Norbert Hummelt: Workshop

Workshop mit Norbert Hummelt am 19.5.2008

workshop literatur hatte Norbert Hummelt zu Literaturworkshops mit OberstufenschülerInnen des SZ a.d. Kurt-Schumacher-Allee  in die Stadtwaage eingeladen. 

Jamilah, Schülerin und Berichterstatterin von workshop literatur, war beim ersten Workshop dabei und hat ihre Eindrücke aufgeschrieben.

Montagmorgen, 10 Uhr, die letzten Schüler der 11. Klasse des SZ a.d.Kurt-Schumacher setzen sich mit gespannten Gesichtern an die Tische in der Stadtwaage. 1 ½ Stunden werden sie zusammen mit Norbert Hummelt, Autor der Buches „Totentanz“, an einer Einführung zum Thema „Schreiben“ teilnehmen…

Die Hefte werden herausgekramt, die Stifte gespitzt, dann fängt Herr Hummelt an, sechs seiner renommierten Gedichte zu lesen: Totentanz, Tabu, Blues, Pans Stunde und Mohn sind darunter. Die Schüler lauschen gespannt der festen, zum Teil etwas monotonen Stimme Norbert Hummelts. Ein lauter Applaus. Anschließend bekommen die Schüler Zeit, dem Autor ein paar Fragen zu stellen: „Haben Ihre Gedichte einen politischen Hintergrund? Schreiben Sie aus Erfahrungen? In Ihren Gedichten findet oft eine Isolation statt, ist das beabsichtigt, warum?“ Und dann, die Überraschung für alle, ein Schüler meldet sich und bemerkt, dass er selber Gedichte schreibt und eines davon dem Gedicht „Blues“ sehr ähnlich sei. Norbert Hummelt fordert ihn auf, es vorzulesen.

Eine „Spontanlesung“ eines Schülers zu Beginn eines Workshops, das habe ich bei den anderen Veranstaltungen bisher noch nie erlebt. Das Gedicht wird mit Applaus, Erstaunen und Respekt aufgenommen, denn wir alle sind, so glaube ich, erstaunt über jemandem in unserem Alter, der ein so außergewöhnliches Gespür für Poesie hat.

Dennoch wird er nicht der einzige bleiben, denn in der darauf folgenden halben Stunde  kommen noch viele andere mögliche Nachwuchsautoren ans Licht. Norbert Hummelt gibt eine Aufgabe vor:„Nennt mir sechs Wörter und schreibt dann ein kurzes, langes oder auch mittleres Gedicht, in dem diese Wörter vorkommen!“

Ein Murren, Flüstern! Der erste Finger: „Freiheit“. „Vogel“. „Seele“. „Straße“. „Auge“. „Laterne“. „Blut“. Sieben Wörter, sechs davon müssen verwendet werden. Welche sechs, steht jedem frei. Die Ergebnisse sind super und ganz unterschiedlich. Inhaltlich geht es um Sehnsucht, Liebe, Angst vor der Nacht bis zu Märtyrertum, Freiheit oder auch einfach über einen Vogel. Eine breite Palette an Themen zu nur sechs vorgegebenen Wörtern.

Die anschließende Feedbackrunde ist verblüffend. Es gibt eine sehr rege und kontroverse Diskussion über das Thema „Freiheit“, in der ganz deutlich wird, wie sehr der kulturelle Hintergrund der TeilnehmerInnen des Workshops auch den Inhalt der Gedichte beeinflusst.

Auch wenn sich die Runde bei der Definition von „Freiheit“ nicht einig wurde und der Autor hier und da mit etwas zu ausführlichen Beiträgen in die Diskussion eingriff, sicher ist, dass der Workshop spannend, kreativ, fordernd, unterhaltsam und lehrreich war. Und die Gruppe war toll! Es hat mir großen Spaß gemacht, dabei gewesen zu sein!

Jamilah

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