Michael Wildenhain: Porträt

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Ein Leben als freier Autor, als preisgekrönter Verfasser von Romanen, Gedichten, Theaterstücken, Erzählungen und Jugendbüchern, ließ sich nicht von Anfang an voraussehen, betrachtet man die Vita des Michael Wildenhain. Denn der 1958 geborene (West-)Berliner widmete sich nach dem Abitur zunächst Praktischerem, wie einem Maschinenbaupraktikum, gefolgt von einem Wirtschaftsingenieursstudium, und auch sein Abstecher in ein Philosophiestudium endete in einem Informatikdiplom. Doch auch hier ließ er sich noch nicht festlegen. Erst mit der 1989 angetretenen Regiehospitanz am Thalia-Theater in Hamburg zeigte sich seine Leidenschaft für das Schreiben und die Literatur. Begonnen hatte diese jedoch schon früher. Autoren wie Hesse, Frisch und Dürrenmatt bewegten den damaligen Schüler schließlich dazu, selbst zu schreiben und sei es nur in den Pausen seines Maschinenbaupraktikums.

Mitte der Achtziger ging Wildenhain Abend für Abend von Lokal zu Lokal und verkaufte die taz. Sein schon früh begonnenes Verhältnis zur „tageszeitung“ war ein Bewegtes. Er las die taz und schrieb für die taz, trat aber auch mit ihr in einen Dialog, so zum Beispiel mit dem taz- Meinungsvertreter Michael Sontheimerüber die Frage, ob WORTE oder TATEN ans Ziel führten. Anlass zu diesem Dialog war die„Kahlschlagsanierung“ des Berliner Senats, gemeint war der Anfang der Achtziger versuchte Abriss Kreuzbergs. Dass sich Wildenhain in diesem Zusammenhang nicht für das Wort entscheiden mochte, liegt mehr als nahe, beteiligte er sich doch ganze zwei Jahre an einer Hausbesetzung in der Mannsteinstrasse, einer eben solchen, wie sie damals letztlich Kreuzbergs Häuser vor der Abrissbirne retteten. Überhaupt ist Wildenhains zweite große Leidenschaft – damals wie heute – die Politik. Früh schloss er sich in Demonstrationen der linken Jugend- und Hausbesetzerszene an.

Die Verknüpfung der beiden Passionen mündete in seinem ersten Buch, in dem er die Antithese zur kompromissbereiten Haltung der taz gegenüber der Ereignisse in Kreuzberg formulierte. 1983 erschien beim Rotbuchverlag „zum beispiel k“.

Seit damals hat Michael Wildenhain alias „Carl Wille“ 15 Bücher veröffentlicht, Erzählungen, Romane und Gedichte sowie 11 Theaterstücke. Sein Neustes wurde 2007 uraufgeführt und trägt den aussagekräftigen Titel „Dutschke“. Deutschland nach der Wende, Berlin und die linkspolitische (Jugend-)Kultur gehören klar zu Wildenhains Themenschwerpunkten und das mit Erfolg.

Angefangen beim 1987 erhaltenen Förderpreis zum Leonce- und Lena-Preis von Darmstadt reiht sich eine Auszeichnung an die andere, wie 1998 ein Villa – Massimo Stipendium in Rom, 2003 der Tankred-Dorst-Drehbuchpreis oder das 2006 erhaltene London-Stipendium des Deutschen Literaturfonds.

Ebenso setzt er sich dafür ein, die Begeisterung für Literatur auf allen Ebenen an junge potentielle Nachwuchsautoren weiterzugeben. So arbeitete er von 1995-2006 in der Projektleitung des „Open Mike“ mit, war von 2001-2004 Mentor der Prosawerkstatt der Neuen Gesellschaft für Literatur oder hatte 2004 eine Gastprofessur am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

Workshop Literatur e.V. ist gespannt und freut sich, diesen bemerkenswerten Schriftsteller näher kennen zu lernen, ihn lesen zu hören und mit ihm und anderen Schülern in Workshops gemeinsam kreativ zu werden!

(Fabian Othmerding)