Susanne Berkenheger: Sonstiges

Second Life, die virtuelle Alternative für ein gutes Leben?

Angeregt von Susanne Berkenhegers Lesung und Workshops haben wir viel über das Konzept „Second Life“ nachgedacht. Berkenhegers Texte, und die ihres Forschungsteams, handeln von Expeditionen in die virtuelle Welt des „Second Life“ und den „Beobachtungen“ der Avatare, die hier, gesteuert von den Menschen, umherwandern. Die Texte sind humorvoll und setzen sich durchaus kritisch mit dieser Welt auseinander.

In der Diskussion nach der Lesung im Wallsaal wurde jedoch deutlich, wie unterschiedlich die Auffassungen zu „Second Life“ sein können. Hier prallten in einer heftigen Diskussion „Second Life“ und„First Life“ aufeinander.

Besonders interessant war es schließlich, in den Workshops selbst in die Rolle eines Avatars zu schlüpfen und sich Gedanken zu machen über diese virtuelle Figur.

Was würde sie über diese Welt denken, wenn sie eigenständig wäre?! Müsste sie sich nicht wundern, ständig fremdgesteuert zu sein in einer Welt, in der Muffins sinnlos durch die Gegend fliegen, manche Gebiete ausgestorben sind und bei beispielsweise einem Fahrstuhl, dank falscher Programmierung, plötzlich der Nutzen völlig außer Kraft gesetzt wird?

Warum setzt man sich als User von „Second Life“ vor den Computer und sieht seinem Avatar zu, wie er durch verlassene Gebiete läuft, sich in leere Karussells setzt und lustlos seine Runden dreht? Macht es Freude, die Kontrolle über seinen Avatar übernehmen zu können? Ist es gerade das Gefühl, dass man diese fiktive Gestalt, die einen in gewisser Weise in der virtuellen Welt repräsentiert, kontrollieren kann, so gestalten kann, wie man selbst gerne sein will?

Für viele Menschen, die sich im „Second Life“ wohl fühlen, spielen sicherlich der Kennlern-Faktor und das Kommunizieren mit anderen Avataren eine große Rolle. Denkt man jedoch über die Tatsache nach, dass man im „First Life“, also im echten Leben, auch die Möglichkeit hat, zu reisen, Leute kennen zu lernen und mit Freunden zu kommunizieren, so erscheint einem „Second Life“ überflüssig. Hat man doch in seinem „First Life“ die Chance, in einer viel besseren Grafik ein gutes Leben führen zu können. Die Möglichkeiten, sein „First Life“ wunderschön, aufregend, emotional, entspannt erleben zu können, sind vielfältig!

Für mich jedenfalls erschließt sich der Grund nicht, warum man das Leben in einer virtuellen 3-D-Welt dem realen Leben vorziehen sollte.

(Marika)

 

Was ist eigentlich Second Life?

Das Projekt von Susanne Berkenheger „Expedition ins Accountleichenland“ berichtet von den Erfahrungen der Autorin in der 3D-Welt und Internet-Community „Second Life“.

Doch was ist dieses „Second Life“ eigentlich? Wer noch nie von etwas derartigem gehört hat, dem erging es nicht anders als mir.

Inzwischen weiß ich: Second Life ist eine virtuelle Welt, die von den Benutzern selbst erbaut wird. Bei der Anmeldung erhält man einen „Avatar“. Ein Avatar ist eine Figur, mit der man die virtuelle Welt von „Second Life“ erkunden kann. Sie hat große äußerliche Ähnlichkeiten mit den animierten Menschen aus dem Computerspiel „Die Sims“. Der Benutzer kann sie nach Belieben selbst gestalten, kleiden, mit ihr spielen oder über sie mit anderen Avataren kommunizieren und interagieren.

Die 3D-Welt ist seit 2003 im Internet verfügbar. Als sie ihren größten Boom erlebte, war sie so populär, wie Facebook und Twitter es heute sind.

Gewisse Gemeinsamkeiten sind auch durchaus zu erkennen. Zum Beispiel gibt es im „Second Life“ einen Lifechat, mit dem man zu anderen Nutzern, durch IMing oder Voice-Chat, Kontakt aufnehmen kann.

Außerdem wirbt die Internet Plattform mit der Möglichkeit, Freundschaften zu schließen oder sich sogar dort zu verlieben.

Problematisch ist hierbei allerdings der Suchtfaktor und der häufig vorkommende Realitätsverlust bei der Nutzung der Internet Community.

Regelmäßige Nutzer neigen dazu, die Grenzen, zwischen Wirklichkeit und virtuellem Leben, nicht mehr unterscheiden zu können und sich in der „zweiten Welt“ zu verlieren.

Hinzu kommt, dass zum Bau von Häusern oder Städten, Land gekauft werden muss. Dieses Land kann nur mit realen Dollars aus dem „ersten Leben“ erworben werden. Der Dollar wird dann wiederum in die Second Life-Währung, Linden Dollar, umgerechnet. Dieser Vorgang geschieht ebenfalls bei dem Angebot von virtuellen Waren und Dienstleistungen der User.

Dies kann negative Folgen haben, wenn aus den Augen verloren wird, dass es sich um wirkliches Geld handelt und nicht nur um virtuelles.

Kritisch ist außerdem meiner Ansicht nach der mangelnde Jugendschutz und die aufkeimende Kriminalität.

Bei der Anmeldung wird kein Altersnachweis gefordert.

(Vanessa)