Tom Schulz: Workshop 1

Workshop mit Tom Schulz am 17.6.2011

IMG_0329.JPGSieht man Tom Schulz zum ersten Mal, ist eine gewisse Portion Lebenserfahrung unverkennbar, welche sich auch beim zweiten Kennenlernen auf einer weitaus weniger oberflächlichen Ebene bemerkbar macht. Dennoch umgibt den Lyriker eine prägnante jugendliche Aura. In Logo-Shirt und kariertem Sakko stellt er sich den schreibbegeisterten SchülerInnen des Gymnasiums an der Hamburger Straße vor.

Dabei verbindet sich eine positive Selbstverständlichkeit seiner Kompetenz mit dem Interesse, etwas von seinem Können an das junge Publikum weitergeben zu wollen. So weckt sein kurzer Einführungsmonolog über Herkunft und Bibliografie dann auch gleich die Neugier aller Beteiligten.   
Zunächst bekommen die Workshopteilnehmer Raum für eine individuelle Vorstellung. Bei der Frage, ob bzw. wie intensiv sie Gedichte schreiben und/oder lesen, zeichnet sich ein recht heterogenes Bild der Vorkenntnisse ab. Beste Voraussetzungen also für einen facettenreichen Workshop.
„Jeder kann schreiben!“ – Mit diesem Leitsatz des kreativen Schreibens führt der Autor die Gruppe in die drei Grundregeln seines Fachs ein. Am Anfang jedes Textes stehe die Idee. Diese müsse dann im zweiten Schritt des Aufschreibens mit Struktur und Gestalt ausgestattet werden. Zu guter Letzt ginge es ans „Reworking“, also ans Umschreiben ( – am PC, um dem Bild der neuen Dichtergeneration Nachdruck zu verleihen).
Kreatives Schreiben sei ein Mittel, Menschen zur Literatur zu führen, welches man auch ohne Virtuosentum erlernen könne. Vielleicht nicht bis zum Genie, aber eventuell bis zum Autor.
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Dabei sei es nie etwas, bei dem man einem ganz genau vorgegebenen Plan nachgehen müsse. IMG_0342.JPGSo empfiehlt Schulz den SchülerInnen Freiraum bei der Interpretation und Ausführung der ersten „Aufgabe“, die, angeleitet durch das Gedicht „Inventur“ von Günther Eich, einen Text über Bestandsaufnahmen fordert. Diese kann mehr oder weniger gegenständlicher Art sein und aus welchem Bereich des privaten Lebens auch immer stammen.

Es gilt jedoch immer: Wenn eine Aufgabe subjektiv zu sehr einengt, gilt es, den Raum größer zu machen, weiter zu gehen – „Schreiben soll frei machen.“
Diese Befürchtung dürfte allerdings spätestens bei der zweiten Schreibeinheit obsolet geworden sein, als es galt, ein Liebesgedicht zum Thema „Innere Welt“ zu verfassen. Der Hintergedanke dabei: einen Einblick in die eigene Innerlichkeit gewähren, aber doch nicht zu viel zu verraten.
IMG_0341.JPGWie die anfangs angesprochenen, sehr unterschiedlichen Vorkenntnisse im Umgang mit Lyrik allgemein war auch der Umgang der Teilnehmer mit ihren eigenen Gedichten . Die einen ließen sich nicht zweimal bitten, meldeten sich sofort zum freiwilligen Vortragen der Ergebnisse, andere bestanden für sich auf mehr Zeit zum Perfektionieren und wieder anderen galt es, die letzten Hemmungen abzunehmen, ebenfalls mit unterschiedlichem Ausgang.
In jedem Fall aber war kein Ergebnis so schlecht, wie manches Mal vom jeweiligen Autor/in angekündigt, und so darf der erste Workshop mit allen Beteiligten auf ein breites Angebot von unterschiedlichsten Gedichten über Liebe, Laster, Leidenschaften und noch vieles mehr blicken, die in 90 Minuten ihren Weg vom Kopf zu Papier gefunden haben.
 
(Nadia de Vries und Fabian Othmerding)
 
 
Hier noch mehr Fotos, auch vom zweiten Workshop mit SchülerInnen vom Kippenberggymnasium, die vom Autor ganz andere Vorgaben erhielten. Der Bericht dazu hier.
 
 
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