Finn-Ole Heinrich: Interview

IMG_3897.jpg Ein offenes und sympathisches Lächeln strahlt uns von Finn- Ole Heinrich entgegen. Nach einer kurzen, herzlichen Begrüßung kann unser Gespräch beginnen. Wir fragen ihn, wie und wann er zum Schreiben gelangt ist, wie er auf die Idee zum Projekt „Heimat“ gekommen ist und warum er nicht nur schreibt, sondern auch Filme macht.

In unserem Interview erfahren wir, dass Finn in seiner Jugendzeit gar nicht viel mit Texten und Büchern zu tun hatte. Literatur hatte bis zum Alter von 17 Jahren keinen großen Stellenwert in seinem Leben.
Finn spielte Theater, was ihm viel Spaß machte, stellte jedoch fest, dass ihm etwas fehlte. Er brauchte etwas, um seine Gedanken festzuhalten.
Dieses Bedürfnis brachte ihn dazu, Kurzgeschichten zu schreiben. Das ist immer noch der Impuls, der ihn antreibt, über Dinge zu schreiben, die ihn beschäftigen.
Ganz aktuell hat Finn versucht, die Bedeutung der Wörter „Heimweh“ und „Heimat“ herauszufinden. Und zwar nicht allgemein, sondern für sich.
Die Suche nach einer „Heimatdefinition“ beschäftigt ihn nun schon lange.
Aus diesen Überlegungen ist das Projekt „Heimathuckepack“hervorgegangen. Bis jetzt hat er noch keine Antwort gefunden. Vielleicht schafft es das Projekt, Klarheit in diese Frage zu bringen.
Für ihn sind sowohl Freunde als auch die Familie Heimat,sagt er. Spezielle Räume, Strassen oder auch einfach nur bei der Mutter in der Küche zu sitzen, kann für ihn Heimat bedeuten.
Wenn ich versuche, mich einer Definition von Heimatanzunähern, so Finn-Ole Heinrich, dann ist es vielleicht am ehesten das Gefühl von Vertrauen, vertraut sein, das Gefühl von Zuhause, das ich mit Heimat verbinde.
Finns Arbeit interessiert uns sehr. Wir fragen deshalb nach. Wie recherchierst du? Wie entwickelt sich bei dir ein Roman und wie suchst du deine Charaktere aus?
Wir erfahren, dass Finn mit kurzen Geschichten beginnt, welche die Grundgedanken des Romans enthalten. Ein großes Blatt dient als Strukturplan der Arbeit. Dann werden der Verlauf und Stichpunkte zur Handlung auf Karten festgehalten, und wenn dann alles zusammenläuft, wird letztendlich eine Geschichte daraus. Für das Heimatprojekt, so erklärte uns Finn-Ole Heinrich, sind die Charaktere Menschen, denen ich begegne, die mir z.B in einem Gespräch interessant erscheinen. Das können Freunde oder auch völlig Fremde sein. Das gilt natürlich nicht für meine Geschichten, da konstruiere ich meine Charaktere, ich erfinde sie frei.
Seit Beendigung seines Studiums ist Finn-Ole Heinrich nun auch Regisseur.
Aber wieso Filme? Reicht das Schreiben denn nicht? Nein, erklärt uns Finn. Denn einige Dinge kann man nicht erklären oder aufschreiben. Man muss sie zeigen. In langen Filmen oder auch in kurzen 10-Minuten Darstellungen, welche auf YouTube zu finden sind.
Seine Filme sollen nicht moralisieren oder erziehen, sagt Finn-Ole Heinrich. Sie mögen vielleicht zum Nachdenken anregen,sie sollen aber auf jeden Fall irritieren.
Zum Schluss verriet er uns noch, dass es auch Musikvideos von ihm im Netz gibt, denn Musik macht er auch gerne…! Das Interview mit Finn war total aufregend und interessant.
Vielen Dank dafür! 
 

Dieses Gespräch führten Ina Möller, Jamilah Issifou und Marika Gonther am 02.10.2001 im Wallsaal der Zentralbibliothek Bremen.

Transkribiert von Ina Möller

Am 1.10.2008 gab es im Nordwestradio in der Sendung „Kulturjournal“ ein Gespräch mit Finn-Ole Heinrich und Ursel Bäumer von workshop literatur über das ausgezeichnete Internetprojekt „Heimathuckepack“, über das Thema Unterwegssein, über Heimat und Fremdsein und über die Arbeit in den Workshops mit Schülerinnen und Schülern Bremens. 

 

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