Thomas Melle: Workshop

Workshop mit Thomas Melle am 25.1.2008

Ein Mann mit einem Schmunzeln im Gesicht saß vor uns und begrüßte uns sehr herzlich zu seinem Literaturworkshop. Er saß sehr entspannt auf seinem Stuhl. Sein Blick wanderte im Raum umher, während er uns erzählte, wer er ist: Thomas Melle, 32 Jahre jung und wohnhaft in Berlin. Er erzählte uns, dass er in Tübingen, Austin (Texas) und Berlin studiert hat, und dass er in Amerika auch an Creative-Writing-Kursen teilgenommen hat, durch die er neue Impulse für sein Schreiben bekommen habe.

Thomas Melle las uns zum „Warmwerden“ einen Teil der Geschichte „Jonnas Baby“ aus seinem Buch „Raumforderung“ vor. Alle hörten gespannt zu, anschließend fragte er uns nach den Bildern, die beim Hören und Lesen seiner Geschichten bei uns entstehen und was wir z.B. über die titelgebende Geschichte „Raumforderung“, die wir alle ganz gelesen hatten, dachten. Nach ein paar stillen Minuten war das Eis dann gebrochen, und einige von uns erzählten, wie sie die Geschichte verstanden hätten oder fragten den Autor nach der Bedeutung des letzten Satzes, der einigen Rätsel aufgab. Dann ergab sich ein lebhaftes Gespräch, in dem viele Fragen gestellt wurden, und wir ganz viel über sein Arbeiten wissen wollten.

Wir hörten, was für ihn am kompliziertesten ist: Seine Geschichten zu kürzen! Wir erfuhren, dass manche Geschichten ganz schnell geschrieben wurden, innerhalb von zwei Tagen, und er für manche fast ein halbes Jahr gebraucht hat, dass er eigentlich nie nur an einer Sache arbeitet. Meistens schreibt Thomas Melle die Geschichten parallel zueinander oder hat noch Aufträge als Übersetzer und Werbetexter. Oder er schreibt Bücher für das Theater um. So hat er sich verschiedene Standbeine geschaffen, denn er sagt :„Schriftsteller zu sein und vom Schreiben leben zu können ist heutzutage gar nicht mehr so einfach“.

Er wurde von uns mit Fragen durchlöchert. Er hatte auch immer eine fixe Antwort. Nur bei zwei Fragen wusste er nicht so wirklich weiter. Die eine war, welche Geschichte er am liebsten mag. Er konnte uns zwar schnell sagen, dass es die „Dinosaurier in Ägypten“ sind, aber warum er diese Geschichte am liebsten mag, und warum er sie auf seiner Lesereise bisher nie vorgelesen hat, konnte er uns nicht sagen. Wir bettelten ein bisschen und so  bekamen wir die erste Seite seiner Lieblingsgeschichte vorgelesen. Die andere etwas zögernde Antwort kam, als er gefragt wurde, warum die Krankheit Krebs eine so große Rolle in seinem Buch spielt. Daraufhin wusste er keine wirkliche Antwort. Er meinte, ja, der Krebs zöge sich wie ein roter Faden durch das Buch, aber warum das so sei, wüsste er nicht. Es hätte sich beim Schreiben so ergeben.

Nach dieser ausgeprägten Fragerunde bekamen wir eine Schreibaufgabe von ihm: Wir sollten uns in eine Szene aus einem Lieblingsfilm von uns versetzen und sie aus der Ich-Perspektive und im Präteritum erzählen, wobei wir die Szene auch verändern durften.Wir hatten 20 Minuten Zeit. Zuerst musste man etwas überlegen, doch dann fingen alle an zu schreiben. Thomas Melle wollte ein paar Geschichten hören. Es waren in der kurzen Zeit wirklich schöne eigene Texte entstanden. Jeder hat danach die Möglichkeit, sie zu Hause noch weiterzuschreiben und zu verändern und sie dann auf der Website zu veröffentlichen

Zum Schluss erzählte uns Thomas Melle noch etwas Interessantes über sein eigenes Verhältnis zu seinem Buch. Er habe das Gefühl, dass sich seine Geschichten von ihm entfernt hätten, seitdem sie in einem Buch gedruckt seien. „Wie kleine Kinder, die laufen lernen und sich allmählich von den Eltern entfernen, allerdings noch wissen zu wem sie gehören!“, sagte er.

(Ina)

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