Finn- Ole Heinrich: Workshop

Workshop mit Finn-Ole Heinrich am 2.10. 2008

IMG_3882.jpg

„Guten Morgen, stellt euch doch mal da drüben an der Wand auf, bitte. Benutzt die Wand als Skala. Schätzt ein, wie intensiv ihr in eurem Leben Heimweh empfunden habt. Die Außenseiten bedeuten viel und oft, bzw. nie. Das andere „Heimwehgefühl“ liegt irgendwo an der Wand dazwischen.“

Stühlerücken, Füße laufen über den Boden des Wallsaals der Stadtbibliothek, ein leises Gemurmel. Es ist Donnerstag, 10.00 Uhr, die Schüler des SZ Walle und des Alexander- von Humboldt- Gymnasiums versuchen, ihren Platz zu finden. Der Workshop mit Finn-Ole Heinrich hat begonnen.

„Ich hatte so ziemliches Heimweh, als ich in den USA war“. „Ich habe Heimweh nach meiner Familie im Ausland“. „Ich habe kein Heimweh, ich weiß, woher ich komme!“

Die Schüler und Schülerinnen haben sich entschieden und ihren Platz auf der Skala gefunden. Wieso sie diese Wahl getroffen haben, sollen die Jugendlichen nun in einem kurzen Text darlegen.

15 Minuten vergehen und jeder schreibt an seiner Geschichte. Ob nun als Prosatext, als Gedicht, als Songtext oder auch als Kurzgeschichte ist freigestellt.

Der erste Text stammt von einem Schüler, der jeden Tag Heimweh erlebt. Seit 15 Jahren lebt er nun schon in Deutschland. Heimweh ist die Sehnsucht nach den Wurzeln, schreibt er.

Aber wie fühlt sich Heimweh eigentlich an? Ist es etwas Positives, etwas, das man gerne hat? Ist es etwas Negatives, von dem man am liebsten verschont bleibt?

Die Meinungen der Schüler und Schülerinnen trennen sich.

Einige finden, dass Heimweh einem bewusst macht, was einem wichtig ist und vor allem, wie sehr man es braucht. Heimweh ist Sehnsucht nach Geborgenheit und die Erinnerung an die Orte, an denen man diese Geborgenheit findet.

Andere wiederum denken, dass Heimweh eines der schlimmsten Gefühl ist. Eine unerfüllte Sehnsucht nach dem Wichtigsten gepaart mit Einsamkeit und dem Gefühl von Verlassensein.

Nach der eindrucksvollen Ergebnispräsentation geht es nun schon an die nächste Aufgabe. „Beschreibt eine Person, der ihr mal begegnet seid. Verleiht ihr einen Charakter, eine Lebensgeschichte. Wie spricht sie, was tut sie gerne, was sind ihre Geheimnisse?“

Wieder vergeht einige Zeit, in der geschrieben wird und Personen entstehen, die in ihrer Vielfalt einzigartig sind. Das Spektrum der vorgelesenen Charaktere reicht vom Handwerker „Egge“ mit der auffälligen Nase und dem in einer Mitlife-Crisis steckenden Stefan bis zum 60-jährigen Hans-Peter, hinter dessen Alkoholabhängigkeit sich ein netter Mensch versteckt.

Abschließend, so erklärt der Autor die nächste Aufgabe, versetzen wir uns nun in diese Person und beschreiben UNS SELBST, aus ihrer Perspektive.

Die eigenen Charakterisierungen sollen überspitzt und nicht real dargestellt werden. Von der total eingebildeten Barbie bis hin zum faulen Typen ist unter den Beispielen, die vorgelesen werden, alles zu finden.

Am Ende erklärt Finn-Ole Heinrich: Zusammengenommen haben wir also jetzt eine Hauptfigur und zweite Figur und ein Thema. Um eine Geschichte zu schreiben, müsst ihr der Hauptfigur ein Ziel geben, das es unbedingt erreichen will. Die Aufgabe des Autors besteht nun darin, sie aufzuhalten auf diesem Weg, ihr „Knüppel“ zwischen die Beine zu werfen. Diese Hindernisse erzeugen Reibung, Konflikte und die wiederum erzeugen die Handlung eines Romans.

Der Workshop mit Finn hat viel Spaß gemacht und zum Nachdenken angeregt. Ich glaube, jedem ist an diesem Tag die eigene Bedeutung von Heimat noch ein bisschen klarer geworden.

(Jamilah)

{gallery}veranstaltungen/01_10_08_workshops_finn_ole_heinrich{/gallery}