Doppel-U: Sonstiges

Sonstiges: Poetry im Kippenberg-Gymnasium am 14.5.2007 (Marika)

Es hat schon Tradition und ist immer wieder ein wahres Highlight!
Zum achten Mal gab es am Montag, 14. Mai 2007 in der Aula des Kippenberg-Gymnasiums im Rahmen des Poesiefestivals „Poetry on the Road“ Dichterlesungen für Schüler.

Auch dieses Jahr strömen um 10.00 Uhr morgens über 500 Schüler des Kippenberg-Gymnasiums, des Alten Gymnasiums und aus Vegesack in den großen Raum, der dann am Ende doch zu wenig Stühle hat!
Vorne auf der Bühne ist ein langer Tisch aufgebaut, an dem die acht Dichter aus sechs verschiedenen Ländern Platz nehmen. Die Dichter, die schon seit vier Tagen in Bremen Lesungen an den verschiedensten Orten gehalten haben, sind wohl alle ein bisschen müde, aber trotzdem voller Begeisterung mitgekommen, um vor den Schülern verschiedenster Klassenstufen zum Abschluss des Festivals einige Gedichte vorzutragen.
Für die musikalische Untermalung sorgt wie immer die Jazz-AG des Kippenbergs-Gymnasiums unter der Leitung von Herrn Frimel.

Es wird langsam ruhig in der Aula und die vielen Schüler blicken gespannt nach vorne. Einige kennen es schon, waren schon bei den letzten Jahren dabei und wissen, wie „Poetry im Kippenberg-Gymnasium“ ist. Doch auch sie sind gespannt, was die Dichter dieses Jahr bieten werden. Stets gab es lustige, manchmal unverständliche, ab und zu langweilige, dann wieder interessante und schöne Gedichte und Darbietungen. Und jedes Jahr war es etwas anderes.

Nach einer kurzen Ansprache des Direktors, Herrn Pribbernow, der noch mal allen Dichtern und besonders Frau Regina Dyck, der Festivalleiterin, dankt, beginnt der Bremer Dichter Michael Augustin, für viele ein bekanntes Gesicht im Kippenberg. Er, der es mit seinen ironischen und pointierten Texten immer wieder schafft, das Bremer „Poetry – Publikum“ zu begeistern, moderiert das Programm.
Hamid Skif, ein algerischer Dichter, der zurzeit in Deutschland lebt, da er nach einem Bombenanschlag auf sein Haus aus Algerien flüchten musste, beginnt. Zwei seiner französisch geschriebenen Gedichte werden erst auf Deutsch, dann von ihm noch mal auf Französisch vorgetragen. Gerade seine Betonung ist ganz besonders. Auch wenn man kein Wort französisch versteht, folgt man seinem Vortrag gespannt. Dies ist überhaupt ein Phänomen der Lesung: Den fremdsprachigen Gedichten zu folgen, die unbekannten Wörter und Laute zu hören und auf diese Weise die Poesie der Sprache wahrzunehmen.

Nun folgt Daniel Falb aus Deutschland, der jüngste Dichter beim Festival. Er liest aus seinem ersten Buch, das gleich ein Erfolg war. Und das auch zu Recht. Wir hören zwei Gedichte, die etwas mit Flucht zu tun haben und ein Liebesgedicht. Er verwendet wunderschöne Metaphern und man denkt automatisch darüber nach, was er wohl meinen könnte. Seine Gedichte müssen natürlich nicht übersetzt werden.

Bei Übersetzungen ist es immer schwierig, genau die Worte zu wählen, die ausdrücken, was der Dichter meinte, als er das Gedicht schrieb. Dies wird auch bei dem nächsten Dichter deutlich: Shimon Adaf aus Israel, der nicht nur Dichter, sondern auch Musiker ist, schreibt auf Hebräisch. In einem Workshop in Zusammenarbeit mit einem Dolmetscher und der deutschen Dichterin Marion Poschmann wurden seine Gedichte vom Hebräischen ins Deutsche übersetzt und das, obwohl er kein Deutsch und Marion Poschmann kein Wort Hebräisch kann. Ein für beide interessantes Experiment, dessen Früchte wir nun kosten konnten. Auch wenn Shimon Adaf selbst sagt, die Musik sei ihm wichtiger, sind auch seine Gedichte sehr schön. Begeistert klatscht das Publikum, als der in Israel bekannte Musiker spontan zur E-Gitarre greift und einen seiner Songs präsentiert – eine deutsche Premiere! Ob Marion Poschmann ihren Stil bei der Übersetzung in die Gedichte von Shimon Adaf mit einfließen ließ, können wir als nächstes prüfen. Es wird schnell klar, dass auch sie in ihrer Poesie einen ganz eigenen Stil hat. Sie hat übrigens für ihre Texte ein Stipendium bekommen und arbeitet für einige Monate ganz in der Nähe Bremens, in Worpswede.
Michael Augustin hat mit einer Aneinanderreihung von Fragen zum Thema „Gedichte“ die Lacher des aufmerksam lauschenden Publikums auf seiner Seite. Aber auch Gabriel Rosenstock aus Irland bringt mit seinem Gedicht über einen Wecker im Kühlschrank die Schüler zum Lachen. Er sei ein Dichter, der die Poesie atmet und lebt, so stellt ihn Michael Augustin vor. Seine Gedichte werden von dem Berufsübersetzer Hans-Christian Ösen auf Deutsch vorgetragen. Nach dem Gedicht über den Hass, in dem er sich mit dem Irak -Krieg auseinandersetzt und dem schon erwähnten „Wecker– Gedicht“, begrüßt der koreanische Dichter Kim Kwang-Kyu uns in fließendem Deutsch. „Hallo, meine Lieben!“, sagt er in die Menge und ist in den Herzen der Schüler gelandet. Er ist Germanistikprofessor in Korea und hat selbst in München gelebt. Er sagt grinsend: „Ich möchte euch zeigen, dass wir in Korea nicht nur Mobilphones und Fußballmannschaften haben, sondern auch Sprache und Lyrik!“ Und dies zeigt er dann auch. Die Schüler klatschen begeistert, als er Deutsch spricht und am Ende sogar sein letztes Gedicht selbst auf Deutsch vorliest.
Und auch der gebürtige Marokkaner Mustafa Stitou, der in den Niederlanden lebt, begeistert mit seinen Gedichten, die er selbst auf Deutsch vorträgt!

Dann ist das achte „Poetry an Kippenberg“ vorbei. Nachdenklich, angeregt und begeistert gehen die Schüler aus der Aula nach draußen. Und auch die Dichter äußern beim anschließenden Frühstück im Vietorhaus, wie gut ihnen diese Lesung vor den Schülern gefallen hat. Es sei verständlich, meinen sie, dass dies auch einer der Lieblingsprogrammpunkte von Regina Dyck sei. Kim Kwang-Kyu spricht noch ein Lob an die Schüler aus: „Ich habe Lesungen an Universitäten in Amerika und Deutschland gehalten. Aber so aufmerksam, wie die Schüler hier waren, waren die Studenten nicht!“
Abschließend ist zu sagen, dass „Poetry im Kippenberg-Gymnasium“ nicht nur für die Dichter, sondern auch immer wieder für die Schüler, die hier die Chance bekommen, moderne, zeitgenössische internationale Dichter zu hören, ein Erlebnis ist!

 

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Marika G.