Wilfried N` Sondé: Interview

Wer ist dieser Mann, der in so vielen, verschiedenen Bereichen tätig ist? Der so vielseitig begabt ist? So viele Facetten gilt es, näher zu hinterfragen. Wir haben uns an die Aufgabe herangewagt und ein aufschlussreiches Gespräch geführt.

Beim Lesen der Pressestimmen über Sie, stößt man immer wieder auf Lob für Ihre verschiedenen Talente. Nun fragen wir uns:

Fühlen Sie sich mehr als Musiker oder mehr als Schriftsteller?

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Weder noch. Es geht mir nicht darum zu sagen, was mehr ist. Es sind eher unterschiedliche Ausdrucksformen. Man kann 200 Seiten lang über Liebe schreiben, oder 3 Minuten darüber singen. Das bedeutet nicht, dass diese 3 Minuten weniger wirken, der Effekt ist nur ein anderer. Man berührt die Leute anders. Es ist beides einfach ein Mittel um etwas auszudrücken.

 Beeinflusst Sie eine Ihrer Tätigkeiten in der anderen? Spiegeln sich die Inhalte Ihrer Songs z.B. in Ihren Büchern wider?

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Für mich ist das ganze eins. Ich habe bereits viel mehr Musik gemacht, als Bücher geschrieben. Es sind bis jetzt nur zwei an der Zahl. Als man mich fragte, einen Romanzu schreiben, wollte ich es anfangs nicht, ich war zu faul. Aber dann dachte ich „Okay, ich versuch’ s.“.Zunächst sollte ich Prosa schreiben, mittlerweile sagt man mir, es gäbe „Musik in meinen Texten“. Ich wusste das nicht, aber anscheinend sind beide Sachen miteinander verknüpft. Literatur ist Musik, nur mit verschiedenen Facetten.

Wie kam es nach Ihrem Studium in Politologie und Jura dazu, dass Sie in die künstlerische, kreative Branche gerutscht sind?

Ich hatte einen Lehrer, der mir sagte: „ Wenn Du Politologie studiert hast, gibt es drei Möglichkeiten:

– 1. Du hast nie wieder Lust auf Politik.

– 2. Du wirst Lehrer, weil es bequem ist.

– 3. Du wirst zum Ganoven, also zum Politiker.

Also hab ich es lieber gelassen.Ich denke, das Ziel der Politik ist es, uns zu erzählen, dass die Lösungen unserer Probleme politisch sind. Meiner Meinung nach stimmt das nicht, denn viele Probleme von Menschen sind sensibler und da erreicht man mehr mit der Kunst.

Und wie sind Sie zu Ihrem Job als Sozialarbeiter gelangt?

IMG_4735.jpgNa ja, ich kam nach Berlin, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen und musste mich anfangs durchschlagen. Ich habe dann auf dem Bau gearbeitet, oder im Café, überall. Ich brauchte halt einen Job. Als ich dann besser Deutsch konnte, konnte ich Nachhilfe geben in einem Verein, und peu àpeu habe ichmehr gemacht. Und irgendwann war ich voll dabei.Ich bin also so in den Job reingerutscht. Jahrelang war es schön, denn Du tust nicht nur was, Du gibst auch was und Du merkst auch, dass es was bringt. Doch nach 15 Jahren habe ich festgestellt, dass es immer soziale Probleme geben wird, ob ich nun dabei bin oder nicht. Ich denke, ich habe meinen Teil getan

Inwieweit bringen Sie in Ihren Songs eigene Erfahrungen, bzw. Erlebnisse mit ein?

Zum Teil. Es sind Dinge die Ich erlebt habe, die ich hätte erleben wollen, Dinge die andere erlebt haben und ein wenig Fantasie. Es sind zum Teil auch Dinge in dem Buch geschrieben, mit denen ich schmerzhafte Erinnerungen verbinde und durch das Schreiben verarbeiten konnte. Es hatte also auch therapeutische Wirkungen.

 

Dieses Gespräch führten Nadia de Vries und Fabian Othmerding am 19.6.2009 im Wallsaal der Zentralbibliothek Bremen.

Transkribiert von Nadia de Vries und Fabian Othmerding

 

Hier noch mehr Fotos vom Interview:

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