Saša Stanišić: Lesung

 

sasastanisic2Der Raum ganz oben in der ÖVB ist groß und hell. Die Stühle sind fast alle besetzt, als auch die Letzten kommen und sich aufgeregt hinsetzen. Gleich wird Sasa Stanisic aus seinem preisgekrönten Roman lesen…

Wie das wohl wird? Nach ein paar Begrüßungsrworten, setzt sich Sasa Stanisic an das Mikrofon vorne im Saal. Es spricht mit ganz leichtem Akzent, ist jung, lacht und verbreitet lockere, nette Stimmung. Die Schüler verschiedener Bremer Oberstufen setzten sich gerader hin, um ihn zu sehen, während er anfängt, aus seinem Roman kleine Stellen vorzulesen: Über die herzliche Familie des jungen Aleksandar, über die Flucht, den Krieg und über die neue Heimat.

An einigen Stellen wird gelacht, an anderen bedrückt geschwiegen. Er liest lebendig. Man hört gerne zu und ist von der Sprache, der Geschichte und dem jungen Autor begeistert.
Nach der Lesung ist Zeit für Fragen. Erst schüchterne Zurückhaltung. Dann trauen sich die ersten und man erfährt über sein Leben, das ein bisschen dem von Aleksandar gleicht. Aber viele Kriegserlebnisse im Roman seien die von anderen, sagt er. Lange habe er für diesen Roman recherchiert. Drei Jahre habe es gedauert. Er war in Jugoslawien, hat mit seiner Mutter telefoniert, die ihn erst auf den Gedanken brachte, einen Roman zu schreiben. „Ich schreibe, um nicht zu vergessen!“, lächelt er. Er gibt Buchtipps, fragt nach den Lieblingsbüchern des Fragers, bekennt, dass er HSV-Fan ist und meint, der HSV steige ganz sicher nicht ab, was einiges Höhngelächter in den Schülerreihen auslöst. Er lacht mit.
„Zum Schreiben gehört eine Menge Disziplin!“, gibt er zu. Da er sein eigener Chef sei, muss er sich immer öfter sagen: „Sasa, du setzt dich jetzt hin und schreibst!“ Nach und nach wird das, so sagt er, zu einer Routine. Zwei Seiten pro Tag. Er vergleicht es mit Muskelaufbautrainig. „Schreibaufbautraining“, grinst er.
Auf die Frage, was denn nun seine Heimat sei, sagt er: „Heimat ist da, wo das Glück am größten ist!“ Und zur Zeit sei das bei ihm in Deutschland.

Lesung am 25.01.2007 im Konferenzraum der ÖVB in der Martinistraße

(Marika G.)

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