Ergebnisse aus den Workshops mit Susanne Berkenheger am 26.11. 2009

Tagebucheintrag vom Avatar

Merkwürdiger Tag! Ich frage mich, was das alles soll!?  Fühle mich auch doof bei der ganzen Sache! Nachdem ich die letzten Wochen wieder nur gegammelt habe, darf ich heute endlich wieder losfliegen.  Ha, denkste…! Losfliegen? Freiheit? Von wegen! Erstmal bin ich komplett eingerostet, aber dann fliege ich doch los – genau so gesteuert, dass ich gerade dahin fliege, wo ich nicht hin will! Schließlich lande ich auf einer großen, grünen Wiese. Schön, denke ich erst. Endlich mal Natur und nicht diese drögen Geisterstädte.  Diese Städte machen nämlich keinen Sinn – überhaupt nicht! Was bringen mir Fassaden ohne etwas dahinter?!  Alles leer und kalt…ohne Touristen, über die man sich ärgern könnte. Aber zurück auf meine Wiese – schön! Nur…nach einer Minute wird es echt langweilig…nichts, nichts, nichts!  Was ist das denn für ein Leben, wo man über unendliche kahle Wiesen rennt? War hier mal was? Denke nicht.  Warum sollte es dann weg sein!?
Ich fliege über die Wiese, habe einen besseren Ausblick und entdecke ein paar Lichter in der Ferne – das sieht etwas aufregender aus!  Mein kleines Avatar – Herz macht einen glücklichen Hüpfer: Ich entdecke einen Rummelplatz. Na also, doch etwas Aufregung an diesem Tag! Ich spüre, wie ich zu einem Karussell gesteuert werde und bin ziemlich unzufrieden! Das ist nun gerade das Karussell, von dem mir sicher schlecht wird! Aber im Laufe meines Lebens habe ich bemerken müssen, dass der freie Wille eine Illusion ist. Blicke ich mich um, so kommt mir der Gedanke, dass wir fremd bestimmt sein müssen. Nur von wem oder was? Was oder wer ist die treibende Kraft hinter meinem Leben?! Ergibt es überhaupt einen Sinn, dass ich mich jetzt in dieses Karussell setze und lustlos durch die Luft gewirbelt werde? Wer kommt auf die Idee, hier, gerade hier, von allen Plätzen dieser Welt, einen Rummelplatz aufzubauen? War ihm langweilig oder hat er einfach einen Sinn für schlechten Humor? Es würde mich nicht wundern, wenn gleich ein clownmäßiger Avatar auftauchen und rufen würde: „Glückwunsch! Sie sind die erste Besucherin!“ Doch dann scheint mir auch das sehr sinnlos, da sich kein Clown die ganze Zeit hier hinstellen und warten würde, da doch eh niemand kommt. Nach gefühlten hundert Runden (Warum so lange? Es macht wirklich niemandem Spaß, oder?) fliege ich aus dem Karussell wieder heraus. Danke! Erlösung! Ich fliege also weiter alleine durch diese merkwürdige Welt und frage mich: Gibt es einen Sinn, eine Erklärung dafür! Warum existiere ich überhaupt?

(Marika)


Tagebucheintrag vom Avatar

Ich fühl’ mich allein, so viele Fragen, die mich belasten … Ich gehe seelenlose Wege entlang, ohne zu wissen warum. Es wird mir befohlen von einer Macht, die ich nicht sehen, hören oder spüren kann. Sind dies meine Beine oder die der Macht? Ich war nie jung, nie alt, mein Spiegelbild ist mir fremd. Sehe ich aus wie die Macht? Ich habe mein Gesicht gesehen, nicht im Spiegel, sondern in einer Gegend, die mich erdrückte. Ich hätte mich nicht einsam fühlen müssen, doch sprach ich mit einem mir ähnlichen Wesen, so sprach wieder nicht ich, es sprach die Macht. Darf ich nur denken? Denke ich? Meine Welt verwirrt mich, so verschwand mein Körper in einem seelenlosen Möbelstück. Bin ich etwa auch nur ein Gegenstand, ein Möbelstück? Ich hörte die Macht aus meinem Mund sprechen vom „eigenen Willen“, dies scheint ein Privileg zu sein. Ein Privileg, welches nie für mich vorgesehen war. Ich sehe Häuser, die keine sind. Bin ich auch nicht? Ich sehe Dinge, die keinen Sinn ergeben. Ergebe ich einen Sinn? Manchmal sehe ich nichts, ich mache nichts, ich bin nicht. War ich je? Dann scheine ich verschwunden zu sein, als habe ich nie existiert. Ein beängstigendes Gefühl, wenn ich dann wieder sehen kann, da ich nie weiß, wann ich wieder verschwinde und wie lange dies dauern wird. Ich fühle mich gefangen in einem Käfig aus Bildern, die mir Weite zeigen, doch so einengend sind. Türen, die keine Türen sind. Wesen, die keine Wesen sind. Ein Karussell, Sinnbild der Freude, leer und verlassen. Ich nutze es ohne Gefühl, nur mit meinen Gedanken, welche, so wie ich hoffe, die einzig meinen sind.

(Enna-Julia)

 

 Das (Fahrstuhl-)Problem

…hmm ja blöd…ganz schön zugig hier oben…das war definitiv nicht der Plan…

Aber ist ja nicht das erste Mal, dass ich in so einer bescheuerten Situation festsitze. Kann Susanne nicht einmal verantwortlich mit mir umgehen? Gestern hing ich den ganzen Tag in diesem Klavier fest, dann heute morgen dieses nervige Rumgeknutsche mit der Wohnzimmerlampe, und heute muss ich auf dem Dach dieses hässlichen Parkhauses verharren, weil sich dieser bescheuerte, fehl programmierte Fahrstuhl einfach mal dachte, er fährt mich eine Etage höher, als überhaupt möglich. Wobei, möglich scheint hier in dieser Welt so einiges zu sein… Naja, akutes Problem ist jetzt allerdings, dass ich hier oben sehr bald vor Langeweile sterben werde, (wobei nun gerade das ja angeblich unmöglich ist hier bei uns) wenn sich meine Rabenmutter, Schwester, Besitzerin, Lebensorganisatorin oder wie auch immer man diesen Voll-Honk(!) von einem Menschen, der mich in diese trostlose Welt gesetzt hat, nennen möchte, nicht bald aufrafft und mich wenigstens von diesem Dach ´runterholt!

…oh man, so langsam geht mir das hier alles echt auf den Senkel…ehrlich mal…

(Jan)


Hey du,

ja genau dich meine ich. Ich muss dir nämlich mal ganz dringend etwas sagen.
Komm mal klar!!!! Ich kann einfach nicht mehr. Die ganze Zeit lässt du mich herumlatschen, ich komme nicht eine Sekunde zur Ruhe. Was meinst du, wie du dich fühlen würdest, wenn du an meiner Stelle wärest????? Was hältst du davon, wenn wir mal für einen Tag die Plätze tauschen würden??? Dann merkst du wenigstens, wie es ist, auf einmal durch die Luft katapultiert zu werden oder stundenlang in einer Situation zu verharren.
Ich habe echt keinen Bock mehr!!!!!!!!! Gönn mir mal eine Pause.
Auch ich habe Gefühle, und es wäre echt toll, wenn du sie berücksichtigen könntest……
In der Hoffnung, dass du dich mal besserst

Dein Avatar

 

HILFE
ich bin grad voll verwirrt.
ich stehe in meinem wohnzimmer und das sofa hängt an der wand. jaaa an der wand.. kann mir jemand helfen und mich mal darüber aufklären, was man in solch einer situation macht ? ruft man den klempner? elektriker ? ikeaan ? das einzige, worüber ich mir vollkommen im klaren bin ist, dass ich hilfe brauche .
also mein appell an alle: HILFE !!

 

Liebes Tagebuch,
mein heutiger Tag war ein wenig anstrengend.
Mein Avatar-Besitzer macht mir zur Zeit sehr, sehr viele Probleme.
Heute, nachdem ich aufgestanden bin, wollte ich mich zuerst einmal duschen , doch mein Herr war da anderer Meinung.
Ich lief, ohne mir die Zähne geputzt zu haben, aus dem Haus, um einzukaufen.
Mitten auf dem Weg fiel mir dann plötzlich auf ,dass mein Herr mir gar nichts angezogen hatte, bis auf eine kurze Hose, auf der ganz viele rote Herzen abgebildet waren.
Ich erschrak, denn in meinen Augen sah es leicht schwul aus. Am liebsten wäre ich wieder zurück gelaufen, um mir was überzuziehen, jedoch ließ mein Herr mich einfach so weiterlaufen.
Im Einkaufszentrum angekommen, starrten mich mehrere Avatare an und entfernten sich langsam von mir.
Ich versuchte, sie einfach zu ignorieren und vollendete meinen peinlichen Weg, indem ich zur Kasse lief.
Als ich bezahlen wollte, suchte ich hastig nach meiner Geldbörse, bis ich feststellte, dass sie sich in meiner Boxershorts befand. Ich warf meine langen fettigen Haare zurück, um der hübschen Kassiererin in die Augen zu gucken.
Avatare hinter mir ekelten sich und zeigten mir das, indem sie Gesten abgaben, die nur eines bedeuten sollten:„Ihh “, und sich angewidert über´s Gesicht strichen.
Schon ziemlich fertig lief ich wieder nach Hause. Auf dem Weg sprach mich eine ältere Dame auf mein Aussehen an. Was ich mir eigentlich erlauben würde!
Ich antwortete ihr nicht, denn schließlich konnte ich nichts dafür.
Ich schämte mich so dermaßen für mich.
Wie kann mir das jemand antun?
Ob er sich wohl genauso kleidet wie ich ? Ach Quatsch, ich hab ja gar nichts an, bis auf eine kurze Hose.Ob er sich verhält,wie ich es gerade tue?
Oder ob er es genießt, mich so bloßzustellen?
Was der wirkliche Grund ist weiß ich nicht , aber ich wünschte mir, ihn mal so herumlaufen zu lassen und zu schauen, wie er sich dabei fühlt.

(Miriam)

 

E-Mail an den Menschen der mich steuert

So mein lieber Besitzer. Hat es Spaß gemacht, mich als Zombie zu verkleiden? Nachgedacht hast du wohl auch nicht, ob mir dieses Outfit gefällt, oder? Ich fühle mich sehr schlecht und komme mir lächerlich vor. Ich kann es einfach nicht fassen, was du da mit mir gemacht hast! Du denkst auch nur an dich und machst das, was dir Spaß macht. Die  Höhe ist ja jetzt noch , dass du es nicht rückgängig machen kannst! Ich existiere jetzt so lange, wie du es willst, mit diesem Aussehen. Du kannst dich ja auch mal so verkleiden, dann musst du deine komischen Fantasien an dir selbst ausleben, anstatt an mir , du Freak! Wieso gibt es mich überhaupt? Soll ich dein Opfer für Sachen sein, die du selbst erlebt hast und sie nun an mir auslässt? Du besitzt doch kein Real-Life! Geh dir Freunde suchen und lösch mich endlich. Qualvolles Dasein unter deiner Kontrolle …

(Sebastian)

 

Liebes Tagebuch

Schon wieder ist ein Tag zu Ende, an dem ich am liebsten gar nicht aufgewacht wäre. Ich fühle mich total schlecht in meiner Haut. Wieso tut mir das jemand an? Habe ich das verdient? Was habe ich falsch gemacht? Dieses gemeine Gefühl, von jedem angestarrt zu werden. Ich werde ausgelacht und bin das Gesprächsthema Nr. 1. Immer dieses Gelächter hinter meinem Rücken oder sogar vor meinen Augen. Ich habe schon seit Wochen nicht mehr geduscht und mir die Zähne geputzt.Ich schäme mich so für mein Aussehen. Die Haare hängen mir vor den Augen, so dass ich fast nichts mehr sehen kann. Jemand meint es nicht gut mit mir.Ackern, das ist das einzige, wozu ich gebraucht werden kann.Wenn ich meine Freunde beim Einkaufen treffe, darf ich sie noch nicht einmal grüßen. Ich weiß, dass ich es will, aber ich werde gehindert.Hat mein Leben eigentlich noch einen Sinn?Eine Frau an meiner Seite, das ist mein größter Wunsch, aber so wie ich jetzt rumrenne, lerne ich mit Sicherheit keine Frau kennen.Letztens, da habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und eine sympathische Frau angesprochen. Sie zeigte jedoch totales Desinteresse. Das hat mich voll ins Herz getroffen.Wenn ich bloß einen Ausweg finden könnte. Aber ich fürchte, es gibt keinen, solange diese eine Person mich als Marionette benutzt. Ich tanze nach ihrer Pfeife und werde es auch weiterhin tun.Bitte lass mich hier raus, ich kann und will nicht mehr! Ich bin verzweifelt. Gute Nacht.

(Celine)


Sehr geehrter Mensch, der mich steuert,
ich muss sagen, ich bin sehr unzufrieden mit Ihrer Arbeit!
Außerdem habe ich einige Fragen an Sie.
Warum lassen Sie mich so aussehen?
Warum (?) – Frag ich Sie!
Ich sehe hier sehr viele Avatare, die sehr viel besser aussehen, als  ich! Ich bin sehr unzufrieden mit Ihrer Arbeit – die Betonung liegt auf sehr!
Meine Haare sind verfilzt und Strähnchen hängen vor meinen Augen. Apropos Augen:
Wie können Sie mir bloß rote Augen geben?
Bitte erklären Sie es mir! Ist das Ihre Vorstellung von einem schönen Avatar?
Was würden Sie machen, wenn Ihnen in Ihrer Welt ein Mensch mit roten Augen begegnet?
Sie wissen, ich bin Ihr Avatar, ich repräsentiere Ihre Person in meiner Welt!
Ich bitte Sie deshalb, mein Aussehen zu ändern, denn ich möchte mich nicht schämen müssen – Fremdschämen für Ihren schlechten Geschmack!
Ich hoffe Sie erhören meinen Hilferuf!
Ihr Avatar
(L.)

 

 

Liebes Tagebuch,

heute hat mich der Mensch, der mich steuert, schon wieder an so einen dämlichen Computer gesetzt. Ich weiß wirklich nicht, was er oder ich davon haben soll.
Ich sitze da mit der Hand an der Computermaus und starre völlig ausdruckslos auf den Bildschirm, auf dem sich nichts rührt. Soll das Spaß machen? Vor allem tut dieser Mensch das mehrmals am Tag. Naja, wenn er einen Nutzen daraus ziehen kann, dann soll er das tun. Ich für meinen Teil fühle mich verarscht.
Nachdem der Mensch, der mich steuert, mich endlich aus dieser elenden Computerbildschirmanstarrsituation befreit hatte, hat er mich in die Stadt geschickt. In der Ferne sah ich eine Gruppe von anderen Avataren. Ich hatte die stille Hoffnung, dass mein Steuerer mich zu ihnen schickte.
Und tatsächlich!
Es kam der Befehl, mich zu ihnen zu bewegen. Yay! Gesellschaft.
Dort angekommen sagten alle einmal trocken: „Hey!“. Na super. Die vermeintlichen anderen Avatare waren nur programmierte Roboter. Dann kleidete mich der Mensch, der mich steuert, um.
OH MEIN GOTT!
Ich konnte es nicht glauben!
Als ich mich im Spiegel ansah, erblickte ich etwas, das einfach nicht sein durfte!
Ich trug eine pinkfarbene Hose mit einem roten Top und einer gelben Jacke.
Was ist mein Steuerer bloß für ein Mensch? Ein 40-jähriger, vollbärtiger, dicker Arbeitsloser, der sich den Namen dieses Spiels zu sehr zu Herzen nimmt?
Jedenfalls hat er keinen Sinn für Mode!
Naja, liebes Tagebuch …
Ich muss jetzt auch Schluss machen, mein Steuerer ist wieder da, vielleicht will er mich ja wieder vor den PC setzen.

(Sarah)

 

Liebes Tagebuch,

heute hat er mich mal wieder gegen ein Fenster laufen lassen.
Langsam wird meine Nase immer platter.
Aber ich will von Anfang an erzählen: Zuerst ließ er mich die ganze Zeit irgendwo umherlaufen, und ich wusste gar nicht wieso, und wohin es gehen sollte.
Er ist doch sowieso komisch. Dieser Mensch, der mir mit einer geheimnisvollen Kraft seinen Willen aufzwingt. Ich kann ihn nicht sehen, und ich kenne seine Gedanken auch nicht. Ich hoffe, er kennt wenigstens meine Selbstgespräche nicht, denn sonst wüsste er ja alles von mir.
Aber nein, woher sollte er meine Gedanken kennen? Dann hätte sich bestimmt schon so einiges geändert. Doch wie kann ich ihn erreichen? Ich weiß es nicht…
Dieser Mensch behandelt mich, als ob ich keine Gefühle hätte. Als sei ich ein Spielzeug, mit dem man tun und lassen könnte, was man will.
Doch so, wie ich für ihn keine Gefühle habe, scheint es auch keinen eigenen Willen zu geben, der mich vorantreibt. Dies stimmt sogar.
Immer, wenn ich alleine bin, finde ich mich selbst wieder und weiß dann, was ich möchte. Doch wenn er da ist, verschwinden alle Erkenntnisse über mein Bewusstsein.
Ich vermute auch, dass diese Kreatur von Mensch „2nd life“ nur als Spiel sieht und denkt, sie könnte hier alles machen, was ihr gefällt. Und das auch noch mit meinem (!!) Körper.
Aber ich möchte weiter erzählen. Ich lief also die ganze Zeit mal wieder sinnlos durch die Gegend, als ich die besagte Scheibe sah.
„Oh nein! Sieh es doch! Neeeiiiiinnnnnn!!!“
Und, wusch, war meine Nase –wieder einmal- gegen ein Fenster gedrückt, welches so sonderbar geputzt wurde, dass sich noch nicht einmal das Glas in der Sonne spiegelte.
Nun stand ich da also, allein gegen die kalte Scheibe gedrückt, mit dieser Macht in meinem Rücken, welche ich kaum beschreiben kann. Sie hielt mich an das Fenster gedrückt, und ich konnte den Schmerz nur damit etwas lindern, dass ich mir die vereinzelten Avatare, die draußen rumliefen, anschaute.
Nach unendlich vielen Minuten dann, brachte mich der Mensch endlich wieder nach Hause und verließ mich.
Zum Glück!
Endlich konnte ich wieder tun, was ich wollte.
Nun wird es aber mal Zeit ins Bett zu gehen.
Wer weiß, welches Fenster morgen kommt.
Liebe Grüße,
Mutschi



Hallo Besitzer,

mit dieser E-Mail will ich Dir sagen, dass es richtig dumm von Dir war, mich als Zombie zu verkleiden und mich dann nicht mal mehr zurückverwandeln zu können. Hat es Dir eigentlich Spaß gemacht, Deine kranken Fantasien an mir auszuleben? Hast Du kein Real-Life, Du Freak? Was ist in Deinem Kopf los, dass Du Dir einen virtuellen Account zulegst? Hast Du es im Leben eigentlich nicht geschafft, Du Looser? Oder hast Du einfach keine Freunde, die sich um Dich kümmern? Mann, Mann, Mann, ich finde es ehrlich dicht, dass Du mich die ganze Zeit durch diese öde Welt laufen lässt!

Ich schicke Dir die Tage mal einen Real-Life-Link, Du Nacken. Ich möchte, dass Du mich löschst und einfach anfängst zu leben.

(Jascha)

 

Tagebucheintrag:

Heute ist wieder so ein langweiliger Tag. Niemand ist hier, mit dem ich reden kann. Nur diese komischen unechten Figuren, die vielleicht mal automatisch antworten und deren Antwort nicht einmal einen Sinn ergibt. Aber sonst ist an diesem Ort einfach nichts los. Keine echte Persönlichkeit in der Nähe. Die Welt ist einfach zu groß, um jemanden zu finden. Zudem würden sie meine Kleidung lächerlich finden. Sie ist so unpersönlich und einfach Standard. Vielleicht hätte ich einfach weiter suchen sollen, aber mir war nicht mehr danach. Ich hoffe, dass morgen mehr echte und vor allem verschiedene Persönlichkeiten zu finden sind, denn dieser Tag ist so langweilig, so sinnlos, ich hab darauf keine Lust mehr. Und mal sehen, vielleicht treffe ich eine mir bekannte Persönlichkeit, aber nur mit großem Glück. So alleine durch die große weite Welt zu wandern und niemanden zu haben, mit dem man sich unterhalten kann, macht wirklich keinen Spaß. Es ist einfach sinnlos. Schon fast deprimierend. Aber ich weiß, dass es morgen wieder besser wird. Morgen wird es wieder Spaß machen.

H.S.

 


Hilfe!!!

Vorhin begegnete ich so einem komischen Zombie-Typen und jetzt hab ich voll Schiss. Hier bei Second Life passieren wunderliche Dinge und meine Mitspieler sind richtig seltsame Leute.
Aber das Schlimmste ist, dass der Mensch, der mich steuert, kaum da ist, nichts bemerkt und sich deshalb nicht um mich kümmert. Wenn die Lage nicht bald besser wird, hab ich keinen Bock mehr auf diese Welt hier und werde entsprechende Wege einleiten.

(H.)

 

Liebes Tagebuch,

heute ist mir ’was sehr Komisches passiert. Als ich auf dem Weg zur Schule war, haben mich drei Jungs verfolgt. Ich bin dann von ihnen umzingelt worden. Sie wollten mein Geld haben. Ich habe vor Angst fast geheult. Später, als sie anfingen, mich zu schubsen, habe ich ihnen meine 10 € gegeben und bin schnell weggerannt.

(Pirezou)

 

Sehr geehrter Second-Life Besitzer

Ich möchte Sie hiermit freundlich darauf hinweisen, dass ich keine Lust mehr auf Sie habe. Es ist ja nett und schön, wenn Sie mir ein Luftschloss bauen und mich Dauerbespaßen, aber so langsam habe ich wirklich keinen Bock mehr auf Sie. Ich möchte Sie mal sehen, wie Sie Stundenlang durchs Nirgendwo laufen, um anschließend auf leblose Puppen zu treffen und Luftküsse auszutauschen. Dankeschön! Wirklich gut gelungen. Was meinen Sie wohl, wie viel Spaß das macht? Ich möchte nicht wissen, wie Sie in der Offline-Welt klar kommen. Ich finde jedenfalls Ihre Spielchen mit mir echt zum Kotzen, Sie Sklaventreiber. Denn ja, was anderes sind Sie nicht. Ich bitte Sie nun freundlich, meine Online-Welt für immer zu verlassen, denn dies ist besser für Sie und vor allem für mich. Ich komme auch ohne Sie sehr gut klar. Also verschwinden Sie endgültig.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Avatar

(C.)

 

Liebes Tagebuch,

heute ist mir ’was passiert. Als ich auf dem Weg zum Einkaufszentrum war, haben mich drei Avatare verfolgt. Ich habe versucht, immer schneller zu gehen, aber dann wurden sie auch immer schneller, bis sie vor mir waren und mich umzingelt haben. Ich habe sie gefragt, was sie von mir wollen, aber sie haben nichts gesagt und standen einfach nur da.

Als ich versucht habe, dort wegzukommen, haben sie mir den Weg versperrt. Ich habe sie immer wieder gefragt, was sie wollen, aber sie haben kein einziges Wort gesagt. Nach etwa 15 Minuten habe ich es endlich geschafft, dort wegzukommen.

(Sandra)

 

Betreff: HILFE

Hey Du,ja genau Du!
Was machst du da mit mir?
Weißt Du wie ich aussehe?
Nein?! Gut, dann erzähle ich es Dir.
Ich sehe aus wie ein Zombie! Sieh doch einmal richtig hin!
Weißt Du, wie ich mich fühle?
Nein, nein das kannst Du nicht wissen.
Du kannst dir niemals vorstellen,
wie ich mich fühle, so ausehen zu müssen!
Das Gefühl, anderen Menschen mit seinem Äußeren
Angst einzujagen.
Du kannst und wirst das niemals fühlen!

PS: Halllllllloooooooooo…. das war ein Hinweis an Dich!
Vielleicht wirst Du ja jetzt endlich wach…..!!!

(Denise) 

 

Nun stehe ich hier vor einer riesigen großen Glasscheibe und schau mir das Leben dort draußen an. Ich hätte jetzt auf die Straße gehen, mir neue Freunde suchen oder aber auch mit meinem Pferd rumreiten können. Jedoch fehlt mir die Kraft. Ich fühle mich überhaupt nicht gut. Ich versuche, aus dem Loch herauszukommen, es klappt nicht. Es wird nur noch schlimmer.
Wieso unterstützt mich niemand? Warum bin ich alleine? Wenn jeder eine Lösung auf seine Probleme findet, wieso kann ich das nicht tun? ,,Renn doch einfach auf die Straße. Du hast eine Möglichkeit es zu tun, die Tür steht dir offen.Tu es ,“sagt eine innere Stimme. Ich kann nicht.
Wieso kann ich die Gefühle anderer verstehen und nachvollziehen und keiner versucht mir einmal zu helfen, mich zu verstehen?
Ich möchte weinen.Solange weinen, bis ich keine Gefühle mehr hab, bis ich irgendwann über meine Probleme reden kann, ohne dabei meine Gefühle zu zeigen, also ohne dabei zu heulen.
Die Menschen in meiner Umgebung haben den Eindruck, dass ich immer glücklich, immer gut drauf bin. Ich merke, ich kann gut schauspielern.
Ich verliere die wichtigste Person in meinem Leben. Sie, die Person, die mich steuert… . 

(C.)