Björn Kuhligk: Sonstiges

Sonstiges: Poetry im Kippenberg-Gymnasium am 7.6.2010 (Nadia)

Dass man für Facettenreichtum nicht unbedingt viele Autoren benötigt, zeigten am Morgen des 7. Junis die Lyriker Eugene Ostahevsky, Daniela Danz, Jürg Halter, John F. Deane und Ulrike Almut Sandig, die bei ihrem Auftritt in der Aula des Kippenberg-Gymnasiums auf fünf erkrankte Kollegen wie z.B. den Schriftsteller Michael Augustin verzichten mussten. Nichts desto trotz wurde den Schülern und Schülerinnen des Hamburger-, Hermann-Böse-, und Kippenberg-Gymnasiums eine unterhaltsame Veranstaltung geboten, welche sowohl die Elemente Rap, als auch Slam und Performance sowie klassische Lyrik enthielt.

Den Anfang macht der aus New York stammende gebürtige Russe Eugene Ostahevsky, der wie seine Nachfolger mit großen Worten angekündigt wird. Sein erstes Gedicht, welches ein Fragment aus zwölf zusammengehörenden Gedichten darstellt, handelt von einer unglücklichen Liebe, wobei das lyrische Ich einzig in Form einer Violine Trost findet. Die Gefühlsintensivität des Gedichtes wird dabei vor allem durch Ostahevskys betontes Lesen hervorgehoben. Der Lyriker kann aber auch anders und macht dies durch sein zweites vorgetragenes Werk deutlich, in welchem ein Pirat den Wert der Zahl Pi nicht weiß und versucht, dieses aus dem kleinen, schwachen MC-Square ( in Anlehnung an Albert Einsteins Formel zur Relativitätstheorie : e=m x c 2 ) geradezu herauszuquetschen. An dieser Stelle macht Ostahevsky deutlich, dass Lyrik auch durchaus komödianten Charakter besitzen kann, was er durch seine fast schon schauspielerische Darbietung unterstreicht.

Als nächstes gewährt die sowohl im Bereich der Lyrik als auch der Prosa tätige Schriftstellerin Daniela Danz dem Publikum einen Ausblick in ihre Werke, die vor allem dadurch gekennzeichnet sind, dass sie Alt und Neu sowie Mythos und Wahrheit verbinden. Ihre Liebe zu antiken und klassischen Stoffen macht die in Hildesheim lebende Autorin auch in ihren vorgetragenen Gedichten kenntlich, in welchen es sich zunächst um den Tod und anschließend um das Gefühl des Berauschtseins dreht.

Beim nächsten Dichter sowie unter dem Namen Kuttie MC tätigen Mundart-Rapper Jürg Halter muss man zu Beginn schon etwas genauer hinhören. So beginnt er ohne große Einleitung und mit sehr leisen Worten sein erstes Werk, welches dem Thema „Sprechen“ gewidmet ist. Wer den Schweizer jetzt gleich als langweilig abstempelt, irrt sich jedoch gewaltig. Demnach zieht er die Audienz mit seinem ganz eigenen und mitreißenden Rhythmus in seinen Bann und wird auch beim Vortragen zunehmend lauter. Wie viel Witz und Charme in dem jungen Lyriker steckt wird zudem offensichtlich, als er sich zwischen seinen Darbietungen als „Bushido der Schweiz“ bezeichnet. Ein weiteres Highlight der Veranstaltung: Halter beginnt eine Freestyle- Performance hinzulegen!

Noch ein wenig internationaler wird es dann wieder beim Auftritt des Iren John F. Dean, welcher unter anderem Begründer von „The National Poetry Society Ireland“ ist. Gleich zu Anfang belohnt er das Publikum indem er ihm ein Gedicht über einen Moment voller Glückseligkeit vorträgt, bei welchem sich der ein oder andere wohl seinen ganz individuellen Assoziationen hingibt. Aber auch sein zweites, etwas traurigeres Gedicht, welches die Geschichte eines im Sterben liegenden Fuchs beschreibt, lädt- wenn auch auf andere Art und Weise- zum Denken ein.

Den Abschluss macht die deutsche Lyrikerin Ulrike Almut Sandig, die mit ihren jungen Jahren schon vielfach ausgezeichnet wurde. Beeindruckend ist dabei, wie es der Autorin gelingt, sich beispielsweise in die Lage eines Hundes zu versetzen und die damit empfundenen Emotionen so detailgetreu wieder zu geben. Besonders unterhaltsam wird es bei ihrem zweiten vorgetragenen Gedicht, bei welchen sie mit kleinen Gesangseinlagen überrascht und z.B. die Verse „Dort unten leuchten die Highways/ Hier oben leuchten wir“ im Takte des altbekannten Kinderliedes „Ich geh mit meiner Laterne“ wiedergibt.

Insgesamt war es wieder eine sehr schöne Veranstaltung, die sowohl für Schüler und Schülerinnen als auch für die Lyriker und Lyrikerinnen in guter Erinnerung bleiben wird.

(Nadia)