Saša Stanišić: Workshop

Workshop mit dem Förderpreisträger Sasa Stanisic am 29.1.2007

Schon nach wenigen Minuten wurde uns allen klar, Sasa Stanisic ist nicht nur nett, sondern auch noch ein Mensch, bei dem einem nichts peinlich sein muss. Er entlockte uns die schlimmsten Peinlichkeiten und ließ uns eigene Geschichten schreiben. Was passierte alles bei den Workshops am 29.1. 2007 im Wallsaal der Stadtbibliothek?

Wir waren nach der Lesung von Sasa Stanisic alle gut gestimmt und freuten uns auf den jungen Autor.Wie ist ein Mensch so drauf, wenn er Romane mit dem Titel “Wie der Soldat das Grammofon repariert“ schreibt? Denkt er an Grammofone oder Soldaten? Hatte er so eine schlimme Kindheit? Und ist er dadurch erwachsener in seiner Art?

Natürlich hatten wir keine Ahnung, was auf uns zukommt und vor allem wussten wir nicht, warum wir das Wort “Scham” mit 160 Zeichen beschreiben oder unser peinlichstes Erlebnis in einer SMS festhalten sollten. Doch wir taten, was er von uns haben wollte, und so hatten wir eine Menge netter SMS beisammen. Er wollte ein paar davon hören. Nachdem wir ausgiebig über das Wort “Scham” sprachen, las Sasa Stanisic uns eine Textstelle im Buch vor, in der der junge Aleksandar in eine zwiespältige Situation kommt. Wir vertieften uns in diese Textstelle und sprachen darüber, ob wir unsere Eltern gegenüber einem Polizisten, der Zwiebeln klaut, verleugnen würden. Aber ist ein Polizist, der Zwiebeln klaut, als Autorität ernst zu nehmen? Sasa Stanisic bat uns darum, einen anderen Schluss für diese Textstelle zu finden. Alle von uns machten Aleksandar zu einem mutigeren Jungen, als er in der Geschichte ist. Doch welcher Junge ist sympathischer? Der schüchterne oder der etwas mutigere?
Die Mädchen tendierten zum schüchternen, die Jungs fanden den mutigen doch etwas besser. Schneller als wir dachten waren die anderthalb Stunden um. Der Abschluss war, dass wir eine Prosa- Miniatur schreiben sollten. Als dies getan und Sasa ordentlich beklatscht wurde, stürzten doch recht viel von uns zu ihm und wollten ein Autogramm haben.
Doch wie ist dieser junge Autor? Aus dem Mund von wirklich allen kann man sagen: Sasa Stanisic ist nicht ein überheblicher Mensch, der sich höher stellt, sonder eher der nette Nachbarsjunge, dem man schnell Vertrauen schenkt und bei dem das Schreiben sehr viel Spaß macht. Und man erkennt in ihm die Hauptfigur aus dem Buch wieder – Aleksandar ähnelt Sasa doch ein bisschen.

Ina Möller

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