Zeit (M.)

Was ist Zeit? Gibt es dieses Wort in dem Sinne überhaupt? Klar, die Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende…rasen an uns vorbei. Ungeheuer schnell. Eh man sich versieht, ist das Jahr vorbei, ein neues beginnt und endet schließlich auch. Was bleibt, ist der Moment. Ein Moment, in dem man sich vielleicht auf etwas freut, gespannt auf etwas wartet. Doch von diesen Momenten gibt es nur wenige. Es ist ein Ablauf. Die Zeit ist auf „Wiederholung“ gestellt. Manchmal habe ich das Gefühl, ich wäre kein Mensch, sondern eine Illusion, die durch das All schwirrt und immer in völlig unterschiedlichen Zeiten lebt. Manchmal denke ich, ich wäre unsichtbar.

Dieser Gedanke kam mir einmal, als ich in einem Café saß. Völlig allein. Einsam. Still. Zwar saßen noch eine Menge anderer Menschen in diesem Café, dennoch lebte jede dieser Personen ihr eigenes Leben. Sie schienen mich nicht zu beachten. Und ich selbst kannte auch keine dieser Personen. Mit einem Mal wurde ich von der Bedienung angesprochen. Da spürte ich, ich war echt, bestand aus Fleisch und Blut. Viele Menschen denken an ein Leben nach dem Tod. Aber ich habe manchmal das Gefühl, als sei dieses Leben, das ich gerade lebe, das Leben nach meinem Tod. Doch vielleicht gibt es nicht einmal den Tod. Vielleicht sind wir alle Teilchen, die von einer zur nächsten Epoche schwirren. Unendlich viele Gedanken. Weit. Sehr weit. Was bleibt, ist eine ungeheure Leere. Ich kann nicht wissen, was Zeit tatsächlich bedeutet. Diese Unsicherheit macht mir Angst. Ehrlich. Ich wüsste gerne mehr, werde aber jedes Mal durch eine „Bewegung“ in meinem Gehirn gestoppt. Ich versuche, zu denken, ob das Leben einen bestimmten Sinn besitzt, aber es fehlt immer etwas, was mich daran hindert, weiterdenken zu können. „Das Universum hat überall einen Mittelpunkt, aber kein Ende“. Diesen Satz habe ich einmal in einem Buch gelesen und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass der Verfasser mit dieser Aussage Recht behält. Vielleicht möchte ich die Zeit erforschen, weil sie mir Angst einflößt. Wobei die Zeit hier nur einen Gesamtbegriff darstellt. Zu der Zeit gehört so viel mehr: Das Universum. Lebewesen. Generell Leben. Zeit ist ein Wort, aber es bedeutet so viel. Manchmal komme ich mit diem Gedanken nicht zurecht. Ich brauche ein Ablassventil. Vielleicht schreibe ich aus diesem Grund ein Buch. Es ist etwas Persönliches. Es hat etwas mit mir zu tun. Jeden Satz, jedes Wort. Ich kann es spüren. Es ist von mir. Es macht mich lebendig. Es ist Wahnsinn, wenn man seine Gedanken einfach aufschreiben kann. Satz für Satz. Seite für Seite. Alle Worte rasen an mir vorbei. Still umkreisen sie mich, die Sätze. Manchmal überkommt mich eine Welle von Traurigkeit. 

(M.)

 

(Auszug aus einem Roman über die Zeit)