Norbert Hummelt: Interview

Hallo Herr Hummelt, wie geht es Ihnen? Ich würde Ihnen gerne ein paar Interviewfragen zu Ihrer Person und Ihrem Job stellen.

Hallo, gut und selber? Ja natürlich, setzen wir uns doch.

Herr Hummelt, Sie schreiben ja viel, wo und wann tun Sie dies denn am liebsten? Gibt es einen bestimmten Ort oder eine bestimmte Zeit?

Nein, man weiß nie, wann ich einen Einfall bekomme oder wo ich ihn bekommen. Das hängt alles von meiner „Eingebung“ ab. Früher habe ich meine Einfälle oft beim Gehen bekommen und dann in ein Notizbuch geschrieben, heute bekomme ich die Einfälle und arbeite sie dann am Schreibtisch aus. Grundsätzlich.

Können Sie sagen, warum sie so viele kreative Berufe ausüben?? Sie arbeiten ja nicht nur an Gedichten, sondern auch an Essays und haben sogar mit der Musikbranche etwas zu tun. Könnten Sie sich, für sich selbst jetzt, einen typischen „Bürojob“ vorstellen?

Nein, ehrlich gesagt, kann ich das gar nicht. Ich habe zwar früher Deutsch und Englisch auf Lehramt studiert, aber das habe ich dann aus den Augen verloren. Ich habe da übrigens auch mit dem Gedichteschreiben angefangen. Für den Lebensunterhalt habe ich damals aber ab und zu auch für Zeitungen geschrieben. Trotzdem stehen Gedichte bei mir im Vordergrund. Ich muss das einfach tun!

Das ist gut, sonst käme so interessantes Buch wie „Totentanz“ ja auch gar nicht zustande. Aber wie kommen Sie eigentlich zum Schreiben? Kann man sich das wie einen Motor vorstellen, den man anwirft, nutzen Sie Erfahrungen zum Schreiben? Wie ist das bei Ihnen?

Es sind natürlich auch viele Erinnerungen, die mich zum Schreiben bewegen. Generell ist es aber so, dass es einen irgendwann einfach „überkommt“. Man wird durch äußere Einflüsse geleitet, die das Dichten erst möglich machen. Dann muss dieser Stoff trotzdem noch verwandelt werden. Sinn und Klang müssen übereinstimmen. Nur der Sound oder nur der Ausdruck reichen für ein Gedicht nicht.

Sie sind jetzt ja schon seit Samstag da und haben schon an den „Poetry on the Road“ Veranstaltungen teilgenommen. Was ist das für eine Erfahrung, haben Sie sich schon mit anderen ausgetauscht?

Vorweg, es ist eine tolle Veranstaltung und war eine schöne Erfahrung. Es ist schön, dass so viel Zuspruch vorhanden ist.

Klar!! Ich habe mich natürlich ausgetauscht, einen Teil der Autoren kennt man von früheren Vorlesungen, Veranstaltungen etc. Es gibt aber auch jedes Mal neue Gesichter zu sehen, bei denen es bei einem Mal Begegnung bleibt.

Herr Hummelt, Ihr aktueller Gedichtband trägt den Namen „Totentanz“. Warum haben Sie diesen originellen Namen gewählt?

Na ja. Es gibt ein Drama, eine Novelle von Strindberg, die heißt auch so. Es geht um die Darstellung des Todes. An dieser Stelle, dem Ende des Lebens, sind alle Menschen gleich, es gibt keine Unterschiede mehr. Auch bei mir geht es in vielen Gedichten um den Tod, den Abschied. Meine Mutter ist z.B. gestorben und gleichzeitig durfte ich die schöne Erfahrung machen und Vater einer Tochter werden.

Das Spannungsfeld zwischen Leben und Tod. Es ist wie bei Gedichten. Aus “toten“ Worten werden in Gedichten lebendige gemacht. Man könnte es fast als Geheimnis der Poesie beschreiben.

Wow, vielen Dank für das Interview Herr Hummelt. Es hat mir viel Spaß gemacht!

Mir auch, gerne geschehen.

 

Dieses Gespräch führte Jamilah Issifou am 22.05.2008 im Wallsaal der Zentralbibliothek Bremen.

Sinngemäß transkribiert von Jamilah Issifou

 

Weitere Fragen an Herrn Hummelt können unter dieser Mailadresse gestellt werden:

hummelt@online.de

 

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