Thomas Melle: Lesung

scalecaiksj8f.pngWas bedeutet es eigentlich, „Förderpreisträger“ zu sein? Eine Nacht im Hilton-Hotel und ganz viele Reporter um einen herum? Essen in den teuersten Restaurants? Oder heißt es doch eher, beim Bäcker nebenan etwas Kleines kaufen?

„Ganz schön anstrengend, Preisträger zu sein.“ Thomas Melle muss erst einmal einen Schluck Wasser trinken, ehe er aus seinem preisgekrönten Buch „Raumforderung“ in der ÖVB vor ca. 60 SchülerInnen weiterlesen kann. Die Schüler lachen. Doch eigentlich ist uns Außenstehenden gar nicht so bewusst, dass Thomas Melle wahrscheinlich Recht hat. Für uns ist es sehr angenehm, ihm zuzuhören und über seine Geschichte nachzudenken. Manche von uns denken vielleicht sogar nur daran, dass das eindeutig besser ist, als Matheformeln zu pauken. Doch für den Preisträger bedeuten diese Lesungen ziemlich viel Stress.

Thomas Melle reiste am Donnerstag, den 24.1.2008 aus Berlin an. Bereits am Freitag um 10 Uhr gab er seinen ersten Workshop vor SchülerInnen aus dem Gymnasium an der Hamburger Straße. Am Samstag hatte er keine  Veranstaltung, dafür ging es dann in die Stadt, um Bremen und seine Kultur kennen zu lernen. Am Sonntag hatte er eine Lesung im Schauspielhaus, am Montagmorgen die Preisverleihung in der Oberen Rathaushalle und abends eine Veranstaltung, in der er seine augenblickliche Lieblingsautorin im Wallsaal der Stadtbibliothek vorstellte. Am Dienstagmorgen las er in der ÖVB vor SchülerInnen und am Nachmittag ging es wieder zurück nach Berlin.

Dazu kommt noch, dass ein Förderpreisträger meistens sein Debüt vorstellt, also bisher noch keine wirkliche Chance hatte, sich in den „Mittelpunkt“ der Literaturszene zu stellen. Manche von uns wissen wie es ist, wenn mehr als 30 Augenpaare und Kameras auf einen gerichtet sind, und man so tun muss, als sei alles in Ordnung. Es gibt Menschen, die haben damit kein Problem. Es gibt allerdings auch die Menschen, die dadurch total aufgeregt sind, schwitzen und nur hoffen, dass es alles gut geht.

Diese Personen haben deshalb auch gerne mal schlaflose Nächte. So zum Beispiel auch der Förderpreisträger des letzten Jahres Sasa Stanisic. Wie er im nachhinein über seine Zeit in Bremen meinte: „Ich habe gefühlte drei Minuten geschlafen.“

Doch was passiert mit Autoren, nachdem sie Förderpreisträger des Bremer Literaturpreises geworden sind? Gehen sie dann – wie in den Jahren davor- unerkannt in den Supermarkt um die Ecke oder werden sie doch von jemandem auf den Preis angesprochen?

Wir haben zum Glück noch Kontakt zu Sasa Stanisic. Er ist in Wien auf Plakaten zu sehen, Stadtschreiber von Graz und sein Roman „ Wie der Soldat das Grammophon repariert“ wird in diesem Jahr im Schauspielhaus in Graz aufgeführt. Außerdem wurde sein Roman in 20 andere Sprachen übersetzt. Unter anderem gibt es seine Bücher jetzt in Großbritannien, den USA, Israel und Korea.

Demnach scheint sich der Stress zu lohnen, auch wenn es ziemlich anstrengend ist, ein Preisträger zu sein. Wir sind gespannt, wie es mit Thomas Melle weitergehen wird und wünschen ihm weiterhin so viel Erfolg.

 

Lesung am 29.01.2008 im Konferenzraum der ÖVB in der Martinistraße

 

(Ina Möller)

 

Fotos von der Lesung in der ÖVB:

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