Nino Haratischwili: Workshop

Workshop mit Nino Haratischwili am 29.10.2010

IMG_6406.jpgAm Abend zuvor noch die mitreißende Lesung (siehe Nadias Bericht) und jetzt, nur wenige Stunden später, haben die SchülerInnen vom SZ Walle schon wieder die Möglichkeit, in den Genuss der fröhlich-locker-lustigen Art der Autorin zu kommen…

Der Workshop mit Nino Haratischwilli startet mit einem kleinen Gespräch über ein sehr großes Thema: Wie viel hat „Schreiben“ mit einem/r selbst zu tun, und wie mache ich „Geschriebenes“ zu etwas Eigenem?

 

IMG_6402.jpgNatürlich gibt es keine klare Antwort darauf, es ist ja schließlich jedem/r selbst überlassen, wie viel eigene Erfahrung man in Fantasie übergehen lässt und wie weit man sich vom Persönlichen entfernt. Fest steht nur, dass es immer eine Gradwanderung ist, und es darauf ankommt, literarische BRÜCKEN (!) zu bauen, zwischen Erfahrung und Fiktion. Es scheint, als wisse die Autorin da sehr gut, wovon sie spricht, welch Wunder. 🙂

IMG_6403.jpgAls nächstes gilt es, die Rahmenbedingungen für die folgende Selbst-Schreibe-Phase zu klären. Für das Oberthema der zu entwickelnden Texte haben die SchülerInnen die Auswahl zwischen „Freaks“ und „Fernweh“. Außer mit Blick auf den Anfangsbuchstaben ist da nun erstmal keine Gemeinsamkeit zu erkennen. Auch die von SchülerInnenseite aus den Oberthemen zugeordneten charakterlichen Eigenschaften, die Teil des Textinhalts sein sollen (Freaks → zwangsneurotisch; und Fernweh → traurig), haben relativ wenig gemeinsam. Als sich die SchülerInnen dann auch noch auf einen vollkommen zusammenhangslosen Gegenstand einigen sollen (Besen), ist der Verwirrungsgrad endgültig sehr hoch. Worauf soll das hinauslaufen?IMG_6405.jpgAls nächstes erarbeiten Autorin und SchülerInnen in einer Art Schnellstdurchgang die wesentlichen Eigenschaften der verschiedenen literarischen Gattungen.

Kurzgeschichten steigen sofort in die Handlung ein, sind kurz und knapp, Romane hingegen sehr ausführlich und detailliert. Ein Stück lebt von Emotionen und direkter Rede. Märchen und Fabeln transportieren eine von Fantasie und Symbolik getragene Moral. Und bei Lyrik und Poesie spielt die Verdichtung der Sprache die entscheidende Rolle.

Nachdem Nino Haratischwili dann doch noch auflöst, was es vor allem mit dem zusammenhangslosen Gegenstand im inhaltlichen Grundgerüst der Texte auf sich hat:  (Das bewusste Einbauen von Hindernissen fördert die Schreibfähigkeit, nach dem Motto: „Kill your Darlings!“) konnte die Schreibphase endlich beginnen.
IMG_6432.jpgGattung aussuchen, zwischen zwangsneurotischem Freak und traurigem Fernweh entscheiden, Besen einbeziehen. Was die Waller SchülerInnen in diesem Rahmen für unterschiedliche und faszinierende Texte entwickelten…Ihr solltet euch selbst überzeugen!
IMG_6427.jpgUnd auch im zweiten Workshop wurde der Kreativität kaum Grenzen gesetzt…außer mittels der Pompons, die es nun ( im ersten Workshops war es bekanntlich der Besen) in jede Art von Text einzubeziehen galt.
Zur Auswahl standen auch hier die Oberthemen Freaks und Fernweh. Hierbei galt es aber erst einmal zu klären: Was ist eigentlich ein Freak? Das spontane und allgemeine Bild des verschrobenen Computer-Junkies ohne Freunde konnte sich in der Gruppe nur teilweise durchsetzen, vor allem, als das wichtigste Charakteristikum eines Freaks einmal so richtig deutlich wurde: Einzigartigkeit. Und eigentlich erhebt darauf doch so ziemlich jeder Anspruch.
IMG_6429.jpgDie Texte entstanden in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit und behandelten alles, von skrupellosem Mobbing an der Schule über sehnsüchtigen Urlaub mit exzentrischen Reisegefährten bis hin zu sehr innovativ-ironischen Gedankenspielen mittels des Inhalts von „Der Herr der Ringe“.
IMG_6431.jpgNino Haratischwili überzeugte in den Workshops ebenso wie bei der Lesung. Wie stark sich letzen Endes die vorher diskutierten Merkmale der unterschiedlichen Gattungen in den Texten niedergeschlagen haben, bleibt immer noch jedermanns eigene, subjektive Empfindung, die Texte zu lesen, lohnt sich aber mit Sicherheit.

Hier alle Fotos von den Workshops:

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