Susanne Berkenheger: Workshop

Workshop mit Susanne Berkenheger am 26.11.2009

IMG_5349.jpgMit sichtlich viel Vergnügen konnte die „Bremer-Netzresidenz“-Preisträgerin die SchülerInnen des Schulzentrums Kurt-Schumacher-Allee am Donnerstagmorgen im Wallsaal der Zentralbibliothek mit ihren – irgendetwas zwischen amüsanten und beängstigenden- Forschungsergebnissen zum Thema „Second-Life“ bereichern, und die TeilnehmerInnen verarbeiteten ihre dadurch neu erworbenen Eindrücke über eine ihnen bisher weitgehend unbekannte Welt in selbst geschriebenen Texten. Unter dem Motto „Mein Avatar und Ich“ präsentierte Susanne Berkenheger Fotos eines Avatars, der den vielen Macken, Tücken, Programmierfehlern und vor allem der Trostlosigkeit des Lebens im „Accountleichenland“ im Internet mehr oder weniger zum Opfer fällt.

Hier hängt die von seinem Besitzer allein gelassene fiktive Figur an einer undurchlässigen Glasscheibe fest, dort muss sie auf dem Dach eines Gebäudes verharren, weil der Aufzug IMG_5379.jpgeine Station weiter als normal möglich gefahren ist. Der Avatar steht vor Häusern ohne Zugang, zwar begehbaren, aber menschenleeren Rummelplätzen, „Under Construction“- Schildern oder wird plötzlich hoch über´n Erdboden katapultiert, nur weil er eine unbegehbare Zone betreten hat.

IMG_5380.jpgEr muss sich mit Zombi-Masken, die sich nicht mehr entfernen lassen, herum schlagen, wird mit anderen Avataren, die eigentlich Puppen sind, Computern, die nicht funktionieren oder auch einfach Gegenständen, die gar keinen Sinn ergeben, konfrontiert. Regelmäßig wird der/die Arme auch einfach zum Luftküssen missbraucht. Ach ja, all das müssen die Bewohner von „Second-Life“ über sich ergehen lassen und all das konnten die SchülerInnen auf Fotos sehen, es bedauern oder auch einfach darüber grinsen.

IMG_5353.jpgDie daraufhin entstandenen Texte sollten nun aus der Sicht eines Avatars, der sich in genau so einer bizarren Situation befindet, geschrieben werden. Das lud zur Freisetzung von Kreativität geradezu ein. Ob Twitter-Nachricht, Tagebucheintrag oder innerer Monolog, fast alle Texte hatten überraschender Weise einen ähnlichen Tenor: einen unzufriedenen Avatar, der sich von seinem Besitzer vernachlässigt fühlt und in einer trostlosen, verlassenen Welt voller Schwierigkeiten verloren zu sein scheint. In vielen Texten fängt der wütende Avatar an, über Dinge wie den freien Willen oder Selbstbestimmung nachzudenken und will am liebsten raus…raus aus dem „second“ ins „first-life“! Aber lest am besten selbst! Die Texte dazu findet ihr nach und nach  hier!

(Jan)

Und hier alle Fotos:

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