Ergebnisse aus den Workshops mit Catalin Dorian Florescu am 4. 11. 2011

Ich höre Geräusche…

Ich höre Geräusche viel besser und viel lauter. Alles was ich sehe, fühlt sich anders an und sehr fremd, selbst wenn es Dinge sind, die ich jeden Tag entweder sehe oder sogar anfasse. Man kann die Umgebung riechen. Es riecht feucht und nach Gras oder Blättern. Ich spüre mehr. Ich laufe normal und höre in einem Moment gar nichts, alles scheint stumm zu sein. Trotzdem spüre ich, dass jemand an mir vorbei geht, ein Mensch, den ich nicht sehe oder höre, sondern nur spüre. Ich empfinde alles als dunkel, matt, trist, leer, ohne Emotionen. Bei jedem Schritt, den ich mache, fühle ich mich, als ob ich mit jeder Bewegung gegen eine Mauer laufe. Ich habe Angst, mir weh zu tun. Deshalb zögere ich, schnell zu laufen und bewege mich langsam voran. Kaum berührt mich etwas, mit dem ich nicht gerechnet habe, sei es ein Stock oder etwas anderes, erschrecke ich, weil ich nicht weiß, was es ist. Es ist ungewohnt und anders, nichts zu sehen. Ich merke, wie stark wir Menschen, die sehen können, auf diesen Sehnerv angewiesen sind, wie sehr wir uns auf ihn verlassen. Ich frage mich, wie es blinden Menschen ergeht, wie es für sie ist, nichts zu sehen, und damit groß zu werden, blind zu sein. Sie spüren mehr, glaube ich – ich verstehe es nicht.

(Suzan)

 

Einen Ort beschreiben

Ich spüre die Rillen des Bodens. Der Wind ist kalt, er verweht die Haare.
Es riecht nach Algen und Fisch. Das Licht ist düster, es sind viele Wolken am Himmel, es regnet leicht. Ich werde langsam nasser, aber das stört mich nicht, ich finde es angenehm. Ich gehe weiter und komme an einem Restaurant vorbei. Die Hintertür geht auf, es kommt warme, stickige Luft heraus.
Mir läuft ein Schauer über den Rücken, als die Tür wieder zu und wieder auf geht. Ein verführerischer Duft lockt mich hinein. Sind das gebratene Kartoffeln? Ja! Ich bekomme Hunger…
Plötzlich ertönt das Signalhorn eines Schiffes. Es ist beruhigend. Ich bekomme Fernweh, und überlege, wo das Schiff wohl herkommt. Kommt es vielleicht aus Südamerika oder Afrika? Ich weiß es nicht.
Eine Möwe überrascht mich, als sie an mir vorbeifliegt. Ich spüre den kurzen, kalten Luftzug auf meiner Haut.
Die Fabriken, an denen ich vorbeilaufe, sind alt, aus Backstein, einige Fenster zersprungen. Sie sind von der Zeit geprägt. Davor stehen Container in allen möglichen Farben, aufeinandergestapelt und bereit, auf ein Schiff geladen zu werden. Bei dem dunklen Licht wirken die Maschinen Furcht einflößend, wie Monster. Doch ich finde sie faszinierend. Ich setze mich ans Wasser und lausche den leisen Wellen, die an das Flussufer prallen. Es könnte nicht friedlicher sein.
 
(Leonie)
 
 

Ich konzentriere mich...

Ich konzentriere mich. Jeder Muskel ist angespannt. Gleich setzt die Musik ein. Ich atme tief ein. Der erste Ton der Musik erklingt. Sie beruhigt mich. Der Alltagsstress fällt von mir ab. Hier kann ich Ich sein. Hier kann ich tanzen. Ich gehe tief ins Plié und ohne zu verweilen setzt ich zu einem Sprung an. Ich blende alles um mich herum aus. Ich liebe diese Eleganz, ich liebe diese Würde.
Ich spüre das heiße Scheinwerferlicht auf meiner Haut.
Das Haar, vorher noch so sorgfältig zusammengebunden,
löst sich bei jeder Drehung ein wenig mehr.
Ich wechsele in die dritte Position und vollführe ein perfektes Battement. Das Lächeln, das sich nun auf meinem Gesicht ausbreitet, entsteht aus dem Glücksgefühl, das ich beim Tanzen empfinde.
Aus den Augenwinkeln nehme ich die anderen Tänzer wahr, doch sie kümmern mich nicht.
Während die Musik meinen Körper durchfließt, mache ich mich für den Höhepunkt bereit.
Nach einer schnellen Pirouette sinke ich, dem sterbenden Schwan gleich, voller Anmut zu Boden. Die Lichter erlöschen.
Die samtenen Vorhänge schließen sich leise. Der Schweiß rinnt über meine Schläfen, meine Atmung beruhigt sich langsam.
Die Zuschauer beginnen zu applaudieren. Während ich mich erhebe, gleitet der Vorhang zur Seite. Ein einzelner Scheinwerfer ist auf mich gerichtet.
Glücklich verbeuge ich mich. Der Applaus schwillt an.
Ich höre vereinzelte Rufe meines Namens.
Nun kann ich mit Stolz behaupten: Ich, Annabell Picard, bin eine Prima Ballerina.
 
(Johanna)
 
  Wie jeden Tag

Wie jeden Tag sitze ich hier. Heute ist es kälter als sonst, trotzdem fühle ich mich wohl. Ich sitze hier unten und vergesse all meine Probleme. Aus welchem Grund ich jeden einzelnen Tag hier sitze, weiß ich selbst nicht. Geräusche. Kleine, große, ganz große, Autos, Trucks oder auch Busse, vielleicht ist das der Grund. Ich genieße es einfach, zu sehen aber auch zu hören, wie sie an mir vorbei rasen, einige schnell, andere langsamer. Menschen, die an mir vorbei schlendern, mustere ich. Jedes Mal stelle ich mir die gleiche Frage: Was denkt dieser Mensch wohl gerade? Haben sie auch Probleme sowie ich? Oder leben sie in einer heilen Welt? Vielleicht denkt ja gerade dieser wohlmöglich 13 jährige Junge mit seiner Einkaufstüte in der Hand: Wieso muss ich immer Einkaufen gehen? Doch er kann sich glücklich schätzen, dass er gleich mit seiner Familie zu Abend isst, nicht so wie ich, die sich den anderen am Tisch fremd gegenüber fühlt. Dort drüben sehe ich eine ältere Dame, die mit ihrem Hund durchs Laub spazieren geht. Darauf freue ich mich immer besonders, wenn Menschen mit ihren Hunden an mir vorbei gehen, und die Hunde mit mir spielen wollen. Es scheint, dass die Hunde der Grund sind, warum ich mich hierher setzte. Das liebevolle Bellen der Hunde bringt mich immer wieder zum Schmunzeln. Die älteren Menschen fragen dann wie immer: Na Liebchen, bist du schon wieder hier? Worauf ich nur lächele. Die Hunde zeigen mir, dass sie mich lieb haben. Eigentlich traurig, dass ich Aufmerksamkeit und Geborgenheit von Hunden erfahren muss, nicht von Eltern, die eigentlich dafür zuständig sind. Das letzte Mal, dass mich jemand in den Arm genommen hat, ist schon so lange her, dass ich mich gar nicht mehr daran erinnern kann. Heute ist jedoch etwas komisch, anders als sonst. Ich schaue mir die Menschen normalerweise einfach nur an und gehe zum Nächsten über, doch heute schaute ich diesen älteren, gekrümmten Herrn an und hatte blitzartig das Gefühl, dass ich ihn irgendwo her kannte. Er lief sehr langsam, dadurch hatte ich die Chance ihn von Kopf bis Fuß zu betrachten. Seine Haut war sehr faltig, jedoch sehr gepflegt, seine Augen glänzten, als ob er gerade geweint hätte. Die Nase war im Vergleich zu den Ohren sehr klein. Füße, die ich so noch nie gesehen hatte, doch sie passten zu ihm, weil er verhältnismäßig groß und kräftig war. Es wurde sehr kalt, ich beschloss wieder hoch zu gehen, obwohl ich keine Lust auf die anderen hatte. Als ich aufstand, fiel mein Handy runter und der ältere Mann erschrak. Ich sagte ihm, dass es mir leid täte, es sei nur mein Handy gewesen. Als unsere Blicke sich trafen, war ich mir zu hundert Prozent sicher, wer dieser Herr war. Doch mir wurde gesagt, er sei tot. Ich war mir deshalb so sicher, weil ich ein Foto von ihm besitze. Es war mein Großvater, der früher auf mich aufgepasst hatte, dann jedoch ins Heim ging, aus Gründen, die vor mir geheim gehalten wurden. Wurde er gezwungen? Konnte er mich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr erziehen? -Oder… Mir gingen in diesem Moment so viele Fragen durch den Kopf, dass ich ihm nur noch einen schönen Abend wünschte und hastig in mein Zimmer lief. Ich versuchte zu schlafen und mir einzureden, dass er es nicht war, doch ich war mir sicher. Warum ich ihn nicht darauf angesprochen habe?  Diese Frage ließ mich die ganze Nacht an die Decke starren.

(Jamilah)
 
 
Beschreibung
 
Nun sitze ich hier, an meinem Schreibtisch, und schaue aus dem Fenster. Ich kann viele Bäume sehen, manche schon rot, andere noch grün. Die Blätter wehen vom Wind, der sie an den Ästen schaukeln lässt.
Der hohe Fahnenmast klimpert leise, wenn die Befestigungshaken der Fahne gegen ihn prallen. Manchmal kann man die Fahne ganz sehen, doch im Moment hängt sie schlaff runter und wiegt leicht hin und her.
Aus einem Schornstein steigt Rauch. Er wirbelt herum und wird dann unsichtbar.
Autos fahren auf den Straßen. Graue, schwarze, silberne, dunkelblaue, alle sind trist und kalt, keins ist orange, rot oder gelb. Fröhliche Farben unter Autos sind nicht zu sehen. Doch wenigstens fährt ein gelbes Fahrrad vorbei.
Die drei Häuser, die ich sehen kann, scheinen unbelebt, alles ist dunkel, aber ich weiß, dass es anders ist. Ein kleiner, grau-brauner Vogel fliegt an meinem Fenster vorbei. Wahrscheinlich das einzige fröhliche Wesen da draußen in der Kälte.
In unsrem Garten sind mein kleiner Bruder und meine Mutter zu hören, mein kleiner Bruder scheint aufgeregt zu sein. Also ist der Vogel nicht alleine glücklich.
In meinem Zimmer herrscht Unordnung. Meine Schulsachen liegen überall auf dem Fußboden, die Koffer von unserer letzten Reise stehen noch in meinem Zimmer, mein Sofa ist mit alten Klamotten voll und meine Pflanze muss gerade eine Dürreperiode überstehen. Zum Glück kommt Musik aus meinem Radio. Es läuft mein Lieblingssender Bremen Vier. „Zehn kleine Jägermeister rauchten einen Joint, den einen hat es umgehauen, da waren es nur noch neun.“ Zehn kleine Jägermeister von den Toten Hosen aus dem Jahr 1996. Das habe ich immer mit meinem besten Freund gehört, da er ein großer Fan von den Toten Hosen ist.
Zu mir dringt ein Duft von Wassermelone und Apfel: Auf meinem Schreibtisch, der natürlich auch unordentlich ist, liegen fünf Gums mit Wassermelonengeschmack und gleich daneben eine schlecht aufgerissene Haribo- Froschli- Tüte mit Apfelgeschmack.
Jetzt piept auch noch das Tamagotchi von meinem kleinem Bruder, das er in meinem Zimmer liegen gelassen hat. Soll es doch sterben! Während die Musik leise zu mir schallt, wende ich den Blick vom Fenster ab und beginne mit meinen Hausaufgaben.
 
(Ann)
 
 
Verunglückt
 
…verunglückt. Mein Blick flog immer und immer wieder über den Zeitungsartikel. Ich konnte es einfach nicht fassen, nicht begreifen. Nein, ich wollte es einfach nicht.
 
Ich erinnerte mich an den Moment, in dem ich sie zum ersten Mal sah. Zufrieden saß sie auf dem edlen Parkett des Tanzsaales und schnürte ihre Tanzschühchen ordentlich zu. Sie war fein herausgemacht. Die dunkelbraunen Haare zu einem strengen Dutt nach hinten gekämmt und mit einer Schleife befestigt.
Die weiße Strumpfhose umhüllte ihre Beine wie eine zweite Haut. Das schwarze Trikot schmiegte sich um ihren wohlgeformten Po. Dieses Kleidchen brachte ihre Schlüsselbeine sehr zur Geltung. Sie zeichneten sich deutlich unter ihrer zarten, hellen Haut ab und betonten ihre ohnehin schon sehr zierliche Figur. Eine Strähne löste sich aus ihrem Zopf und fiel in ihr Gesicht. Es wirkte wie auf ihren Körper abgestimmt. Markante, dennoch feine Wangenknochen, eine kleine Stupsnase, große, braune, glückliche Augen umhüllt von langen Wimpern, ein Mund wie der von Schneewittchen und zarte Haut wie die eines Kindes prägten ihr Gesicht. Sie war kleiner und dünner als ihre Kolleginnen, was sie durchaus noch sympathischer erscheinen ließ.
 
Ich griff nach meiner Kamera. Der eigentliche Grund, wieso ich eigentlich hier war. Als Fotografin betrachte ich meine Modelle immer ganz genau, bevor ich anfange mit ihnen zu arbeiten. Ich möchte sie erst einmal kennenlernen. Das verleiht den Aufnahmen eine gewisse Persönlichkeit, eine eigene Geschichte.
 
Gedankenverloren knipste ich ein paar Fotos, um die richtige Einstellung zu finden.
 
Sie entschuldigte sich kurz bei ihrer Lehrerin und stellte sich an die Seite zu ihrer Tasche. Eine ihrer zarten Hände griff ruckartig nach der Ballettstange. Es wirkte, als wäre sie sonst zu Boden gesunken. Ganz schwindelig und benommen, schon fast ohnmächtig. „Ist die Arbeit als Tänzerin hier an der Oper zu anspruchsvoll für sie? Dabei wirkt sie doch so glücklich, wenn sie tanzt. Bräuchte sie mal eine Auszeit? Nein, ich mische mich da nicht ein. Vielleicht ist es nur ihr Kreislauf. Keine voreingenommenen Schlüsse ziehen“, dachte ich mir.
Sie griff in ihre Tasche nach ihrer Wasserflasche, guckte sich noch einmal um und nahm zusätzlich eine Palette mit Tabletten heraus, schluckte unbemerkt eine und gesellte sich wieder zu ihren Kolleginnen.
Geleitet von der harmonischen Melodie, die die Pianistin spielte, tanzte sie durch den Raum. Man konnte schon fast behaupten, dass sie schwebte.
Sie war ein wirklich gelungenes Objekt für meine Arbeit.
Nach der Unterrichtsstunde wollte ich mit ihr kurz über meine Arbeit sprechen, so wie wir es abgemacht hatten. Doch sie griff nach ihrer Tasche, ihrer Jacke und ihrem Schal und verschwand. Ich wandte mich den anderen Tänzerinnen zu, die auf der anderen Seite des Raumes ihre Sachen zusammenpackten und dabei fröhlich plauderten. Sie schienen mir nicht nur Kolleginnen zu sein. Ich fragte sie etwas über die andere Tänzerin. Eine junge Frau erzählte mir, dass sie einmal sehr gut mit ihr befreundet gewesen sei, doch seit ihr Name publik geworden war, hatte sie den Kontakt abgebrochen und lebte sehr zurückgezogen. Dabei war sie vorher so glücklich, so offen, so unternehmungsfreudig gewesen. Sie war zwar auch schon immer zierlich, doch seit der Druck gestiegen sei, habe sie wohl noch einmal enorm abgebaut. Unter dem Vorwand Allergietabletten schlucken zu müssen, unterbricht sie häufig den Unterricht, so wie sie es heute am Anfang der Stunde getan hatte, erfuhr ich.
 
Nun sitze ich hier in diesem kleinen Café. Ein Tee und ein Croissant zum Frühstück, die Tageszeitung aufgeschlagen. Immer noch auf der gleichen Seite. Der Titel sprang mir immer und immer wieder ins Auge: „Tänzerin bei Selbstmord verunglückt“. Ich schloss meine Augen, doch die furchtbaren Bilder, die ich mir ausmalte, zwangen mich, sie wieder zu öffnen, wieder der Schlagzeile zu begegnen. Sie nahm sich das Leben. Fein herausgemacht, so wie wenn sie auf der großen Bühne im Scheinwerferlicht stand. So, wie sie damals immer am glücklichsten war. Der Erfolg brachte sie um…
 
 
 
(Lina)
 
 
Die Feder
 
Als ich meine Augen öffnete, konnte ich es kaum glauben: Ich war im Urwald.
Ich schaute mich ängstlich um und entdeckte ein kleines Dorf, das aus Lehmhütten bestand. Ich spürte den aufgeweichten Boden unter meinen Füßen. Es war warm, mein Hemd vom Schweiß durchtränkt, ich zog es aus.
Trotzdem verstand ich immer noch nicht, wie ich hierher gekommen war. Mein Gedächtnis war wie ausgelöscht, ich konnte mich an nichts erinnern. Ich kam dem Dorf immer näher, erblickte jedoch weit und breit keine Menschenseele. Leergefegt. Alles so still. Das machte mir Angst. Ich begann unsicher nach etwas Essbarem zu suchen, da ich einen Bärenhunger hatte und nicht wusste, wann ich zuletzt etwas gegessen hatte.
Plötzlich hörte ich Schreie. Es waren Affenschreie. Das wusste ich, weil ich einmal ein Referat über Affen halten musste. Die Affen waren aggressiv. Ein Fremder war in ihr Gebiet eingedrungen. Und dieser Fremde war ich. Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte. Ich dachte, jetzt wäre es aus.
Gerade als die Affen mich attackieren wollten, stürmten bewaffnete Menschen aus den Büschen und verjagten die Affen. Es mussten die Dorfbewohner sein. Der Größte von ihnen, wahrscheinlich der Häuptling, kam auf mich zu, verbeugte sich  und gab mir eine Feder. Dies verstand ich erleichtert als Zeichen des Friedens.
Plötzlich bebte die Erde und ich fiel in Ohnmacht.
Ich streckte und räkelte mich. Ich rieb meine Augen und sah mein Zimmer. Ich lag in meinem Bett. War das alles nur ein Traum? War ich verrückt? Ich ging ins Badezimmer und guckte in den Spiegel. Ich sah die Feder in meinem Haar und begann zu lächeln.
 
(Amadou)
 
 
Die Überraschung
 
Es war ein kalter Novembertag, morgens in der Früh, als mich Großvater zum Kindergarten brachte. Er wartete vor unserem Haus auf mich und hatte eine blaue Tüte in seiner Hand. Auf dem Weg zum Kindergarten fragte ich Großvater, was in seiner blauen Tüte sei und er sagte mir mit leiser Stimme: „Nichts mein Kleiner“. Ich wollte zwar noch fragen, wieso er die Tüte denn dabei habe, wenn doch nichts drin ist, aber ich ließ es sein.
Dieser Morgen war sehr kalt und neblig, die Leute die an uns vorbei gingen, kamen mir vor wie Türme, da ich durch den Nebel ihre Köpfe nicht mehr sehen konnte. Großvater sagte wie immer kaum etwas auf dem Weg, ich versuchte ihn zwar oft zum Reden zu bringen, indem ich ihm Fragen über Dinge stellte, die mich eigentlich nicht interessierten, aber er antwortete oft nur kurz oder schwieg. Ich wusste noch immer nicht was in seiner blauen Tüte war und stellte mir deshalb vieles vor. Wahrscheinlich nichts für mich, dachte ich mir, aber trotzdem wollte ich es wissen. Ich sah schon das Gebäude meines Kindergartens. Beim Nachdenken musste so viel Zeit vergangen sein, dass es mir vor kam, als wären wir erst vor einer Minute los gegangen.
Vor dem Eingang des Kindergartens drückte mir Großvater auf einmal seine Tüte in die Hand und sagte mir: „So, hier sind deine Spielsachen, die du so wolltest, weil es ja im Kindergarten nicht diese Spielzeuge gibt“. Er hatte mich wieder mal überrascht, so wie er es jeden Montag tat, wenn er, und nicht Mutter, mich zum Kindergarten brachte.
 
(Besar)
 
 
Tödliches Lachen
 
Da stand sie. Sie hatte ein kurzes schwarzes T-Shirt an, unter dem man die zerstochenen Arme sehen konnte. Sie hatte dunkle Schatten unter ihren Augen, eine blasse, faltige Haut und splissige Haare. Sie zitterte und ihre Augen weiteten sich.
Sie griff in ihre Hosentasche und holte ein kleines weißes Päckchen heraus. Sie zitterte so sehr, dass sie einen Teil des Pulvers verstreute. Dann tat sie sich etwas von dem Pulver auf die Hand, beugte sich über und zog es mit der Nase ein. Sie nieste ein-, zweimal bis sie schließlich zusammen sackte. Ihre Augen starrten ins Leere. Ihr ganzer Körper begann zu zittern. Sie begann zu lachen, ein verrücktes schrilles Lachen. Sie lachte so lange, bis sie keine Kraft mehr hatte und reglos auf dem Boden liegen blieb.
 
(Theresa)
 
 
Vertieft in Gedanken
 
Die alte Dame fuhr mit ihrem Rollator durch den Park. Ich guckte sie mir genauer an.
Sie hatte faltige Haut, ein kleines rundes Gesicht, graue nach oben gesteckte Haare und
ziemlich kleine Finger.
Sie schaute verträumt die Bäume an und sah traurig aus. Ich hatte
Angst, dass Sie einen Baum anfuhr oder einschlief. Ihr Gesichtsausdruck erzählte mir, dass
sie zurzeit mit ihrem Leben nicht zufrieden war oder sie gerade eine schlechte Zeit durchmachte. Vielleicht hatte sie auch einfach nur etwas Schlimmes in ihrer Vergangenheit erlebt und erinnerte sich gerade daran. Auf jeden Fall musste es etwas Persönliches gewesen sein, weil es sie so sehr zum Nachdenken brachte.
(Gülcin)
 
 
Er hat Panik…
 
Er hat Panik, er wollte das alles überhaupt nicht.
Doch nun läuft er. Er läuft schnell. Weg von dem, was er getan hat. Bald werden sie ihn finden, da ist er sich sicher, doch bevor es so kommt, muss er zu dem Grab seines Bruders. Er will sich ein letztes Mal von ihm verabschieden. Woran sein Bruder gestorben ist, weiß er nicht genau. Keiner ist sich sicher, was damals passiert ist.
Er weiß nur, dass er an der Bergstraße auf dem Friedhof liegen soll. Der Friedhof ist fünf Kilometer entfernt von hier, vom Haus seines Bruders. Das weiß er ganz genau, denn damals, als sein Bruder noch gelebt hat, ist dieser sehr oft mit ihm zum Grab seiner Mutter gefahren.
Um zum Friedhof zu kommen, ruft er sich ein Taxi, denn einen Führerschein hat er nie gemacht. Während der Fahrt sagt er kein Wort, nur wohin er will, und dass der Fahrer bitte schnell fahren soll. Die ganze Fahrt über hat er Angst. Er befürchtet, dass der Fahrer ihn erkennt. Obwohl eigentlich völlig absurd ist, denn der Fahrer kann ihn noch nie gesehen haben.
Auf dem Friedhof angekommen, rennt er los. Er sucht nach dem Grabstein. Er war noch nie dort, er hätte es nicht ertragen, seinen Bruder bei der Beerdigung so still zu sehen.
Er sieht einen leeren Grabstein und er fragt sich, wer dort liegen könnte, doch sein Gedanke wird durch eine laute Stimme unterbrochen. Hinter ihm brüllt jemand in ein Megafon: „Heben sie ihre Hände und drehen sie sich langsam um!“ Er sieht 3 Polizisten, alle 3 haben ihre Waffen auf ihn gerichtet.
Langsam zieht er seine Waffe, bis eben hat er ganz vergessen, dass diese noch in seinem Hosenbund steckt. Er realisiert, was er getan hat und wieso das Grab seines Bruders noch nicht existiert.
Angesichts dessen, was ihm bevorsteht, den langen Jahren, die er alleine im Gefängnis verbringen wird, fangen seine Augen an zu tränen.
Kalt ist sie, seine Waffe, die er auf seine Lippen gelegt hat. Mittlerweile ist sein ganzes Gesicht voller Tränen.
Er hat Panik, er wollte das alles überhaupt nicht.
 
(Yannis)
 
 
Allein auf der Welt
 
Auf der Treppe vor einem großen Haus sitzt eine junge Frau ganz allein. Sie hat langes, dunkelbraunes Haar und große grün-braune Augen. Sie trägt einen Verlobungsring, sie starrt ihn ununterbrochen an. Es scheint so, als hätte sie Zweifel oder irgend etwas Schlimmes sei passiert, denn so, wie sie guckt, kann es nichts Gutes sein. Ihr Mundwinkel ist nach unten gezogen und ihre Augen sind voll mit Tränen.
Ich gehe zu ihr und frage sie, was los ist. Sie öffnet sich mir. Sie erzählt mir alles, als ob wir uns schon seit Jahren kennen. Sie sagt, dass sie alles verloren hat, ihre Eltern, ihren Bruder und jetzt auch noch Ihren Verlobten. Er starb durch einen Autounfall, ein betrunkener Mann hat ihn angefahren und er starb sofort an der Unfallstelle. Sie tut mir so leid, ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich höre ihr zu, nehme sie in die Arme und sage ihr, dass es schrecklich ist, aber dass das Leben weiter geht, ich sage ihr, dass sie jetzt sehr stark sein muss.        
 
(Selin)
 
 
Der Deal des Fremden
 
Der Park war fast leer. Ein alter Mann kam in den Park. Er sah nicht sehr gepflegt aus und hatte eine Bierflasche in der Hand. Der Mann wohnte wahrscheinlich auf der Straße oder in einer kleinen Wohnung. Er schien auf jemanden zu warten. Er wurde ungeduldig.
Seine Hände fingen an zu zittern und die Bierflasche fiel ihm aus der Hand.
Nach etwa zehn Minuten kam ein junger Mann zu ihm. Er war im Gegensatz zu dem alten Mann gepflegt und sah sogar wohlhabend aus. Er hatte schwarze, kurze Haare die er hoch gegelt hatte. Er trug einen schwarzen Anzug, als ob er zu einer Hochzeit gehen wollte.
Der alte Mann gab ihm einen Briefumschlag, den er aus seiner Hosentasche zog. Im Gegenzug holte der junge Mann ein Päckchen raus, es war nicht groß, aber schon offen und der alte Mann nahm es an sich. Sofort hörte sein Zittern auf und er fing an, sich zu freuen, so als hätte er eine Million im Lotto gewonnen.
Was war in dem Päckchen? Und was hatte wohl der junge, wohlhabende Mann mit dem alten, ungepflegten Mann zu tun?
 
(Selcan)
 
 
 
Ein Mann bei Nacht
 
Ich ging mein Tun vor Verlassen der Wohnung immer und immer wieder durch. Je öfter ich darüber nachdachte, desto unsicherer wurde ich. Nach knappen zehn Minuten gab ich es auf und da wurde mir klar, dass das Gefühl, das ich seit meiner Heimkehr hatte, eine Art Vorahnung war, die mir verriet, dass ich so schnell nicht wieder mein Zuhause betreten würde, da ich meine Schlüssel auf der anderen Seite der verschlossenen Tür liegen gelassen hatte.
Widerstrebend holte ich mein Handy heraus, um meine Mutter anzurufen. Sie war die einzige Frau, der ich einen Ersatzschlüssel gegeben hatte, dennoch war es mir unangenehm ihr gegenüber zugeben zu müssen, dass ich, wie ein kleiner, dummer Schuljunge, meinen Hausschlüssel vergessen hatte. Ich war 23 und keine neun! Ach, verdammt, ich hatte nicht mal mit sechs meinen Schlüssel vergessen!
Ich wählte ihre Nummer, doch kaum hatten wir uns begrüßt ging mein Handy aus. Na toll, der Akku war leer. Ich würde also auch noch von Angesicht zu Angesicht mit ihr reden müssen. Da mir gar nichts erspart blieb, ich keine andere Wahl hatte, hieß es wohl: Augen zu und durch.
Ich hatte mittlerweile jedes Zeitgefühl verloren, musste aber wissen, ob meine Mutter noch arbeitete oder schon Zuhause war. Armbanduhren trug ich nicht und da mein wundervolles Handy den Geist auf gegeben hatte, musste ich irgendjemanden nach der Uhrzeit fragen. Natürlich war weit und breit keine Menschenseele zu sehen,  was sich auf meinem Weg bis zur Haltestelle auch nicht änderte. In einem der beiden kleinen, überdachten, windgeschützten Haltestellenhäuschen auf meiner Straßenseite, saß eine junge Frau auf einer der Bänke. Sie sah aus wie Anfang 20. Es war bereits dunkel geworden und sie blickte gedankenverloren in den nächtlichen Himmel hoch. Ich ging auf sie zu und legte meine Hand auf ihre Schulter. Sie zuckte zusammen und schaute zu mir hoch. Sie wirkte erschrocken, aber nicht verängstigt, obwohl mitten in der Nacht ein ein Meter neunzig großer Mann neben ihr aufgetaucht war, kein anderer Mensch in der näheren Umgebung.
Mit einem Schlag wurde mir klar was meine Gedanken bedeuteten.
Kein Mensch weit und breit, nur wir beide.
Nur sie und ich.
Mein Herz fing sofort an, wie wild zu rasen.
Eine Bahn kam,sie stieg ein, ich tat es ebenfalls, obwohl die Fahrtrichtung die falsche war. Kurz vor der Endstation stiegen wir aus Sie ging nach links, also drehte ich mich nach rechts und zwang meinen Körper, mich Schritt für Schritt weiter von ihr zu entfernen.
Ich wusste immer noch nicht, wie spät es war. Hinzu kam, dass ich nicht wusste wo ich mich befand.
Plötzlich krachte es hinter mir, ich drehte mich um und musste meine gesamte Selbstbeherrschung aufbringen, um nicht lauthals los zu lachen. Die junge Frau, der ich gefolgt war, die mich komplett aus dem Konzept gebracht hatte, schien geträumt zu haben, und war gegen eine der riesigen Mülltonen gerannt, die überall am Straßenrand standen.
Wir starrten uns einige Zeit an, doch mit jeder verstreichenden Sekunde wurde offensichtlicher, was ich mir zu verkneifen versuchte, worauf sie verärgert reagierte. Das gab mir den Rest. Ich begann zu lachen an und nach einer Weile fing auch sie an. Wir lachten immer noch als wir uns umdrehten, um unseren eigentlichen Weg fortzusetzen. Dieses Mal würde ich wirklich jemanden nach Uhrzeit und Weg fragen müssen. Vorzugsweise einen Mann.
 
(Kimberly)
 
 
 
Als ich die die Augen öffne…
 
Als ich die die Augen öffne, befinde ich mich in der Wüste. Eine verlassene, einsame Wüste. Zugleich ist es ziemlich warm. Ich kann nichts sehen. Keine Spur von Zivilisation. Überall nur Sand, nichts weiter.
Ich mache meinen ersten Schritte. Ich bekomme Angst. Ich bin es nicht gewohnt, so einsam zu sein. Ich hätte gerne Freunde. Ich will nicht allein sein. Es ist zu ruhig. Das ist seltsam. Langsam wird es dunkel und gleichzeitig kühl. Je dunkler es wird, desto mehr Angst bekomme ich. Ich will nicht mehr. Ich will sterben. Das Leben hat so keinen Sinn. Falls das ein Traum ist, will ich so schnell wie möglich aufstehen. Meine Eltern sorgen sich bestimmt schon um mich. Ich kann nicht mehr. Ich will schlafen und nie wieder aufwachen.
 
(Serkan)
 
  Ich stehe in einem Park

Ich stehe in einem Park neben meinem Haus. Ich fühle, wie der kalte Wind an mir vorbei rauscht. Ich bekomme eine Gänsehaut. Ich rieche etwas Neutrales, wie in einem Wald, höre Leute vorbei laufen,Vögel in den Bäumen und Autos auf der Straße. Ich versuche, an nichts zu denken, denke aber immer wieder an die Leute, die mich anschauen. Ich mache mir Gedanken darüber, was die sich jetzt wohl denken. Einmal läuft ein Hund vorbei. Das kann man riechen. Er riecht streng, nach Hundekot.

Dann gehe ich wieder nach Hause.

(C.)

 

Zunächst war es nur..
 
Zunächst war es nur ein zutiefst genervter Mann mit blond-braunen Haaren, der von einem Hund angesprungen wurde. Der Grund lag doch auf der Hand. Der kleine weiße Hund mit den schwarzen Ohren war der Nervtöter.
Nach genauem Beobachten wurde mir klar, dass dem nicht so war, dass es mehr sein musste. Der sich inzwischen selbst vergnügende Hund konnte es niemals sein. Dafür war er doch viel zu anständig.
Dass der Mann nur mit dem Hund draußen ist, um von seiner Frau weg zu sein, kann niemand sicher sagen. Trotzdem sieht man, dass er sich mit jemandem gestritten hat, der ihm sehr am Herzen liegt. Verloren auf den Boden starrend, Tränen in den Augen und gekrümmte Haltung. Ob es sich nur um einen kleinen oder großen Streit handelte, weiß ich nicht. Doch eines weiß ich: Ihm geht es jetzt wieder gut und er ist glücklich.
(Mark)
 
 

 
Diktator wider Willen
 

Alfons Hetler*, gebürtiger Eusterreicher*, war ein trotteliger, hohler, Fisch liebender, Milch trinkender und Mäuse jagender Diktator.

Alfons Hetler ist Diktator von Dutschland*, seine Mutter Mattucat Hetler geb. Mamushka, hatte immer das Beste für ihren Sohn im Sinn und wünschte sich, dass er sein Talent nutzt und ein berühmter Künstler wird, aber leider musste sie sich damit zufrieden geben, dass er ein Diktator geworden ist. Alfons Vater war kein Eusterreicher, denn er war ein Rumune er kam aus Rumunien*, um genauer zu sein war er der Graf von Tanswylwanien*. Die Einwohner von Tanswylwanien und ganz Rumunien fürchteten Alfons Vater, denn jeder, der den Namen Graf Alucard* Hetler von Trawylwanien hörte, erschauderte, denn man glaubte, er sei ein Flampir* eine furchterregendes Wesen, das Lebewesen das Blut entnimmt, es dann mit seinem Kaffee mischt um ihn dann besser trinken zu können, während er Jazz Musik hört.
Alfons Hetler ist, wie sein Vater, in ganz Dutschland gefürchtet, denn wer ihm nicht huldigt und sich schlecht über ihn äußert, wird meistens mit einem Besuch im Wiederherstellungslager, auch WL* genannt, bestraft. Denn Alfons wird bald Krieg führen, um genauer zu sein, Weltkrieg, aber das ist eine andere Geschichte, die auch in die Weltgeschichte eingehen wird, aber hier ging es um Alfons Hetler, eine Diktatorische Katze, die die Welt verändern will.
 
Legende:
*Alfons Hetler                = Parodie auf Adolf Hitler
*Eusterreicher               = Österreicher(Österreich)
*Rumunien                    = Rumenien
*Tanswylwanien            = Transylwanien
*Graf Alucard                = Graf Dracula (Dracular rückwerts)
*WL (Wiederherstellungslager = KZ (Konzentrationslager)
 
(Larry)
 
 

 

Wenn die Situation eskaliert… 
 
Ein fröhlich scheinender, lustiger, aber auch zugleich irgendwie komischer Mann
von ungefähr 40 Jahren fährt mit dem Fahrrad durch einen Park. Von hinten kommt der 15-jährige
Ramazan angerast und möchte den fröhlich pfeifenden Mann überholen.
Er tritt etwas schneller in die Pedale und schon hat er den Mann hinter sich. Kaum hat er ihn überholt, macht der
Mann provozierende ,,Furzgeräusche“ mit dem Mund. Ramazan lässt sich das freilich nicht
gefallen und reagiert rasch darauf, indem er den Stinkefinger nach hinten zeigt. Der Mann
merkt sofort, dass dieser an ihn gerichtet ist, und kontert mit Beleidigungen. Er redet wie ein
Betrunkener, und es stellt sich heraus: er ist auch einer! Ramazan wird die Zeit knapp.
Er beschließt, nicht allzu viel Zeit mit dem Betrunkenen zu verschwenden. Nachdem
er den Mann mit einem Schwall von Flüchen überschüttet hat, spuckt er hoch in die Luft, so dass
der Speichel auf dem Mann landet, und flitzt dann davon.
Während der Mann schimpft und ausflippt, ist Ramazan schon über alle Berge.
Als Ramazan gelassen davon radelt, ist er zufrieden damit, wie er gehandelt hat, und denkt,
dass es ein ,,aussagekräftiger“ Denkzettel war.
 
(Ramazan)
 
 
 
Ein ganz normaler Arbeitstag
 
Immer um 8:15 Uhr beginnt mein Arbeitstag am ersten Tag der Woche.
Also muss ich heute ziemlich früh aufstehen. So um sieben Uhr klingelt der Wecker. Meine Kinder Jonas und Emily sind schon vorher wach und angezogen, weil sie beide das Haus früher verlassen müssen, damit sie die S-Bahn nicht verpassen. Als ich völlig verträumt in die Küche gehe, treffe ich sie beide beim gemeinsamen Frühstücken. Sie kichern kurz und anschließend wünschen sie mir gleichzeitig im Chor einen guten Morgen.
Jonas ist inzwischen 16 Jahre alt und besucht die 11. Klasse am Schulzentrum Walle. Wie fast alle Jungen in seinem Alter, liebt er die Sportart Fußball. Beim Fußballspielen punktet der sonst so ruhige und bescheidene Junge mit Selbstvertrauen, Präsenz und Ehrgeiz. Auf dem Feld sieht man ihm an, wie viel Freude er an der Sache hat. Er spielt zurzeit beim FC Union 60 in der A-Jungend. Zuhause erlebt man ihn entweder beim Lernen oder vor seiner Konsole.
Die 14 jährige Emily dagegen scheint fast das Gegenteil zu sein. Sie ist lieber mit ihren Freunden im Einkaufszentrum, als zu Hause zu sitzen und nichts zu tun. Sie ist zwar in keinen Fußballverein, aber dafür tanzt sie gerne. Sie ist in einer Tanzgruppe und hat auch häufig Auftritte vor großem Publikum. Sie tut nicht viel für die Schule, trotzdem ist sie eine sehr gute Schülerin. Ich sage ihr oft, sie solle lieber öfter lernen, als mit ihren Freundinnen die Einkaufszentren zu besuchen, doch sie verlässt sich voll und ganz auf ihre Begabung.
Kurz nachdem die beiden mit dem Frühstücken fertig sind und das Haus verlassen, mache ich mich fertig, ziehe mir die Arbeitskleidung an und fahre zur Arbeit. Bei der Post angekommen, bekomme ich meine Route, die ich heute mit dem Fahrrad abfahren muss. Heute mal wieder an der Waller Heerstraße entlang, meine Lieblingsroute, denn da bin ich nicht weit weg von meinen Kindern. Auch wenn sie es nicht wissen, fühle ich mich ihnen nah, wenn ich diese Route fahre. Außerdem ist sie nicht weit. Als ich die Straße lang fahre, sehe ich zwei Jungen im Alter von Jonas. Der eine sieht aus wie ein Südländer, nicht unbedingt sehr groß, mit einer Jeans und einer schwarzen Jacke. Der andere dagegen ist groß, breit gebaut, dunkelhäutig, trägt eine blau Jacke und sieht schon etwas älter aus. Obwohl ich sie nicht kenne, winken sie mir zu. Ich winke zurück und frage mich, warum sie nicht in der Schule sind.
Als ich dann fertig bin, gehe ich nach Hause, hole den Autoschlüssel und fahre zur Schule an der Helgolander Straße und zum SZ Walle, um Jonas und Emily nach Hause zu bringen.
 
 (Terry)