Joachim Meyerhoff: Sonstiges

Verleihung des Bremer Literaturpreises am 26. Januar 2012 an Marlene Streeruwitz (Hauptpreis) und Joachim Meyerhoff (Förderpreis)

Abbildung: Bremer Literaturpreis 2012Mit herzlichen und einstimmenden Begrüßungsworten lud Carmen Emigholz zur 58. Verleihung des Bremer Literaturpreises ein. Die Staatsrätin für Kultur betonte während ihrer Eröffnungsrede im vollbesetzen Oberen Rathaussaal nochmals die herausragende Bedeutung des Bremer Literaturpreises, der als wichtiger Beitrag zur Auseinandersetzung mit deutschsprachiger Gegenwartsliteratur zu sehen sei.
Emigholz verdeutlichte, dass die ausgezeichnete Literatur stets eine Herausforderung sein solle, etwas abverlangen wolle und Fragen aufgeben solle. In diesem Zusammenhang seien die diesjährigen Preisträger Marlene Streeruwitz mit ihrem jüngsten Werk „Die Schmerzmacherin“ und Joachim Meyerhoff mit seinem Debütroman „Alle Toten fliegen hoch. Amerika“, sehr würdige Vertreter auf der Liste der bisherigen Preisträger.
Als nächste Rednerin ergriff Dr. Daniela Strigl, Mitglied der Preisjury und österreichische Literaturwissenschaftlerin, das Wort. In ihrer Laudatio auf Marlene Streeruwitz bezog sich Strigl direkt auf Streeruwitz´ ausgezeichneten Roman, in dem es darum gehe, was mit Menschen passiere, die Schmerzen erleiden und auch zufügen. Die Literaturwissenschaftlerin stellte fest, dass die Literatin ihren Leser im wahrsten Sinne des Wortes selbst auf die Folter spanne, da dieser mitleide und keine Aufklärung der Handlung erhalte. Für Strigl sei Streeruwitz eine ‚Mater dolorosa‘ der Gegenwartsliteratur und der prämierte Roman „in erster Linie ein Schmerzmittel für nicht gegen den Leser.“
Jurymitglied Richard Kämmerlings, der Literaturredakteur bei „Die Welt“ ist, hielt die Laudatio auf den Förderpreisträger Joachim Meyerhoff. In seiner humorvollen und heiteren Lobesrede deutete er Meyerhoffs Amerikareise als „Expedition in einen unbekannten Kontinent der Gefühle“. Die Terra incognita Wyoming, der Staat, in dem Meyerhoffs lyrisches Ich das Austauschjahr verbringt, sei ein idealer Ort für eine Suche nach sich selbst. Die Coming-of-Age-Novel werde zu einer Éducation sentimentale der Gegenwart. Kämmerlings betonte, dass es im Roman um die Wahrheit der Biografie neben reiner Faktizität gehe. Der deutsche Autor habe mit seinem Roman eine neue Form der Erinnerungsliteratur geschaffen, die einen humorvollen Wiedergabemodus und Lust an der Pointe habe und sich vom bisherigen Pathos bloßer Vergänglichkeit abwende. Der Laudator freute sich zum Abschluss auf die literarische Zukunft des Schriftstellers: „Schön, dass Meyerhoff nur den Förderpreis bekommt, so haben wir das Beste noch vor uns.“
Beide Autoren bedankten sich mit jeweils einem speziell für den Anlass der Preisverleihung verfassten literarischen Text. Marlene Streeruwitz trug in gekonnt abstrakter und theoretischer Form einen literarischen Essay vor, der durch ihre kühle und intensive Sprache der kurzen Staccatosätze auffiel. Ihre tiefgründigen Überlegungen beendete die österreichische Autorin mit einem Plädoyer zur Bedeutung des Romans: „Der Roman kann alles erzielen, was wir für unser heutiges Leben brauchen“. Aus diesem Grund solle auch jeder an seinen eigenen Roman schreiben, denn „Romane sind die richtigere Geschichtsschreibung“.
Demgegenüber wählte Meyerhoff, dem Erzählmodus seines prämierten Romans nachempfunden, einen biografischen Rückblick als Thema seines literarischen Beitrags. Er erzählte humorvoll über einen anderen Preis, den er mit 9 Jahren erhalten und der sich damals als Preisenttäuschung herausgestellt hatte, an welche sich jedoch viele biografische Erinnerungen angefügt hatten. Meyerhoff betonte, dass der aktuelle Preis demgegenüber eine reine Preisfreude verursache und für ihn eine Aufforderung zum Weiterschreiben seiner biografischen Erlebnisse sei.
Unter tosendem Applaus erhielten die Literaturpreisträger des Jahres 2012 ihre Urkunden.

(Stephanie Schaefers)

Weserkurier berichtet über Workshop mit Joachim Meyerhoff
Unter der Überschrift Autor-gibt-Einblick-in-professionelles-Schreiben  berichtet der Weserkurier in seiner Ausgabe vom 9.2.2012 über den Workshop mit Joachim Meyerhoff.

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