Mathias Gatza: Interview

IMG_4348.jpgMathias Gatza ist einer der wenigen Autoren, der erst Lektor war, bevor er Schriftsteller wurde. Inzwischen kennt man ihn in beiden Berufen sehr gut. Doch was ist er denn nun lieber von Beruf, wo schreibt er am liebsten und wie ging er damit um, dass sein eigenes Buch plötzlich lektoriert wurde? Wir haben ihn gefragt und viele spannende Antworten bekommen.

“Es gibt keinen Autor, der perfekt ist. Den gab es noch nie und den wird es nie geben”. Mathias Gatza ist da sehr realistisch. Auch sein Buch ist zwar gut, jedoch nicht perfekt. Dafür müsste man in Gatzas’ Augen als erstes das Wort “perfekt” definieren. Aber er ist auch der Meinung, dass für einen Autor das eigene Buch immer besser ist als andere Bücher. Dazu kommt, dass er als langjähriger Lektor bereits ein technisches Instrumentarium zur Verfügung hatte, als er anfing zu schreiben. Doch wie fühlt es sich an, wenn plötzlich der eigene Text kritisiert und lektoriert wird? Für Gatza war es spannend, aber auch nervenaufreibend. Auf die Lektorin sei es jedoch angekommen. Er wollte sein Buch nur mit dieser einen Lektorin besprechen und sonst mit niemandem. IMG_4349.jpgSein Buch ist nicht nur das erste Buch, das er bisher veröffentlichte. Sein Buch ist überhaupt das erste, das er bisher geschrieben hat. “Ich hab Schreiben an diesem Buch gelernt”, so Gatza. Dieses Buch zu schreiben hat drei Jahre gebraucht. Gatza war jeden Tag für anderthalb Stunden im Berliner Zoo. Schon bald hatte er einen Stammplatz an einem See, wo er jeden Tag hinging und schrieb. Außerdem sei er ein echtes “Recherche- Monster”, schaue alles ganz genau nach, bevor er es aufschreibe.

Inzwischen kann er sich gar nicht mehr vorstellen, in seinen alten Beruf zurückzukehren, soviel Freude macht ihm das Schreiben. Lektor zu sein habe ihm am Anfang auch viel Spaß gemacht, doch mit der Zeit sei der Beruf der Horror geworden. Vor allem, wenn Schriftsteller mit 800 Seiten dicken Büchern zu ihm kamen.

Mathias Gatza war 24 Jahre alt, als er einen eigenen Verlag gründete. Seitdem hat er viele Bücher gelesen, lektoriert und korrigiert. Ihm ist aufgefallen, dass sich kein Mensch schämt, wenn er kein Musikinstrument spielen kann oder wenn einer nicht malen kann. Aber niemand möchte wahrhaben, dass man vielleicht kein guter Schriftsteller ist. Deshalb habe er viele schlecht Bücher lesen müssen und nun endgültig genug davon.

Wir wünschen ihm viel Glück auf seinem weiteren Weg und hoffen für ihn, dass ihm die Ideen nicht ausgehen und dass er seinen inneren Plan weiter verfolgt. Wir hätten gerne noch länger über diesen inneren Plan mit ihm gesprochen, doch leider reichte die Zeit nicht mehr.

Dieses Gespräch führten Jan Göbel und Fabian Othmerding am 28.1.2009 im Wallsaal der Zentralbibliothek Bremen.
Transkribiert von Jan Göbel und Fabian Othmerding