Benjamin Lauterbach: Lesung

Ein Reiseabend!

Völlig außer Atem kam Benjamin Lauterbach am Donnerstag Abend zu seiner Lesung in die Stadtbibliothek. „Stau auf der Autobahn“, wurde uns gesagt. Doch eigentlich kann dies für Benjamin ja gar nicht so schlimm sein. Wer weiß, vielleicht hat sich daraus für ihn eine neue Geschichte ergeben!

 

Lauterbachnah123.jpgHerr Miedtke, Vorstandsmitglied des Virtuellen Literaturhauses Bremen, führte uns zunächst in die Idee des Virtuellen Literaturhauses ein: „Es will eine Plattform für Schriftstellerinnen und Schriftsteller sein, die sich und ihre Werke hier präsentieren und sich untereinander vernetzen können“, erklärte er uns. Das Virtuelle Literaturhaus vergibt jedes Jahr den Preis um die Bremer Netzresidenz. In diesem Jahr bekam ihn Benjamin für seinen Blog „Weltwohnen“, den er uns an diesem Abend vorstellte: Ein sehr persönlicher, poetischer Reisebericht im Netz (in den sich übrigens auch noch andere Autoren einklinken können), der uns unter anderem nach Barcelona, Kopenhagen, Israel und Budapest führte.
Benjamin warf mit einem Beamer, parallel zum Vorlesen seiner Texte, Bilder an die Wand, sodass man sich noch besser vorstellen konnte, was er alles erlebt hatte.

Zusammen mit seinen beiden Freunden Jens und Patrick führt sein Weg ihn zunächst nach Barcelona. Dort erleben sie einen Überfall! Gott sei Dank wird nichts gestohlen. Nächster Zwischenfall: Er wird von einer Prostituierten in den Schwitzkasten genommen, weil er kein Interesse lauterbach123.jpgan ihr hat. Eine andere Szene: Patrick erzählt seine Gedanken, die er beim Essen eines Fisches hat, dass er nämlich gerade ein Fischauge, Zähne, Rippe und das Gehirn eines Fisches verspeist hat.
In Kopenhagen wird es philosophisch. Benjamin beschäftigt sich mit seinem Leben und der Frage: Warum lebe ich eigentlich so? Da er kaum Geld hat und kein Wort dänisch versteht, reist er nach drei Tagen wieder ab. Es wird ihm alles zu viel.
Die nächste Reise führt nach Israel. Dort will er seine Tanten besuchen. Die eine ist 96, die andere 94. Sie mussten in der Hitlerzeit aus Deutschland flüchten, weil sie Juden waren. Die eine hat damals ihr Sofa mitgenommen. Sie hat ein gutes Haus und könnte sich auch ein neues Sofa leisten, doch das Sofa mit den Löchern muss einfach bleiben, viele Erinnerungen hängen daran! Nebenbei führt Benjamin uns durch die Altstadt Jerusalems an die Klagemauer zu einem extra abgegrenzter Bereich, in dem es für Frauen und Männer getrennte Zugänge gibt. Erst durch seinen Besuch wird Benjamin so vieles klar, was er nur aus Büchern und Erzählungen gehört hat. Hier ist es ihm ( und uns) ganz nah. Beide Tanten wollen Benjamin am Ende gar nicht mehr gehen lassen.
Zum Schluss sahen wir noch Ausschnitte aus seiner Reise nach Budapest.
Durch die Bilder, die parallel zum Lesen gezeigt wurden und auch die lebendigen Texte dazu, konnte man sich seine Reisen sehr gut vorstellen! Man hat gelacht und mitgelitten. Ein sehr gelungener Abend mit einem sehr netten Schriftsteller, der in einem Atemzug die Herzen aller eroberte, weil seine Geschichten so normal sind.

 

Lesung am 27.9.2007  im Wallsaal der Zentralbibliothek Bremen

(Ina Möller)

 

{gallery}veranstaltungen/27_sept-benjamin-lauterbach{/gallery}