Björn Kuhligk: Interview

Ein Mann, viele Preise, und das in jungen Jahren. Björn Kuhligk erregt in der Welt der Literatur schon seit längerem Aufmerksamkeit und somit auch bei uns. Wir haben den Dichter, Autor und Buchhändler noch mal genauer befragt, zu der Liebe zur Literatur, seinem Stil, Intentionen, Arbeitsweisen und vor allem seinem baldigen Auftritt beim internationalen Literaturfestival „poetry on the road“. Björn Kuhligk, ein Lyriker der ganz besonderen Sorte, im Gespräch:

IMG_5718.jpgHerr Kuhligk, im Hinblick auf Ihre Biografie ist auffällig, dass sie schon sehr früh mit Preisen ausgezeichnet wurden. Wann hat Ihre Liebe zur Literatur begonnen, und haben Sie gleich angefangen, sich mit lyrischen Texten auseinanderzusetzen?

Ich habe so im Alter von 15 oder 16 das erste Mal Gedichte geschrieben, wie es wahrscheinlich jeder zweite oder dritte Jugendliche tut. So richtig los ging es dann mit 19/ 20, als ich Zivildienst gemacht habe. Damals war ich in einer bestimmten Situation: Ich war nach Hamburg gegangen, kannte dort niemanden, war plötzlich mit dem Krankenhausalltag beschäftigt, mit sterbenden oder einfach hilflosen Menschen und habe dadurch eines Abends angefangen, ein Gedicht darüber zu schreiben, wie es mir gerade geht. Das war der Anfang.

Durch Ihre Arbeit als Buchhändler sind Sie den Umgang mit Literatur verschiedenster Art gewohnt. Hat Sie das in irgendeiner Weise beeinflusst oder inspiriert?

IMG_5720.jpgAlso, als Buchhändler habe ich damit gar nicht so viel zu tun, sondern als Leser. Als Buchhändler verkaufe ich die Sachen ja nur oder kann die empfehlen, die ich gelesen habe. Durch Lektüre habe ich aber eigentlich am meisten gelernt. Wenn ich mir heute meine ersten Gedichte wieder durchlese, empfinde ich sie mittlerweile als sehr stümperhaft, aber ich glaube, das ist völlig normal. Doch durch Lektüre und den Austausch mit anderen Leuten, die Lyrik schreiben, habe ich sehr viel dazu gelernt und das weiter entwickelt, an dem ich arbeite. Es geht stetig weiter, ich lasse mich von verschiedensten Dingen beeinflussen und finde das selber sehr spannend.

Ihre Gedichte weisen einen ganz eigenen Stil auf, so verzichtenSie beispielsweise auf Reime und Satzzeichen. Verfolgen Sie damit eine bestimmte Intention?

Eine Intention nicht. Ich lasse Satzzeichen weg, wenn sie am Ende der Zeile stehen, weil ich sie dann schlicht für überflüssig halte. Die Zeile bricht da eh, dann brauche ich kein Komma mehr zu setzen, denke ich. Ansonsten habe ich mir da eigentlich keinen Kopf gemacht, das hat sich so entwickelt und herauskristallisiert, es wäre vermessen, mir da jetzt irgendwas zurecht zu denken, warum ich so und so schreibe.

Viele bezeichnen Gedichte als den Spiegel zur Seele eines Autors. Trifft dies auch auf Sie zu?

Ich glaube, das betrifft nicht nur Gedichte, sondern alle Kunst, die gemacht wird. Allerdings nur in Maßen: Eher, wie durch einen Filter der Kunst. Wenn es der reine Spiegel wäre, wäre es das Ergebnis einer Psychoanalyse, und das ist es nicht. Vielleicht ist es zu einem gewissen Teil – vorsichtig formuliert- die Form einer Psychotherapie , dass man sich mit Sprache und, damit verbunden, mit Dingen, die einen umgeben, auseinander setzt.

IMG_5719.jpgWelche Bedeutung hat es für Sie im Rahmen des internationalen Literaturfestivals „poetry on the road“ aktiv zu sein oder aufzutreten?

Ich freue mich wahnsinnig, dass ich eingeladen bin, und auch der Workshop gerade hat mir riesigen Spaß gemacht! Das ist alles viel besser gelaufen, als ich mir das gedacht hatte. Ich hatte mir das schon gut vorgestellt, aber dass es jetzt so gut werden würde und dass die Schüler so gut mitmachen würden, hat mich sehr positiv erstaunt. Ja, und jetzt geht’s in die zweite Runde. Sonntag (06.06.2010) habe ich zwei Lesungen und darauf freue ich mich auch schon sehr.

Und erhoffen Sie sich etwas Bestimmtes von „poetry on the road“?

Ich freue mich einfach auf die Lesungen, weil Lesungen etwas sehr Schönes sind. Ich mache das sehr gerne, vor Publikum zu lesen, weil man einfach ein direktes Feedback erhält, indem man zwischendurch mal aufschaut und sieht, ob Leute in der letzten Reihe schon eingenickt sind oder noch ein paar aufmerksam zuhören. Auch ist es natürlich sehr schön, andere Lyriker zu treffen, zum Teil auch wieder zu treffen und die, die ich noch nicht kenne, kennen zu lernen.

Passiert es dabei denn auch mal, dass sich Lyriker noch mal zusammenschließen und beispielsweise über gemeinsame Projekte nachdenken?

Ja klar, das kann passieren. Wenn man sich auf Anhieb gerne mag und so eine Ebene findet im Schreiben oder im Verständnis von Literatur, dann kann das durchaus passieren.

Im ersten Workshop haben Sie eben gesagt: „Man stellt ein Gedicht nicht fertig, sondern man gibt es auf.“ Wie ist das für Sie als Autor :Sind Sie dann einfach frustriert? Und wann geben Sie es auf und schließen es trotzdem erstmal ab?

Es gibt schon einige Gedichte, die ich in der Tat aufgebe, weil ich einfach merke, dass, wenn ich da jetzt weiter dran bastele, nimmt das überhaupt kein Ende mehr. Ich schließe das dann ab, auch in dem Wissen, dass es jetzt nicht zufriedenstellend für mich fertig gestellt wurde.Aber es gibt immer noch die Möglichkeit, es einige Zeit später wieder herauszukramen. Wenn ich zum Beispiel gerade keine Idee habe für Neues, krame ich ältere Sachen raus, die teilweise Jahre alt sind, und schaue, ob ich an denen weiter arbeiten kann. Manchmal passiert dann auch noch was. Was ich auch manchmal mache ist, dass ich die Gedichte dann völlig zerpflücke und mir aus einzelnen Satzstücken neue zusammenbaue. Das geht auch. Ich arbeite teilweise wirklich nach diesem Baukasten-Prinzip.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieses Gespräch führten Marika Gonther, Nadia de Vries und Fabian Othmerding im Wallsaal der Zentralbibliothek Bremen.

Transkribiert von Marika Gonther, Nadia de Vries und Fabian Othmerding

Mit auf den Fotos: Frau Beyer, freie Mitarbeiterin bei Radio Bremen, die ein Feature über unsere Veranstaltung und das Festival zusammenstellen wird.