Ergebnisse aus den Workshops mit Thomas Melle am 25.1.2008

Der Untergang

Ich stand im Regen. Um mich herum nur grau-braunes Irgendwas. Keine Blätter an den Bäumen, keine Farbe in der Welt.  Es regnete. Entfernt hörte ich Explosionen und Schreie. Aber das war woanders. Irgendwo, aber nicht hier, nicht in meiner Welt.  Ruinen und Trümmer waren überall. Ich war allein. Allein in einer Welt aus Trümmern. Hinter mir war der Eingang: grauer, lebloser Stahlbeton und eine mehrere Zentimeter dicke Stahltür. Natürlich auch grau. Ich wusste, dass ich ein Niemand war. Aber war jetzt nicht sowieso alles unwichtig? Immerhin stand ich auf einem leeren Platz, ohne die letzten zwei Stunden mit irgendwem geredet zu haben, geschweige denn irgendwen gesehen zu haben. Vielleicht waren auch alle tot. Ich meine wirklich alle. Eiseskälte überkam mich und ließ mich frösteln. Was war, wenn ich alleine war…, alleine in einer Welt aus Trümmern?

(Til N.)

 

 

Clockwork Orange

Wenn du da so auf der Bühne stehst und dich hunderte Augenpaare anstarren, wie so’n wissenschaftliches Projekt oder was, das ist echt völlig Horrorshow. Und die Bilder der letzten Wochen, die sich in deinem Gehirn eingenistet haben, den Platz wo früher Gewalt, die Droogs und Sex herrschten, sie sind halt noch da, wie ein Tattoo eingebrannt…wahrscheinlich bleibt das auch so, wahrscheinlich wirst du immer verreckende Menschen vor den Augen haben, völllig irre ist das, und immer diese Musik, Beethoven oder so, und obwohl der echt was drauf hatte, ist das jetzt vorbei. Vor allem mit der 9. Sinfonie, da könntest du echt dein Gehirn auskotzen, weil sie sich nach Tod anhört, als ob gerade jemand seinen letzten Atemzug machen würd. Weißt du, wie die schon Dreivierteltoten halt atmen, das ist so ein Röcheln, und genau so klingt auch die 9. Sinfonie.
Und immer noch stehst du auf dieser verdammten Bühne, aber da sind jetzt auch Frauen, echte Bringer. Als ob die gleich sterben würden oder was, und das Publikum lächelt nur, halt weil du sie nicht anpackst, wie’s früher so deine Art war. Hey, die freu’n sich richtig, dass da einer steht, der’s gepackt hat, wochenlang gelitten, und jetzt sozusagen fast ein Held ist, der passt jetzt so richtig gut in die Gesellschaft, sagen die. Sieht gut aus, der Vergewaltiger, sagen sie. Aber bloß kein Wort über Bilder oder Beethoven, der’s echt drauf hatte, weil dein Innenleben deins bleiben muss, die dürfen ja nicht wissen, dass du gar keins mehr hast. Bist ja jetzt quasi perfekt für die.

( Alexandra Rieffers)