Michael Wildenhain: Workshop

Workshop mit Michael Wildenhain am 3. 9. 2010

IMG_6063.jpgFreitagmorgen. Der Bremer Wind weht in den letzten Tagen schon etwas rauer, trotzdem fällt es den Deutschleistungskurslern des 12. Jahrgangs vom Gymnasium an der Hamburger Straße nicht schwer, sich pünktlich um 10.00 Uhr im Wallsaal der Stadtbibliothek einzufinden. Dort erwartet die Schüler und Schülerinnen dann auch der motivierte Leiter dieses Workshops: Michael Wildenhain. Nach einem kurzen Verweis auf die am Wochenende folgende Romanwerkstatt für Autoren, die Wildenhain ebenfalls leitet, geht es auch schon los. 

 

Der Autor beginnt mit einem recht ausführlichen Bericht aus seinem Leben, wobei die Workshop-Teilnehmer die Möglichkeit bekommen, einen Blick hinter die Fassade eines Familienvaters, Schriftstellers und ehemaligen Hausbesetzers zu erhalten. IMG_6076.jpgBevor die Schüler  dann selbst produktiv werden, liest Wildenhain noch den Auszug einer seiner Erzählsammlung „Heimlich, still und leise“ Titel gebenden Geschichte vor. Dabei ist es interessant zu erfahren, dass die Hauptperson „Schipper“ wie der Protagonist aus „Russisch Brot“ (siehe Buchvorstellung) teilweise ohne Vater aufwächst und als Außenseiter seiner Klasse herhalten muss.

IMG_6060.jpg

Und genau das soll auch das Oberthema des heutigen Workshops sein: Es geht um Außenseiter und Ausgrenzung. Damit sich niemand in seiner künstlerischen Freiheit eingeschränkt beziehungsweise ausgegrenzt fühlt, ist es den Workshop-Teilnehmern vollkommen selbst überlassen, welche Textform sie am geeignetsten finden. Und auch den Ort des Schreibens, ob kollektiv im Wall-Saal oder in einem separaten Nebenraum, können die Schüler und Schülerinnen frei wählen.

IMG_6087.jpgWährend andere kaum hinterher kommen, ihren sprudelnden Ideenstrom zu verschriftlichen und gleich mehrere Seiten niederschreiben, holen sich manche lieber erst noch Anregungen bei Wildenhain selbst. Aber auch wer seinen Text schon fertig verfasst hat, kann sich Kritik vom Profi holen, bevor die neu entstehenden Werke in der Gruppe vorgelesen werden.

Nach 45 Minuten intensiver Arbeitsphase, in welchen die Fantasie unter anderem in Form bunter Gummibärchen angeregt wurde, finden sich gleich zahlreiche Freiwillige, die ohne große Scheu ihre Texte zum Besten geben. Und wie sollte es anders sein, zeigt sich die Freiheit des Schreibstils natürlich gleich in der Vielfalt und der Individualität der Texte. Da ist zum Beispiel der einsame Ich- Erzähler, der sich zum einen nicht anpassen will, zum anderen aber auch nicht von der Gesellschaft, die für ihn nicht mehr als kahl und steril ist, akzeptiert wird. Aber auch der Erfahrungsbericht einer Schülerin, die sich in ihrer ehemaligen Klasse selbst zur Außenseiterin gemacht hat, aber kein Problem damit hat, denn „außerhalb der Schule war das Leben toll“. Interessant war es auch die Erzählung zu hören, in welcher ein durchschnittlicher, Fußball begeisterter Junge zum Außenseiter wird, da er im Gegensatz zu seinen Klassenkameraden nicht mit Drogenabhängigkeit oder sonstigen sozialen Problemen „prahlen“ kann.

IMG_6085.jpgDass ein Workshop auch dazu anregen kann, über seine eigenen Werte nachzusinnen, wird durch den Text mit dem Namen „Die rote Ampel“ deutlich. In diesem wird nämlich mit Hilfe des roten Ampellichtes das Leben eines Obdachlosen beleuchtet und klargestellt, dass nicht jeder Mensch für sein Schicksal verantwortlich sein muss.

Insgesamt wurde den Schülern und Schülerinnen ein aufschlussreicher und heiterer Workshop geboten, der auch für die Lehrerin so manche kreative Explosion ihrer Schüler parat gehalten hat. Nach so einem gelungenen Vormittag ist die Vorfreude auf den nächsten Workshop also bereits riesengroß!

(Ein Bericht von Nadia de Vries )

Hier alle Fotos von den beiden Workshops:

{gallery}veranstaltungen/03_09_2010_workshops_michael_wildenhain{/gallery}