Finn-Ole Heinrich: Lesung

Literatur funktioniert auch im Internet

heinrich finn ole IMG 1365 114pxDass Literatur auch im Internet funktioniert, hat die Lesung mit Finn-Ole Heinrich am 1. Oktober im Wallsaal der Bremer Stadtbibliothek bewiesen.

Finn-Ole Heinrich ist jung, trägt seine blonden Haare in einem Zopf, einen blonden Bart, dunkle Jeans und ein gestreiftes T-Shirt. Er tritt ans Mikrofon und begrüßt die Zuhörer. Viele der Schüler, die am nächsten Tag mit ihm einen Workshop machen werden, sind da, aber auch andere interessierte Leute.

„Der Heimat ein Zuhause bauen!“ Unter diesem Titel steht sein vom Virtuellen Literaturhaus Bremen ausgezeichnetes Projekt, das er an diesem Abend vorstellen will.

 

Er reist durch Deutschland und schreibt auf seiner Internetseite www.heimathuckepack.de über die Erlebnisse und die Leute, die ihm auf diesen Reisen begegnen. Außerdem regt er an, über Heimat nachzudenken. In dem Gästebuch auf der Seite können Leser mitmachen, ihre eigenen Texte zu Heimat aufschreiben und mit anderen Besuchern des Gästebuches ins Gespräch kommen.  IMG_3874.jpgErst erklärt er ein bisschen, wie seine Internetseite funktioniert und beginnt dann, Portraits von Menschen, die ihm begegneten, vorzulesen. Um diese Portraits zu schreiben, interviewt er die Leute, unterhält sich mit ihnen und filtert dann aus den Informationen Geschichten heraus. Wichtig ist ihm auch, die Sprache der Menschen in den Text mit einzubringen. Und wie gut ihm das gelungen ist! Er beginnt mit Dianas Portrait. Diana ist eine behinderte Frau, die er mehrmals traf und mit der er sich ausgiebig unterhielt. Während er den humorvollen, rührenden Text vorliest, in dem Diana über sich selbst redet und ihre Meinung zu dem Wort „Behinderung“ mitteilt, sieht man im Hintergrund ein Foto, auf dem Diana strahlt. Der Text hat die Stimmung und Dianas Auffassungen gut eingefangen und man fühlt sich, als würde nicht Finn-Ole Heinrich seinen Text vorlesen, sondern Diana ihre Geschichte erzählen.

Dann ein Umschwung – nun lernen wir Falk kennen. Falk hat Finn-Ole Heinrich einmal am Bahnhof getroffen und ist mit ihm ins Gespräch gekommen, weil Falk ein so „unglaublich hässliches Tattoo“ auf dem Arm hatte. Finn-Ole Heinrichs Stimme wechselt und nun ist es nicht mehr Diana, sondern Falk, der seine Geschichte erzählt

Beide haben kein einfaches Schicksal. Es ist spannend zu hören, was diese Personen aus ihrem Leben erzählen. Finn-Ole Heinrich schafft es, die Zuhörer mit dem Humor der Texte zu fesseln.

Aber nicht nur mit Texten, sondern auch mit Filmen erzählt Finn-Ole Heinrich seine Geschichten. Der Kurzfilm „Herr Possalla wird´s schon richten“ ist unglaublich humorvoll und ansprechend. Ein Mann erzählt von seiner Arbeit als „Spielplatzwart“, von seinem Alltag, seinen Ansichten vom Leben. Dass es kein Dokumentarfilm, sondern ein Film über eine fiktive Figur ist, wird einem erst mit der Zeit bewusst, so gut sind Charakter und Stimmung der Person eingefangen.

Die Lesung weckt Lust auf mehr Texte und Filme von ihm und natürlich auf den Workshop am nächsten Tag!

Im Hinblick auf das Fußballspiel am Abend verabschiedet Finn-Ole Heinrich die Besucher mit den Worten „Und nun schnell nach Hause, um das Werder Bremen Spiel noch zu sehen.“

 

Lesung am 1.10.2008 im Wallsaal der Zentralbibliothek Bremen

(Marika G.)

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