Thomas Melle: Sonstiges

Sonstiges: Feierliche Verleihung des Bremer Literaturpreises am 28.1.2008 (Jamilah)

Am 28.01 fand die diesjährige Preisverleihung des Bremer Literaturpreises in der Oberen Rathaushalle statt. Hauptpreisträger dieses Jahr ist Dr. Hans Joachim Schädlich, Förderpreisträger Thomas Melle.

Nach einer herzlichen Begrüßung aller Anwesenden durch Bürgermeister Böhrnsen und einer einstimmenden Musik, stellte die Laudatorin Sybille Kramer in einer Rede den Hauptpreisträger Hans Joachim Schädlich und sein preisgekröntes Buch „Vorbei“vor, in dem drei verschiedene Geschichten enthalten sind, die sich jeweils um Persönlichkeiten aus dem 18. und 19. Jahrhundert drehen: Den Komponisten Antonio Rosetti, den Begünder der Klassik Johann Joachim Winckelmann und den Dichter Robert Louis Stevenson.

Auch wenn Herr Dr. Schädlich eigentlich lieber Blues-Sänger geworden wäre, wie Sybille Kramer uns verriet, so veröffentlichte er insgesamt 14 Bücher und erhielt 11 Literaturpreise unter anderem den Preis der Heinrich-Böll Stiftung und den Kleist-Preis.

Hans Joachim Schädlich selbst ging in seiner Rede der Frage nach, die ihm immer wieder gestellt wird: „Was bezwecken Sie mit ihrem Schreiben und warum tun Sie dies?“Schädlich fragte sich und uns, ob ein Autor diese Frage überhaupt beantworten könne, denn gäbe es eine Antwort darauf, würde ein Autor dann überhaupt noch schreiben können?

Nach der Urkundenübergabe an Herrn Schädlich hielt Richard Kämmerlings, Laudator von Thomas Melle, eine kurze Ansprache. Er selbst beschrieb Thomas Melles Debüt „Raumforderung“ als ein tolles und „raumforderndes Buch“. Zum Titel sagte er, dass viele denken könnten,es sei frech, dreist und eventuell sogar etwas eingebildet, diesen Titel zu wählen, weil es das ist, was alle Bücher für sich einklagen: Sie fordern Raum, in den Regalen von Bibliotheken, Wohnzimmern und Buchläden und letztendlich auch in der Geschichte der Literatur.

Laut Kämmerlings kann man den Titel in allen 12 Geschichten des Buches wiederfinden, auch wenn man die andere Bedeutung des Wortes „Raumforderung“ hinzuzieht, die aus der Krebsforschung stammt und Wucherungen, raumforderndes krankes Gewebe bezeichnet. Zitat aus der ersten Geschichte Santo Lucci: „Ediths Wohnung hat Krebs, und die Metastasen treiben Plastikblumen, Goldherzen, Blumenkränze in die Ecken und Augenwinkel. Bunte Karzinome wuchern von allen Seiten in Richtung Fernseher.“ Es sind Augenblicke, in denen etwas entgleist und der Organismus sich gegen sich selbst wendet, die Thomas Melle in seinem Debüt untersucht.

Auch Thomas Melle bekam natürlich seine Urkunde. Nach der Übergabe und einer kurzen erfrischenden Musikeinlage, dankte er der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung und den Juroren für den Preis, ebenso sprach er dem Suhrkamp Verlag, seiner Lektorin und seinem Agenten seinen Dank aus.

Thomas Melles Rede war sehr lustig. Er sagte, er wüsste, dass an dieser Stelle eine überschwängliche, poetisch verschlüsselte, hoch intellektuelle und selbstreflektierende Rede von ihm erwartet würde, er habe ja genau diese Situation in seinem Buch zugespitzt persifliert. In Wirklichkeit habe er jedoch noch wenig Gelegenheiten gehabt, eines Dankesrede zu halten, ehrlich gesagt, sei dies seine erste. Thomas Melle geht kurz auf sein Buch ein, in dem er verschiedene Geschichten und Schreibstile ausprobiert habe und sagt, er hoffe nun, dass ihm dieser Preis weitere Türen öffne und eine Grundlage für weitere Bücher sein werde.

Nach der Rede Thomas Melles und einer abschließenden musikalischen Einlage, war die Preisverleihung zu Ende. Eine beeindruckende Veranstaltung! Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr, in dem es wieder im Januar (um den Geburtstag des Bremer Schriftstellers Rudolf Alexander Schröder herum, dem Bremen diesen Preis verdankt) eine Preiverleihungsfeier in der Oberen Rathaushalle geben wird. Wir werden euch selbstverständlich davon berichten!

(Jamilah)