Andrea Grill: Lesung

Das Gesamtbild entsteht am Schluss

Unter dem Motto „Was fehlt-was bleibt“ präsentiert die Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern wie dem workshop literatur e.V. die 35. Literarische Woche Bremen, innerhalb der auch der Bremer Literaturpreis 2011 sowie der Förderpreis des Bremer Literaturpreises 2011 vergeben werden.

IMG_0162.JPGAn diesem recht kalten, dafür aber auch sehr sonnigen Donnerstagvormittag liest die diesjährige Förderpreisträgerin Andrea Grill in den Räumen der ÖVB, welche den Förderpreis finanziert, aus ihrem Roman „Das Schöne und das Notwendige“ vor Schülern und Schülerinnen des Schulzentrums an der Kurt Schumacher Allee sowie des Gymnasiums an der Hamburger Straße. 

Nachdem die ersten Fotos für die Presse im Kasten sind, beginnt Herr Müller-Hübner von der ÖVB mit einer kurzen Einführung. Dabei drückt er unter anderem seine Anerkennung für den Beruf des Schriftstellers bzw. der Schriftstellerin aus und ermutigt die Schüler und Schülerinnen dazu, im Anschluss an die Lesung Fragen zu stellen. IMG_0154.JPGBevor die Direktorin der Stadtbibliothek, Barbara Lison, dann zur Förderpreisträgerin überleitet, betont sie nochmal die hohe Reputation und somit auch Bedeutung des Bremer Literaturpreises. IMG_0157.JPGMit der Lesung selbst möchte Andrea Grill den Schülern, mit welchen sie im Vorfeld während der Workshops schon Texte entwickelt hat, etwas zurückgeben. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie das junge Publikum als „Kollegen“ bezeichnet. Inmitten dieser dadurch sehr lockeren Stimmung beginnt Grill mit einer Textpassage, die die beiden Protagonisten Fiat und Finzens und ihre Geschäftsidee, mit einer Kaffee edler machenden Schleichkatze reich zu werden, in den Mittelpunkt rückt. Dabei wird nicht nur Grills biologisches Hintergrundwissen, sondern auch ihre Fähigkeit deutlich: „Zwei unvereinbare Welten, die exakten Wissenschaften und die Kunst zusammenzubringen“, wie es in einer Laudatio hieß. Nach rund einer viertel Stunde geht die promovierte Evolutionsbiologin und Autorin dann ins direkte Gespräch mit den Schülern und möchte erfahren, wie es ihnen nach den Workshops ergangen ist. Und wie jeder neue Workshop seine eigene Marke trägt, scheinen auch die einzelnen Auffassungen der Schüler stark zu divergieren. Während die eine den Text ohne weiteres belässt wie er ist, findet der andere seinen derart primitiv, dass er ihn nochmal bearbeitet. So unterschiedlich die Resonanzen auch sind, für Grill steht jetzt schon fest, dass sich unter ihnen der eine oder andere Nachwuchsschriftsteller befindet.

IMG_0161.JPGAuf die Frage, wie die Förderpreisträgerin zum Scheiben gekommen sei, antwortet sie, indem sie das Schreiben mit einer Zigarette vergleicht: „schnell, zwischendurch, wenn man nichts zu tun hat“. Für sie sei das Schreiben immer schon ein Teil ihrer selbst gewesen, dessen Anfang man nicht genau bestimmen könne. Besonders interessant ist hierbei die Auffassung Grills zur Entstehung eines Romans. Wie bei einer Skulptur, so Grill, bestehe der Roman zunächst aus verschiedenen Teilen, die man erst am Ende zusammenfüge. Am Anfang stünde die Idee, das Gesamtbild entstehe am Schluss. Dabei macht die Autorin aber auch klar, dass nicht jede Idee Einkehr in einen Roman finde, es dafür aber durchaus mal vorkommen könne, dass bestimmte Romanfiguren in anderen Werken nochmal auftauchen.

IMG_0158.JPGEinen weiteren Einblick in ihre Arbeit gewährt Grill, als sie zugibt, dass sie eine gewisse Art von Beziehung zu ihren Figuren entwickele und durchaus auch schon mal verwundert sei, zu was diese im Stande seien.

Im Anschluss an diese sehr offene Diskussion liest Grill aus „Das Schöne und das Notwendige“ nochmal eine Passage vor, in der es um „Herzensangelegenheiten“ geht und macht damit deutlich, dass sie mehr als vielseitig ist. Am Ende der Lesung wird wohl jeder zustimmen, dass Andrea Grill eine würdige Förderpreisträgerin des Bremer Literaturpreises ist.

Ich freue mich schon auf weitere Geschichten von der Autorin, die nach eigenen Aussagen, den Hang zum Absurden hat.

Lesung am 27.01.2011 im Konferenzraum der ÖVB in der Martinistraße

(Nadia de Vries)

Hier noch einmal alle Fotos zum Vergrößern:

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