders behandelte, als meinen kleinen Bruder, bekam ich die Antwort: „ Du bist nur ein Mädchen!“

(…)

(Bahar Oezen)

Meine Figur wird auswandern.

Ich öffne die Augen. Ich liege auf dem Bauch und versuche mich zu erinnern, in welcher Position ich eingeschlafen bin.
Schwerfällig setze ich mich im Bett auf und versuche, mich aus der verdrehten Bettdecke zu schälen. Ich tapse auf nackten Füßen über meinen kühlen Holzfußboden und schaue mich im Spiegel an. Ich sehe zerzaustes, helles braunes Haar, müde verschlafene Augen und einen schwachen Kopfkissenabdruck auf meiner linken Wange. Mein viel zu großes Die Ärzte- Shirt hängt mir schlaff und ausgeblichen über den Schultern. Heute ist Donnerstag, der dritte Juli. Mein 18. Geburtstag. Ich ziehe mein Shirt über die Schultern und gehe in die Dusche. Ich ziehe meine Lieblingsjeans, ein enges Top und meine bunte Strickjacke an und gehe runter in die Küche. Dort steht schon meine Mutter. Sie umarmt mich und gratuliert mir. Wir frühstücken mit Kuchen.
An meine gepackten Koffer habe ich gar nicht gedacht, aber sie warten schon im Flur auf mich.

(Laura H.)

Meine Figur besteht eine Mutprobe

5.30 Uhr. Mein Wecker klingelt. Ich habe nicht mehr lange Zeit. Noch genau fünf Stunden und 30 Minuten.Meine größten Schwächen, die Nervosität und meine Angst, begleiten mich wieder einmal. Das passt ja mal gar nicht..
Meine Prüfung steht an. Eine Prüfung für die Annahme an einer neuen Schule. Aber wie soll alles nur gut gehen, wenn ich doch so aufgeregt und so nervös bin ?
Aber diese Prüfung ist sehr wichtig für mich. Ich werde nicht angenommen, falls ich sie nicht bestehe! Und dann? Dann muss ich auf eine andere Schule gehen, die sehr weit von meinem kleinen Dorf entfernt ist. Das heißt gleichzeitig: dass ich umziehen muss; und das, dass ich in eine Großstadt muss. Wie soll ich das auf die Reihe kriegen? Ich bin ein Dorfmädchen, ich kenne in der Großstadt keinen. Ich weiß nicht, wie sie leben. All diese Gedanken machen mich fertig.
Ich stehe nun vor dem Prüfungsraum und gehe kurze Zeit später auch rein. Es sitzen so viele Schüler da, dass meine Nervosität noch mehr ansteigt.

Drei Tage nach der Prüfung: Ich stehe vor dem Prüfungsraum und warte auf die Ergebnisse. Ich muss es geschafft haben! Ich muss!
Und dann? Dann höre ich es: Durchgefallen! Prüfung nicht bestanden! Knapp, sehr knapp! Hätte ich zwei Punkte mehr erreicht, wäre ich angenommen worden.
Ich muss zur anderen Schule. Allein und fremd. Wie soll ich das nur schaffen ?

(…)

(Özge K.)

Meine Figur wird auswandern

Träumen. Dürfen wir noch träumen? Oder eher: Können wir noch unsere Träume leben?
Also, ich will meine Träume leben und ich werde auch alles dafür geben! Außerdem finde ich, dass man nicht viel dazu braucht, sich seine Träume zu erfüllen. Man muss nur fest daran glauben und den Mut haben, es zu tun.
Meine beste Freundin Maya ist da etwas anders. Sie ist eher ängstlich und macht sich viel zu viele Gedanke um die Frage: Was wäre wenn..?! Doch weil wir uns von Anbeginn unseres Lebens kennen, alles zusammen machen und uns geschworen haben, auch den Rest unseres Lebens zusammen zu bleiben, werden wir auch gemeinsam aus diesem Kuhdorf raus in die „Welt“ ziehen. Einfach erleben, feiern und jobben. Amerika ist der Plan, durchs Land von Stadt zu Stadt. Schon immer war das mein Traum…naja, und auch irgendwie ihrer…nur bin ich die Realistin und sie die Träumerin. Auch sind wir sonst komplett unterschiedlich. Ich bin offen, immer dabei und bin mir für nichts zu schade. Sie hingegen ist ruhig, zurückhaltend und muss nicht unbedingt viele Leute um sich haben. So sind zwei Persönlichkeiten aber trotzdem irgendwie eins. Einfach unzertrennlich! Und somit soll unser kleines Abenteuer von der „Bauernmagd“ zur „Großstadtlady“ eine unvergessliche Reise werden. Maya und Merle, zwei junge Mädels, die gerade ihr Abi bestanden haben, ohne einen genauen Plan…

(…)

(Laura)