Norbert Hummelt: Sonstiges

Sonstiges: Dieses Mal sogar auf dem Schiff: Das 9. Bremer Poesiefestival vom 15.-22.5. 2008 (Ina)

Dieses Jahr fand das internationale Poesiefestival poetry on the Road bereits zum 9. Mal in Bremen statt. Ina Möller, Berichterstatterin von workshop literatur und Schülerin vom Kippenberg-Gymnasium, ist bei fast allen Veranstaltungen dabei gewesen und berichtet:

26 Sprachkünstler, Performer und Poeten präsentierten ihre Gedichte an allen möglichen Orten in Bremen. „Poetry on the road“- wie bereits der Name sagt, befinden sich die Poetry- Veranstaltungen nicht nur an einem, sondern an verschiedenen Stellen. Dieses Mal wurde sogar ein Schiff gebraucht, welches die Poetry Autoren zum Schulschiff Bremen brachte.

Dieses Mal sogar auf dem Schiff…Das 9. Poesiefestival poetry on the road vom 15.-22. Mai 08

Zum Teil hatten die Autoren selbst lange Wege hinter sich, um an dem Festival teilnehmen zu können. Drei kamen aus den USA, eine aus Spanien. Griechenland, Syrien, Polen, Israel, Frankreich. Bahrain, Bulgarien, Niederlande und die Schweiz waren ebenfalls vertreten. Die meisten kamen allerdings aus Deutschland.

Wie auch in den letzten Jahren wurde poetry on the road im Neuen Schauspielhaus offiziell eröffnet, in diesem Jahr mit der Kulturstaatsrätin Frau Carmen Emigholz. Silke Behl von Radio Bremen führte durchs Programm, das sehr abwechslungsreich war. Auch wenn z.B. Friederike Mayröcker aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen konnte. Sie las trotzdem exklusiv für poetry on the road , der Film wurde zur Eröffnung des Festivals gezeigt. Danach stellte der Bremer Autor Michael Augustin als erstes seine Texte vor, nach ihm Piotr Sommer aus Polen. Danach hatte der Holländer Tsead Bruinja mit der Flamencotänzerin Tanja van Susteren und Jaap van Keulen die Bühne für sich. Das Publikum war begeistert, allerdings war nicht eindeutig zu erkennen, was sie toller fanden, die Gedichte oder doch das Flamencotanzen? Nach der Pause begrüßte Franzobel aus Österreich das Publikum mit einer Fußballballade, gefolgt von Amir Or aus Israel, in dessen Gedichten sich viel von den Konflikten seines Landes widerspiegelt und Anne Waldman aus den USA, mit einer Lyrikperformance, in der sie ihre Texte sprach, sang und sozusagen herausschrie.

Insgesamt waren die Autoren viel unterwegs. Nach vielen kleineren Veranstaltungen am Samstag in der Stadt undeinem langen Leseabend in der Shakespeare Company, bei dem ich nicht dabei sein konnte, versammelten sich die Autoren am Sonntagmorgen um 11 Uhr zur Lesung in der Schauburg. Dort lasen insgesamt 7 Autoren. Im Publikum saßen nur zwei Jugendliche, der Rest war deutlich über 20 Jahre! Die Autoren waren auch weniger für uns geplant, denn für die Schüler gab es noch die Veranstaltung im Kippenberg-Gymnasium und in der Stadtwaage. Georgie Gospodinov aus Bulgarien überzeugte mit Mord an einer Nacktschnecke und dem Kochrezept seiner Mutter, welche er mit viel Humor verpackte. Sabine Macher aus Frankreich brauchte die gesamte Bühne für ihre Performance. Sie erinnerte an Mary Popins, als sie viele Gegenstände aus ihrer kleinen Tasche zauberte. Danach tanzte sie auf der Bühne zu einem Film als Matrosin.

Während die Atmosphäre im Kino eher kühl und nüchtern war, ging es auf dem Schulschiff anschließend sehr lebhaft zu. 14 Autoren trugen hier bei leichter Schräglage auf der Steuerbordseite vor, was alle mit Humor nahmen. Michael Augustin fand, es sei eine passende Gelegenheit ein Gedicht mit Schiffen vorzulesen. Auch Lutz Seiler stellte ein Gedicht mit viel Wasser vor. Im Gegensatz zum Morgen in der Schauburg wirkte er fröhlich, und man hatte das Gefühl, er genoss die Lesung auf dem Schiff. Ester Xargay überzeugte mit viel Freude an ihrer Arbeit und guter Laune. Sie brachte das Publikum zum Lachen und wirkte sehr offen, während Christian Hawkey beim Lesen kein einziges Mal aufschaute und genauso schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war. Auch Norbert Hummelt überzeugte meiner Ansicht nach die anwesenden Jugendlichen nicht. Wie schon am Morgen war er mir persönlich zu langweilig. Hat vielleicht einfach etwas damit zu tun, dass er kompliziertere Gedichte schreibt. Yannis Yfantis und Piotr Sommer hatten dafür die Sympathie auf ihrer Seite. Beide schafften es, das Publikum zu begeistern. Da war auch nicht wichtig, dass man die Sprachen nicht verstand. Dass es sich bei den Autoren um „ganz normale“ Menschen handelt, bewies uns Christian Schloyer , er ließ seine kompletten Gedichte im Hotel liegen! Anne Waldman, der Star des Tages, zumindest in den Augen der Veranstalter, konnte das Publikum nicht wirklich überzeugen. Sie redete synchron mit Jürgen Schmidt, was zu einem einzigen Stimmengwirr führte. Da das Schulschiff nicht sonderlich hohe Räume hat, wurde man als Zuhörer schnell von dieser Art „Gedicht“ erdrückt und suchte den Ausgang!

Bei der Vielzahl an Autoren habe ich hier nur die erwähnt, die sich mir durch ihre Performance, ihre Texte oder die Art des Lesens irgendwie eingeprägt haben: Meine ganz persönliche Sicht eben! Insgesamt war ich jedoch sehr beeindruckt von der Vielzahl an tollen Veranstaltungen, den unterschiedlichen Autoren, Sprachen, Texten und Performances und freue mich schon auf das 10. Poesiefestival poetry on the road im nächsten Jahr!

(Ina)