Interview mit Erwin Miedtke, stellvertretender Direktor der Stadtbibliothek Bremen

Der stellvertretende Direktor der Stadtbibliothek Bremen und Mitorganisator rund um den Bremer Literaturpreis Erwin Miedtke stellt sich den Fragen der beiden Schülerinnen Ina und Jamilah von workshop literatur e.V.

E-MiedtkeWir haben in unseren Workshops jetzt schon einige Förderpreisträger kennengelernt. Wie wird man eigentlich Förderpreisträger des Bremer Literaturpreises?

Bis zur Entscheidung der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung, wer den Bremer Literaturpreis und den Förderpreis bekommt, dauert es ein gutes Jahr. In diesem einen Jahr lesen 7 Jurymitglieder 30 bis 40 Bücher.

Die Jurymitglieder sind von Beruf Literaturkritiker oder beschäftigen sich in ihrem anderen Beruf auch mit Literatur. Bei der Auswahl für den Preisträger geht es ihnen allerdings nicht darum, wie viele Exemplare eines Titels verkauft wurden oder wie bekannt der Schriftsteller bereits ist. Vielmehr achten sie auf das, was das ausgewählte Buch ihrer Meinung nach zu einem ganz besonderen Buch macht. Das sind insbesondere der Sprachstil die Komposition und der Zeitbezug, die zum behandelten Thema passen müssen. Wenn alle Bücher gelesen wurden, gibt es ein 2tägiges Treffen der Jury. Dort wird dann lange diskutiert und entschieden, wer den Förderpreis des Bremer Literaturpreises bekommt.

I.+J: Warum wissen Sie das so genau?

Miedtke: Die Stadtbibliothek Bremen ist mit der Geschäftsführung als Stiftung beauftragt. Alsstellvertretender Direktor bin ich somit auch darin eingebunden. Ich z.B.  bin bei den Jurysitzungen dabei. Wir kümmern uns mit vielen Kolleginnen und Kollegen aus der Stadtbibliothek auch um die feierliche Preisverleihung in der Oberen Rathaushalle und betreiben eine intensive Pressearbeit. Speziell organisiere ich noch die Literarische Woche, die rund um den Literaturpreis stattfinde

I.+J.:Warum findet die Feier eigentlich immer im Januar statt?

Miedtke:Weil Rudolf Alexander Schröder, der Bremer Dichter, Übersetzer und Architekt, nach dem die Stiftung benannt ist, die diesen Preis ausschreibt, am 26. Januar (1878) geboren wurde..

I.+J.:Wie lange gibt es diesen Preis schon?

Miedtke: Seit 1953, damals wurde Rudolf-Alexander-Schröder 75 Jahre alt und ihm zu Ehren hat der Bremer Senat den Bremer Literaturpreis gestiftet. Seit 1977 gibt es zudem den Förderpreis. Außerdem fördert die Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung seitdem auch im zeitlichen Zusammenhang mit der Preisverleihung ein Programm mit vielen literarischen Veranstaltungen in Bremen, die sogenannte „Literarische Woche Bremen“.

I.+J.:

Wie finden Sie es, dass der Verein workshop literatur jetzt Lesungen und Workshops mit den Förderpreisträgern und OberstufenschülerInnen Bremens organisiert?

Miedtke: Ich finde es ganz toll, dass Literatur durch diese Begegnungen mit Autorinnen und Autoren mit der Stadtbibliothek und der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung auch an Schüler herangeführt wird. Zu meiner Zeit gab es so etwas nicht. Dabei habe ich schon seit meiner Kinderzeit gerne Bücher lesen.  Ich hatte dazu noch einen ganz hervorragenden Deutschunterricht (nur als interne Anmerkung: LK hat es zu meiner Zeit noch nicht!). Und ich beschäftige mich immer noch gern mit Literatur und arbeite z.B. in meiner Freizeit seit langem über die französisch-polnische Autorin Anna Langfus.

I.+J.Können Sie uns sagen, was Sie, seitdem Sie dort arbeiten, schon erreicht haben?

Miedtke:,Das lässt sich im Rahmen so eines kleinen Interviews nur in Stichworten beantworten. Auf jeden Fall haben wir erreicht, dass in den letzten 10 Jahren unsere Entleihungen von 2,2 Millionen um 1 Million auf 3,2 Millionen Ausleihen an Büchern und anderen Medien gestiegen sind. Die Stadtbibliothek Bremen gehört zu den modernsten Bibliotheken in Europa. Ein Projekt, das mir besonders am Herzen liegt, ist unter anderen „Literatur um sechs“. Zweimal im Jahr beschäftigen wir uns jeweils über 3 Samstage unter literaturwissenschaftlichen Aspekten mit deutschsprachigen Autorinnen und Autoren: In diesem Herbst ab 20. September mit Walter Kempowski und seinem Gesamtwerk.

I.+J.: Herr Miedtke, vielen Dank für dieses Gespräch!

 

(Jamilah und Ina, April 2008)