Nino Haratischwili: Porträt

haratischwili 114px„Ein Kind der verlorenen Generation“, so bezeichnet sich die aus der georgischen Hauptstadt Tiflis stammende Dramatikerin Nino Haratischwili.

Es scheint, als vermeide die 1983 geborene Schriftstellerin Konkretes: Ihre Heimat? „Irgendwo zwischen den Welten“, denn ein Zuhause bleibe nicht, sei vergänglich. Als Nomadin lebe es sich besser.

Zur Zeit hält  sich Nino Haratischwili vor allem in Hamburg auf, wo sie an der Theaterakademie ihr Studium für Theaterregie abgeschlossen hat und seitdem als Theater- und Prosaautorin lebt. Ihre zum Teil selbst verfassten Theaterstücke inszeniert sie mittlerweile an verschiedenen Bühnen in Deutschland und Georgien. Ihre Auszeichnungen sprechen für sich: 2008: Rolf- Mares -Preis und Hauptpreis des Heidelberger Stückemarkts für „Liv Stein“. 2010: Förderpreis des Adelbert-von-Chamisso-Preises. Mit ihrem Debütroman „Juja“ schaffte sie es 2010 gleich auf die Longlist des Deutschen Buchpreises.

Dass jemand, der seinen Geburtsort mit zwölf Jahren aufgrund eines Krieges verlassen muss und auf eigene Faust zwei Jahre später wieder zurückkehrt, einen außergewöhnlichen Charakter haben muss, steht außer Frage. Dass diese Person dann auch noch Freude daran hat, pathetische Texte zu schreiben, ist eigentlich noch interessanter. Aber wer hat schon immer Lust auf ein sogenanntes Happy End? Denn im realen Leben, scheinen die Dinge auch nicht immer nach Plan abzulaufen. Und genau dies drückt Nino Haratischwili aus.

So verknüpfen ihre Texte auf eindringliche Art und Weise Politisches und Familiär-Privates und bringen dabei viele Kommunikationsprobleme des Lebens zwischen sehr unterschiedlichen Kulturen zum Ausdruck. Einbezogen werden so gut wie alle Themen, die ein menschliches Dasein ausmachen können. Sei es Liebe, Fremdheit, Abhängigkeit oder auch Einsamkeit. Aber auch dem schwierigem Thema Tod stellt sich die Autorin. Die eigenen Kriegserfahrungen Haratischwilis tauchen erst seit dem Georgisch-Russischen- Krieg im Jahre 2008 auf. Der Autorin geht es vielmehr um das Miteinander anderer Menschen. Zum Beispiel darum, wie das gemeinsame Leben mit einer anderen Person funktioniert: Wie können zwei Individuen zu einem Wir verschmelzen und sich dennoch nicht selbst verlieren?

Ihre Liebe zum Schreiben entdeckt Haratischwili, die sich zu Beginn ihres Studiums dazu entschlossen hat, sich den maroden, georgischen Strukturen zu entreißen, schon früh. Beispielsweise schreibt sie schon in ihrer Jugend Theaterstücke für ihre Schule. Der Schreibfluss hat angehalten und so verfasste die Schriftstellerin in den vergangenen Jahren zahlreiche Dramen wie „Georgia“ oder „Liv Stein „, die sie teilweise selbst inszenierte. Dabei sollen die Stücke vor allem eins sein: besonders. Nur wenigen gelingt das so wie Nino Haratischwili, die eine ganz spezielle Beziehung zu Theaterstücken zu haben scheint. Sie sehe, so Haratischwili, Prosa als Ehe, an welcher man scheitern könne. Hingegen seien Theaterstücke mit einem Liebhaber zu vergleichen, schnell und flüchtig.

Angst vorm Scheitern scheint Haratischwili dennoch auch bei Prosa nicht zu haben. Im März 2010 erschien ihr Roman „Juja“, in welchem sie auf schwindelerregende Weise beschreibt, welche Bedeutung Geschichten für das Leben haben können. ( vgl. die Buchvorstellung von Lisa)

Nina Haratischwili, eine Frau mit ungewöhnlichem Charakter, die der Welt noch einiges zu sagen haben wird. Wir sind gespannt auf ihre Geschichten.

(Nadia de Vries)