Böttcher, Jan: Das Lied vom Tun und Lassen

Buchtitel Jan BöttcherEin Lehrer. Ein Schulgutachter. Eine Schülerin. Drei Generationen, drei vollkommen verschiedene Personen und drei Blickwinkel auf ein und dasselbe Geschehen: Den Selbstmord einer Schülerin und dessen Folgen.

Lehrer Manuel Mauss versucht zusammen mit den Schülern, – die ihn duzen, in seiner Freizeit besuchen und ihn eher als Idol als Erzieher ansehen-, das Ereignis in Form eines Trauercamps zu verarbeiten. Doch in Wirklichkeit braucht er selbst diese Art der Verarbeitung für den Tod seiner Frau, mit dem er längst noch nicht abgeschlossen hat.

Johannes Engler, der Schulgutachter, soll eigentlich nach dem begangenen Suizid Informationen über die Schule, die Lehrer und Schüler sammeln. Er landet jedoch stattdessen in einer Liaison mit einer Schülerin. Ausgerechnet mit dem besonderen Schützling von Mauss :Clarissa Winterhof.
Clarissa Winterhoff wiederum kommt mit dem Tod ihrer Freundin überhaupt nicht zurecht und leugnet den Selbstmord, indem sie in einem Internetblog einfach deren Leben neu erfindet.
Die drei Protagonisten begegnen sich in den drei Versionen der Wahrheit auf verschieden interpretierte Art und Weise wieder, sodass sich der Leser viele Fakten selber zusammen reimen muss.

Jan Böttcher übt in seinem vierten Roman „Das Lied vom Tun und Lassen“ nicht nur indirekte Kritik am Schulsystem, indem er Problematiken anschneidet, die häufig unter den Teppich gekehrt werden: die biografischen Brüche der Lehrerexistenzen, fehlende Achtsamkeiten der Eltern für ihre Kinder und der Kollegen untereinander,die kommerzielle Denkweise vieler Schulen. In seinem Roman lässt er beispielsweise einen Sponsor auftreten, der nicht nur die Gehälter der Lehrer bezahlt, sondern auch nach Lust und Laune Pädagogen entlässt und selbst den eigentlich unabhängigen Schulgutachter beeinflusst.
Mir fiel es sehr leicht das Buch zu lesen und mich in ihm zu verlieren. Ich selbst bin Schülerin und konnte so viele Probleme in meine Welt übersetzen.
Der Roman ist auf eine sehr angenehme ruhige Art und Weise geschrieben, die einen sehr zum Nachdenken anregt. So liefert die Geschichte dem Leser eine realistische Beschreibung über Enttäuschungen, Verluste und Verletzungen unserer Zeit.

(Lea Wulf)