Sudabeh Mohafez: Workshop 2

Workshop mit Sudabeh Mohafez am 31.10.2008

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Ich versuche Schüler/innen zu zeigen, wie man etwas, was man innerlich empfindet nach außen bringen kann, damit alle daran teilhaben können.“ Mit diesem Satz hatte der Deutsch-LK der 11. Klasse des Schulzentrum Obervielands erst seine Probleme. Sudabeh Mohafez, die dies wohl erwartet hatte, sagte dann mit einem Grinsenim Gesicht: „Am Ende des Workshops werdet ihr alle wissen, was ich damit meine und wie dies funktioniert!“

Das Ziel dieses Workshops ist es allerdings nicht nur, zu vermitteln, wie man eine kurze Geschichte schreiben kann. Sudabeh will, dass jeder Schüler am Ende der 1 ½ Stunden eine Kurzgeschichte in der Hand hält, die er zuhause abtippen und ihr zuschicken kann. Sie will dann ein kleines Buch daraus machen. Ungläubiges Gekicher von allen Seiten macht sich breit. „Wie soll man denn in 90 Minuten ein Buch schreiben? Das funktioniert doch nie!“ Aber Sudabeh lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Damit auch wirklich alle verstehen, wie man so eine Geschichte überhaupt aufbaut, liest Sudabeh zuerst eine Zehn-Zeilen- Geschichte vor, die sie selber geschrieben hat. Es geht um die Auseinandersetzung zweier Personen zum Thema „Liebe“. Man hat das Gefühl, die Geschichte ist unglaublich lang, dabei sind es nur zehn Zeilen.

 

IMG_3954.jpgBei der Frage, wie man eine Geschichte gestaltet, fragt uns Sudabeh zunächst nach den Filmen, die wir zuletzt gesehen haben. „Spiderman“, „Gegen die Wand“, „Krabat“, wir zählen auf und versuchen, das Gemeinsame der Filme herauszufinden und den Bezug zu unserer Aufgabe. Natürlich geht es in Filmen und Geschichten immer um Konflikte: Liebe, das Gute gegen das Böse etc. Eine Geschichte braucht also einen Konflikt. Das ist bei einem Zehnzeiler insofern schwer, als der Konflikt sehr schnell aufgezeigt werden muss, der Leser muss ganz schnell wissen, um was es geht, die Auflösung des Konflikts sollte dann ganz kurz vorm Schluss liegen, damit eine Spannung aufgebaut wird. Außerdem braucht eine Geschichte Figuren und einen Ort.

Unsere erste Schreibaufgabe lautet: „Schreibt euren Vornamen auf ein Blatt und zu jedem Buchstaben ein Wort. Irgendeins. Egal ob Verb, Nomen, Namen oder Adjektive.“Danach sollen wir uns daraus Wörter aussuchen, später mit unseren Partnern zwei Figuren ausdenken. Es wird diskutiert, gelacht und vor allem IMG_3942.jpgüberlegt. Als nächstes folgt der Konflikt: „Denkt euch einen Konflikt aus, der zu den Figuren passt und zu einem dazu gewählten Ort.Überlegt euch auch, wie der Konflikt gelöst werden soll.“ Nach dieser Vorbereitung fängt jeder für sich zu schreiben an. „Ihr dürft höchstens 825 Zeichen benutzen. Leerzeichen sind auch ein Zeichen!“, meint Sudabeh. Ihr habt 15 Minuten Zeit. Alle fangen sofort an, wir haben nur wenig Zeit. Ganz zum Schluss überlegen wir uns dann noch, welchen Titel die Geschichte haben soll.Ein Titel darf schließlich nie fehlen. Frage:Was muss ein Titel alles aussagen? Nach einer kurzen Diskussion schreibt Sudabeh folgendes auf: Kurz, spannend und Ahnung erzeugend! Einige Titel werden kurz vorgelesen, bei manchen Verbesserungsvorschläge gemacht. Leider können wir zum Schluss nicht alle Texte hören, da die Zeit zu knapp ist. Doch die Geschichten, die vorgelesen werden, sind sehr gut und haben den Konflikt und auch die Auflösung des Konflikts sehr gut beschrieben.

Der Workshop hat allen gefallen. Die ersten Zweifel, wie:„Ich kann doch gar nicht schreiben!“, waren am Ende des Workshops verflogen. Außerdem macht Sudabeh aus allen Kurzgeschichten ein kleines Buch. Und wer hat schon selber an einem Buch mitgeschrieben? Die Schüler des Schulzentrums Obervielands können dies jetzt von sich behaupten.

 

(Ina)

 

Hier noch mehr Fotos von den Workshops am 31.10.!

 

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